Tag 3 - Find Penguins
April 13 in South Africa ⋅ 🌙 19 °C
Meine innere Uhr hat mich gegen 5:30 Uhr geweckt, deutlich zu früh. Unser Wecker klingelte erst kurz vor sieben Uhr.
Um 7 Uhr gingen wir frühstücken. Das Frühstück im Hotel Charles Hope Cape Town war der absolute Wahnsinn. Die Bedienung war nett, fast schon etwas zu flirty. Aber scheinbar ist das hier einfach so – zumindest hatten wir mittlerweile das Gefühl einer gewissen Kontinuität an Freundlichkeit gegenüber Menschen erleben zu dürfen 😁🤪
Gegen 8 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Chapman’s Peak Drive, einer der spektakulärsten Küstenstraßen der Welt. Man bezahlt Maut für die Strecke und die Erwartungen sind entsprechend hoch. Die Umgebung ist ohne Frage atemberaubend und wunderschön. Und trotzdem hatten wir das Gefühl, den Moment irgendwie verpasst zu haben – als wären wir durchgefahren, ohne ihn wirklich zu greifen.
In Südafrika herrscht Linksverkehr. Zum Glück ist unser Auto mit Automatik ausgestattet, was die Sache deutlich entspannter macht. Trotzdem gibt es ein paar Verkehrsregeln, die anfangs für Stirnrunzeln sorgen. An Kreuzungen mit Stoppschild gilt: Wer zuerst hält, darf zuerst fahren. Kommen mehrere Autos gleichzeitig an, wird das zu einem höflichen Tänzchen aus Blicken und vorsichtigem Vortasten.
Weiter ging es zum Boulders Beach. Der Eintritt zum Nationalpark kostete 25 € pro Person – aber definitiv lohnenswert. Der Boulders Beach ist einer dieser Orte, die sich fast unwirklich anfühlen: weißer Sand, riesige runde Granitfelsen – und mittendrin eine Kolonie afrikanischer Pinguine. Nicht nur eine Handvoll, sondern hunderte tummelten sich am Strand, brüteten ihre Eier aus, watschelten aus dem Wasser oder bauten fleißig Nester. Auf einem Holzsteg läuft man direkt über das Reservat und schaut den Tieren beim Treiben zu. Richtig urig, wie sie mit ihrem watschelnden Gang so unglaublich beschäftigt wirken. Was viele nicht wissen: Die afrikanischen Pinguine stehen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten – umso schöner, sie hier so zahlreich zu erleben.
Unser nächster Stopp war Cape Point. Steiler Aufstieg, viele Treppen, steiniger Untergrund, schmale Pfade – Sporteinheit inklusive. Oben angekommen: 200 Meter tiefe Klippen, die sich fast senkrecht ins Meer erstreckten, ein alter Leuchtturm und dieser endlose Blick über den Atlantik.
Einen kurzen Abstecher machten wir noch zum Kap der Guten Hoffnung. Historisch ein riesiger Meilenstein: Als Bartolomeu Dias 1488 hier vorbeisegelte, war das der Beweis für den Seeweg nach Indien. Der Name „Kap der Guten Hoffnung“ steht genau dafür: Hoffnung auf neue Handelsrouten.
Aber das allerwichtigste: das Schild am Parkplatz. Es bildete sich bereits eine Schlange. Jeder wollte ein Bild mit der Aufschrift „Cape of good hope - the most south- western point of the african continent“
Wir machten schnell ein Bild und fuhren weiter Richtung Osten.
Bevor wir uns auf die Garden Route begaben, wollten wir noch Vorräte auffüllen. Isabelle recherchierte den günstigsten Supermarkt und fand Shoprite. Ohne groß nachzudenken fuhren wir Richtung Mitchells Plain und merkten erst auf dem Parkplatz, dass wir mitten in einem Township standen. Im ersten Moment fühlte sich dieser Ort falsch an. Doch dann sprach uns ein Mann in Warnweste an und bot an, auf unser Auto aufzupassen – und plötzlich war da dieses Gefühl von Sicherheit.
Am Eingang des Einkaufszentrums lag ein Tierladen. Schon einige Meter vorher verspürte man ein beißenden Geruch in der Luft. Kurz überlegten wir umzudrehen, aber die Zuversicht, hier einkaufen zu können, war größer. Drinnen wurden wir mehrfach freundlich gefragt, ob wir Hilfe brauchen. Wir lehnten ab – nicht aus Unhöflichkeit, sondern weil wir immer noch kein Kleingeld hatten. Wer Hilfe annimmt, gibt Trinkgeld, üblich sind 5–10 ZAR (25–50 Cent). Wir hatten aber nur die 200-ZAR-Scheine vom Flughafenautomaten. Also kauften wir zwei kleine Flaschen Cola, ließen den Schein wechseln – und konnten uns beim Autowächter mit 10 ZAR und einem Muffin bedanken.
Der Einkauf war ebenfalls erfolgreich getätigt 💪🏽
Später googelte ich Mitchells Plain. Der Ort taucht kaum in einem Reiseführer auf, und das hat seinen Grund – für Touristen ist ein Besuch allein nicht wirklich empfehlenswert. Der Grund: sozialen Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit und Kriminalität.
Nach dem Einkauf fuhren wir weiter zur R44. Zuvor aber noch durch den Stau an den Slums von Kapstadt. Auto verriegelt, Anspannung spürbar. Ehrlich gesagt war das beklemmender als der Einkauf im Supermarkt. Am Straßenrand erstreckten sich unzählige kleine Wellblechhäuser, dicht an dicht, wie in einer Sardinendose zusammen gedrückt. Hier wohnen Menschen? Unvorstellbar 🙁
Auf der R44 entschädigte uns die Strecke für alles: hinter jeder Kurve ein neuer Blick aufs Meer.
Gegen 18 Uhr erreichten wir unseren ersten Campspot. In Südafrika ist wildes Campen nicht erlaubt, jeder offizielle Platz ist eingezäunt – was ein beruhigendes Gefühl gibt. Wir bauten das Dachzelt zum ersten Mal auf und erkundeten das Auto und seine Utensilien.
Am Abend sprach uns noch ein Nachbar an, der vom nahen Strand schwärmte und einen morning swim empfahl.
Na, mal schauen ob wir morgen aus den Federn kommen und uns für das kalte Nass begeistern können.
Heute schlafen wir jedenfalls nur wenige Meter vom Ozean entfernt, begleitet vom Rauschen der Wellen und dem Zirpen der Grillen.Read more
Tag 2 - Ankunftstag
April 12 in South Africa ⋅ 🌙 19 °C
Der Flug nach Kapstadt startete mit etwas Verspätung um 21:30 Uhr – aber ich war vorbereitet: Kompressionsstrümpfe an, Nackenkissen rein, Sitzplatz 31F eingenommen. Kaum hatten wir die optimale Flughöhe erreicht, gab es auch schon Abendessen.
Die Auswahl auf dem Bildschirm vor mir war grenzenlos: von Barbie über Catwoman, alle Harry-Potter- und Hobbit-Filme sowie etliche Marvel-Produktionen. Ich entschied mich für Aquaman: Lost Kingdom. Kurz vor Ende des Films konnte ich kaum noch die Augen offen halten und entschied mich für ein kleines Nickerchen – aufgewacht bin ich zwei Stunden vor der Landung in Kapstadt. Der Wahnsinn. Ich habe einfach den kompletten Flug verschlafen. 😂
Kurz vor der Landung gab es noch eine nach Pappe schmeckende Apfelrolle…. Oder war es doch Pudding 😂🤷🏽♀️ Der Hunger hat’s geregelt – Genuss ist aber definitiv etwas anderes. Gefühlt habe ich bei Langstrecken-Economy-Flügen schon deutlich besser gegessen.
Pünktlich kurz nach 9 Uhr landeten wir auf südafrikanischem Boden. Nach dem Kauf einer eSIM, etwas Bargeld am Schalter und einem kurzen Fußmarsch zur Autovermietung Avis, wartete unser Gefährt – etwas abseits des Flughafens, in einer Lagerhalle, auf uns. Nach dem Papierkram wurde uns das Auto vorgestellt: ein SUV Line Safari Camper B, gebucht mit Premium-Paket und allem was dazugehört.
Der erste Eindruck? Sensationell. In all meinen bisherigen Offroad-Abenteuern habe ich noch nie ein so gepflegtes und gut ausgestattetes Fahrzeug bekommen – und das zu einem Preis, bei dem man gerne zweimal hinschaut.
Was das Auto wirklich alles kann, werden wir in den nächsten Tagen herausfinden🤪🤪
Erstmal machten wir uns auf den Weg, um eine Kleinigkeit einzukaufen – nur etwas Wasser und einen Snack für zwischendurch. Da wir die erste Nacht im Hotel verbrachten, brauchten wir noch keine großen Vorräte. Nach einem schnellen Einkauf und einem Mittagessen im Restaurant nebenan ging es weiter zum ersten echten Highlight des Tages.
Der Tafelberg ist das Wahrzeichen von Kapstadt. Ein gigantischer Berg inmitten der Stadt, etwa 1.086 Meter hoch und mit einer auffallend geraden Oberfläche – daher auch der Name - Tafelberg.
Mit der Seilbahn ging es in wenigen Minuten nach oben. Die Seilbahn wurde 1929 eröffnet und 1997 auf drehbare Gondeln umgerüstet. Während der Fahrt dreht sich das Innere der Gondel einmal komplett – so bekommt jeder automatisch den vollen Rundumblick.
Nach etwas Zeit auf dem Tafelberg fuhren wir noch zum Signal Hill. Der Berg liegt direkt neben dem Lion’s Head und gehört zur Bergkette rund um Kapstadt. Ein kurzer, aber schöner Stopp. Von oben hat man nochmal einen ganz anderen Blick auf die Stadt, mit dem Tafelberg im Hintergrund.
Ehrlich gesagt: Unwohl habe ich mich zu keiner Zeit gefühlt – aber es waren deutlich weniger Touristen auf dem Signal Hill als auf dem Tafelberg. Man hatte eher das Gefühl, unter Einheimischen zu sein. Ein bisschen befremdlich, aber trotzdem eine Erfahrung wert.
Den Abschluss machte die V&A Waterfront – und die war voll. Touristen wohin man schaute. Als historisches Hafenviertel mit über 450 Geschäften und jeder Menge Restaurants war es trotzdem der perfekte Abschluss für den ersten Tag in Kapstadt.
Am Abend musste ich leider noch feststellen, dass ich den falschen Adapter für Südafrika gekauft habe 🫠🙄Read more
Tag 1 - Los geht’s
April 11 in Germany ⋅ ☁️ 16 °C
Meine Reise startet um 12 Uhr in Ravensburg. Derzeit und noch bis Mitte Mai fahren keine Züge zwischen Friedrichshafen und Ravensburg, wodurch meine Haltestelle entfällt. Ein sehr guter Freund hat den Chauffeurdienst übernommen. Besser hätte es kaum starten können. Danke dafür 🫶🏼
Heute startet unsere zweiwöchige Reise zwischen Küste, Safari, Offroadabenteuer und Weinregion – einmal quer durch Südafrika. Mit dabei ist Isabelle, eine langjährige Freundin aus Stuttgart.
Am Flughafen wird mir direkt klar: Das hier fühlt sich anders an als meine letzten Reisen.
Zum ersten Mal seit Langem checke ich wieder einen Koffer ein. 23 kg sind erlaubt, 16 habe ich gepackt – und gefühlt die Hälfte davon besteht aus Sonnencreme, Duschgel und Kosmetik.
Früher hätte ich wahrscheinlich deutlich mehr eingepackt. Mittlerweile weiß ich: Man braucht meistens weniger, als man denkt. Und wenn doch etwas fehlt, gibt es immer noch Waschsalons oder Supermärkte.
Während ich so durch den Flughafen laufe, muss ich an eine andere Reise denken.
Hätte man mich im November 2023 gefragt, ob ich nochmal nach Afrika fliegen würde, hätte ich wohl dankend abgelehnt.
Damals war ich drei Wochen in Madagaskar. Der Urlaub war vielfältig, Flora und Fauna waren spektakulär und das Abenteuerlevel auf dem höchsten Niveau. Jedoch hat die Armut in dem Land den gesamten Urlaub geprägt. Man hat als Europäer keine Vorstellung, was Armut bedeutet. Die Armut in unserem Land ist keineswegs vergleichbar mit der Armut in einem Land, welches zu den zehn ärmsten Ländern zählt. Ich habe Situationen erlebt, die hätte ich dem Moment lieber gegen eine Tüte Gummibärchen getauscht.
Und jetzt sitze ich hier, zweieinhalb Jahre später, auf dem Weg nach Kapstadt.
Südafrika gilt nicht gerade als das sicherste Reiseziel. Die Kriminalitätsrate ist hoch, vor allem Diebstahl und Raub sind weit verbreitet. Isabelle geht das Ganze entsprechend vorbereitet an und denkt mögliche Szenarien schon vorab durch.
Ich sehe es etwas pragmatischer: Risiko gibt es überall. Ob in Wien, an der italienischen Küste oder sonst irgendwo. By the way - in Italien habe ich vor Jahren mein iPhone an den italienischen Schwarzmarkt abgegeben - natürlich unfreiwillig.
Am Ende bleiben ein paar einfache Grundregeln, die wir beachten:
keine riskanten Viertel, keine Nachtfahrten, Auto immer verriegelt, nichts sichtbar liegen lassen und nur dort parken oder campen, wo jemand ein Auge drauf hat. Klingt simpel, ist aber wahrscheinlich entscheidend.
Nach etwa 2,5 Stunden mit Bahn und Bus komme ich in Stuttgart am Flughafen an. Dort habe ich Isabelle getroffen - meine Reisebegleitung für die nächsten zwei Wochen.
Der erste Flug führte uns gegen halb 7 nach Frankfurt. Nach nur wenigen Minuten auf Flughöhe startete die Crew auch schon wieder mit dem Landeanflug.
Der eigentliche Teil der Reise startet um 20:30 Uhr: zwölf Stunden über Nacht bis nach Kapstadt. Landung ist um 9:10 Uhr – deutscher Zeit 🤪
Jetzt bleibt nur noch eine Frage:
Schaffe ich es, im Flugzeug wirklich zu schlafen – oder liege ich die halbe Nacht wach und realisiere langsam, dass das hier gerade wirklich passiert?Read more





























Es ist immer wieder eine Freude zu lesen was du schreibst. [Mama]