Tag 10 - Baviaanskloof
20. april, Sydafrika ⋅ 🌙 9 °C
Meine Nacht war grauenvoll. Tausende Gedanken habe ich mir gemacht, schlecht geträumt, ständig aufgewacht, weil ich irgendein Tier gehört habe, und kalt war mir auch irgendwie.
Die Sonne geht um 18 Uhr unter und um kurz vor 7 Uhr wieder auf. Sobald sie hinter dem Horizont verschwindet, wird es kalt. Sobald sie morgens wieder hervorkriecht, wird es schnell spürbar wärmer. Aber so richtig lang hell ist es hier einfach nicht.
Gegen 8 Uhr fuhren wir los. Durch den geringen Reifendruck setzten wir unser Schneckentempo fort. Einige Kilometer nach Patensie wechselte die Straße zu Schotter und wir konnten unsere Reisegeschwindigkeit etwas erhöhen. Nach knapp 30 Kilometern erreichten wir endlich den Eingang des Offroadtracks Baviaanskloof.
An der Schranke meldete ich uns an und bezahlte die knapp 10 € Maut. Eine witzige Erfahrung war es, als der Schrankenwächter darum bat, dass mein männlicher Beifahrer ebenfalls Reisepass ID und eine Unterschrift leisten soll – sein Gesicht, als stattdessen Isabelle ausstieg🤪😎. Er nahm es etwas verdutzt zur Kenntnis. Was er wirklich dachte? Ob er uns für verrückt hielt oder insgeheim Respekt hatte, weiß man nicht. In der Regel machen solche Abenteuer eher Pärchen und oft fährt der Mann. Schon spannend zu sehen, aber für uns völlig in Ordnung. Ich bin eher stolz darauf, mich so etwas zu trauen, wo man eigentlich nur Männer erwartet.
Das erste Drittel des Baviaanskloof galt als anspruchsvoller als die letzten zwei Drittel. Die Straßenbedingungen für unser Geländewagen waren ein Kinderspiel. Er schnurrte ohne Schwierigkeiten die steinige Passstraße hoch und wieder runter. Die Bedingungen waren wirklich nicht anspruchsvoll, uns überholte sogar ein handelsüblicher Porsche-SUV. Der hatte weder besonders viel Bodenfreiheit noch dürfte er den Reifendruck gesenkt haben. Und auch wenn die Offroad-Schwierigkeit kaum gegeben war, mochte ich die Passstraße. Besonders am Kamm des Berges entlang zu fahren war atemberaubend – eine Straße nur wenige Meter breit, und direkt daneben der Abgrund in die weite Berglandschaft. Leider waren die meisten Flussdurchfahrten durch den langen, trockenen Sommer bereits ausgetrocknet. Nur vereinzelt hatten wir ein paar Matschlöcher, aber kein wirklich schwieriges Hindernis.
Nach fünf Stunden erreichten wir das Ende des Baviaanskloof. Tatsächlich etwas früher als ich erwartet hatte. Die restlichen 150 km verbrachten wir auf einer teilweise gut gepflegten Schotterstraßen. Aber auch dort gab es Abschnitte, in denen die wellblechartigen Straßenverhältnisse ausgiebig vorkamen. Mit unserem niedrigen Reifendruck wollte ich jedoch nicht zu schnell fahren, weil man bei einer gewissen Geschwindigkeit immer wieder das Gefühl hatte zu schwimmen.
Um den Fahrkomfort etwas zu verbessern, fragte ich bei der erstbesten Farm nach, ob sie einen Kompressor hätten, um den Reifendruck auf 2,3 bar zu erhöhen. Ich entschied mich gegen den vollen Reifendruck, da die Schotterpiste immer wieder schlechte Stellen aufwies. Der Mann half uns auf seine ganz eigene Art. Er hatte keinen passenden Aufsatz für die Reifen, und jedes Mal, wenn er den Schlauch herauszog, entwich eine ordentliche Menge Luft, bevor er das Ventil wieder aufschraubte. Irgendwie brachte er unsere vier Reifen trotzdem auf den gewünschten Druck.
Herzlichen Dank nochmal dafür!!
Als Dank wollte ich ihm Trinkgeld geben und bemerkte dabei, dass unser Kleingeld in der Mittelkonsole verschwunden war. Das konnten nur die Kinder an der Tankstelle in Patensie gewesen sein. Einen Moment unaufmerksam, und schon waren die gesammelten kleinen Scheine fürs Trinkgeld weg. Blöd gelaufen. Aber so ist das nunmal.
Weiter ging die wilde Fahrt. Diesmal konnte ich eine angepasste Geschwindigkeit wählen. Zwischen 50 und 80 km/h ist die perfekte Mischung aus Erschütterung und „bist du bekloppt, so schnell fährt man doch nicht“. Aber eins soll gesagt sein: Je langsamer man über die Wellblechpisten fährt, desto höher die Erschütterung und die Wahrscheinlichkeit, einen Nervenzusammenbruch zu erleiden.
Nach weiteren zwei Stunden hatten wir unser Ziel erreicht – Willowmore, das offizielle Ende der Offroadstrecke. Eigentlich hatte ich einen Caravan-Campingplatz herausgesucht, mit warmem Wasser und Strom, doch leider waren die Tore verschlossen und man konnte nur anrufen. Leider hatte unser Anbieter am Flughafen uns nur einen Internetvertrag gegeben – Anrufe empfangen ging, raustelefonieren leider nicht. Somit waren wir im ersten Moment gezwungen, weiter nach einem Schlafplatz zu suchen. Wir fanden einen – jedoch ohne Strom.
Nach dem Zeltaufbau kochte ich uns eine Reispfanne mit Gemüse. Die Gasflasche hat nur einen Aufsatz, also: Aufsatz drauf, Flamme an – erst Reis kochen, dann Gemüse, dann alles zusammen. Eine kleine Logistikaufgabe, aber das Essen schmeckte für die gegebenen Umstände richtig gut.
Ab dem Moment, wo die Sonne hinter dem Horizont verschwand, wurde es wieder ziemlich kalt. Zum Tagebuchschreiben legte ich mich unter die Decken ins Zelt. Die einzige Frage, die ich mir jetzt noch stellte: raus in die Kälte und aufs Klo oder warten bis morgen.Læs mere













Wieder einmal tolle Erfahrungen gemacht ,hauptsächlich mit dem Geld 😄 [Mama]