Tag 15 - pferdiges Kulturerlebnis
25. april, Sydafrika ⋅ 🌙 16 °C
Heute machten wir nochmal einen Ausflug auf dem Rücken der Pferde. Die Eigentümerin der Pferde hatte uns ein besonderes Abenteuer versprochen. Puh – ehrlich gesagt fand ich den Tag ziemlich zäh und ohne den wilden Galopp am Ende hätte es für mich wohl kein Highlight gegeben. Aber nochmal von Anfang:
Gegen 10 Uhr waren wir bei den Stallungen von West Coast Horse Trails. Die Pferde leben auch hier in einer Art Offenstall und werden nur zum Fertigmachen in Boxen gestellt. Mein heutiges Pferd – eine Schimmel-Araberstute. Eigentlich wie gestern, dachte ich mir. Aber dieses Pferd hatte definitiv Feuer unterm Hintern.
Wir waren etwa zwei Stunden unterwegs und sie hat es kaum für nötig gehalten, Schritt zu laufen. Sie tribbelte die ganze Zeit, sprang von links nach rechts und wieder zurück und ließ sich in den schnelleren Gangarten kaum hinter unserem Guidepferd halten. Irgendwie war sie genervt und unzufrieden. Aber egal, was ich machte, sie steigerte sich nur noch mehr in die Situation hinein. Denn eins wollte sie ganz sicher: vorne und schnell sein.
Man könnte jetzt sagen „oh man, wie nervig“, aber ehrlich gesagt hatte ich nur Mitgefühl mit der Araberstute. Glücklicherweise bot mir der Guide auf dem Nachhauseweg einen Pferdewechsel an. Vielleicht war das eine ganz gute Idee – so konnte sie als Führpferd ihr ganz eigenes Tempo wählen.
Gegen 12 Uhr kamen wir in !Khwa ttu an, einem Kultur- und Bildungszentrum. Hier hatten wir die Möglichkeit, Mittag zu essen und mehr über die Geschichte, Kultur und das heutige Leben der San zu erfahren. Die San gehören zu den ältesten bekannten Bevölkerungsgruppen der Menschheit. Doch vorweg: Wie überall haben die Europäer ihr Land eingenommen, sie verdrängt und ihnen das heutige Leben aufgezwungen.
Archäologische und genetische Hinweise deuten darauf hin, dass ihre Vorfahren seit zehntausenden Jahren im südlichen Afrika leben. Sie waren traditionell Jäger und Sammler, lebten in kleinen, mobilen Gruppen und hatten eine sehr enge Verbindung zur Natur.
Leben sie heute noch?
Ja, aber ihre Situation ist schwierig.
Es gibt keine exakten Zahlen, aber man schätzt, dass es insgesamt noch etwa 100.000 San gibt – verteilt über mehrere Länder. Ihre traditionellen Lebensweisen sind stark bedroht. Es gibt Gebiete, in denen die San in den letzten Jahrzehnten mehrfach umgesiedelt wurden – offiziell aus Naturschutzgründen, tatsächlich aber auch wegen wirtschaftlicher Interessen wie dem Diamantenabbau.
Heute leben viele San in einer Art Zwischenzustand:
Ein Teil versucht, traditionelle Praktiken zu bewahren.
Ein anderer Teil orientiert sich stärker an moderner Bildung und Jobs.
Beides gleichzeitig zu verbinden, ist nicht leicht.
Es war – wieder einmal – traurig zu lesen, dass die Europäer und ihre Gier erneut eine prägende Rolle in der Geschichte der Ureinwohner eines Landes spielten. Das größte Problem der heutigen Zeit liegt nicht unbedingt im Verlust von Land, sondern eher in der fehlenden Selbstbestimmung.
Wenn Menschen nicht mehr selbst entscheiden können,
• wie sie leben
• wo sie leben
• wovon sie leben
dann verändert das alles.
Die Vorstellung, dass einer der Stammesältesten am Straßenrand sitzt: Er kann Spuren lesen, weiß genau, wo man Wasser findet und welche Pflanze heilt. Aber dieses Wissen wird kaum noch gebraucht, niemand zahlt dafür und die Umgebung lässt es oft nicht mehr zu, diese Fähigkeiten anzuwenden. Natürlich kann man sagen, das ist der Wandel der Zeit – und dennoch finde ich es traurig, dass genau solche Menschen und ihr Wissen irgendwann aussterben.
Seltene Tierarten schützt man doch auch – warum nicht auch diese Art von Wissen?
Der Gedanke macht mich traurig 🥺
Gegessen haben wir übrigens Springbock und Rippchen. Isabelle und ich haben uns die Gerichte geteilt, so hatte jeder einmal das Vergnügen, ein südafrikanisches Tier zu probieren. Wie hat’s geschmeckt? Es war lecker – aber die Rippchen waren mehr mein Geschmack.
Nach all den Eindrücken machten wir uns wieder auf den Heimweg. Diesmal bekam ich das Pferd von unserem Guide und meine verrückte Schimmelstute durfte endlich die Führung übernehmen. Sie war immer noch verrückt – jedoch war es jetzt nicht mehr mein Problem.
Geplant war eine Ankunft um 15 Uhr, letztendlich angekommen sind wir kurz vor 17 Uhr. Der unbequeme Sattel führte zu unbeschreiblichen Gesäßschmerzen, die seltsame Lage der Schnallen zu blauen Flecken an den Waden. Das Schlimmste jedoch waren die Helme. Mein Helm – natürlich der größte im Sortiment und trotzdem zu klein – hing im Grunde nur noch an zwei losen Riemen, also statt eines Drei-Punkt-Systems eher ein einfacher Kinnriemen. Naja, die losen Riemen flatterten auf jeden Fall elegant im Wind.
Also nicht nur, dass der Helm zu klein war und eigentlich aus der Kollektion genommen werden sollte – ich glaube, in diesen Helm haben schon drölftausend Leute reingeschwitzt. Zumindest fing mein Kopf schon nach wenigen Minuten an zu jucken.
Unser Highlight des Tages: Als wir schon echt litten – unser Hintern brannte und Knie sowie Unterschenkel beleidigt waren von der vermutlich falsch sitzenden Schnalle – ging es nochmal mindestens fünf Minuten im gestreckten Galopp über den sandigen Feldweg Richtung Stallungen.
Als wir gegen 17 Uhr endlich ankamen, war ich gottfroh, endlich absteigen zu können.
Die Tour gestern mit den Dünen, der Safari sowie dem wilden Galopp am Strand war definitiv mein größtes Highlight. Das heute: etwas, was ich in dieser Kombination nicht mehr machen werde.
Isabelle und ich buchten eine Ferienwohnung. Heute Nacht soll es anfangen zu regnen und da wir morgen das Auto abgeben müssen und nicht das nasse Zelt am Morgen einpacken wollten, entschieden wir uns dafür.
Um den Abend noch etwas abzurunden, machte ich für Isabelle und mich selbstgemachte Käsespätzle. Ich habe ja extra meine Reibe mitgebracht. Das Mehl war nicht optimal gewählt, es sah aus wie schon mal gegessen – aber der Geschmack war fast ausgezeichnet. Gelungen ist es auf jeden Fall. Ein Foto gibt es trotzdem nicht 😜Læs mere








