Tag 1 - Anreise Ulaanbaartar
August 5 in Germany ⋅ ⛅ 22 °C
Eigentlich ist das nicht Tag 1 der Reise. In den vergangenen Wochen habe ich mir immer wieder Gedanken über mein Equipment gemacht, Besorgungen erledigt, Probe gepackt oder nach Informationen gesucht.
Eine Abenteuerreise: mit den Pferden durch den westlichen Teil der Mongolei.
Was mich erwartet, weiß ich nur vage. Drei Tage An- bzw. Abreise inklusive Puffertag für sämtliche Eventualitäten. Zehn Tage auf dem Rücken der Pferde, fernab jeglicher Zivilisation. Kein Strom, kein fließendes Wasser und wohl kaum einen Moment Privatsphäre.
Warum ich das mache? Ehrlich gesagt habe ich darauf selbst keine richtige Antwort. Vermutlich ist es mal wieder der Versuch, meine Komfortzone zu verlassen und meinem Körper, aber vor allem meinem ständigen Gedankenkarussell, eine andere Aufgabe zu geben. Das klingt fast schon therapeutisch. Bisher haben mir solche Reisen allerdings jedes Mal gezeigt, wie gerne ich anschließend wieder nach Hause komme, wie wichtig mir meine Routinen sind und dass ich nichts lieber tue, als zu arbeiten und meine Freizeit bei meinem Pferd zu verbringen.
Bis es allerdings so weit ist, gab es erst einmal einiges vorzubereiten.
Nachdem ich die Reise bereits im August 2025 über Wandermut gebucht hatte, bekam ich eine Packliste. In den vergangenen Wochen habe ich also recherchiert, überlegt und gekauft.
Vor Beginn der Reise wurde außerdem eine Gruppe erstellt, in der man sämtliche Fragen stellen konnte – über Ausrüstung, die erste Nacht im Hotel oder Organisatorisches. Insgesamt sind wir 16 Teilnehmer.
Was mich dabei tatsächlich etwas überrascht hat: Die meisten haben eher keine oder nur sehr wenig Reiterfahrung. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob allen bewusst ist, worauf sie sich einlassen. Ich bin wirklich gespannt. Ich vermute, dass es eine neue Art der Grenzerfahrung wird. Ich bin auf alle Eventualitäten eingestellt.
Ein bisschen Sorge habe ich schon, dass es am Ende so wird, wie wenn ein Skianfänger eine Gruppe aufhält, obwohl man eigentlich einfach nur gemeinsam Skifahren, Spaß haben und vorwärtskommen möchte. Andererseits kennt jeder seine eigenen Grenzen und vielleicht überraschen mich genau diese Menschen am Ende. Lassen wir uns einfach überraschen.
Die Route führt uns von Tag zu Tag weiter durch den Westen der Mongolei. Entlang eines Flusses, durch die Gebirge und immer begleitet von mongolischen Adlerjägern. Mehr weiß ich selbst noch nicht und vielleicht macht genau das den Reiz dieser Reise aus.
Auch das Wetter macht die Vorbereitung nicht gerade einfacher. Tagsüber können es angenehme 20 bis 30 Grad werden, gleichzeitig sind im Gebirge Schneestürme und einstellige Temperaturen keine Seltenheit. Also bleibt eigentlich nur das Zwiebelprinzip.
Folgendes Equipment hat deshalb Platz in meinem Koffer gefunden:
Oben: Merinowolle als unterste Schicht. Sie hält warm, auch wenn sie feucht ist, transportiert Schweiß gut nach außen und nimmt Gerüche nur langsam an. Darüber mehrere Zwischenschichten aus Fleece sowie eine Regen- bzw. Softshelljacke mit einer Wassersäule von 20.000 mm. Und wenn es wirklich kalt wird, reist auch mein Wintermantel mit.
Unten: eine normale Reithose mit gefütterten und wasserdichten Reitstiefeln. Im Alltag bereits getestet und für gut befunden. Bei Bedarf habe ich zusätzlich eine Regenhose dabei und vermutlich das allerwichtigste Kleidungsstück überhaupt: eine Radlerhose mit extra dickem Polster. Bei vermutlich vier bis acht Stunden täglich im Sattel bedankt sich am Ende wahrscheinlich jeder Sitzknochen über etwas zusätzliche Polsterung.
Natürlich dürfen Reithandschuhe und Helm ebenfalls nicht fehlen.
Neben der klassischen Reitausrüstung gab es allerdings auch Dinge, über die ich mir vorher noch nie Gedanken gemacht habe.
Da es in einer Steppe ohne Busch und Versteckmöglichkeit für eine Frau schwierig wird, mal eben kurz pinkeln zu gehen, habe ich mir eine Pinkelhilfe besorgt. Ich lege wirklich große Hoffnung in dieses kleine Teil und hoffe, dass ich nur Positives darüber berichten kann.
Nicht nur der Toilettengang wollte geplant sein, sondern auch das Thema Wasser.
Zur Auswahl standen Wasserfiltertabletten oder eine Filterflasche. Die Tabletten fallen für mich definitiv raus. Bevor mein Wasser nach Chlor schmeckt, trinke ich vermutlich lieber nichts. Deshalb habe ich mich für eine Filterflasche von Grayl entschieden. Laut Hersteller entfernt der Filter 99,99 % aller Viren und Bakterien sowie Schwebstoffe, Schwermetalle, Gerüche und Geschmäcker. Ob das Ganze hält, was es verspricht, werde ich während der Reise ausgiebig testen. Gekostet hat mich die Flasche rund 100 € und eine Kartusche filtert etwa 250 Liter Wasser.
Für den Geschmack, etwas Abwechslung und hoffentlich auch zur Vorbeugung habe ich außerdem kleine Tütchen mit Elektrolyten, Vitaminen und Koffein in Pfirsichgeschmack eingepackt.
Gedanken habe ich mir allerdings nicht nur über mich gemacht. Auch darüber, wie ich meinen täglichen Begleiter bei Bedarf belohnen kann. Industriell hergestellte Leckerlis wollte ich nicht mitnehmen. Deshalb habe ich mich für Hagebutten entschieden. Langsam angefüttert und in kleinen Mengen gefüttert, dürfte das die natürlichste Belohnung sein, die ich mitbringen konnte.
Natürlich blieb es nicht bei Kleidung und Verpflegung.
Weiteres Equipment: eine Kopflampe mit Ersatzbatterien, ein aufklappbarer Hocker mit Rückenlehne, eine Wärmflasche für kalte Nächte, Taschenwärmer für einen möglichen Schneesturm, eine Aufbewahrungsbox für Essen, ein Becher für andere Flüssigkeiten, ein Rätselbuch für lange Busfahrten, ein Schlafsack von meinem Arbeitskollegen Michael mit einer Wohlfühltemperatur von -16 Grad, ein Notizbuch, ein Mikrofaserhandtuch sowie biologisch abbaubares Shampoo, Mücken- und Sonnenspray.
Unser Gepäck ist übrigens auf 70 bis 90 Liter begrenzt. Vor Ort wird alles auf Packkamele verladen. Auf den Pferden selbst haben wir kleine Satteltaschen. Ich fliege deshalb mit einem großen Koffer in die Mongolei und werde vor Ort alles in wasserdichte Drybags umpacken.
Ein weiteres Thema, das überraschend viel Planung gebraucht hat, war der Strom.
Die Mitnahme von Powerbanks ist auf zwei Stück mit jeweils maximal 27.000 mAh im Handgepäck begrenzt. Diese beiden Powerbanks müssen also zehn Tage dafür sorgen, dass ich mein Handy laden kann. Nicht unbedingt, um nach Hause telefonieren zu können, denn Empfang wird es fernab der Zivilisation vermutlich ohnehin kaum geben. Viel wichtiger ist mir die Kamera. Laut ChatGPT kann man bei dieser Größe von Powerbank bei meinem iPhone 16 mit etwa fünf bis sechs vollständigen Ladungen rechnen. Wenn sich das bestätigt, habe ich keinerlei Bedenken, genügend besondere Momente mit nach Hause zu bringen.
Mindestens genauso viele Gedanken wie über den Akku habe ich mir allerdings über die Hygiene gemacht.
Jeder Teilnehmer soll Klopapier sowie ein Feuerzeug mitbringen. Außerdem Zip-Beutel für den eigenen Müll. Egal wo wir campen: Alles wird wieder mitgenommen. Nichts bleibt zurück.
Auch beim Thema Haare musste ich mir etwas überlegen. Ich habe mich dafür entschieden, meine Haare für die nächsten zehn Tage einzuflechten. Mein Kopf wird ohnehin die meiste Zeit unter einem Helm stecken. Da muss ich mir wohl kaum Gedanken darüber machen, wie meine Frisur aussieht. Ist wahrscheinlich sowieso hoffnungslos.
In der Packliste von Wandermut steht außerdem:
“Unterwäsche: Du brauchst nicht für jeden Tag frische Unterwäsche.” Ehrlich? Das ist etwas, was für mich überhaupt nicht infrage kommt. Katzenwäsche hin oder her. Eine frische Unterhose am Tag ist für mich definitiv ein Muss. Mein Ziel ist es, mich auch nach Tag acht irgendwo mitten in der Wildnis noch in meinem Körper wohlzufühlen.
Als letzten Punkt stand auf der Packliste, dass jeder eine kleine Überraschung für sein Team mitbringen soll. Ich habe 25 kleine Pferdestecker besorgt und hoffe, damit jedem eine kleine Freude machen und gleichzeitig eine Erinnerung an diese Reise schaffen zu können.
Jetzt ist jedenfalls alles gepackt. Zumindest hoffe ich das. Ob ich mir umsonst so viele Gedanken gemacht habe oder welches Ausrüstungsteil am Ende Gold wert sein wird, werde ich vermutlich schon in den ersten Tagen herausfinden
Am 5. August um 6.10 Uhr startete meine Reise in ein aufregendes Abenteuer.
Ein bisschen Wehmut begleitete mich auf der Zugfahrt nach Frankfurt. Die letzten Wochen auf der Arbeit habe ich selten unter neun Stunden gearbeitet. Ich bin auf Hochtouren gelaufen, um alles zu organisieren, vorzubereiten und abzuklären. Jetzt ist alles fertig und wenn ich in zweieinhalb Wochen zurückkomme, befindet sich mein Glasfaserprojekt bereits in den letzten Atemzügen.
Erleichterung, Angst, Ungewissheit und auch ein bisschen Stolz machen sich breit. Aber jetzt ist es erstmal wichtig, alle Verbindungen zur Arbeit offline zu stellen.
Nächster Halt: Abenteuerurlaub Mongolei.
In Frankfurt habe ich Chiara getroffen. Über die zuvor erstellte Gruppe haben sich alle Teilnehmer mit einem kleinen Video vorgestellt. Chiara wohnt sogar in meinem Landkreis, was für ein Zufall. Gestartet ist sie ihre Reise allerdings von ihrem Heimatort aus.
Wir haben uns schon vor einiger Zeit auf einen Kaffee getroffen, ein bisschen gequatscht und erste Erfahrungen ausgetauscht. Es war schön, am Flughafen direkt ein bekanntes Gesicht zu sehen.
Dort habe ich dann auch Denis kennengelernt, ein weiteres Mitglied unserer Gruppe. Gemeinsam haben wir uns die Zeit vertrieben, bis wir endlich unser Gepäck aufgeben konnten. 22,5 Kilogramm zeigte die Waage an. Punktlandung. Nachdem das Gepäck abgegeben war, mussten wir noch durch die Sicherheits- und Passkontrolle. Danach hieß es wieder: warten.
Das Boarding beginnt um 13.30 Uhr und dann geht es für acht Stunden Richtung Mongolei. Mit einer Zeitverschiebung von sechs Stunden landen wir schließlich in der Hauptstadt Ulaanbaatar.
Auch wenn die ersten Stunden eher von Wehmut geprägt waren und es mir schwerfiel, mich auf dieses Abenteuer einzulassen, steigt langsam die Vorfreude. Dieses Abenteuer wird sicherlich unbeschreiblich. Jetzt heißt es, mich darauf einzulassen, all die Eindrücke aufzusaugen, jeden Moment zu genießen und viele neue Erfahrungen zu sammeln.Read more









TravelerHallo liebe Selina,,wir wünschen dir einen erfolgreichen Urlaub schönen Urlaub viel Spaß und ohne Ärger 😘❤️
Meine liebe Selina, wünsche Dir einen tollen Urlaub, habe deine Worte wieder verschlungen beim lesen 🤗❤️ [Mama]
TravelerHej Selina, ich wünsche dir viel Spaß und tolle Erfahrungen, pass gut auf dich auf.