Tag 14 - Auf den Rücken der Pferde
24. april, Sydafrika ⋅ 🌙 17 °C
Ach, und an den Linksverkehr gewöhnt man sich tatsächlich auch langsam. In gewissen Stresssituationen besteht wohl immer noch Verwechslungsgefahr zwischen Blinker- und Scheibenwischerhebel. Der Blinker ist beim Linksverkehr nämlich rechts. Aber solange es nur die Hebel sind und man nicht Gas und Bremse durcheinanderbringt, sorgt es regelmäßig für ein kleines Schmunzeln. Keine Sorge – Gas und Bremse sind an der gleichen Stelle wie bei uns zu Hause.
Heute klingelte der Wecker relativ früh. Wir hatten noch etwa 150 km bis zu unserem ersten Reitabenteuer vor uns. Da wir gut aus dem Bett kamen und das Zusammenräumen reibungslos funktionierte, hatten wir am Zielort sogar noch Zeit für ein entspanntes Frühstück.
Die Bäckerei, die wir uns aussuchten, wurde auf Google mit 4,8 Sternen bewertet – und ich muss wirklich sagen, absolut verdient. Die Rosemead Artisan Bakery & Café hatte nicht ohne Grund diese sensationelle Bewertung. Das Frühstück war besser als erwartet.
Nach dem Frühstück waren es nur noch wenige Minuten bis zu unserem Treffpunkt. Der Touranbieter Westcoast Horse Trails bietet verschiedene Ausritte an. Wir entschieden uns am ersten Tag für eine Kombination aus Dünen, Safari und einem wilden Galopp entlang der Küste.
Auf dem Weg zu den Zebras und Giraffen durchquerten wir unterschiedlichstes Terrain. Zwischen Buschlandschaft und schmalen, sandigen Pfaden fanden unsere Pferde immer sicher den richtigen Weg. Eins wurde dabei schnell klar: Das Pferd entscheidet. Wenn man selbst meinte, die Richtung vorgeben zu müssen, blieb das Pferd auch gerne mal stehen. Sobald man die Führung wieder abgab, bewegten sie sich souverän und geschickt durch die teilweise dicht zugewachsene Landschaft.
Nach einiger Zeit entdeckte unser Guide schließlich die Zebras und Giraffen auf dem weitläufigen Gelände. Wir hatten Zeit für Fotos und Videos – und ehrlich gesagt, war ich einer Giraffe noch nie so unheimlich nah. Auch sie schien neugierig, hörte auf zu fressen und beobachtete uns ganz genau.
Nach einer Weile machten wir uns auf den Rückweg. Das Pferd unseres Guides war deutlich motivierter als unsere beiden, sodass wir immer wieder antraben mussten, um dranzubleiben. Beim letzten Antraben nutzte unser Guide die Gelegenheit und galoppierte plötzlich los.
Wir waren zwar vorher schon ein paar Mal getrabt und galoppiert, aber diesmal ging es deutlich schneller zur Sache. Unsere Pferde wussten genau, was sie tun – und für uns hieß es einfach: festhalten, genießen und den Moment erleben. Keine Zeit für Gedanken wie „Was wäre wenn…?“
Die südafrikanischen Pferde gelten übrigens als trittsicher, nervenstark und ausdauernd – und das hat man definitiv gemerkt.
Zum Abschluss führte uns unser Guide an einen kilometerlangen Sandstrand. Türkisblaues Wasser, keine Menschenseele weit und breit. Er fragte, ob wir Lust auf ein bisschen mehr Tempo hätten – und wir sagten natürlich ja.
Was dann kam, ist kaum in Worte zu fassen.
Mein Pferd, das ich zuvor in den Dünen immer wieder motivieren musste, überhaupt schneller zu gehen, war entlang der Küste plötzlich kaum noch zu bremsen. Einmal im Rennmodus angekommen, gab es nur noch eins: festhalten und los. Ab jetzt hieß es den Wind im Gesicht zu spüren und dieses wilde Gemisch aus Adrenalin und Vertrauen einfach zulassen.
Wir machten insgesamt drei Galoppeinheiten, mit kurzen Schrittpausen im flachen Wasser. Wobei „Schritt“ bei meinem Vierbeiner eher ein theoretisches Konzept war – für ihn gab es nur ein Tempo: Vollgas.
Was für ein unglaubliches Erlebnis.
Zurück im Stall verabredeten wir uns direkt für den nächsten Tag. Eigentlich dachten wir, besser kann es kaum werden und überlegten kurz, die Tour für morgen abzusagen. Doch die Besitzerin, die insgesamt rund 50 Pferde betreut, versprach uns ein noch einmal ganz besonderes Abenteuer. Einverstanden! Morgen Treffpunkt: 9.45 Uhr
Nach dem Ausritt hatten wir noch etwas Zeit und entschieden uns für einen Abstecher in den West Coast National Park. Der Park ist eigentlich bekannt für seine beeindruckende Blumenzeit im Frühling. Jetzt – außerhalb der Saison – war es eher ein netter Zeitvertreib, aber nichts, was man unbedingt gesehen haben muss.
Pünktlich vor Einbruch der Dunkelheit fanden wir einen Campspot und fuhren die 300 Meter zum Restaurant. Natürlich fährt man diese 300 Meter – zu Fuß und im Dunkeln unterwegs zu sein, ist in Südafrika einfach nicht empfehlenswert. Trotzdem fühlt es sich irgendwie falsch an. Aber Regeln sind Regeln.
Das RocXiBeach ist bekannt für seine Seafood-Gerichte. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und bestellten eine Platte für zwei Personen. Und ja – sie war ausgezeichnet.
Glücklich, erfüllt von diesem Tag und gut gesättigt, fuhren wir zurück zu unserem Campingplatz. Die Dame am Tor öffnete uns freundlich und wünschte uns eine gute Nacht.
Morgen startet unser zweiter Pferdetag – und irgendwo schleicht sich langsam das Gefühl ein, dass diese Reise viel zu schnell vorbeigeht
Heute ist unsere vorletzte Nacht im Dachzelt, bevor wir am Sonntagnachmittag unser Auto zurückgeben müssen.Læs mere














Ein wunderschöner Tag mit den Pferden auszureiten 🏇 [Mama]