Tag 1 - Anreise Ulaanbaartar
August 5 in Germany ⋅ ⛅ 22 °C
Eigentlich ist das nicht Tag 1 der Reise. In den vergangenen Wochen habe ich mir immer wieder Gedanken über mein Equipment gemacht, Besorgungen erledigt, Probe gepackt oder nach Informationen gesucht.
Eine Abenteuerreise: mit den Pferden durch den westlichen Teil der Mongolei.
Was mich erwartet, weiß ich nur vage. Drei Tage An- bzw. Abreise inklusive Puffertag für sämtliche Eventualitäten. Zehn Tage auf dem Rücken der Pferde, fernab jeglicher Zivilisation. Kein Strom, kein fließendes Wasser und wohl kaum einen Moment Privatsphäre.
Warum ich das mache? Ehrlich gesagt habe ich darauf selbst keine richtige Antwort. Vermutlich ist es mal wieder der Versuch, meine Komfortzone zu verlassen und meinem Körper, aber vor allem meinem ständigen Gedankenkarussell, eine andere Aufgabe zu geben. Das klingt fast schon therapeutisch. Bisher haben mir solche Reisen allerdings jedes Mal gezeigt, wie gerne ich anschließend wieder nach Hause komme, wie wichtig mir meine Routinen sind und dass ich nichts lieber tue, als zu arbeiten und meine Freizeit bei meinem Pferd zu verbringen.
Bis es allerdings so weit ist, gab es erst einmal einiges vorzubereiten.
Nachdem ich die Reise bereits im August 2025 über Wandermut gebucht hatte, bekam ich eine Packliste. In den vergangenen Wochen habe ich also recherchiert, überlegt und gekauft.
Vor Beginn der Reise wurde außerdem eine Gruppe erstellt, in der man sämtliche Fragen stellen konnte – über Ausrüstung, die erste Nacht im Hotel oder Organisatorisches. Insgesamt sind wir 16 Teilnehmer.
Was mich dabei tatsächlich etwas überrascht hat: Die meisten haben eher keine oder nur sehr wenig Reiterfahrung. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob allen bewusst ist, worauf sie sich einlassen. Ich bin wirklich gespannt. Ich vermute, dass es eine neue Art der Grenzerfahrung wird. Ich bin auf alle Eventualitäten eingestellt.
Ein bisschen Sorge habe ich schon, dass es am Ende so wird, wie wenn ein Skianfänger eine Gruppe aufhält, obwohl man eigentlich einfach nur gemeinsam Skifahren, Spaß haben und vorwärtskommen möchte. Andererseits kennt jeder seine eigenen Grenzen und vielleicht überraschen mich genau diese Menschen am Ende. Lassen wir uns einfach überraschen.
Die Route führt uns von Tag zu Tag weiter durch den Westen der Mongolei. Entlang eines Flusses, durch die Gebirge und immer begleitet von mongolischen Adlerjägern. Mehr weiß ich selbst noch nicht und vielleicht macht genau das den Reiz dieser Reise aus.
Auch das Wetter macht die Vorbereitung nicht gerade einfacher. Tagsüber können es angenehme 20 bis 30 Grad werden, gleichzeitig sind im Gebirge Schneestürme und einstellige Temperaturen keine Seltenheit. Also bleibt eigentlich nur das Zwiebelprinzip.
Folgendes Equipment hat deshalb Platz in meinem Koffer gefunden:
Oben: Merinowolle als unterste Schicht. Sie hält warm, auch wenn sie feucht ist, transportiert Schweiß gut nach außen und nimmt Gerüche nur langsam an. Darüber mehrere Zwischenschichten aus Fleece sowie eine Regen- bzw. Softshelljacke mit einer Wassersäule von 20.000 mm. Und wenn es wirklich kalt wird, reist auch mein Wintermantel mit.
Unten: eine normale Reithose mit gefütterten und wasserdichten Reitstiefeln. Im Alltag bereits getestet und für gut befunden. Bei Bedarf habe ich zusätzlich eine Regenhose dabei und vermutlich das allerwichtigste Kleidungsstück überhaupt: eine Radlerhose mit extra dickem Polster. Bei vermutlich vier bis acht Stunden täglich im Sattel bedankt sich am Ende wahrscheinlich jeder Sitzknochen über etwas zusätzliche Polsterung.
Natürlich dürfen Reithandschuhe und Helm ebenfalls nicht fehlen.
Neben der klassischen Reitausrüstung gab es allerdings auch Dinge, über die ich mir vorher noch nie Gedanken gemacht habe.
Da es in einer Steppe ohne Busch und Versteckmöglichkeit für eine Frau schwierig wird, mal eben kurz pinkeln zu gehen, habe ich mir eine Pinkelhilfe besorgt. Ich lege wirklich große Hoffnung in dieses kleine Teil und hoffe, dass ich nur Positives darüber berichten kann.
Nicht nur der Toilettengang wollte geplant sein, sondern auch das Thema Wasser.
Zur Auswahl standen Wasserfiltertabletten oder eine Filterflasche. Die Tabletten fallen für mich definitiv raus. Bevor mein Wasser nach Chlor schmeckt, trinke ich vermutlich lieber nichts. Deshalb habe ich mich für eine Filterflasche von Grayl entschieden. Laut Hersteller entfernt der Filter 99,99 % aller Viren und Bakterien sowie Schwebstoffe, Schwermetalle, Gerüche und Geschmäcker. Ob das Ganze hält, was es verspricht, werde ich während der Reise ausgiebig testen. Gekostet hat mich die Flasche rund 100 € und eine Kartusche filtert etwa 250 Liter Wasser.
Für den Geschmack, etwas Abwechslung und hoffentlich auch zur Vorbeugung habe ich außerdem kleine Tütchen mit Elektrolyten, Vitaminen und Koffein in Pfirsichgeschmack eingepackt.
Gedanken habe ich mir allerdings nicht nur über mich gemacht. Auch darüber, wie ich meinen täglichen Begleiter bei Bedarf belohnen kann. Industriell hergestellte Leckerlis wollte ich nicht mitnehmen. Deshalb habe ich mich für Hagebutten entschieden. Langsam angefüttert und in kleinen Mengen gefüttert, dürfte das die natürlichste Belohnung sein, die ich mitbringen konnte.
Natürlich blieb es nicht bei Kleidung und Verpflegung.
Weiteres Equipment: eine Kopflampe mit Ersatzbatterien, ein aufklappbarer Hocker mit Rückenlehne, eine Wärmflasche für kalte Nächte, Taschenwärmer für einen möglichen Schneesturm, eine Aufbewahrungsbox für Essen, ein Becher für andere Flüssigkeiten, ein Rätselbuch für lange Busfahrten, ein Schlafsack von meinem Arbeitskollegen Michael mit einer Wohlfühltemperatur von -16 Grad, ein Notizbuch, ein Mikrofaserhandtuch sowie biologisch abbaubares Shampoo, Mücken- und Sonnenspray.
Unser Gepäck ist übrigens auf 70 bis 90 Liter begrenzt. Vor Ort wird alles auf Packkamele verladen. Auf den Pferden selbst haben wir kleine Satteltaschen. Ich fliege deshalb mit einem großen Koffer in die Mongolei und werde vor Ort alles in wasserdichte Drybags umpacken.
Ein weiteres Thema, das überraschend viel Planung gebraucht hat, war der Strom.
Die Mitnahme von Powerbanks ist auf zwei Stück mit jeweils maximal 27.000 mAh im Handgepäck begrenzt. Diese beiden Powerbanks müssen also zehn Tage dafür sorgen, dass ich mein Handy laden kann. Nicht unbedingt, um nach Hause telefonieren zu können, denn Empfang wird es fernab der Zivilisation vermutlich ohnehin kaum geben. Viel wichtiger ist mir die Kamera. Laut ChatGPT kann man bei dieser Größe von Powerbank bei meinem iPhone 16 mit etwa fünf bis sechs vollständigen Ladungen rechnen. Wenn sich das bestätigt, habe ich keinerlei Bedenken, genügend besondere Momente mit nach Hause zu bringen.
Mindestens genauso viele Gedanken wie über den Akku habe ich mir allerdings über die Hygiene gemacht.
Jeder Teilnehmer soll Klopapier sowie ein Feuerzeug mitbringen. Außerdem Zip-Beutel für den eigenen Müll. Egal wo wir campen: Alles wird wieder mitgenommen. Nichts bleibt zurück.
Auch beim Thema Haare musste ich mir etwas überlegen. Ich habe mich dafür entschieden, meine Haare für die nächsten zehn Tage einzuflechten. Mein Kopf wird ohnehin die meiste Zeit unter einem Helm stecken. Da muss ich mir wohl kaum Gedanken darüber machen, wie meine Frisur aussieht. Ist wahrscheinlich sowieso hoffnungslos.
In der Packliste von Wandermut steht außerdem:
“Unterwäsche: Du brauchst nicht für jeden Tag frische Unterwäsche.” Ehrlich? Das ist etwas, was für mich überhaupt nicht infrage kommt. Katzenwäsche hin oder her. Eine frische Unterhose am Tag ist für mich definitiv ein Muss. Mein Ziel ist es, mich auch nach Tag acht irgendwo mitten in der Wildnis noch in meinem Körper wohlzufühlen.
Als letzten Punkt stand auf der Packliste, dass jeder eine kleine Überraschung für sein Team mitbringen soll. Ich habe 25 kleine Pferdestecker besorgt und hoffe, damit jedem eine kleine Freude machen und gleichzeitig eine Erinnerung an diese Reise schaffen zu können.
Jetzt ist jedenfalls alles gepackt. Zumindest hoffe ich das. Ob ich mir umsonst so viele Gedanken gemacht habe oder welches Ausrüstungsteil am Ende Gold wert sein wird, werde ich vermutlich schon in den ersten Tagen herausfinden
Am 5. August um 6.10 Uhr startete meine Reise in ein aufregendes Abenteuer.
Ein bisschen Wehmut begleitete mich auf der Zugfahrt nach Frankfurt. Die letzten Wochen auf der Arbeit habe ich selten unter neun Stunden gearbeitet. Ich bin auf Hochtouren gelaufen, um alles zu organisieren, vorzubereiten und abzuklären. Jetzt ist alles fertig und wenn ich in zweieinhalb Wochen zurückkomme, befindet sich mein Glasfaserprojekt bereits in den letzten Atemzügen.
Erleichterung, Angst, Ungewissheit und auch ein bisschen Stolz machen sich breit. Aber jetzt ist es erstmal wichtig, alle Verbindungen zur Arbeit offline zu stellen.
Nächster Halt: Abenteuerurlaub Mongolei.
In Frankfurt habe ich Chiara getroffen. Über die zuvor erstellte Gruppe haben sich alle Teilnehmer mit einem kleinen Video vorgestellt. Chiara wohnt sogar in meinem Landkreis, was für ein Zufall. Gestartet ist sie ihre Reise allerdings von ihrem Heimatort aus.
Wir haben uns schon vor einiger Zeit auf einen Kaffee getroffen, ein bisschen gequatscht und erste Erfahrungen ausgetauscht. Es war schön, am Flughafen direkt ein bekanntes Gesicht zu sehen.
Dort habe ich dann auch Denis kennengelernt, ein weiteres Mitglied unserer Gruppe. Gemeinsam haben wir uns die Zeit vertrieben, bis wir endlich unser Gepäck aufgeben konnten. 22,5 Kilogramm zeigte die Waage an. Punktlandung. Nachdem das Gepäck abgegeben war, mussten wir noch durch die Sicherheits- und Passkontrolle. Danach hieß es wieder: warten.
Das Boarding beginnt um 13.30 Uhr und dann geht es für acht Stunden Richtung Mongolei. Mit einer Zeitverschiebung von sechs Stunden landen wir schließlich in der Hauptstadt Ulaanbaatar.
Auch wenn die ersten Stunden eher von Wehmut geprägt waren und es mir schwerfiel, mich auf dieses Abenteuer einzulassen, steigt langsam die Vorfreude. Dieses Abenteuer wird sicherlich unbeschreiblich. Jetzt heißt es, mich darauf einzulassen, all die Eindrücke aufzusaugen, jeden Moment zu genießen und viele neue Erfahrungen zu sammeln.Read more
Tag 2 - ein Tag voller Höhen und Tiefen
August 6 in Mongolia ⋅ ☀️ 22 °C
Der Tag heute ist wohl kaum in Worte zu fassen. Aber von Anfang an:
Mit meinem Sitznachbarn im Flugzeug verstand ich mich ab der ersten Sekunde. Wirklich spannend. Der gute Herr hatte im Januar von seiner Firma eine Abfindung bekommen und muss nun bis zu seinem Lebensende nicht mehr arbeiten. Nach Mongolei ist er völlig spontan mit einer Reisegruppe geflogen – mit gerade einmal einer Woche Vorbereitungszeit. Die Reisegruppe hat definitiv die Luxusvariante einer Rundreise durch die Mongolei gebucht.
Zum Nachdenken gebracht hat mich vor allem unsere Unterhaltung, weil er mir noch einmal vor Augen geführt hat, wie sehr Menschen mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Meinungen werden gebildet, ohne Hintergründe zu kennen. Sätze wie „Das mag ich nicht“ oder „Das möchte ich nicht“ werden oft viel schneller ausgesprochen, als dass man etwas ausprobiert, sich Gedanken darüber macht oder versucht, sich ein ehrliches Bild über eine Situation zu machen. Vorurteile entstehen oft genau dort.
Auch ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich eine Meinung über eine Situation habe, die ich eigentlich gar nicht vollständig beurteilen kann.
Mein Sitznachbar hat denselben Rückflug wie ich. Wir werden uns am 22. August wiedersehen und uns über die vergangenen zwei Wochen austauschen.
Der achtstündige Flug war angenehm. Es gab diesmal sogar die Möglichkeit, beim Abendessen zwischen Rind und Hühnchen zu wählen. Auch das Frühstück war deutlich akzeptabler als damals im April auf dem Flug nach Südafrika.
Und dennoch: Geschlafen habe ich irgendwie kaum. Meine Gedanken kreisten ununterbrochen, mein Kopf entwickelte ein unerklärliches Szenario nach dem nächsten. Es ist wirklich verrückt, wie Gedanken in einer Abwärtsspirale immer wieder dasselbe Thema durchkauen. Und das Faszinierende daran: Man kommt eigentlich nie zu einem Ergebnis. Zu 99 Prozent kommen all diese Gedanken, die man sich macht, am Ende sowieso nie zum Einsatz.
So habe ich mich also selbst ungewollt wachgehalten. Nach acht Stunden Flugzeit und vermutlich kaum einer richtigen Tiefschlafphase landeten wir um 4 Uhr morgens Ortszeit in der Mongolei. Deutsche Zeit: 22 Uhr.
Bevor wir unser Gepäck abholen konnten, mussten wir uns noch etwa 1,5 Stunden an der Passkontrolle anstellen.
Nachdem wir unsere Koffer hatten, liefen wir Richtung Ankunftsbereich. Vor dem Abflug hatte ich noch eine seltsame Nachricht vom Hotel erhalten: „Dein Zimmer ist nicht fertig – sorry.“ Die Buchung auf Booking war jedoch weiterhin bestätigt, also machte ich mir zunächst keine Gedanken.
Gleichzeitig hatte Denis um einen Flughafentransfer gebeten, aber nie eine Antwort erhalten. In der Ankunftshalle dann das erste Aufatmen: Eine freundliche Frau hielt ein Schild mit Denis’ Namen in die Höhe.
Doch direkt danach folgte die nächste Herausforderung: Wir waren fünf Personen und hatten drei überdimensionierte Gepäckstücke dabei. Mit etwas Tetris gelang es uns, einen Koffer in den Kofferraum zu bekommen – der danach natürlich komplett voll war. Die beiden anderen Gepäckstücke mussten auf dem Beifahrersitz und der Rücksitzbank verstaut werden.
45 Minuten lang hatten wir die 20 kg schweren Gepäckstücke auf unserem Schoß. Eng, unbequem, schwer und warm beschreibt die Situation wohl am besten.
Am Hotel angekommen bestätigte sich dann die seltsam formulierte Nachricht. Es gab tatsächlich kein verfügbares Zimmer für mich. Gleichzeitig hatte ich aber unglaubliches Glück: Chiara hatte aus Versehen ein Zimmer für zwei Personen gebucht. Somit konnte ich bei ihr einziehen. Verrückt, aber wahr.
Aber keine Sorge: Der Tag sollte noch deutlich aufregender werden.
Um kurz nach 7 Uhr trafen wir zum ersten Mal einige Teilnehmer unserer Tour in einem Café. Und was soll ich sagen? Erneut hatte ich unglaubliche Schwierigkeiten, mich in einer größeren Menschengruppe wohlzufühlen.
Dieses Gefühl ist befremdlich. Ich beobachte und höre viel mehr zu, als dass ich selbst aktiv mitrede. Teilweise bin ich etwas überfordert mit all den Eindrücken und Einflüssen, die in diesem Moment auf mich einprasseln. Ein verrücktes Gefühl. Ich hoffe sehr, dass sich das in den nächsten Tagen noch etwas legt.
Denn eines ist sicher: Mit Rückzugsort und Privatsphäre wird es während dieser Reise schwierig. Wenn überhaupt, hat man diese wohl auf seinem Pferd.
Um kurz nach 8 Uhr verließ ich die Gruppe wieder. Ich wollte den Tag nutzen und versuchen, den Jetlag durch Bewegung und Erlebnisse zu überwinden.
Um 8:45 Uhr wurde ich von einer sehr netten mongolischen Frau abgeholt. Gemeinsam mit zwei Argentiniern war sie nicht nur unsere Fahrerin, sondern gleichzeitig auch unser Guide für den Tag.
Ich bin unfassbar dankbar für die kommenden Stunden, denn wir lernten unglaublich viel über die Geschichte und Kultur der Mongolei.
Sie erzählte uns unter anderem von der aktuellen Benzinsituation. Einige Tankstellen hatten in den vergangenen Tagen mit einem Kraftstoffmangel zu kämpfen. Besonders betroffen war AI-92, der Kraftstoff, der in der Mongolei am häufigsten getankt wird.
Die Mongolei importiert etwa 95 Prozent ihres Kraftstoffs aus Russland. Durch die anhaltenden politischen Spannungen und die Situation rund um den Ukrainekrieg ist die Versorgung teilweise komplizierter geworden.
Einige Tankstellen haben mittlerweile wieder Kraftstoff erhalten. Gleichzeitig sind die Schlangen vor diesen Tankstellen teilweise mehrere hundert Meter lang. Das führt nicht nur zu Chaos auf den Straßen, sondern verschafft einzelnen Tankstellen kurzfristig eine Art Monopolstellung. Um Hamsterkäufe zu verhindern, begrenzen einige Tankstellen die Abgabemenge pro Fahrzeug teilweise auf 20 bis 30 Liter.
Und dennoch befindet sich vor allem Ulaanbaatar mitten in einem großen Wandel. An jeder Ecke entstehen neue Hochhäuser, die Stadt wächst sichtbar. Die Einwohnerzahl steigt gefühlt täglich. Gleichzeitig ist Ulaanbaatar die mit Abstand wichtigste Stadt der Mongolei. Viele Menschen zieht es hierher, weil sich dort die meisten Arbeitsplätze, Universitäten und Möglichkeiten befinden. In der gesamten Mongolei leben etwa 3,6 Millionen Menschen, ein sehr großer Teil davon in der Hauptstadt. Fast jeder zweite Mongole lebt mittlerweile in Ulaanbaatar. Gleichzeitig gibt es in der Mongolei mehr Pferde als Einwohner. Eine verrückte Vorstellung und ein schönes Beispiel dafür, wie die alte nomadische Tradition und die moderne Entwicklung des Landes aufeinandertreffen.
Unser erster Stopp war die Chinggis-Khaan-Statue. Die Anfahrt dauerte über eine Stunde und langsam machte sich der Jetlag bemerkbar. Ich konnte meine Augen kaum noch offen halten und machte unterwegs ein kurzes Nickerchen.
Kurz vor der Ankunft ging plötzlich ein tiefes „Wow“ durch den Innenraum unseres Autos. Die riesige Reiterstatue gilt als die größte ihrer Art weltweit. Eröffnet wurde sie im Jahr 2008 zum 800-jährigen Jubiläum der Gründung des Mongolischen Reiches.
Dschingis Khan, in der Mongolei Chinggis Khaan genannt, gilt hier als Gründerfigur und Nationalheld. Im Jahr 1206 vereinte er die mongolischen Stämme und schuf eines der größten zusammenhängenden Reiche der Weltgeschichte.
Weiter ging es zu einer nomadischen Familie. Die Familie verbringt den Sommer in der Nähe der Statue. Nach nur etwa zehn Minuten Fahrt erreichten wir ihre Jurten.
Unser Guide erzählte uns, dass die Familie rund 150 Pferde besitzt. Nur ein kleiner Teil davon ist tatsächlich reitbar, während viele Stuten jedes Jahr ein Fohlen bekommen.
Besonders spannend war die Pferdemilch, die gerade in dieser Jahreszeit eine besondere Bedeutung hat. Es handelt sich um fermentierte Pferdemilch, in der Mongolei auch Airag genannt.
Klar war: Probiert wird auf jeden Fall. Denn wie soll man sich eine ehrliche Meinung bilden, wenn man etwas nicht ausprobiert hat? Beim ersten Schluck verzog ich jedoch mein Gesicht. Unglaublich sauer und mit einem Nachgeschmack, der schwer zu beschreiben ist. Mein Geschmack war es definitiv nicht.
Auch der Tee, der zum Essen serviert wurde, war im ersten Moment gewöhnungsbedürftig. Es handelte sich um eine Art schwarzen Tee mit Milch, wobei anstelle von Zucker Salz verwendet wird. Ein herzhafter Milchtee, der für uns Europäer zunächst ungewohnt schmeckt.
Ich weiß nicht, ob ich mich jemals vollständig daran gewöhnen werde, aber nach einigen Schlucken war er tatsächlich nicht mehr ganz so fremd.
Der Einblick in das Leben dieser nomadischen Familie war vermutlich der erste kleine Vorgeschmack darauf, was mich in den kommenden Tagen erwarten wird.
Nach dem Mittagessen fuhren wir weiter zum nächsten Highlight: der Steinschildkröte.
Die Steinschildkröte, auch Melkhii Khad genannt, ist eine der bekanntesten Naturformationen der Mongolei. Der riesige Granitfelsen erinnert tatsächlich an eine Schildkröte und hat für die Mongolen eine besondere Bedeutung.
Die Schildkröte steht traditionell für:
• Langes Leben und Beständigkeit
• Schutz und Stärke
• Glück und Wohlstand
Unser letzter Zwischenstopp war ein buddhistischer Tempel: der Aryabal Meditation Temple. Er liegt im Gorkhi-Terelj-Nationalpark und nur wenige Kilometer von der Steinschildkröte entfernt. Der Weg hinauf zum Tempel führt über viele Stufen und wird von buddhistischen Symbolen begleitet. Oben angekommen bietet sich ein beeindruckender Blick über die Landschaft. Eine wunderschöne Verbindung aus Natur, Ruhe und Spiritualität.
Auf der Rückfahrt Richtung Ulaanbaatar machte ich erneut ein kleines Nickerchen. Der Jetlag war inzwischen deutlich spürbar.
Im Hotel angekommen packte ich zunächst meinen Koffer aus und teilte mein Equipment auf die beiden Drybags auf. Erst danach bemerkte ich etwas, das mir sofort den Boden unter den Füßen wegzog: Mein mitgebrachter Reithelm aus Deutschland war nicht mehr auffindbar.
Ich suchte in der Lobby, fragte an der Rezeption nach und auch die Überwachungsvideos des Hotels wurden überprüft. Dort war der Helm ebenfalls nicht zu sehen.
Die Vermutung lag nahe: Ich musste ihn beim Flughafentransfer im Auto vergessen haben.
Die Dame hinter der Rezeption wollte mir helfen, aber auch mit einem Übersetzungsprogramm am Handy gestaltete sich die Kommunikation zunächst schwierig. Ich hatte mich innerlich bereits damit abgefunden.
Trotzdem war ich unglaublich enttäuscht von mir selbst. Dieser Helm war für mich ein wichtiger Bestandteil dieser Reise. Mein Kopf ist nicht nur groß, sondern auch etwas unförmig, und ein fremder Helm passt bei mir selten wirklich gut. Chiara versuchte mich aufzumuntern, aber meine Enttäuschung war in diesem Moment einfach riesig. Nach einem kurzen Einkauf machten wir noch einmal einen Abstecher zur Rezeption. Die Dame hinter der Theke musste uns zunächst enttäuscht mitteilen, dass kein Helm gefunden worden war.
Puh.
Wir erkundigten uns noch nach dem Frühstück, ob wir unseren Koffer bis zum Ende der Tour im Hotel lassen könnten und ob es möglich wäre, am nächsten Morgen ein Taxi zum vereinbarten Treffpunkt zu organisieren. Und plötzlich… ehrlich gesagt weiß ich bis heute nicht genau, wie es zu diesem Kommunikationswechsel kam… erzählte uns die Frau, dass sie meinen „Sicherheitsgegenstand zum Reiten“ gefunden hätten. Er sei bereits auf dem Weg zurück zum Hotel.
Wie bitte?
Wie war das möglich?
Unfassbar.
Ganz egal wie: Jetzt kann es losgehen. Morgen um 9 Uhr holt uns der Bus ab, der uns etwa 30 Stunden Richtung Ulaangom bringen wird. 1.300 Kilometer weiter westlich. 1.300 Kilometer über teilweise kaum ausgebaute Straßen.
Was für ein Abenteuer.
Ab morgen besteht die Vermutung, dass ich keinen Strom, kein fließendes Wasser und nur sehr begrenzte Privatsphäre haben werde. Aber genau das ist es doch, was diese Reise ausmacht.
Jetzt bin ich erstmal zuversichtlich und gehe schlafen. Alles, was ab morgen passiert, ist Abenteuer und gehört zu einer Reise, die hoffentlich unvergesslich wird.
Im Nachhinein musste ich feststellen, dass ich die meisten Situationen erstaunlich gelassen angenommen habe. Okay… bei der Helmsituation vielleicht nicht ganz. Aber letztendlich musste ich an etwas denken, das eine Freundin vor Kurzem zu mir gesagt hat:
Man sollte sich nicht fragen, warum etwas passiert, sondern wofür.
Wofür war diese Situation notwendig? Was kann ich daraus für die Zukunft mitnehmen? Was möchte mir diese Erfahrung vielleicht zeigen?
Vielleicht geht es gar nicht darum, dass immer alles nach Plan läuft. Vielleicht geht es darum, zu lernen, mit den unerwarteten Momenten umzugehen. Und genau diese Momente sind es am Ende, die aus einer Reise ein echtes Abenteuer machen.Read more
Tag 3 - 24h Nachtbus
August 7 in Mongolia ⋅ ☁️ 28 °C
Chiara und ich haben bis 7 Uhr geschlafen und unsere restlichen Sachen zusammengepackt. Um 7.30 Uhr hat uns die Dame hinter der Rezeption Frühstück aufs Zimmer gebracht.
Ein Teller mit drei Gurken, zwei Tomaten, drei Scheiben Wurst, einem hart gekochten Ei und einer halben Scheibe Toast. Alles andere als sonderlich appetitlich, aber wir haben den Großteil aufgegessen – aus Respekt.
Für 8.30 Uhr hatten wir gestern das Taxi an der Rezeption bestellt. Heute Morgen war die Frau hinter der Rezeption etwas überrascht von unserem Gepäck und teilte uns per Übersetzer mit, dass sie das Taxi storniert hat und uns jetzt ein größeres Auto sucht. Es war bereits 8.45 Uhr und die Frau lief zur Hauptstraße und suchte uns ein Taxi. Zehn Minuten später kam sie von der Straße zurückgerannt – mit einem Auto.
Mittlerweile mussten wir schon öfter feststellen, dass man in der Mongolei Zeit mitbringen muss. An der Kasse im Supermarkt fällt beispielsweise plötzlich das System aus – alle warten. Pünktlichkeit wird nicht großgeschrieben, jedoch ist die Hilfsbereitschaft schon deutlich ausgeprägter. Ein Lächeln bei den meisten Mongolen bleibt bisher allerdings noch aus.
Wir starteten unsere Reise gegen 10 Uhr, machten jedoch noch einen Halt am Supermarkt. Um 11 Uhr ging es dann endlich los, doch zuerst mussten wir uns durch den Stau der Hauptstadt kämpfen. Zäh ging es im Stop-and-Go voran. Der Busfahrer hatte definitiv einen Bleifuß – mehrere Male machte er eine gepflegte Vollbremsung mit einem begleitenden Hupen.
Als wir die Hauptstadt verlassen hatten, trat im ersten Moment Erleichterung auf. Die Luft wurde wieder deutlich besser, man traute sich wieder durchzuatmen. Gleichzeitig hatte man die Hoffnung auf eine angenehmere Fahrweise. Doch dem war nicht so. Der Busfahrer fuhr in Hochgeschwindigkeit über die teilweise sehr schlecht erhaltene Asphaltstraße.
Nach einiger Zeit machten wir eine Pinkelpause. Ich hatte erstmal Glück, meine Blase hatte sich noch nicht angekündigt. Aber das schon einmal benannte Problem, dass weit und breit kein Busch oder Baum war, existierte weiterhin. Die Frauen mussten also ihren blanken Hintern in die Wildnis strecken. Naja, ich gehe davon aus, dass das Schamgefühl in den nächsten Tagen nicht mehr bestehen wird.
Um halb 3 machten wir Mittagspause. Wir hatten die Möglichkeit, Ramen oder mongolisch essen zu gehen. Auf der Toilette – das wusste ich von dem Guide von gestern – gibt es außerhalb der Stadt kein Toilettenpapier mehr. Daher separierte ich mir einige Lagen Toilettenpapier, um immer darauf zugreifen zu können.
Die meisten von uns haben sich für Ramen entschieden.
Ehrlich gesagt bin ich tatsächlich etwas deprimiert über die Reisegeschwindigkeit. Um 17 Uhr fuhren wir endlich weiter. Von den 1.350 km hatten wir gerade einmal 250 km zurückgelegt. Die Busfahrt wird sicherlich noch zäh.
Die Stimmung in der Gruppe war dabei erstaunlich entspannt. Jeder wusste, was auf einen zukommt, und irgendwie hatten sich alle mit der Situation abgefunden. Jeder arrangierte sich so gut es ging mit den Gegebenheiten, machte das Beste daraus und wartete einfach ab, was die nächsten Stunden noch bringen würden.
Beeindruckend ist jedoch die Weite. Das Gras hat kaum Zeit zu wachsen, die Sommerzeit ist viel zu kurz, der Winter ist lang und zäh. Zweistellige Minusgrade sind Standard. Immer wieder sieht man Kuh-, Schaf- und Pferdeherden und mittendrin stehen die weißen, runden Zelte der Mongolen.
Und dennoch stelle ich mir immer wieder die Frage: Warum muss man nochmal 1.350 km Richtung Westen fahren?
Egal – mitgehangen, mitgefangen.
Die Nacht war erträglich, dennoch machte der Busfahrer immer wieder unvorhergesehene Vollbremsungen, sodass man fast vom Sitz geflogen ist. Also hieß es: anschnallen.
Bevor wir durch die Nacht fuhren, machten wir nochmal eine Pinkelpause an einer Tankstelle. Die Toiletten: ein drei Meter tiefes Loch, darüber ein Hüttchen mit einem Loch im Boden. Der Tankstellenwart öffnete uns die „neuen“ Hüttchen. Der Gestank war erträglich. Toilettenpapier gab es natürlich keins, nur das selbst mitgebrachte aus Deutschland.
Ich war heilfroh, dass es kaum gestunken hatte. Dennoch hatte ich mit diesem Toilettengang ein neues Erfahrungslevel freigeschaltet.
Ach, und zum Thema Vorurteile: Der deutsche Tourleiter hatte eine kurze Sicherheitseinweisung gegeben. Er erwähnte einerseits, dass wir vergessen sollen, was wir auf europäischen Pferden gelernt haben, und andererseits sollen wir nicht den Ausrüstungsstandard erwarten, den wir aus Europa kennen. Dabei hat er mich angeschaut.
Ob Zufall oder nicht, aber ich habe das größte Verständnis dafür, dass Mongolen ihre Pferde als Nutztiere halten und sie nicht wie in Deutschland als Luxusgut gelten.
Ich bin jedoch sehr gespannt auf die mongolische Kultur und darauf, mit welchen Eigenarten ich konform bin und welchen ich mit erstmaligem Unverständnis begegnen werde.Read more
Tag 4 - mit dem Jeep zum Camp
August 8 in Mongolia ⋅ ☁️ 16 °C
Nach guten 24 Stunden Busfahrt sind wir endlich in Ulaangom angekommen. Trotz der ganzen Turbulenzen habe ich tatsächlich knapp sechs Stunden schlafen können. Sicherlich nicht am Stück, aber immer mal wieder tief und fest. Bequem war es allerdings nicht. Mal war es warm, mal kalt, der Bus hat ständig gewackelt und zwischendurch ging auch noch immer wieder das Licht an und aus. Irgendwie haben wir es trotzdem geschafft.
In Ulaangom bekamen wir Frühstück. Ich habe allerdings nur eine warme Tasse Süßgetränk getrunken. Etwas zu essen bekam ich beim besten Willen nicht wirklich runter.
Unsere Köchin Troja für die nächsten Tage verteilte anschließend das Mittagessen in den mitgebrachten Tupperdosen. Zu Beginn der Tour musste sich jeder für die vegetarische oder die Fleischvariante entscheiden. Ich war mutig und entschied mich für Fleisch. Allerdings hatte ich mit einem Teamkollegen vereinbart, dass wir uns sein vegetarisches und mein Fleischgericht teilen.
Nach der langen Busfahrt mussten wir natürlich noch einmal auf die Toilette. Dafür ging es zu einer mongolischen Gastfamilie. Naja, sagen wir es mal so: Die Toilette an der Tankstelle war geruchstechnisch definitiv angenehmer.
Nach einer gewissen Aufenthaltszeit starteten wir den zweiten Teil unserer Anreise. Weiter ging es, diesmal mit Jeeps, Richtung Base Camp. Angegeben waren vier bis sechs Stunden Fahrt.
Nach einem weiteren kurzen Pinkelstopp passierte dann etwas, das für uns Europäer wohl kaum ungewöhnlicher sein könnte. Plötzlich setzte sich ein kleines Mädchen direkt vor uns hin, zog sich einfach die Hose herunter und erledigte ihr Geschäft mitten vor unseren Füßen. Unfassbar. Die Mongolen scheinen in dieser Hinsicht wirklich kaum Schamgefühl zu kennen. Bei uns würde jeder erst einmal ein paar Meter weiterlaufen und sich hinter noch so einem kleinen Busch oder Stein ein halbwegs sicheres Plätzchen suchen.
Nach einem weiteren Offroad-Abenteuer über unfassbar unebene Wege machten wir schließlich eine Mittagspause. Jetzt durften wir das zuvor verpackte Mittagessen aus unseren Tupperdosen genießen. Und ich muss wirklich sagen: Das Essen war erstklassig! Es hat all meine Erwartungen an das Essen, das uns während der Tour erwarten würde, bei Weitem übertroffen.
Danach ging es weiter. Nachdem der Fahrer im nächsten Dorf noch sein Kind abgegeben hatte, fuhr er plötzlich auch deutlich schneller. Nach insgesamt sechs Stunden Autofahrt über Stock und Stein, unfassbar viel Geschaukel und sogar einigen Flussdurchfahrten waren wir endlich angekommen.
Unser erstes Camp liegt wunderschön an einem Fluss, umgeben von zwei Bergen. Im Tal standen etliche Pferde und Kamele, außerdem lief dort ein Schaf herum. Wobei „herumlaufen“ nicht mehr lange der Fall sein sollte. Ein Autofahrer hatte das Schaf auf dem Weg zu unserem Camp eingesammelt. Es wurde eingefangen, auf dem Dach des Geländewagens festgespannt und für 70 Euro gekauft. In den nächsten Tagen wird es für die Teilnehmer geschlachtet. Natürlich nur für diejenigen, die auch Fleisch essen möchten. Tatsächlich haben wir einige Teilnehmer, die sich für die fleischlose Variante entschieden haben. Ich gehöre zu den Fleischfressern.
Nach unserer Ankunft im Camp bekamen jeweils zwei Personen ein Zelt zum Aufbauen. Chiara und ich hatten dabei erst einmal ein echtes Problem damit, überhaupt den Anfang zu finden. Unser Zelt sah nämlich komplett anders aus als die anderen und hatte eine völlig andere Aufbaustrategie. Irgendwann stand es dann, zumindest einigermaßen. Unser mongolischer Guide für die nächsten Tage, sie heißt abgekürzt UG, gab uns anschließend noch einige Tipps, damit das Zelt auch wirklich stabil stand.
Nach dem Zeltaufbau liefen Chiara und ich zum nahegelegenen Fluss. Dort machten wir eine Katzenwäsche mit eiskaltem Wasser und wuschen gleichzeitig unsere Klamotten, die wir mittlerweile seit 48 Stunden getragen hatten.
Nach dieser Erfrischung im Fluss fühlten wir uns wie neugeboren. Es war ein herrliches Gefühl.
Den gesamten Nachmittag und bis in den späten Abend konnte man beobachten, wie drei Mongolen, die für die Pferde verantwortlich sind, ein Pferd nach dem anderen beschlagen haben. Das Faszinierende dabei: Die kleinen Pferde wurden einfach hingelegt. Hufe geben? Fehlanzeige.
Natürlich ließ sich das ein oder andere Pferd die Prozedur nicht einfach so gefallen. Die Mongolen hatten teilweise wirklich ordentlich zu tun, bis die Tiere ruhig waren und sich beschlagen ließen.
Nachdem schließlich alles erledigt und jeder einigermaßen eingerichtet war, hieß es Abendessen. Es gab eine Suppe mit Gemüse und Rindfleisch.
Am Abend wurde es ziemlich schnell frisch. Jeder versuchte noch, irgendwie Ordnung in seine Unordnung zu bringen und sich für die erste Nacht im Camp einzurichten.
Morgen gibt es um 8 Uhr Frühstück. Danach werden die Zelte wieder zusammengepackt und zwischen 10 und 11 Uhr werden wir unsere ersten acht Kilometer reiten.
Die Pferdeeinteilung erfolgt dabei nach drei Gruppen:
* unter 4 Reitstunden
* über 4 Reitstunden
* Experte
Verrückt, aber wahr. Morgen geht es tatsächlich aufs Pferd. Nach dieser Anreise fühlt es sich irgendwie noch völlig surreal an.Read more
Tag 5 - erster Tag auf dem Pferd
August 9 in Mongolia ⋅ ⛅ 14 °C
Um 6 Uhr sind wir aufgewacht. Am Abend zuvor hatte uns unser mongolischer Guide empfohlen, mit Luftmatratze und Schlafsack draußen zu schlafen. 13 von 17 Leuten haben sich schließlich in zwei Reihen nebeneinander gelegt. Es wurde gequatscht, spekuliert und gemeinsam der Sternenhimmel beobachtet. Am Horizont hatte es plötzlich angefangen zu gewittern, aber trotzdem waren alle zuversichtlich, dass das Gewitter an uns vorbeiziehen würde.
Doch dann kam der erste Regentropfen und plötzlich rannten alle zurück in ihre Zelte. Chiara hatte zu diesem Zeitpunkt schon tief und fest geschlafen und war von dem spontanen Umzug ins Zelt entsprechend wenig begeistert. Wenige Minuten später schüttete es dann tatsächlich aus Kübeln.
Trotz des nächtlichen Umzugs war die Nacht erstaunlich erholsam. Ich hatte allerdings ein kleines Problem damit, im Schlafsack die richtige Temperatur zu finden. Ich habe mit kurzer Hose und T-Shirt geschlafen und trotzdem immer wieder geschwitzt und gefroren. Keine Ahnung, woran das lag und was ich heute Nacht anders machen soll.
Am Morgen haben wir wieder versucht, Ordnung in unser Chaos zu bringen. Hat nur so semi gut funktioniert. Erst haben wir unsere Sachen gepackt, um 8 Uhr gab es Frühstück und anschließend haben wir unser Zelt abgebaut. Danach versuchten wir, den Mongolen beim Bepacken der Kamele zu helfen. Insgesamt wurden 14 Kamele beladen.
Da die Mongolen kaum ein Wort Englisch sprechen, werden wir mit Händen und Füßen zu dem gelotst, was der jeweilige Mongole als Nächstes benötigt. Irgendwie funktioniert die Kommunikation trotzdem erstaunlich gut. Der Umgang mit den Tieren ist in vielerlei Hinsicht für uns wohl kaum nachvollziehbar. Den Kamelen wurde ein spitzer Dorn durch die Nase geführt, wodurch sie handelbar wurden. Damit haben sie sich auf Kommando hingelegt und waren halfterführig. Beim Packen wurden zunächst ihre Höcker mit Decken gepolstert und anschließend das Gepäck mit Schnüren festgezogen.
Nicht jedes Kamel kam mit dieser Prozedur zurecht. Keines hat sich jedoch gewehrt oder war irgendwann nicht mehr handelbar. Man merkt es eher daran, dass die Kamele anfangen zu schreien. Am Ende hat sich aber jedes Kamel mit der Situation arrangiert und das getragen, was ihm auf den Rücken geschnallt wurde.
Das Faszinierende: Es wurde wirklich alles auf die Kamele gepackt. Essen, Gepäck, Zelte, Küchenutensilien und sogar das Schaf fand auf einem Kamel Platz. Die Zuteilung der Pferde wirkte auf mich zunächst etwas systemlos. Es gab wohl die zuvor eingeteilten Gruppen, allerdings spielte das anscheinend hauptsächlich im Umgang mit dem Pferd eine Rolle. Ich hatte vorher gesagt: „Gebt mir das schwierigste Pferd.“ Am Ende war es eigentlich nur deshalb schwierig, weil es im Umgang etwas sensibler war und ich nur mit viel Ruhe an die rechte Seite meiner Packtasche kam. Jeder von uns hatte rechts und links eine kleine Packtasche. Darin befanden sich Regenklamotten, Getränke, die Essensbox und alle möglichen Eventualitäten wie Sonnencreme, Mückenspray, Kopfschmerztabletten und eigentlich alles, was man unterwegs eventuell benötigen könnte. An die großen Taschen auf den Kamelen kommen wir nach dem Bepacken erst wieder, wenn wir abends am Camp angekommen sind.
Die Pferde haben keine Namen. Das zeigt meiner Meinung nach auch schon, welchen Stellenwert das Pferd in dieser Herde für die Mongolen hat. Es ist ein Nutztier. Ein Tier, das ein paar Mal im Jahr Touristen durch das Altai-Gebirge im Westen der Mongolei trägt und ansonsten seine Freiheit genießt.
Das Altai-Gebirge ist dabei eine ganz eigene Welt. Es erstreckt sich über mehrere Länder, unter anderem die Mongolei, China, Russland und Kasachstan, und wirkt im Westen der Mongolei unglaublich ursprünglich. Schroffe, karge Berghänge treffen auf grüne Täler, weite Ebenen und Flüsse, die sich durch die Landschaft ziehen. Dazwischen stehen immer wieder schneebedeckte Gipfel. Gerade diese Mischung macht das Altai so besonders: Die Landschaft wirkt gleichzeitig rau und wunderschön, weit und doch irgendwie gewaltig.
Und genau hier leben die Menschen teilweise noch sehr eng mit der Natur. Es gibt kaum Straßen, kaum Infrastruktur und nur wenige feste Siedlungen. Stattdessen ziehen die Nomaden mit ihren Tieren durch die Landschaft und leben in ihren Gers. Pferde, Kamele, Schafe und Yaks gehören selbstverständlich zum Alltag. Für uns ist das eine völlig andere Welt. Für die Menschen hier ist es einfach ihr Zuhause.
Wenn man dann auf einem mongolischen Pferd durch diese Landschaft reitet, bekommt man noch einmal ein ganz anderes Gefühl für das Land. Keine Straße, kein Zaun, kein Gebäude weit und breit. Nur die Herde, die Berge und diese unglaubliche Weite. Genau deshalb fühlt sich der Ritt durch das Altai wahrscheinlich auch so besonders an. Die Pferde in der Herde sind alles Wallache. Die Stuten bekommen regelmäßig Fohlen und sind in der Regel nicht reitbar. Die Pferde kommen von drei unterschiedlichen Mongolen, wobei jeder dieser Mongolen zwischen 30 und 60 Pferde besitzt. Unfassbar, wenn man sich das einmal vorstellt. Die Pferde sind mongolische Pferde: robust, trittsicher und perfekt an die Bedingungen hier angepasst. Das Equipment erfüllt seinen Zweck. Trotzdem kann man bei fast jedem Pferd irgendetwas bemängeln: Gebiss zu tief, Sattelgurt zu schmal, Gebiss ausgeschlagen oder zu lang. Es ist definitiv nicht mit europäischen Standards vergleichbar. Aber es erfüllt seinen Nutzen und für mich war es in Ordnung. Ich habe es einfach als Teil dieser Kultur akzeptiert.
Bevor es aufs Pferd ging, gab es noch eine kleine Sicherheitseinweisung. Wichtig war vor allem: Die Pferde sind zwar an Reiter gewöhnt, bei allen anderen Tätigkeiten soll man jedoch anhalten und absteigen. Also zum Beispiel zum An- und Ausziehen der Jacke, zum Trinken oder für sonstige Dinge. Erst erledigen, was man machen möchte, dann wieder aufsteigen.
Tatsächlich sind die Pferde ansonsten teilweise sehr scheu. Zumindest meines, vor allem wenn es um Berührungen an verschiedenen Körperstellen ging. Ob ich also tatsächlich dazu komme, ihm meine Hagebutten zu füttern, bleibt noch abzuwarten. Einerseits ist es nicht unbedingt gern gesehen, andererseits ist mein Pferd extrem kopfscheu. Aber mal schauen. Vielleicht schaffe ich es heimlich und kann dadurch ein bisschen Vertrauen aufbauen.
Als jeder Teilnehmer sein Pferd zugeteilt bekommen hatte und die Kamele vollständig gepackt waren, ging die wilde Fahrt endlich los. Die Organisation Wandermut hatte fünf bis sieben Reitstunden pro Tag empfohlen. Einige Teilnehmer hatten jahrelang Reitpause oder noch gar keine Reiterfahrung. Letztendlich waren tatsächlich alle Pferde einigermaßen brav. Woran man allerdings schnell den puren Reitanfänger erkannte, war der Herdentrieb. Mal Trab, mal Schritt, und plötzlich wollte das Pferd einfach nicht mehr dort entlang, wo der unbeholfene Reiter hinwollte. Und allein mit Ziehen kommt man auch bei mongolischen Pferden nicht besonders weit.
Mein Pferd war am Anfang ebenfalls etwas eigenwillig. Allerdings war schnell klar, dass es sich nicht sonderlich bemühen musste. Es gab die Kontrolle einfach an mich ab, senkte den Kopf und lief in dem Tempo, das ich wollte. Das machte die Sache natürlich ziemlich angenehm.
Ganz anders bei ungefähr drei Vierteln der restlichen Reiter. Einigen juckte es regelrecht in den Fingern und sie mussten immer wieder auftraben. Und dann zeigte sich der Herdentrieb besonders deutlich: Trabte eines, trabten drei Viertel der Herde einfach mit. Am Anfang war das noch ziemlich witzig. Mit der Zeit wurde es für den einen oder anderen Reiter allerdings ziemlich nervig, keine wirkliche Kontrolle über sein Pferd zu haben. Der mongolische Guide meinte dazu sinngemäß: Man müsse dem Pferd einfach zeigen, wer der Chef ist.
Aber seien wir ehrlich: Kein Reitanfänger hat nach ein paar Stunden plötzlich die Autorität, sich erfolgreich gegen ein mongolisches Pferd durchzusetzen. Es war ein bisschen wie der Reitanfänger im Schulbetrieb. Nur dass hier nicht das bockige Pferd in der Mitte der Halle steht, sondern die gesamte Herde einfach ihrem Herdentrieb folgt.
Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob das ethisch vertretbar ist. Für mich war es jedoch vor allem spannend zu sehen, wie unterschiedlich der Umgang mit Pferden in verschiedenen Kulturen sein kann. Ich habe versucht, es nicht mit unseren europäischen Maßstäben zu bewerten, sondern als Teil dieser Lebensweise zu akzeptieren. Die mongolischen Guides empfahlen den Reitanfängern, sowohl im Trab als auch im Galopp einfach im Steigbügel zu stehen, also eine Art leichten Sitz einzunehmen und sich mit einer Hand festzuhalten. Das klappte tatsächlich erstaunlich gut und einige der Reiter hatten ziemlich schnell den Dreh raus.
Wir selbst waren jeweils ungefähr eine Stunde vor und eine Stunde nach dem Mittagessen zu Pferd unterwegs. Und ich muss sagen: Mein Pferd und auch der Sattel waren überraschend bequem. Schritt und Galopp fühlten sich richtig angenehm an. Der Trab war dagegen ziemlich ungewohnt. Die Tritte der mongolischen Pferde sind deutlich kleiner und dadurch musste ich viel schneller aufstehen und wieder hinsetzen, als ich es gewohnt bin.
Auch das Wetter ist hier spannend. Sobald die Sonne herauskommt, wird es richtig warm. Morgens, solange die Sonne noch hinter den Bergen steckt, ist es dagegen ziemlich frisch. Man startet also erstmal mit langen Klamotten und zieht sich Stück für Stück aus, sobald die Sonne über die Berge kommt.
Nach etwa acht Kilometern kamen wir an unserem Camp an. Die Pferde wurden abgesattelt und jedem wurde eine Art Beinfessel angelegt. Sieht im ersten Moment etwas brutal aus, hindert die Pferde aber nicht daran, sich fortzubewegen. Sie können eben nur nicht mehr besonders schnell und vor allem ziemlich unelegant laufen. Danach wurden die Kamele von ihrem Gepäck befreit und ebenfalls in die Freiheit entlassen. Spannend finde ich ja, dass keines der Tiere so weit wegläuft, dass man es am darauffolgenden Tag nicht wiederfindet.
Morgen ist es wohl unsere Aufgabe, unsere Pferde selbstständig wiederzufinden. Ich bin gespannt, ob ich meines wiederbekomme. So scheu, wie es manchmal ist, bin ich mir da noch nicht ganz sicher. Nachdem wir die Kamele abgeladen hatten, sortierten wir das Equipment und bauten anschließend unser Zelt wieder auf. Heute waren wir dabei schon deutlich routinierter. Man merkt tatsächlich, dass man sich langsam an dieses Leben gewöhnt.
Nach dem Zeltaufbau hatten wir noch etwas Zeit für Freizeit. Drei Mädels und ich liefen zum Fluss und versuchten, so gut wie möglich, bei dem eiskalten Wasser Körperhygiene zu betreiben. Auch wenn es so kalt war, dass man währenddessen das Gefühl hatte, fast zu erfrieren, war es danach eine absolute Wohltat. Anschließend spielten wir Volleyball, Karten und ich musste zum ersten Mal meine Filterflasche ausprobieren. Die Anwendung war erstaunlich einfach und das Wasser schmeckte tadellos. Ein weiterer kleiner Luxus, den man hier plötzlich ganz anders zu schätzen weiß.
Zum Tagesabschluss und noch vor dem Abendessen wurde das zuvor gekaufte Schaf geschlachtet. Man hatte die Möglichkeit, dabei zuzuschauen. Ich habe mich dafür entschieden.
Die Mongolen machten es wirklich professionell. Ich hatte ehrlich gesagt damit gerechnet, dass das Schaf schreien und sich heftig wehren würde. Doch der zuständige Mongole war so schnell und geschickt, dass man keinen einzigen Ton hörte. Er kniete sich auf die Kehle des Schafs, schnitt innerhalb weniger Sekunden den Bauch eine Handbreit auf, griff hinein und durchtrennte mit der Hand eine Arterie. Danach wurde das Schaf von seinem Fell befreit und jedes einzelne Körperteil sorgfältig separiert. Für mich war es erstaunlicherweise völlig in Ordnung, dabei zuzuschauen. Vielleicht auch deshalb, weil ich wusste, dass dieses Schaf bis zu diesem Tag ein sehr gutes Leben hatte. Es hatte in einer Herde gelebt, frei, ohne Zäune und ohne die Einschränkungen, die wir von der Tierhaltung kennen.
Die Stimmung unter den Teilnehmern war interessiert. Nur eine kleine Handvoll wollte lieber nicht zuschauen. Ein bisschen Respekt hatte ich anschließend trotzdem vor dem Abendessen. Denn zum Abendessen gab es natürlich Schaf. Meine Bedenken waren allerdings schnell entschärft. Das Schaf schmeckte tatsächlich sehr lecker. Die Mongolen verwerten selbstverständlich alles. Für sie gab es die Innereien, während wir Europäer natürlich nur die Teile bekamen, die für uns etwas vertrauter sind. Nach dem Abendessen gab es noch eine kurze Vorstellungsrunde. Danach ging es für mich ans Lagerfeuer. Allerdings nicht nur zum gemütlichen Zusammensitzen, sondern vor allem, um in meinem Buch weiterzuschreiben. Während die anderen Teilnehmer den Abend am Lagerfeuer verbrachten, saß ich da und schrieb Seite um Seite. Ich wollte die ersten Eindrücke dieses Tages unbedingt festhalten. Zu viele neue Dinge waren passiert, zu viele Eindrücke prasselten auf mich ein.
Heute war schließlich der erste richtige Tag zu Pferd. Und irgendwie fühlt es sich schon jetzt so an, als würde diese Reise jeden Tag ein kleines bisschen verrückter werden.Read more
Tag 6 - Adlerfütterung
August 10 in Mongolia ⋅ ☀️ 14 °C
Heute bleiben wir an Ort und Stelle und kehren nach unserem Ausritt wieder zum Camp zurück. Daher konnten wir ausschlafen und mussten auch nicht unsere Sachen packen.
Um 9 Uhr gab es Frühstück. Faszinierend finde ich wirklich, wie abwechslungsreich unsere Köchin jeden Tag die Mahlzeiten zubereitet. Unter diesen Bedingungen jeden Tag etwas anderes auf den Tisch zu bekommen, ist schon eine Leistung. Mein Schlaf war heute sehr erholsam. Nachdem ich in der Nacht noch eine warme Jogginghose angezogen hatte, habe ich auch nicht mehr gefroren. Laut unserem mongolischen Guide soll es die nächsten Tage sogar noch kälter werden. Mal schauen, wie gut mein Schlafsack damit klarkommt.
Um 11 Uhr richteten wir die Pferde für einen zwölf Kilometer langen Ausritt.
Apropos: „Pferde finden“. Die Pferde wurden morgens einfach in der Herde zusammengetrieben und wir mussten unser eigenes Pferd darin erkennen. Eigentlich ziemlich simpel. Wenn man allerdings bedenkt, dass die Pferde keine Namen haben und teilweise alle sehr ähnlich aussehen, ist es schon eine kleine Herausforderung. Letztendlich findet man sein Pferd aber erstaunlich schnell wieder. Die Mongolen halfen uns erneut dabei, die Pferde fertig zu machen. Heute ließ ich mir zeigen, wie genau die Kombination aus Halfter und Trense funktioniert. Zum Reiten wird das Halfter zunächst gelockert, das Gebiss zwischen die Zähne gezogen und anschließend das Halfter wieder angezogen. Fertig ist die Trense. Nach dem Reiten läuft das Ganze genauso unkompliziert rückwärts: Gebiss wieder heraus, Halfter an und das Gebiss hängt anschließend hinter dem Unterkiefer ungefähr auf Backenhöhe. Simpel, aber genial. So musste ich meinen ohnehin schon kopfscheuen Kerl nicht auch noch an den Ohren anfassen.
Wobei ich mittlerweile merke, dass er mir langsam vertraut. Sobald man ihn einmal berührt hat, sind die weiteren Berührungen kaum noch ein Problem. Nur diese allererste Berührung ist jedes Mal speziell. Danach lässt er sich erstaunlich gut anfassen. Und beim Reiten wird das Vertrauen ebenfalls immer größer. Das kleine mongolische Pferd ist unglaublich trittsicher. Egal ob Unebenheiten, Steine, Löcher oder schwierige Stellen im Gelände, es findet seinen Weg. Man lernt ziemlich schnell, dem Pferd zu vertrauen und nicht bei jedem Schritt darüber nachzudenken, ob es gerade irgendwo stolpern könnte.
Als alle Pferde gerichtet waren, hieß es: aufsitzen und los.
Unsere zwölf Kilometer führten uns heute hauptsächlich durch den Wald. Wir ritten durch dichtes Unterholz, über kleinere Flüsse und immer wieder über unebenes Gelände. Einen richtigen Weg gab es eigentlich nicht. Das Pferd suchte sich einfach seinen eigenen Weg durch die Landschaft. Eins ist sicher: Mit einem normalen europäischen Ausritt hat das hier nichts zu tun. Man muss irgendwann aufhören, jeden einzelnen Schritt des Pferdes kontrollieren zu wollen. Stattdessen muss man ihm vertrauen. Und genau das macht das Reiten hier so besonders. Das Pferd weiß offenbar ziemlich genau, wo es hintreten kann und wo nicht. Reflexartig versucht man natürlich, die Pferde mit Schnalzen anzutreiben. Doch tatsächlich reagieren die kleinen mongolischen Pferde auf ein „Tschu, Tschu“ und das sogar erstaunlich gut.
Vier Mongolen ritten heute mit uns mit. Einer ganz vorne, den man in der Regel nicht überholen sollte. Einer in der Mitte, der immer wieder nach dem Rechten schaute und dabei ganz besonders viel Spaß daran hatte, die Gruppe ein bisschen aufzumischen. Einer bildete den Abschluss und hielt die Gruppe zusammen. Und unser mongolischer Guide war vor allem für die Übersetzung zuständig.
Heute hatte eigentlich jeder schon ein deutlich besseres Gefühl für sein Pferd. Die Unsicherheit vom ersten Tag war bei vielen verschwunden.
Eine Reiterin war allerdings noch nie zuvor auf einem Pferd gesessen. Letztendlich wurde sie durch die Gruppendynamik mitgezogen. Bei ihr hatte ich allerdings besonders stark das Gefühl, dass ihr bisher jeglicher Bezug zu Pferden fehlte. Jeder darf für sich selbst entscheiden, ob diese Art des Reisens das Richtige für ihn ist. Und ich hätte durchaus Verständnis dafür, wenn jemand das Ganze aus ethischen Gründen kritisch sieht.
Um ein kurzes Bild zu beschreiben: Sie kommentierte praktisch jeden ihrer Schritte. Bei einem unfreiwilligen Tempowechsel hörte man ihre Euphorie wahrscheinlich kilometerweit. Am Ende hatte sie in einer Hand einen Stock zur Beschleunigung und versuchte mit der anderen Hand, ihr fehlendes Gleichgewicht über den Zügel auszugleichen.
Wir haben viele Reitanfänger in der Gruppe, doch keiner ist mir bisher so unangenehm aufgefallen wie sie.
Mittagspause machten wir unter einer Gruppe von Bäumen. Wir bekamen das bereits zubereitete Essen aus unseren Tupperboxen und machten es uns mitten im Wald gemütlich. Danach ging es auf einem anderen Weg wieder zurück. Auf dem Rückweg wurde der eine oder andere Reiter etwas übermütig und immer mal wieder wurde es etwas wackelig. Aber keiner ging heute getrennte Wege und am Ende kamen alle heil wieder im Camp an.
Im Camp hatten wir wieder etwas Zeit für uns. Einige Mädels entschieden sich dazu, ihre Haare im kalten Fluss zu waschen. Ich lehnte dankend ab. Nicht unbedingt, weil ich das kalte Wasser meiden wollte, sondern eher, weil ich bei der Menge an Haaren teilweise schon zu Hause mit ausreichend fließendem Wasser Probleme habe, sie vernünftig sauber zu bekommen. Im eiskalten Fluss hätte ich wahrscheinlich irgendwann einfach aufgegeben.
Die restliche Zeit bis 17 Uhr verbrachten wir mit Kartenspielen. Es gab mittlerweile auch schon Teilnehmer, die sich zwischendurch zurückzogen und einfach etwas Zeit für sich benötigten.
Und das ist völlig in Ordnung. Wir sind hier 17 Menschen, verbringen praktisch jeden Tag und jede Nacht miteinander und erleben ständig neue Dinge. Da darf man auch einfach mal sein eigenes Ding machen und keinen Bock auf Gruppending haben.
Um 17 Uhr hieß es dann:
ADLERFÜTTERUNG.
Fünf Teilnehmer hatten die Möglichkeit, ein traditionelles Gewand anzuziehen, den Adlerhandschuh überzustreifen und mit etwas Futter in der Hand einen Adler anzulocken. Die Adlerjagd ist hier im Westen der Mongolei tief in der Kultur der kasachischen Bevölkerung verwurzelt. Besonders in der Provinz Bayan-Ölgii wird die jahrhundertealte Tradition bis heute gepflegt. Die Adlerjäger, die sogenannten Bürkütchi, trainieren vor allem weibliche Steinadler und gehen traditionell vom Pferd aus auf die Jagd. Dabei werden unter anderem Füchse gejagt. Die Verbindung zwischen Adler, Pferd, Jäger und der Landschaft des Altai ist ein wichtiger Teil der kasachischen Identität in dieser Region. Die Tradition wurde deshalb auch als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Für uns war es heute natürlich keine Jagd, sondern die Möglichkeit, diesen beeindruckenden Tieren einmal ganz nah zu kommen.
Anfangs gestaltete sich die Fütterung allerdings etwas schwierig. Der erste Adler war nur schwer dazu zu animieren, seinen Flug zum Futter zu starten. Glücklicherweise standen zwei Adler zur Verfügung und so konnte schließlich jeder, dieses Erlebnis selbst erleben. Ich war ehrlich gesagt ziemlich beeindruckt, als der Adler auf mich zuflog. Und dann kam er. Der Adler breitete seine Flügel aus und flog direkt auf mich zu. Schon allein dieser Moment, in dem dieses riesige Tier auf einen zufliegt, war unglaublich aufregend. Die Landung auf meinem Arm war dann noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Der Aufprall war so kraftvoll, dass mich der mongolische Adlerjäger festhalten musste, damit ich nicht das Gleichgewicht verliere.
Und dann saß er da. Ein etwa zwölf Kilogramm schwerer Adler landete auf meinem Arm und breitete seine Flügel aus. Als er mit seinem Schnabel nach dem Futter rupfte, merkte man sofort, wie viel Kraft in diesem Tier steckt. Der Schnabel war dabei erschreckend nah an meinem Gesicht und trotz des dicken Handschuhs hatte der Adler tatsächlich die Möglichkeit, mich mit seiner Kralle ein wenig durch den Handschuh zu pieksen.
Halb so wild. Aber auch das hat noch einmal eindrucksvoll gezeigt, welche Kraft in diesen Tieren steckt. Das Gefühl war sensationell. Ich glaube, man kann so einen Moment nur schwer beschreiben. Dieses riesige Tier fliegt auf dich zu, landet mit voller Wucht auf deinem Arm und breitet seine Flügel über dir aus. Man steht einfach da und realisiert für einen Moment gar nicht richtig, was gerade passiert. Ein wirklich beeindruckender Moment.
Das Abendessen war mal wieder erstaunlich abwechslungsreich. Es gab frittierte Teigtaschen mit Fleisch und Gemüse. Leider vergesse ich immer wieder, Fotos von den lecker zubereiteten Gerichten zu machen. Irgendwie hat man hier nur selten sein Handy griffbereit. Einerseits, weil man den Akku sparen muss, andererseits gibt es sowieso keinen Empfang.
Und damit wohl eine der häufigsten Fragen: Vermisse ich es, nach Hause telefonieren zu können?
Natürlich gibt es Momente, in denen ich bestimmte Personen oder Situationen vermisse. Aber gleichzeitig weiß ich, dass ich an der Situation ohnehin nichts ändern kann. Ich kann niemandem kurz schreiben, erzählen, was gerade passiert ist, oder spontan telefonieren.
Und irgendwie ist das völlig in Ordnung.
Die Zeit ohne Telefon geht tatsächlich viel schneller vorbei, als ich gedacht hätte. Vielleicht nimmt man die Dinge dadurch sogar intensiver wahr, weil man nicht ständig darüber nachdenkt, ein Foto zu machen oder jemandem sofort davon zu erzählen. Man erlebt es einfach.
Morgen werden wir wieder aufbrechen und weiterziehen. Die nächsten Tage soll es noch einmal deutlich kälter werden. Schauen wir mal.
Heute war jedenfalls einer dieser Tage, an denen ich abends im Zelt liege und mich frage, ob das gerade wirklich passiert. Vor ein paar Tagen saß ich noch im Alltag, und heute reite ich ohne richtigen Weg durch das Altai-Gebirge und halte einen zwölf Kilogramm schweren Adler auf meinem Arm.
Und genau für solche Tage bin ich hier.Read more
Tag 7 - erster Umzug ins neue Camp
August 11 in Mongolia ⋅ ☀️ 15 °C
Heute begann der Tag leider mit einer unschönen Nachricht.
Das Pferd unseres deutschen Teamleiters hatte sich gestern beim Ausritt an der Innenseite des Vorderbeins verletzt. Es war gestolpert und hatte sich dabei selbst ins Vorderbein getreten. Gestern sah es zunächst gar nicht so schlimm aus, heute war das Pferd allerdings stocklahm. Man sah deutlich, dass es Schmerzen hatte.
Unser Teamleiter bekam deshalb ein neues Pferd. Eigentlich schreibt Wandermut für solche Fälle ein Ersatzpferd vor. Nur gab es hier schlichtweg keines.
Also bekam unser Teamleiter ein Pferd von einem mongolischen Horseman und das verletzte Pferd wechselte zu dem Mongolen. Mit musste es trotzdem. Nicht, weil irgendjemand das wollte, sondern weil wir mitten im Nirgendwo waren. Keine Straße, kein Internet, keine Möglichkeit, kurzfristig ein anderes Pferd oder einen Tierarzt zu organisieren. Erst in zwei Tagen würde es überhaupt die Möglichkeit geben, das Pferd auszutauschen.
Es tat einem wirklich im Herzen weh, das Pferd so laufen zu sehen. Auch unser Teamleiter fand die Situation alles andere als richtig. Aber was sollte er machen? Es gab in diesem Moment schlicht keine andere Möglichkeit.
Um 8 Uhr gab es Frühstück.
Danach mussten die Mongolen zunächst einmal die Pferde und Kamele suchen. Die Tiere werden nach getaner Arbeit einfach in die Freiheit entlassen. Heute stand ihnen dafür eine schier endlose Weite zur Verfügung, eingerahmt von zwei Bergkämmen. Da kann es schon einmal etwas dauern, bis man seine Vierbeiner wieder eingesammelt hat.
Als alle Tiere am Camp angekommen waren, begann das Bepacken der Kamele. Heute hatte jeder schon einen Plan und wusste ungefähr, was ihn erwartete. Dadurch konnten wir die Mongolen bei ihrer Arbeit deutlich produktiver unterstützen.
Ich hatte relativ schnell eines dieser sanftmütigen Wesen in die Hand gedrückt bekommen. Anfangs war mir das noch etwas unheimlich. Am ersten Tag hatte es schließlich geheißen, dass Kamele drei bis vier Meter weit spucken können. Aber auch hier wendete sich das Blatt ziemlich schnell.
Das Kamel suchte sogar meine Nähe. Irgendwann schnüffelte es völlig unerwartet an meinem Stirnband. Ich erschrak, das Kamel zuckte ebenfalls zusammen und wir standen beide kurz etwas verdutzt voreinander.
Ein ziemlich witziger Moment.
Es versuchte es kurze Zeit später noch einmal und diesmal blieb ich ruhig. Im Gegenzug kraulte ich es hinter dem Ohr. So langsam scheinen sich also auch meine Vorurteile gegenüber Kamelen zu verabschieden. Irgendwann wurden alle Kamele hintereinander gebunden. Nur ich durfte mein Kamel nicht abgeben. Alle anderen waren bereits fertig und auf dem Weg, ihre Pferde einzusammeln. Nur ich stand noch da, hielt mein Kamel in der Hand und wartete auf weitere Anweisungen.
Am Ende wurde die Situation mit einem Lachen aufgelöst. Ich hatte die ganze Zeit das Frontkamel in der Hand. Das erste Kamel der gesamten Karawane. Nachdem wir unsere Pferde eingesammelt hatten, halfen uns die Mongolen erneut beim Fertigmachen. Ich trenste, der Mongole sattelte. Mittlerweile sind die Abläufe so eingespielt, dass jeder genau weiß, was zu tun ist. Als alle fertig waren, hieß es aufsitzen.
Heute sollte zum ersten Mal in der Gruppe galoppiert werden.
Ein Teilnehmer hatte heute besonders große Probleme, die Kontrolle über sein Pferd zu bekommen. Im ersten Moment wurde ich gefragt, ob ich ihm das kleine Einmaleins des Reitsports erklären könne.
Ehrlich gesagt schaute ich mir die beiden erst einmal an und stellte ziemlich schnell fest: Der kleine Schimmel hatte es faustdick hinter den Ohren.
Ich befürchtete, dass das mit den beiden nicht mehr funktionieren würde. Der Teilnehmer war sehr versteift, wurde zunehmend frustriert und war sichtlich verärgert über sein Pferd.
Die zweite Überlegung war deshalb, ob er mein Pferd bekommen sollte.
Zizi trabt beispielsweise nicht einfach los, nur weil andere Pferde antraben. Er lässt sich auch problemlos von der Herde weglenken. Für mich wäre ein Tausch überhaupt kein Problem gewesen. Doch unser mongolischer Guide hatte etwas dagegen. Er meinte, mein Pferd sei das wildeste und schwierigste der ganzen Gruppe.
Alle waren überrascht.
Ich ebenfalls.
Nach den letzten Tagen hätte ich Zizi definitiv anders eingeschätzt. Am Ende fanden wir aber einen anderen Teilnehmer, dessen Pferd offenbar einfacher zu bedienen war. Kurz vor unserem ersten Galopp überprüften die Mongolen noch einmal bei allen den Sattelgurt. Drei Viertel der Teilnehmer waren noch nie zuvor galoppiert. Dementsprechend groß war bei vielen die Nervosität. Ich hatte allerdings nicht erwartet, dass daraus ein schneller Galopp werden würde. Nicht bei diesen kleinen, trittsicheren Pferden und vor allem nicht bei diesem Gelände.
Und ich sollte recht behalten.
Die größte Herausforderung war gar nicht die Geschwindigkeit, sondern auf dem unebenen Boden sicher und im Gleichgewicht auf dem Pferd zu bleiben. Für europäische Verhältnisse war der Galopp wirklich nicht schnell. Für das Niveau unserer Gruppe war er allerdings ausgezeichnet.
Und ganz ehrlich:
Es war richtig cool.
Als wir zum ersten Mal gemeinsam galoppierten, dachte ich tatsächlich: Wow. Ich galoppiere hier gerade mitten durch das Altai-Gebirge. Und Zizi war dabei sogar eines der schnelleren Pferde.
Nach dem zweiten Galopp durfte ich dann endgültig das wahre Gesicht meines Pferdes kennenlernen.
Mittlerweile hat mein Pferd übrigens auch einen Namen.
Zizi.
Eine Teilnehmerin namens Elea meinte irgendwann, er sehe teilweise aus wie ein Zebra. Aber Zebra kann ich mein Pferd ja schlecht nennen. Also wurde aus Zebra kurzerhand Zizi. Zizi ist ein Buckskin, also ein Pferd mit sandfarbener Grundfarbe und schwarzem Langhaar. Er ist ein kleiner mongolischer Wallach und eigentlich eher ein Pony, denn er ist nicht größer als etwa 1,45 Meter. Und je öfter wir galoppierten, desto mehr Vertrauen bekam ich in seine Fähigkeiten. Überall waren Löcher. Große, kleine, versteckte, sichtbare. Dazu Steine, Unebenheiten und Stellen, an denen ich mich gefragt habe, wo er jetzt wohl hintreten wird.
Aber Zizi ist kein einziges Mal gestolpert. Er ist in kein Loch getreten. Er wusste einfach, was er tat. Und genau dadurch konnte ich immer mehr loslassen und ihm vertrauen.
Nach knapp zwei Stunden machten wir unsere Mittagspause. Dort warteten bereits die Kamele und die restlichen Mongolen aus der Gruppe auf uns. Wir hatten einen richtig schönen Aussichtspunkt erwischt. Unser neuer Campspot lag in einem Tal. Rechts und links von uns türmten sich die Berge auf und ganz oben an den Gipfeln war teilweise noch etwas Schnee zu sehen.
Die Landschaft hier ist wirklich unglaublich.
Nach weiteren ungefähr zwei Stunden kamen wir schließlich an unserem neuen Camp an. Knapp 2.500 Meter über dem Meeresspiegel bauten wir unser blaues Küchenzelt und anschließend unsere eigenen Zelte auf. Heute und morgen wurden wieder kalte Nächte erwartet. Das Zeltaufbauen ist mittlerweile schon zur Routine geworden. Chiara und ich sind bei allem rund um unser Zelt inzwischen ein richtig gut eingespieltes Team. Jeder weiß, was der andere macht, und irgendwie funktioniert das Ganze mittlerweile fast automatisch. Als alles aufgebaut war, gesellten sich einige Mongolen zu uns.
Erst wurde mit den Teilnehmern, natürlich nur mit denen, die wollten, gewrestelt. Danach wurde Armdrücken gemacht und anschließend spielten wir wieder Karten.
Die Mongolen haben dabei eine unglaubliche Auffassungsgabe. Obwohl wir sie nicht verstehen und eigentlich nur unseren mongolischen Guide als Übersetzer haben, lernen sie neue Spiele unfassbar schnell. Die Mongolen haben beim Wrestling übrigens fast immer gewonnen. Ich habe mich lieber herausgehalten. Nicht unbedingt aus mangelnder Motivation, sondern eher aus Angst, mir irgendwo etwas zu verrenken oder zu brechen. Das war es mir dann doch nicht wert. Die Stimmung war unglaublich lustig. Wir haben viel gelacht und irgendwann hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, langsam wirklich in der Gruppe angekommen zu sein.
Und dann kam das Abendessen …
Nach dem wieder einmal abwechslungsreichen Abendessen durfte jeder Teilnehmer sagen, was er gut beziehungsweise schlecht fand oder was ihn beschäftigt. Und dann wurde es kurz etwas unangenehm. Eine Teilnehmerin beschwerte sich darüber, dass ich sie bei einer Erklärung korrigiert hatte. Sie erwähnte allerdings nicht meinen Namen, sondern erzählte die Situation etwas durch die Blume und in einer deutlich geschönten Version.
Ich wusste sofort, um welche Situation es ging.
Ein absoluter Reitanfänger hatte Probleme mit Koordination und Gleichgewicht und wusste nicht, wie er die Zügel halten sollte. Die Teilnehmerin erklärte ihm die klassische Variante: jeweils einen Zügel in einer Hand, Daumen oben drauf und den Zügel zwischen kleinem und Ringfinger. Grundsätzlich natürlich richtig. Das Problem war nur: Der Anfänger stand mit viel zu langen Bügeln, verkrampft auf den Zehenspitzen im Sattel und sollte jetzt zusätzlich noch eine korrekte Zügelführung umsetzen.
Nicht einmal ich mache das in so einer Situation.
Also erklärte ich ihm eine einfachere Variante: beide Zügel in eine Hand und die andere Hand am Sattelknauf festhalten. Die Teilnehmerin fühlte sich dadurch offenbar hintergangen und nicht ernst genommen. Als sie die Situation beim Abendessen ansprach, wusste ich sofort, dass sie genau diesen Moment meinte. Ich entschuldigte mich deshalb auch direkt.
Trotzdem war die Luft im ersten Moment zum Schneiden.
Und ehrlich gesagt fragte ich mich: Warum muss man so etwas in der gesamten Gruppe ansprechen?
Aber gut.
Es wurde angesprochen und damit hoffentlich auch aus der Welt geschafft.
In der Reiterwelt habe ich in den letzten Jahren gelernt, dass ungefragte Verbesserungen jeglicher Art nicht unbedingt erwünscht sind. Selbst wenn man nur einen gut gemeinten Tipp geben möchte, gilt eigentlich: Wer nicht fragt, möchte auch keine Hilfe, Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge. Ganz nach dem Motto: Viele Wege führen nach Rom. Und mittlerweile ist das für mich auch in Ordnung. Wenn etwas meiner Meinung nach nicht korrekt oder nicht fair gegenüber dem Pferd ausgeführt wird, schaue ich weg, drehe mich um und gehe weiter. Sicherlich ist das auch nicht immer richtig, aber es verhindert Ärger, Stress und Unzufriedenheit.
Hier ist es allerdings etwas anders.
Ich habe in den vergangenen Tagen den einen oder anderen Teilnehmer bereits gefragt: „Darf ich dir helfen?“ Und wenn die Antwort Ja war, habe ich geholfen. Mein Wissen und meine Tipps werden hier tatsächlich dankend angenommen. Als die restlichen Teilnehmer merkten, dass gerade Kritik an mir geäußert wurde, war sich der Großteil der Gruppe außerdem ziemlich schnell einig: Sie möchten grundsätzlich Hilfe und dürfen während des Reitens auch korrigiert werden.
Und plötzlich sprach unser deutscher Teamleiter eine neue Regel aus:
Grundsätzlich möchte jeder Hilfe und Tipps. Wenn jemand das nicht möchte, soll er das deutlich sagen.
Ich war ehrlich gesagt erleichtert.
Zumal sich herausstellte, dass zwei weitere Teilnehmer ebenfalls deutlich mehr Reiterfahrung haben und sichtlich Spaß an dieser neuen Regel hatten. Ich werde sicherlich das eine oder andere Mal etwas sagen. Aber ich fühle mich nicht dafür verantwortlich, dass plötzlich jeder Reiter durch mich die perfekte Kontrolle über sein Pferd bekommt.
Am Ende war der kleine Konflikt damit tatsächlich gar nicht so schlecht. Aus einer unangenehmen Situation entstand eine klare Regel, mit der eigentlich alle gut leben können. Unser mongolischer Guide erzählte uns anschließend noch den Plan für den nächsten Tag. Danach gingen wir ziemlich schnell zu unseren üblichen Abendaktivitäten über:
Karten spielen.
Und während wir da saßen, wurde mir bewusst, dass sich in den letzten Tagen einiges verändert hatte. Am Anfang war ich noch damit beschäftigt, mein eigenes Pferd kennenzulernen, mich in der Gruppe zurechtzufinden und überhaupt zu verstehen, wie dieses Leben hier funktioniert.
Jetzt galoppiere ich mit Zizi durch das Altai-Gebirge, kenne die Abläufe im Camp, helfe beim Packen der Kamele und sitze abends mit den Mongolen und den anderen Teilnehmern zusammen.
So langsam fühlt sich das hier tatsächlich ein bisschen wie unser Alltag an.Read more
Tag 8 - auf 3.000m
August 12 in Mongolia ⋅ ☁️ 18 °C
Noch eine Woche …
Mit diesem Gedanken bin ich heute aufgewacht. Oje. Noch eine Woche. Tatsächlich musste ich bei dem Gedanken heute ein bisschen schlucken. Zum ersten Mal machte sich ein wenig Heimweh breit. Nicht einmal unbedingt nach bestimmten Personen, sondern nach meinem normalen Leben. Nach meinem Alltag, meiner Routine und ganz besonders nach einer richtig warmen Dusche.
Der Gedanke blieb tatsächlich eine ganze Weile.
Bis ich auf Zizi saß.
Sobald ich auf meinem kleinen mongolischen Pferd saß, fühlte ich mich wieder zu Hause. Ich fühlte mich wohl und war plötzlich bereit für das nächste Abenteuer. Sonderlich gut hatte ich leider trotzdem nicht geschlafen. Ich lag in einer Kuhle und kroch während der Nacht mehrmals wieder zurück auf meine Luftmatratze. Mit Rückenschmerzen bin ich schließlich aufgewacht.
Um 8 Uhr gab es Frühstück und kurz darauf begannen wir, die Kamele zu bepacken. Teilweise ist es dabei wirklich zäh, behilflich zu sein. Man steht daneben, wartet auf eine Anweisung und versucht irgendwie herauszufinden, was als Nächstes benötigt wird. Irgendwann wurde mir jedoch wieder ein Kamel in die Hand gedrückt. Kurz darauf waren es plötzlich zwei. Diesmal waren uns beiden die Tiere zunächst etwas unheimlich. Eines hatte sogar ein farbiges Bändchen am Ohr. Ob es tatsächlich etwas damit zu tun hatte oder ich mir das nur zusammenreimte, weiß ich natürlich nicht. Ich vermutete jedenfalls, dass damit vielleicht die Kamele gekennzeichnet wurden, die etwas komplizierter im Umgang sind. Eines davon bespuckte zumindest den Mongolen schon aus einiger Entfernung. Als alle Kamele fertig bepackt waren, sortierten die Mongolen die Tiere und nahmen mir irgendwann auch das letzte Kamel aus der Hand. Als ich damit fertig war, waren die anderen bereits auf der Suche nach ihren Pferden.
Ich lief ebenfalls los.
Und plötzlich sah ich einen Mongolen auf meinem Pferd, der gerade über den Bergkamm ritt.
Oh, wie freundlich.
Danke fürs Mitbringen.
Die Mongolen sind wirklich unfassbar gastfreundlich. Sie lachen viel, nehmen das Leben ziemlich unkompliziert und scheinen sich an vielen Dingen nicht unnötig lange aufzuhalten.
Zwei Dinge bekommt man allerdings regelmäßig zu spüren. Erstens: Wenn es heißt „jetzt“, gibt es kaum Spielraum. Wenn wir jetzt loswollen oder jetzt das Abendessen fertig ist, dann bedeutet das tatsächlich jetzt. Und wenn man nicht schnell genug reagiert, wird solange gestresst oder genervt, bis man da beziehungsweise fertig ist.
Zweitens: Ungeduld. Wenn etwas nicht so läuft, wie der Mongole es sich gerade vorstellt, ist er schnell genervt oder macht es einfach selbst.
Heute durften wir schon deutlich mehr alleine machen. Satteln, trensen, aufsteigen, Fußfessel dran und los. Die Abläufe saßen mittlerweile und wir wurden immer schneller. Um 11 Uhr waren wir bereit zum Aufbruch. Heute sollten wir einen der Bergkämme überqueren, der sich direkt neben unserem Camp auftürmte. Etwa 500 Höhenmeter lagen vor uns. Der Aufstieg schlängelte sich teilweise steil und serpentinenartig den Berg hinauf. Überall Geröll, Steine und ein Untergrund, der mit einem normalen Reitweg wirklich nichts zu tun hatte.
Etwa 30 Minuten ritten wir bergauf.
Und die kleinen Vierbeiner waren unglaublich. Sie stiefelten motiviert den Berg hinauf, obwohl die Pferde irgendwann zu schwitzen begannen und teilweise ordentlich arbeiten mussten. Trotzdem blieben sie bis zum höchsten Punkt motiviert. Es ist wirklich unfassbar, mit welcher Leichtigkeit und welchem Biss diese Pferde einen solchen Berg hinaufgehen. Man selbst muss sich dabei richtig festhalten und den Pferden mit langem Zügel vertrauen. Sie brauchen ihren Hals, um ihr Gleichgewicht zu finden und die Unebenheiten auszugleichen.
Lenken?
Fehlanzeige.
Das Pferd weiß definitiv besser, wo es den Berg hinaufkommt. Ich hatte dabei keine Angst, aber großen Respekt. Teilweise ging es direkt neben uns steil bergab. Und gerade auf diesem Untergrund war der Aufstieg sicherlich deutlich anspruchsvoller als jeder normale Bergaufritt. Aber ich vertraute Zizi mehr als mir selbst. Und genau das ist wahrscheinlich das Faszinierendste an diesen Pferden. Oben angekommen waren wir auf ungefähr 3.000 Metern Höhe. Und der Blick war einfach atemberaubend. Auf der einen Seite der Fluss, auf der anderen Seite, über den Bergkamm geritten, die endlose Weite. Es war windig und kalt. Die Windjacke war definitiv notwendig. Ganz oben machten wir kurz Pause. Eigentlich nur, um zu warten, bis alle wieder zusammen waren. Manche Pferde waren schneller den Berg hinaufgekommen, andere deutlich langsamer. Zizi gehörte natürlich zu den schnelleren. Ich stand dort oben und schaute in diese Landschaft. Und plötzlich wurde mir wieder bewusst, wie unglaublich weit und leer die Mongolei eigentlich ist. Auf der anderen Seite des Bergkamms sah man einfach nur Weite.
Keine Häuser.
Keine Straßen.
Keine Menschen.
Nichts.
Faszinierend und gleichzeitig irgendwie erschreckend, wie endlos weit und voller Nichts ein einziger Fleck Erde sein kann. Weiter unten angekommen, gab es weder Busch noch Baum.
Aber ich musste aufs Klo.
Unser mongolischer Guide meinte nur, dass sich die Landschaft sowieso nicht verändern würde. Also stieg ich ab, entfernte mich zehn Meter von der Gruppe und pinkelte. Meine Pinkelhilfe habe ich übrigens immer noch nicht wirklich ausprobiert. Im Nachhinein hätte ich das wohl wirklich zu Hause testen müssen, denn momentan habe ich mehr Angst davor, mich beim Benutzen komplett vollzupinkeln, als vor allem anderen. Nach dem Mittagessen machten wir uns auf den Weg zu unserem Campspot für die nächsten zwei Tage. Dort angekommen, bauten wir wieder alles auf: Küchenzelt, Schlafplätze und diesmal sogar ein Klozelt. Mittlerweile läuft das Ganze fast automatisch.
Als wir fertig waren, liefen wir zu einer mongolischen Familie. Die Familie wusste nicht, dass wir kommen. Aber offenbar ist genau das hier überhaupt nichts Ungewöhnliches. Die Familie empfing uns trotzdem unglaublich gastfreundlich und hieß uns in ihrer Jurte willkommen. Die Jurte war rund und der Eingang so niedrig, dass ich beim Hineingehen tatsächlich den Kopf einziehen musste. Im Inneren war alles untergebracht, was die Familie zum Leben braucht. Rechts befand sich die Küche, in der Mitte stand der Ofen und rundherum gab es Sitz- und Schlafmöglichkeiten. Gleichzeitig wurde dort auch alles Mögliche verstaut. Wir bekamen das traditionelle mongolische Milchteegetränk Suutei Tsai angeboten, einen salzigen Tee mit Milch. Der Milchtee gehört in der Mongolei zum Alltag und wird Gästen häufig als Zeichen der Gastfreundschaft angeboten.
Unser mongolischer Guide übersetzte für uns und erklärte uns gleichzeitig einige Dinge, auf die wir beim Betreten der Jurte achten sollten. Zum Beispiel nimmt man aus Respekt den Hut ab. Und man krempelt seine Ärmel nicht hoch.
Auch wenn es warm wird. Denn hochgekrempelte Ärmel können sinngemäß signalisieren, dass man bereit für einen Kampf ist. Für uns waren solche kleinen Regeln natürlich völlig neu.
Die Familie war unglaublich freundlich und hatte offenbar immer etwas für Besucher vorbereitet. Es war faszinierend zu sehen, wie selbstverständlich Gastfreundschaft hier gelebt wird.
Danach liefen wir wieder zurück zu unserem Camp. Wir entschieden uns, im Fluss noch ein Bad zu nehmen. Gestern hatte ich die Katzenwäsche ausgelassen. Heute fühlte sich das eiskalte Wasser wieder wie eine absolute Wohltat an. Zwei Mongolen machten sich währenddessen mit dem Motorrad noch auf den Weg zum Jagen.
Ihr Ziel waren Murmeltiere.
Das Motorrad hatten sie sich von der Familie ausgeliehen, die wir zuvor besucht hatten. Uns wurde allerdings ausdrücklich davon abgeraten, die Tiere zu essen. Unser Guide erklärte uns, dass Murmeltiere in dieser Region mit der Pest in Verbindung stehen und bei falscher Verarbeitung oder Kontakt mit infizierten Tieren ein erhebliches Risiko bestehen kann. Das ist tatsächlich nicht nur eine Erzählung. Murmeltiere sind in der Mongolei ein wichtiger natürlicher Wirt des Pesterregers Yersinia pestis, und es gab in der Vergangenheit dokumentierte Fälle, bei denen Menschen nach Kontakt mit oder dem Verzehr von Murmeltieren erkrankten. Zurück kamen die Mongolen tatsächlich mit vier Murmeltieren. Sie hingen tot am Motorrad. Die Tiere wurden direkt bei unserem Camp verarbeitet. Für mich war auch das in Ordnung. Es gehört eben zur Lebensweise und Kultur der Menschen hier. Was für uns ungewohnt oder befremdlich wirkt, ist für die Mongolen Teil ihres Alltags. Nach dem Abendessen musste ich allerdings mit großem Bedauern feststellen, dass meine Luftmatratze bereits Luft verloren hatte.
Ein Loch konnte ich auf die Schnelle nicht finden. Also stellte ich mich gedanklich schon einmal darauf ein, diese Nacht auf den Kameldecken zu schlafen.
Puuuuh.
Ein bisschen fühlte es sich wie ein Schlag ins Gesicht an. Nach all den Tagen mit wenig Schlaf, kalten Nächten und einer ohnehin schon nicht besonders komfortablen Schlafsituation war eine kaputte Luftmatratze wirklich das Letzte, was ich gebrauchen konnte.
Aber gut.
Morgen haben wir sicherlich Zeit und vielleicht haben wir ja Glück und finden das Loch. Und dann kam plötzlich die unerwartete Rettung. Eine Teilnehmerin fragte mich, ob ich ihre Luftmatratze haben möchte. Sie schlafe sowieso lieber auf den Kameldecken. Ich war völlig perplex. Und sagte natürlich Ja.
In diesem Moment hätte ich vor Freude und Dankbarkeit fast geheult. Manchmal sind es eben genau diese kleinen Dinge.
Eine Luftmatratze.
Ein scheinbar völlig banales Stück Campingausrüstung. Aber hier, mitten im Altai-Gebirge, nach Tagen ohne Dusche, ohne richtiges Bett und mit kalten Nächten, bedeutet so etwas plötzlich unglaublich viel.
Danke!!
Und mit diesem Gedanken ging ich schließlich schlafen. Noch eine Woche. Und vielleicht ist das gar nicht mehr so schlimm.Read more
Tag 9 - KACKtag
August 13 in Mongolia ⋅ ☁️ 15 °C
Meine Nacht war eine 9 von 10.
Unfassbar gut habe ich auf der Luftmatratze geschlafen. Nach den letzten Nächten war das wirklich Luxus pur. Kein Verrutschen, kein harter Boden, keine Kuhle und vor allem keine Rückenschmerzen. Heute blieb unser Camp an Ort und Stelle, deshalb konnten wir etwas länger schlafen. Frühstück gab es erst um 9 Uhr. Heute ist übrigens Tag 6, an dem ich mein Geschäft nicht vollbracht habe. Unser deutscher Teamleiter meinte mittlerweile, dass die Lage langsam ernst wird und fügte vorsichtshalber noch ein paar Gruselgeschichten hinzu. Genau das, was man morgens beim Frühstück hören möchte.
Ich entschied mich deshalb, nach dem Ausritt meine mitgebrachten Medikamente einzunehmen. Nach dem Frühstück hatte ich zunächst Abwaschdienst und danach ging es auch schon ans Pferd. Zizi sah aus, als hätte er eine ausgesprochen schlechte Nacht gehabt. Und genau so benahm er sich auch. Schlecht gelaunt, genervt von allem und jedem und offensichtlich nicht besonders motiviert, heute mit zu arbeiten. Um 11 Uhr starteten wir trotzdem pünktlich zu unserem Tagesausritt.
Unser Ziel: ein See. Der Weg dorthin war allerdings zunächst ziemlich zäh. Viel Schritt, viel unebener Boden und wieder einmal jede Menge Gelände, bei dem man sich fragt, wie die kleinen Pferde eigentlich so selbstverständlich darüber laufen können. Zizi mag prinzipiell niemanden. Und niemand mag Zizi. Zumindest fast niemand. Eine Ausnahme ist Goldi, das Pferd von Elea. Mit Goldi versteht sich Zizi erstaunlich gut. Die beiden können problemlos nebeneinander laufen. Ab und zu kappeln sie sich ein bisschen, drängen sich gegenseitig zur Seite oder werden plötzlich schneller, wenn einer den anderen überholen möchte. Aber alles halb so wild.
Die anderen Tourpferde mögen Zizi dagegen überhaupt nicht. Manche legen die Ohren an, andere schnappen nach ihm. Eines der Pferde, Merlin, mittlerweile von uns liebevoll Schnappi genannt, startet sogar regelmäßig mit weit aufgerissenem Maul in unsere Richtung.
Zizi wird irgendwie wirklich nicht besonders gemocht. Kurz vor der Bergkuppe machten wir noch einmal Halt. Die Mongolen überprüften unsere Sattelgurte und kontrollierten den Sitz unseres Equipments. Dann ging es über die Bergkuppe.
Und plötzlich lag er vor uns: ein hellblauer See. Auf etwa 2.700 Metern Höhe leuchtete mitten in dieser kargen Landschaft ein eisblauer See.
Atemberaubend. Wir ritten bis zum Ufer und machten dort unsere Mittagspause. Wie immer aßen wir unser vorbereitetes Essen aus der Tupperdose.
Mein Appetit hielt sich dabei allerdings etwas in Grenzen. Mein Kopf findet die aktuelle Kacksituation mittlerweile deutlich schlimmer als mein Körper selbst. Denn eigentlich geht es mir gut. Ich fühle mich gut. Ich habe keine Bauchschmerzen und keine wirklichen Beschwerden. Und trotzdem habe ich seit sechs Tagen nicht mehr gekackt.
Sechs. Tage.
Nach dem Mittagessen machten einige von uns noch einen Abstecher in den See. Ich natürlich auch. Bikini und Handtuch hatten wir natürlich in unseren Satteltaschen dabei. Das Wasser war eiskalt. Für einen kurzen Moment war es fast schmerzhaft, aber gleichzeitig unglaublich erfrischend. Und mitten in dieser Landschaft in einem 2.700 Meter hoch gelegenen See zu schwimmen, war einfach wunderschön. Danach schnell abtrocknen, wieder anziehen und zurück aufs Pferd. Auf dem Rückweg waren die Pferde deutlich motivierter. Elea und ich ließen uns mit unseren Pferden etwas zurückfallen. Irgendwann war nur noch ein Mongole mit uns unterwegs, der ebenfalls auf dem Bild zu sehen ist.
Und plötzlich zählte er von drei herunter.
Drei. Zwei. Eins. Und los.
Goldi, Zizi und das Pferd des Mongolen lieferten sich plötzlich ein kleines Rennen zurück zur Gruppe. Ich musste lachen. Langsam verstehe ich tatsächlich, warum mein Pferd als fortgeschrittenes Pferd gilt. Zizi kann unglaublich schnell werden, wenn er möchte. Und genau diese Momente machen ihn für mich immer interessanter.
Zurück im Camp entschied ich mich dann endgültig, das Pulver gegen die Verstopfung zu nehmen. Die Nebenwirkungen ließen zumindest nicht lange auf sich warten. Plötzliches Unwohlsein, Durst und Kopfschmerzen. Drei Päckchen von dem Pulver und dazu eine ordentliche Portion Magnesium waren offenbar genug, um meinen Körper zumindest einmal deutlich darauf aufmerksam zu machen, dass sich etwas ändern sollte. Mittlerweile arbeitete es irgendwo in meinem Körper beziehungsweise in der Magenregion. Aber so wirklich passierte leider noch nichts. Ich hoffe wirklich, dass sich das morgen ändert. Viele Teilnehmer kümmerten sich zwischenzeitlich ganz liebevoll um mich und sprachen mir Mut und Zuversicht zu. Sehr lieb. Jetzt versuche ich erst einmal, mit einer Wärmflasche zu schlafen und hoffe auf einen erfolgreichen Morgenschiss. Mehr kann man sich nach sechs Tagen wohl wirklich nicht mehr wünschen.
By the way:
Die Jungs haben tatsächlich das Loch in meiner Luftmatratze gefunden. Der Kleber musste allerdings noch trocknen. Morgen tausche ich deshalb wieder mit der Teilnehmerin zurück. Und dann hoffe ich einfach, dass meine Luftmatratze bis zum Ende der Reise durchhält.
Nach dieser Nacht weiß ich jedenfalls:
Eine funktionierende Luftmatratze ist hier definitiv kein Luxus, sondern überlebenswichtig.Read more
Tag 10 - längste Distanz
August 14 in Mongolia ⋅ ☀️ 18 °C
Die Nacht war in Ordnung.
Mein Magen hatte durch die ganzen Einnahmen zumindest etwas gearbeitet, trotzdem konnte ich erstaunlich gut schlafen. Am Morgen war mein Gesundheitszustand allerdings unverändert. Also nahm ich noch einmal vier Magnesiumkapseln und bekam von Chiara zusätzlich Tabletten gegen Verdauungsprobleme, die zweimal täglich eingenommen werden sollten. Diesmal nahm ich alles auf nüchternen Magen. Und ich hatte Hoffnung. Vielleicht passiert jetzt endlich etwas.
Um 8 Uhr gab es Frühstück.
Appetit hatte ich zum Glück immer noch. Also gab es auch heute ganz normal etwas zu essen.
Nach dem Frühstück probierte ich es noch einmal. Und tatsächlich. Es kam etwas. Kompakt. Sehr kompakt. Und in Schafsböbbel-Form. Aber es kam.
Das Kapitel war nach sieben Tagen endlich abgeschlossen.
Als ich zurück zu den anderen kam, waren alle gespannt auf meine Antwort. Zu oft hatte ich in den vergangenen Tagen mit gesenktem Kopf den Kopf geschüttelt. Diesmal war die Antwort anders. Alle jubelten. Ich bekam eine La-Ola-Welle. Jeder hat sich gefreut.
Ich ganz besonders. Verrückt, welche Themen auf so einer Reise irgendwann zur Normalität werden und wie selbstverständlich man plötzlich über Dinge spricht, über die man zu Hause niemals mit einer Gruppe von Menschen diskutieren würde.
Aber hier?
Hier war es einfach ein Erfolg für die ganze Gruppe. Bevor es losging, bekamen die Kamele noch den übrig gebliebenen Murmeltier-Sud. Unser mongolischer Guide erklärte uns, dass dieser Sud für die Kamele gedacht sei, deren Höcker schlapp herunterhängen. Er solle ihnen neue Energie geben und dabei helfen, wieder fit zu werden. Ob das tatsächlich eine traditionelle Anwendung ist oder eher das Wissen der Menschen vor Ort, kann ich nicht beurteilen. Sicher ist nur: Die Mongolen haben ihre eigenen Erfahrungen und Methoden im Umgang mit ihren Tieren, die für uns teilweise sehr ungewohnt sind.
Und die Kamele waren von der Behandlung alles andere als begeistert. Ausgewählte Tiere wurden hingelegt und der Sud wurde ihnen mit einer Plastikflasche eingeflößt. Wieder einmal war das einer dieser Momente, bei denen man nicht wirklich weiß, ob man hinterfragen sollte. Aber irgendwann akzeptiert man auch einfach, dass man sich hier in einer völlig anderen Kultur befindet und nicht alles nach unseren Vorstellungen funktioniert. Kurz darauf wurden die Kamele bepackt und wir machten uns ebenfalls auf den Weg. Heute stand die bisher längste Distanz auf dem Tagesplan:
21 Kilometer. Die erste Stunde war allerdings alles andere als entspannt. Zizi war völlig von der Rolle. Ich weiß bis heute nicht, was plötzlich mit ihm los war. Er war wild, aufgedreht und irgendwie, als wäre er von einer Tarantel gestochen worden. Es gab mehrere Situationen, in denen ich mir dachte: Junge, was ist denn plötzlich mit dir los? Zum Glück legte sich irgendwann ein Schalter um. Plötzlich war mein Zizi wieder der Alte. Langer Zügel, gesenkter Kopf und gemütlich im Schritt. Ich war wirklich erleichtert.
Denn wenn das die kompletten 21 Kilometer so weitergegangen wäre, hätte ich heute ganz schön etwas zu tun gehabt. Die Grundgeschwindigkeit war heute insgesamt deutlich höher. Fast schon ein bisschen stressig.
Immer wieder mussten wir antraben oder galoppieren, um zur vorderen Gruppe aufzuschließen. Für mich war das mit Zizi überhaupt kein Problem. Er war wieder kontrollierbar und ich hatte mittlerweile so viel Vertrauen in ihn, dass ich mich auf seine Bewegungen gut einstellen konnte.
Bei einigen anderen Reitern sah das allerdings anders aus.
Deren Pferde funktionierten wieder nach dem altbekannten Herdentrieb:
Einer trabt an.
Alle traben.
Einer galoppiert.
Die halbe Herde galoppiert hinterher.
Für diejenigen, die ihr Pferd noch nicht richtig kontrollieren konnten, war das natürlich deutlich anstrengender. Während der Tour hatten wir nur selten Internet.
Und wenn plötzlich Empfang da war, erkannte man das sofort an den Mongolen.
Einer nach dem anderen holte sein Handy heraus, scrollte durch Nachrichten oder telefonierte. Es war fast schon lustig, wie selbstverständlich die Handys plötzlich wieder interessant wurden, sobald irgendwo ein bisschen Empfang vorhanden war.
21 Kilometer durch das Altai-Gebirge:
Die Landschaft veränderte sich während unserer Strecke immer wieder. Am Anfang ritten wir noch durch endlose grüne Wiesen. Später wurde der Untergrund zunehmend steinig, schräg und unwegsam. Der Fluss begleitete uns dabei fast die ganze Zeit. Immer wieder mussten wir sogar durchs Wasser reiten. Die meisten Pferde fanden das ziemlich gut und hatten offensichtlich das Bedürfnis, direkt stehen zu bleiben und zu trinken. Allerdings war uns bereits zu Beginn der Tour gesagt worden, dass wir die Pferde möglichst nicht fressen oder saufen lassen sollten. Die Erklärung der Mongolen war, dass der Bauch dadurch dicker wird und sich der Sattelgurt anschließend schwieriger festziehen lässt. Ich vermute allerdings, dass dahinter noch etwas anderes steckt. Ein Pferd, das plötzlich stehen bleibt, um zu fressen oder zu trinken, bringt die gesamte Gruppendynamik durcheinander. Die anderen Pferde bleiben ebenfalls stehen und der Vorwärtsfluss der Gruppe wird unterbrochen.
Für uns war jedenfalls klar:
Weiterreiten.
Nach insgesamt etwa vier Stunden, inklusive einer kurzen Mittagspause, kamen wir an unserem neuen Camp an. Und trotz der langen Strecke war die Stimmung wieder richtig gut.
Eigentlich erstaunlich.
21 Kilometer im Sattel, teilweise anspruchsvolles Gelände und trotzdem sitzen die Leute danach zusammen und lachen. Mittlerweile ist die Gruppe wirklich gut eingespielt.
Die tägliche Routine: Am Camp angekommen, lief alles wie mittlerweile gewohnt. Pferde absatteln und in die Freiheit entlassen. Kamele entladen. Equipment sortieren. Küchenzelt aufbauen. Schlafzelte aufbauen.
Mittlerweile sind wir bei diesen Abläufen richtig routiniert. Nach all den To-dos wusch ich noch einen Teil meiner Kleidung und gönnte mir anschließend ein kurzes Bad im Fluss. Und ich stellte mir wieder dieselbe Frage wie schon einmal: Ist das Wasser wärmer geworden oder haben wir uns einfach an die Kälte gewöhnt?
Wahrscheinlich Letzteres.
Neues Schaf, neues Glück
Einer der Mongolen machte sich später noch einmal mit seinem Pferd auf den Weg. Er kam zurück. Mit einem Schaf. Das nächste Abendessen war also bereits gesichert.
Morgen wird das nächste Schaf geschlachtet.
Heute Abend gab es zum letzten Mal Fleisch von unserem „alten“ Schaf.
Und puh.
Diesmal war der Geschmack wirklich grenzwertig. Ich hoffe sehr, dass es die nächsten Tage wieder etwas frischer schmeckt.
Ich meine:
Neues Schaf, neues Glück.
Nach dem Abendessen saßen wir wieder zusammen, spielten Karten und unterhielten uns über Gott und die Welt. Und während ich so dasaß, wurde mir wieder bewusst, wie schnell sich diese eigentlich völlig ungewohnte Situation mittlerweile normal anfühlt. Vor ein paar Tagen hätte ich mir niemals vorstellen können, nach 21 Kilometern auf einem mongolischen Pony in irgendeinem abgelegenen Tal zu sitzen, mich über eine erfolgreiche Verdauung zu freuen, neben mir ein neu angekommenes Schaf zu haben und anschließend mit einer Gruppe Menschen Karten zu spielen.
Und trotzdem fühlt sich genau das inzwischen wie Alltag an. Morgen geht es weiter.Read more
Tag 11 - Touri-Tag
August 15 in Mongolia ⋅ ☀️ 19 °C
Heute habe ich mich irgendwie gefühlt wie ein Tourist auf einer schlecht organisierten Tour. Frag mich nicht genau, warum, aber ich versuche es mal in Worte zu fassen.
Um 7 Uhr sind wir aufgestanden. Es hat so stark gewindet und war so kalt, dass man sich erst einmal gar nicht aus dem warmen Schlafsack herausgetraut hat. Viel Zeit zum Trödeln hatten wir allerdings nicht, denn bis 8 Uhr mussten unsere Sachen gepackt sein. Heute ging es weiter zum nächsten Camp. Das Camp von gestern hatte irgendwie einen schlechten Beigeschmack hinterlassen. Überall lag Klopapier herum, man musste aufpassen, nicht in irgendwelche Tretminen 💩 zu treten, und dann war da noch etwas, das mich zunehmend störte:
Wir sind 1.350 Kilometer Richtung Westen gereist, um mitten durch die Wildnis des Altai-Gebirges zu reiten, fernab von Menschen, Strom und Internet. Und was begegnet uns? Schon zum zweiten Mal andere Touristen.
Und plötzlich stellt man sich die Frage: Warum eigentlich der ganze Aufwand?
Nach dem Frühstück wurden zunächst die Kamele gepackt. Das Packen der Kamele hat für unsere Weiterreise natürlich oberste Priorität. Heute tat mir allerdings eines der Kamele besonders leid. Man konnte ihm regelrecht ansehen, dass es ihm nicht gut ging. Es zitterte und allein sein Gesichtsausdruck vermittelte den Eindruck, dass es heute einfach nicht für diese Aufgabe gemacht war. Gepackt wurde es trotzdem. Das Kamel wurde ganz normal behandelt und ich gehe davon aus, dass den Mongolen durchaus aufgefallen ist, dass es ihm nicht gut ging. Vermutlich wurde es ähnlich heruntergespielt wie bei dem Pferd, das sich an Tag eins verletzt hatte. Hier merkt man eben noch einmal sehr deutlich, dass die Tiere hier Nutztiere sind und kein Luxusgut. Sie sind dafür da, zu arbeiten und die Menschen durch diese Landschaft zu bringen. Das ist für uns ungewohnt und teilweise schwer mitanzusehen. Nachdem die Kamele fertig waren, kamen die Pferde dran. Heute trenste und sattelte ich mein Pferd zum ersten Mal komplett selbstständig. Der Mongole überprüfte anschließend alles, hob den Daumen und drehte sich wieder um.
Wooohuuuu! Das erste Mal alles richtig gemacht. 😄
Heute erwartete uns lediglich ein etwa acht Kilometer langer Ritt. Nach kurzer Zeit wurden noch einmal unsere Sattelgurte kontrolliert, dann ging es zügig weiter. Uns erwartete ein ziemlich steiniger und besonders steiler Abstieg. Eigenartigerweise mussten wir dafür absteigen und unsere Pferde zu Fuß hinunterführen. Mein Pferd ist dafür allerdings überhaupt nicht geeignet. Immer wieder blieb es stehen und musste von einem Mongolen von hinten angetrieben werden. Es war einfach lästig. Und plötzlich fühlte ich mich wie der dumme Touri, der Unmengen an Geld für eine Abenteuertour bezahlt hat, aber irgendwie keine richtige Abenteuertour bekommt.
Nach ungefähr zwei Stunden erreichten wir das neue Camp. Dort wurden zunächst die Pferde wieder in die Natur entlassen. Anschließend wurden die Kamele abgeladen und ebenfalls freigelassen. Das neue Camp erfüllte dann glücklicherweise wieder genau meine Vorstellungen. Schön abgelegen, mitten in der Natur und vor allem ohne die Verschmutzung durch Menschen. Kein herumliegendes Klopapier, keine offensichtlichen Hinterlassenschaften und einfach wieder dieses Gefühl, wirklich mitten in der Wildnis zu sein. Danach gab es Mittagessen. Es war gerade einmal 14 Uhr und trotzdem waren wir alle schon völlig kaputt. Viel Zeit zum Ausruhen blieb allerdings nicht, denn wir mussten noch das Küchenzelt und anschließend unsere eigenen Zelte aufbauen. Chiara und ich waren seit Beginn an nicht sonderlich zufrieden mit unserem Zelt. Es war eher eine Sardinenbüchse als ein gemütlicher Rückzugsort und an erholsamen Schlaf war darin kaum zu denken. Also schnappten wir uns eines der übrigen Zelte und bauten es auf.
Als wir gerade fertig waren, kam die mongolische Guide zu uns und sagte in einem ziemlich unangenehmen und bestimmenden Ton, dass wir das Zelt wieder abbauen und stattdessen das Zelt vom Vortag nehmen sollten.
Ich stutzte.
Im nächsten Moment erklärte sie, dieses Zelt sei nicht windfest und außerdem undicht. Ähm … das Zelt war gefühlt noch nie aufgebaut worden. Woher wollte sie wissen, dass es nicht windfest und undicht ist? Und warum erzählt sie mir etwas, das offensichtlich nicht stimmen konnte?
Aber gut. Ohne Widerworte bauten wir das Zelt wieder ab und unser „altes“ Zelt erneut auf. Bei gefühlten 40 Grad und endloser Müdigkeit.
Aber hey. 🙃
Wenige Minuten später kam sie wieder und wühlte in meiner Tasche herum. Dann fragte sie mich, ob die darin befindliche Unterlage meine sei. Ja. Sie war meine. Ich hatte sie aus Deutschland mitgebracht und mir von einem Arbeitskollegen ausgeliehen. Und warum kramt sie eigentlich in meinen Sachen herum? Puh. Ich war plötzlich minimal genervt. Also machte ich eine Pause. Das erste Mal seit zehn Tagen brauchte ich einfach kurz Zeit für mich. Wie sagt man so schön:
„Musik an. Welt aus.“
Und auch wenn wir hier jeden Tag darauf achten mussten, nicht unnötig Akku zu verbrauchen, musste ich mir diesen kleinen Luxus für einen Moment gönnen. Glücklicherweise tat das ausgesprochen gut. Über den Tag hinweg gibt es immer wieder verschiedene Aufgaben, für die man sich einteilen lassen kann: Weckdienst, beim Zubereiten der Mahlzeiten helfen, Tupperdosen befüllen oder Geschirr und Tupperdosen abwaschen.
Heute habe ich zusammen mit zwei anderen Mädels die Tupperdosen sauber gemacht. Dafür standen uns zwei Schüsseln mit Wasser zur Verfügung. In einer fand mit etwas Spülmittel der eigentliche Waschgang statt, in der zweiten wurden die letzten Essensreste und der Schaum abgespült. Die dritte Person trocknete alles ab. Teilweise ist diese Arbeit sogar ziemlich befriedigend. Je nachdem, was es allerdings zu essen gab, fühlten sich die Finger danach trotzdem schmutziger an als vorher. 😄
Das gestern gekaufte Schaf wurde heute ebenfalls geschlachtet. Dieses Mal war ich allerdings nicht dabei. Ich hatte schließlich Wichtigeres zu tun: Drei Mädels brauchten Zöpfe. Ich bin mittlerweile sozusagen die Stylistin unserer Gruppe. Um 17 Uhr stand für einige von uns noch ein Fotoshooting auf dem Programm. Da die Adlerjäger gemeinsam mit uns unterwegs waren, gehörte dieses Erlebnis ohnehin zu unserer Tour. Ein paar Tage zuvor durften wir bereits einen Adler aus der Hand füttern.
Heute war es allerdings noch einmal etwas ganz anderes. Wir saßen in traditioneller mongolischer Kleidung auf unseren Pferden und hielten den Adler auf dem Arm. Natürlich war die ganze Aktion gestellt und es wurden entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Trotzdem war das Erlebnis unglaublich beeindruckend. Vor allem bekam man noch einmal ganz anders mit, wie kraftvoll so ein Adler eigentlich ist. Wenn dieser riesige Vogel auf dem Arm sitzt und sich bewegt, merkt man plötzlich sehr deutlich, dass man da kein kleines Haustier hält.
Es entstanden unglaublich schöne Erinnerungen und Fotos. Und gerade in diesem Moment war es dann doch wieder genau das, wofür man hierhergekommen ist. Am Abend fanden sich einige von uns zusammen, um wieder eine Runde Volleyball zu spielen. Wir spielten vor dem Abendessen und danach noch weiter, bis die Sonne langsam unterging. Es war einfach unglaublich amüsant. Die Mongolen hatten offenbar ihre ganz eigenen Volleyballregeln, waren selbst nicht unbedingt die besten Spieler, schimpften aber bei jedem Fehler der anderen. Natürlich machten sie es selbst nicht wirklich besser.
Die Kombination war trotzdem unheimlich lustig und sorgte für ordentlich Unterhaltung. Nachdem die Sonne untergegangen war, versammelten wir uns noch um ein Lagerfeuer. Erst war es einfach gemütlich. Wir saßen zusammen, machten Musik und genossen den Abend.
Irgendwann wurde daraus aber deutlich mehr. Wir sangen, lachten und tanzten zusammen. Die Stimmung war einfach richtig gut. Und genau diese Momente sind es dann wieder, die all die kleinen Dinge vergessen lassen, die einen tagsüber nerven. Vielleicht ist das auch genau das Spannende an dieser Reise. Es gibt Tage, an denen man sich fragt, warum man sich das alles eigentlich antut. Warum man so weit fliegt, stundenlang auf dem Pferd sitzt, kaum Privatsphäre hat, sich über Zelte ärgert und plötzlich mit Situationen konfrontiert wird, die man aus seinem normalen Alltag überhaupt nicht kennt.
Und dann sitzt man abends mit den Mongolen am Lagerfeuer, singt, lacht und schaut in die Dunkelheit.
Und plötzlich weiß man wieder, warum man hier ist.
Morgen bleiben wir hier und machen einen Ausritt zu einem Wasserfall.Read more
Tag 12 - die verschwundene Pferdeherde
August 16 in Mongolia ⋅ ☁️ 18 °C
Ich habe echt gut geschlafen, der Morgen war gemütlich, keiner hatte es eilig.
Um 9 Uhr gab es Frühstück.
Mittlerweile bin ich sehr froh über einen aufklappbaren Stuhl MIT Lehne. Anfangs wurde ich deswegen belächelt, mittlerweile kann ich mir einen Morgen oder Abend ohne meinen Stuhl mit Lehne kaum noch vorstellen. Beim anfänglichen Packen blieb es allen selbst überlassen, was der jeweilige Teilnehmer mitnehmen möchte und was nicht. Ja, es gab eine Packliste von Wandermut, jedoch fand ich diese nicht unbedingt hilfreich. Später erfuhren wir, dass die Packliste für jede Tour dieselbe ist. Jetzt erklärt sich auch, warum die Liste teilweise so abgespeckt war. Wandermut bietet Abenteuertouren an, bei denen du dein Gepäck beispielsweise zwölf Tage durch die Sahara oder den Dschungel transportieren musst. Da überlegt man sich natürlich zweimal, was wirklich ins Gepäck muss.
Aber für mich war sicher: Ich wollte unbedingt einen Stuhl MIT Lehne. Die anderen Teilnehmer haben entweder einen kleinen Hocker oder ein Sitzkissen, die meisten saßen allerdings einfach auf dem Boden. Ein erstes Fazit über mein Equipment kann ich auch schon ziehen. Ich habe tatsächlich weder zu viel noch zu wenig Kleidung dabei. Anfangs hatte ich Bedenken, dass die Merinowolle, die in Deutschland unangenehm auf meiner Haut gekratzt hat, hier nicht ihren Zweck erfüllt. Mittlerweile ziehe ich das Langarmshirt sehr gerne an, egal bei welchem Wetter. Tatsächlich auch dann, wenn es eigentlich viel zu warm ist und man lieber ein T-Shirt anhätte. Es schützt mich aber perfekt vor der aggressiven Sonneneinstrahlung in der Mongolei. Und sobald die Sonne hinter den Wolken verschwindet, wird es sofort wieder kühler und auch dann erfüllt das Shirt seinen Zweck.
Die Handwärmer habe ich bisher noch nicht benötigt. Mittlerweile reiten wir den Berg auch wieder hinunter, daher bleibt die Vermutung, dass es langsam wieder wärmer wird. Tatsächlich hatten wir mit dem Wetter in der Mongolei auch wirklich Glück. Die Tour eine Woche zuvor hatte viel mit Regentagen zu kämpfen und auch die Temperaturen waren deutlich unangenehmer als bei uns.
Mit den Powerbanks musste ich auch erst den richtigen Umgang lernen. Mein Handy hatte ich einmal außerhalb des Schlafsacks liegen. Es war so kalt, dass der Akku sich über Nacht komplett leergezogen hat. Auch die Powerbank sollte nicht kalt sein. Eine kalte Powerbank hat gefühlt ihre gesamte Speicherkapazität verloren und wenn das Handy selbst kalt ist, dauert der Ladevorgang ewig. Seitdem schlafe ich mit meinem Handy im Schlafsack. Sicher ist sicher.
Sinnvoll waren auch die Wäscheklammern und das Handwaschmittel von Margit. Mit einer perfekten Größe konnte man ein paar Kleidungsstücke wieder mit einem frischen Duft versehen und mit dem Fluss, der uns eigentlich immer begleitet, war das Waschen auch kein Problem.
Eines meiner Luxusgegenstände sind das Haaröl für trockene Haare sowie mein Rasierer.
Beste Entscheidung!
Gegen 10.30 Uhr wurden wir losgeschickt, um unsere Pferde zu holen. Heute mussten wir einige Meter laufen, um an unsere Pferde zu kommen. Schnell habe ich festgestellt, dass mein Pferd nicht dabei war. Den Mongolen ist das ebenfalls aufgefallen. Insgesamt fehlten fünf Pferde. Einer der Mongolen hat mich mit einer pfeifenden Handbewegung hinterhergeschickt, während er gerade einen weiteren Hügel hinauflief. Heute Morgen hatten wir noch darüber gesprochen, dass das Pferdeeinfangen die letzten Tage eigentlich gar nicht lange gedauert hatte.
Der Mongole hatte mich bereits nach dem zweiten Hügel abgehängt. Ich habe noch versucht, weiter hinterherzukommen, musste aber ziemlich schnell akzeptieren, dass ich keine Chance hatte, mit seinem Tempo mitzuhalten. Und bevor ich mich verlaufe und am Ende nicht mehr zurück zum Camp finde, bin ich lieber wieder zurückgelaufen.
Insgesamt haben vier Mongolen nach den vermissten Pferden gesucht. In jeder Himmelsrichtung waren sie unterwegs. Immer wieder kamen sie ratlos und teilweise etwas verzweifelt zurück. Keiner konnte sich erklären, wohin die Pferde gegangen waren.
Man muss dazu noch einmal sagen, dass den Pferden Fußfesseln angelegt werden. Zwei bis drei Beine sind dabei mit einem Seil aneinandergebunden. Fortbewegung ist damit trotzdem möglich. Die Pferde sind allerdings so geschickt, dass sie mit den Fußfesseln sogar galoppieren oder sich wälzen können. Ein Entkommen ist also durchaus möglich, auch wenn es dadurch deutlich herausfordernder wird.
Für uns war die Situation völlig in Ordnung. Wir hatten die letzten Tage unfassbar viel Glück, dass die Pferde immer direkt vor unserer Haustür standen. Da darf so etwas auch mal passieren. Während der Wartezeit machten es sich die fertig gesattelten und getrensten Pferde sowie deren Reiter wieder bequem.
Eigentlich wollten wir um 11 Uhr losreiten. Nach zwei Stunden Wartezeit haben wir schließlich das Mittagessen im Camp zu uns genommen. Als alle Mongolen ratlos wieder am Camp ankamen, ritt einer noch einmal los. Und tatsächlich: Nach insgesamt drei Stunden wurden die Pferde gefunden. Hinter dem Berg, auf der anderen Seite. Um 14 Uhr ritten wir dann die nächsten 15 Kilometer Richtung Wasserfall. Der Ausritt ging durch ein faszinierendes Panorama, bergauf und anschließend wieder bergab. Das Fragwürdige an dem Ausritt war, dass wir heute ebenfalls ziemlich steil den Berg hinuntergeritten sind, dabei aber sitzen bleiben durften. Seltsam. Aber wir hinterfragen es nicht.
Der Wasserfall selbst war eher klein, aber trotzdem schön. Eigentlich sollte dort unsere Mittagspause stattfinden und wir hätten unser Mittagessen am Wasserfall gegessen. Durch die dreistündige Pferdesuche hatte sich allerdings alles nach hinten verschoben. Deshalb machten wir dort nur eine Pause, bevor es weiterging. Der heutige Ausritt war für mich einer der besten. Die Aussicht, die positive Gruppendynamik, jeder hatte sein Pferd unter Kontrolle und auch die Abwechslung bei den verschiedenen Tempi war heute einfach sehr passend.
Durch den späten Start kamen wir natürlich auch entsprechend spät an. Relativ schnell gab es Abendessen. Am Vorabend hieß es, dass das Abendessen vegetarisch und deutsch sein würde. Wir vermuteten irgendetwas mit Spätzle. Und tatsächlich gab es eine cremige Karotten-Pilz-Suppe mit Teigklümpchen. Spätzle waren es nicht, lecker war es trotzdem. Nach dem Abendessen hatte ich Abwaschdienst. Danach haben wir wieder Volleyball mit den Mongolen gespielt.
Morgen werden wir wieder ein Camp weiterziehen und langsam geht die Tour dem Ende entgegen. Und irgendwie ist genau das gerade das Verrückte. Jetzt, wo man sich langsam an alles gewöhnt hat. Man durchlebt während dieser Tour verschiedene Gefühlsmomente. Von anfänglicher Euphorie über eine mentale und völlig ungewohnte Lebensweise bis hin zu dem Punkt, an dem der Alltag langsam zur Routine wird.
Am Anfang war alles neu. Kein Strom, kein fließendes Wasser, draußen schlafen, jeden Tag mehrere Stunden auf dem Pferd und ständig neue Situationen, auf die man sich einstellen musste.
Und jetzt fühlt sich vieles davon schon völlig normal an.
Vielleicht ist genau das eine der spannendsten Erfahrungen dieser Reise.Read more
Tag 13 - wechselhaftes Wetter
August 17 in Mongolia ⋅ ☁️ 18 °C
Richtig komisches Gefühl. Langsam gewöhnt man sich tatsächlich an die gesamte Routine. An das Aufstehen, Frühstücken, Packen, Pferde suchen, Satteln, Reiten, Camp aufbauen, Essen und wieder Schlafen. Was ich vermisse? Zuverlässigen Strom und eine ausgiebige, warme Dusche. Den Rest … habe ich mittlerweile akzeptiert. Heute habe ich ausgezeichnet geschlafen. Um 7 Uhr hat uns der Weckdienst mit einem freundlichen „Guten Morgen“ geweckt. Vor dem Frühstück hatte mittlerweile jeder seine eigene Routine gefunden. Jeder wusste, was zu tun war, ohne dass groß darüber gesprochen werden musste. Um 8 Uhr gab es Frühstück. Nochmal standen die leckeren Pancakes auf dem Tisch. Troja hatte auch noch einmal die leckere Rhabarberkonfitüre herausgeholt. Auf die Konfitüre stürzten wir uns wie die Geier. Einfach lecker. In Ulaanbaatar kaufe ich definitiv ein Glas davon für zu Hause.
Nach dem Frühstück waren die Mongolen heute besonders schnell. Zumindest für mongolische Verhältnisse ging es ungewöhnlich zügig ans Kamele-Bepacken. So schnell, dass einige von uns noch gar nicht mit ihrem Gepäck fertig waren und die Mongolen das halb fertig gepackte Gepäck bereits auf die Kamele laden wollten.
Nachdem alle Kamele fertig bepackt waren, machten wir uns auf die Suche nach unseren Pferden. Diesmal ging es deutlich schneller. Trotzdem war wieder meines unter den Pferden, die sich nicht sofort einfangen lassen wollten. Nur dauerte es diesmal keine drei Stunden, sondern vielleicht 20 Minuten, bis jeder sein Pferd hatte.
Unter den Horsemen gab es einen Mongolen, der irgendwie alles konnte und alles machte. Er konnte äußerst attraktiv Pferde reiten, sah in seinem Deel, dem traditionellen mongolischen Mantel, richtig gut aus, war derjenige, auf den gewartet wurde, wenn ein Schaf geschlachtet werden musste, konnte gleichzeitig charmant und witzig sein und flocht unserem mongolischen Guide sogar die Haare.
Ein echter Alleskönner.
Er hieß Sechna, war 25 Jahre alt und Single.
Spannend war, dass die meisten von uns entweder ihn oder einen der anderen Mongolen attraktiv fanden und durchaus Möglichkeiten sahen, mit ihnen zu flirten. Ich war zugegebenermaßen auch beeindruckt. Aber die Mongolen mit ihrem asiatischen Touch und der braun gebrannten Haut waren einfach weniger mein Typ und passten irgendwie nicht in mein Beuteschema. Tatsächlich waren die Mongolen unfassbar braun von der Sonne. Dabei scheint die Sonne hier vermutlich nur ein paar Monate richtig intensiv, während der Rest des Jahres eher kalt und ungemütlich ist.
Während der Tour waren die Mongolen irgendwann einmal im Fluss baden. Da konnte man dann auch mal sehen, wie der Rest des Körpers aussah. Käseweiß. Vor allem die Füße. Das war schon fast gruselig. Nachdem alle ihre Pferde gesattelt und getrenst hatten, ging es los. Auf unseren vorletzten Ausritt der Tour. Noch einmal hoch auf den Berg und die gigantische Aussicht genießen. Diese endlose Weite. Man kann dieses Gefühl kaum in Worte fassen. Es ist wie Durchatmen für den Kopf. Egal, was mich in den nächsten Monaten bei der Arbeit und im Alltag erwartet, hier läuft das Leben anders. Hier hat man andere Ziele und andere Prioritäten. Die Probleme der Welt zu Hause rücken plötzlich in den Hintergrund.
Was dort gerade passiert? Keine Ahnung.
Abgeschottet von der Zivilisation, ohne Internet und auf dem Rücken der Pferde zu sitzen, ist tatsächlich ein Gefühl, das sich nur schwer beschreiben lässt. Heute war der Trampelpfad auf dem Weg zu unserem nächsten Camp noch einmal eine Herausforderung. Zumindest dachten wir das. Aber die kleinen, trittsicheren Pferde stiefelten den Berg hoch und wieder runter, als wäre es das Normalste der Welt. Kaum einer von uns hätte das wohl so trittsicher und zuverlässig hinbekommen wie diese Pferde. Mittlerweile hat man einfach vollstes Vertrauen und keinerlei Bedenken oder Zweifel mehr, dass die Pferde irgendwelche Probleme mit dem Gelände bekommen könnten.
Zur Mittagspause teilten Max und ich uns ein Red Bull. Keine Ahnung, wie das so lange in meinem Drybag überleben konnte. Ich hatte es tatsächlich noch in Deutschland gekauft. Heute war der perfekte Zeitpunkt dafür. Nicht, weil wir müde waren. Sondern weil es ein Luxusartikel war. Und genau darüber musste ich währenddessen nachdenken. Wir sprechen ständig davon, was für uns Luxus ist. Beautyprodukte, eine eiskalte Cola aus dem Kühlschrank, ein Red Bull, eine warme Dusche oder einfach jederzeit verfügbares Internet.
Hier draußen funktioniert Luxus aber ganz anders. Für viele Nomaden sind Dinge, die für uns völlig selbstverständlich sind, eben nicht selbstverständlich. Strom ist in abgelegenen Gegenden nicht immer zuverlässig verfügbar. Viele Familien nutzen inzwischen Solaranlagen, um Licht zu haben, Handys zu laden oder Radio und Fernseher zu betreiben. Größere Geräte wie Kühlschränke oder Waschmaschinen sind aufgrund der begrenzten Stromversorgung deutlich schwieriger. Und gleichzeitig gibt es Dinge, die für sie viel wichtiger sind als für uns. Ein gutes Pferd. Genügend Vieh. Futter für den Winter. Ein zuverlässiges Fahrzeug oder Motorrad, um die Tiere und die großen Entfernungen bewältigen zu können. Und natürlich die Möglichkeit, mit der Außenwelt verbunden zu bleiben. Ehrlich gesagt vergisst man unglaublich schnell, was für uns Europäer selbstverständlich ist und für andere Menschen auf der anderen Seite der Welt purer Luxus bedeutet oder dort einfach nicht existiert. Kurz vor der Mittagspause fing es an zu winden. Regen kündigte sich an.
Während der kompletten Tour hatten wir wirklich unglaublich viel Glück mit dem Wetter. Zweimal hat es nachts geregnet, ansonsten hatten wir fast ausschließlich Sonnenschein. Das Positive am Regen: Ich konnte endlich meine extra gekaufte Regenkleidung testen. Nach dem Mittagessen stand noch einmal Galopp auf dem Tagesprogramm. Mittlerweile hatte jeder an dieser Gangart den meisten Spaß gefunden.
Unser deutscher Teamleiter sagte heute, wenn wir es morgen, an unserem letzten Tag, schaffen würden, dass niemand vom Pferd fällt, dann wären wir eine außergewöhnliche Gruppe. In der Regel passiert nämlich immer irgendeine Kleinigkeit. Selbst wenn es nur eine Schramme ist. Aber runter fällt eigentlich immer jemand. Nach dem Galopp waren wir ziemlich schnell an unserem Camp. Es regnete immer noch. Nicht schlimm, aber man wurde ordentlich nass. Trotzdem hieß es nach der Ankunft: Routine einhalten. Kamele abladen. Küchenzelt aufbauen. Eigene Zelte aufbauen. Immer wieder zog ein Gewitter über uns hinweg. Heute gab es Dumplings. Und auch während des Abendessens fing es schon wieder an zu regnen. Immer wieder zogen wir uns in die größeren Zelte einiger Teilnehmer zurück und ließen uns vom Wetter weder Stimmung noch Laune verderben. Ich fand es sogar spannend, einmal einen Tag mit etwas schmuddligerem Wetter zu erleben.
Natürlich hatten wir mit dem Wetter während der gesamten Tour unglaublich viel Glück. Ohne dieses schöne Wetter wäre diese positive Gruppendynamik wahrscheinlich gar nicht so entstanden. Zum Abschied trafen wir uns alle gemeinsam: die Horsemen, Adlerjäger, Kameltreiber, Köchin und wir. Wir und die Mongolen sagten Danke für die vergangenen Tage. Vorher hatten wir Geschenke gesammelt. Jeder gab 5 bis 10 Euro Trinkgeld. Außerdem wurden leere Powerbanks gesammelt. Hier draußen bekommt man so etwas schließlich nicht einfach an jeder Ecke. Deshalb spendete ich eine meiner eigenen Powerbanks. Bei unserer gemeinsamen Abendrunde verteilten die Mongolen zunächst ein kleines Erinnerungsstück an uns. Anschließend überreichten wir jedem das Trinkgeld. Die restlichen Geschenke wie Zigaretten, Süßigkeiten und Powerbanks verteilte unser mongolischer Guide im Nachhinein.
Die Situation war uns zunächst etwas unangenehm. Es wirkte ein bisschen so, als hätten die Mongolen bereits darauf gewartet. Gleichzeitig muss man natürlich auch die andere Seite sehen. Der durchschnittliche Monatslohn in der Mongolei liegt inzwischen bei umgerechnet knapp 700 Euro brutto. Das lässt sich allerdings nicht einfach auf unsere Horsemen übertragen, weil viele Menschen auf dem Land nicht in einem klassischen Angestelltenverhältnis arbeiten. Gerade bei Viehhaltern hängt das Einkommen stark von den Tieren, den Preisen und den Wetterbedingungen ab. Tourismus ist für einige dieser Menschen deshalb eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle. Gerade für ländliche Familien kann er eine Möglichkeit sein, neben der Viehzucht weiteres Geld zu verdienen. Und gleichzeitig bekommt man durch solche Touren einen kleinen Einblick in eine Welt, die für uns sonst kaum zugänglich wäre.
Natürlich sind wir als Touristen nicht dafür verantwortlich, wie sich das Leben dieser Menschen entwickelt. Aber man bekommt schon das Gefühl, dass durch den Kontakt mit Touristen auch andere Vorstellungen vom Leben entstehen. Sie sehen, was außerhalb der Steppe existiert. Sie verdienen Geld mit Tourismus und bekommen Dinge in die Hände, die sie sonst vielleicht nicht hätten.
Und vielleicht entsteht dadurch bei manchen irgendwann der Wunsch nach einem anderen, moderneren Leben. Luxus ist irgendwie eine Sucht. Der Mensch möchte meistens mehr und selten weniger.
Und dann gibt es uns.
Wir machen freiwillig eine zwölf Tage lange Tour fernab jeglicher Zivilisation, schlafen in Zelten, waschen uns im Fluss, haben keinen Strom, kein Internet und keine Dusche und bezahlen sogar Geld dafür, um wieder zu spüren, wie einfach ein Leben sein kann. Irgendwie schon verrückt. Als Dankeschön sangen die Mongolen am Ende noch ein paar Lieder für uns. Und damit war auch unser vorletzter Abend beendet. Morgen steht tatsächlich schon der letzte Reittag an.Read more
Tag 14 - Letzter Reittag
August 18 in Mongolia ⋅ ☁️ 17 °C
Heute ist unser letzter Reittag.
Gemütlich starteten wir in den Tag. Auch nach dem Frühstück ließen sich die Mongolen noch Zeit. Die Vermutung, dass einige am Abend zuvor etwas tiefer ins Glas geschaut hatten, bestätigte sich, als sie mit leeren Flaschen hochprozentigen Alkohols ihr Zelt verließen. Mich störte es weniger. Unser deutscher Teamleiter hatte uns schon einige Tage zuvor erzählt, dass genau das der Grund sei, warum die Mongolen am Abend deutlich mehr den Kontakt zu uns suchten als tagsüber. Die Mongolen haben wohl auch ein gewisses Schamgefühl, was das Kontakteknüpfen angeht. Das Kamele-Bepacken lief zunächst noch nicht wirklich an. Nicht nur, weil man einigen Mongolen die lange Nacht ansah, sondern vor allem, weil immer noch die Hälfte der Kamele fehlte. Als die restlichen Kamele eintrafen, begab das letzte Mal das große Bepacken der 14 Kamele.
Kurz nach 12 Uhr suchten wir unsere Pferde. Meines war heute nur über dem Fluss auf der anderen Seite. Ein Mongole trieb die Pferde mit seinem Pferd zu uns herüber. Ein letztes Mal fing ich mein scheues Pferd ein. Selten schaffte ich es tatsächlich komplett ohne Hilfe. Beruhigt hatte mich allerdings, dass auch die Mongolen mit ihm ihre Probleme hatten. Sie waren lediglich in ihren Handgriffen etwas schneller und hatten vermutlich deutlich weniger Respekt davor, zwischen die Hufe zu geraten.
Satteln und Trensen konnte ich wieder selbst. Darauf war ich irgendwie am meisten stolz. Um 12.45 Uhr ging es zu unserem letzten und gleichzeitig kürzesten Ritt. Dafür, so war der Plan, würden wir drei Mal galoppieren. Ein letztes Mal schenkte ich meinem Pferd vollstes Vertrauen. Über Stock und Stein und im vollen Galopp machte dieses Pferd keinen einzigen Fehltritt.
Man merkte Zizi an, dass dies seine Galoppstrecke war. Jedes Mal war er vor dem Galopp kaum zu bremsen und konnte es kaum erwarten, endlich loszugaloppieren. Das Spannende war, dass ich während der gesamten Reise eher unabsichtlich immer eines der hinteren Pferde war. Nicht, weil wir langsam waren, sondern weil wir meistens im Schritt ritten. Der Herdentrieb war bei den meisten Pferden, genau wie an Tag eins, immer noch ausgeprägt. Trabt eines, traben alle.
Das war also der Grund, warum ich beim normalen Reiten mitunter das Schlusslicht bildete. Sobald es jedoch um den Galopp ging, kämpfte sich Zizi immer wieder ins erste Drittel der Gruppe. Er war sicherlich nicht eines der schnellsten Tourpferde, ließ es sich aber nicht nehmen, in den ersten Sekunden alles zu geben, um nach vorne zu kommen. Der Galopp war insgesamt und vom Gefühl her gar nicht sonderlich schnell. Ich fühlte mich deshalb sicher genug, um sogar mein Handy herauszuholen und zu filmen.
Nach drei Galoppeinheiten und immer wieder kurzen Pausen stand uns noch der letzte Anstieg bevor. Danach erreichten wir unseren letzten Campspot. Diesmal waren wir schneller als die Kamele. Dadurch hatten wir noch etwas Zeit, unser Mittagessen aus der Tupperdose zu genießen. Heute gab es Reis mit Roter Bete und frittiertes Brot.
Sobald die Kamele eintrafen, war das Entladen natürlich oberste Priorität.
Gekonnt nahm ich einem Mongolen das Kamel aus der Hand, legte es hin und löste die Schnüre. Tatsächlich war es manchmal gar nicht so einfach, die Kamele dazu zu bringen, sich hinzulegen. Aber Selina, die Kamelflüsterin, hatte irgendwie den Dreh raus. Selbst die Mongolen waren darüber erstaunt. 😂😂😂
Nachdem alle Kamele in die Freiheit entlassen worden waren, bauten wir wieder das Küchenzelt sowie unsere eigenen Zelte auf. Nachdem alles aufgebaut war, gaben wir unser geliehenes Equipment zurück: Sattel, Satteltasche und teilweise auch Helm und Chaps. Danach war alles aufgeräumt und plötzlich überkam mich eine endlose Müdigkeit. Erst versuchte ich noch, dagegen anzukämpfen. Ich hatte jedoch keine Chance. Ich schlief fast im Sitzen ein und entschied mich deshalb für ein kleines Nickerchen. Aus dem Nickerchen wurde ein langer Mittagsschlaf. Fast pünktlich zum Abendessen wurde ich wieder wach.
Zum Abendessen gab es noch einmal Nudelsuppe mit Schaf. Ein letztes Mal Schaf. Je älter das Schaf ist, also je länger es her ist, dass es geschlachtet wurde, desto intensiver ist der Geschmack. Heute ging es noch, aber Schaf wird in Zukunft definitiv nicht meine Leibspeise werden.
Nach dem Abendessen verteilte ich noch mein Teamgeschenk. Eigentlich war gestern Geschenkeabend gewesen, aber zu diesem Zeitpunkt waren wir noch zu viele. Ich hatte vorsichtshalber schon deutlich mehr Pferdestecker als die angegebene Teilnehmerzahl bestellt, aber selbst das war noch zu wenig. Heute Morgen waren drei Adlerjäger abgereist und ab diesem Moment ging es auf.
Ich verteilte insgesamt 28 Pferdestecker, sodass jeder eine kleine Erinnerung an die letzten Tage in der Mongolei mit nach Hause nehmen konnte. Was ich ebenfalls verschenkte, war mein Stuhl mit Lehne. Wirklich jeder hatte mich um diesen Luxusartikel beneidet und er war tatsächlich eine Wohltat. Vor allem gegen Ende der Tour freute sich mein Rücken über die Möglichkeit, sich zwischendurch einfach anlehnen zu können.
Meinen Stuhl schenkte ich Troja, der Köchin. Sie freute sich sehr über dieses Geschenk. Die kleine Frau und ich machten noch ein gemeinsames Bild und ich zeigte ihr, wie man den Stuhl auf ein kleines Packmaß zusammenfalten konnte.
Danach hatte jeder noch die Möglichkeit, auf drei ausgewählten Kamelen eine Runde zu reiten. Das Aufstehen und Hinlegen der Kamele fühlte sich für einen kurzen Moment tatsächlich wie eine kleine Achterbahnfahrt an. Auch die Fortbewegung war überraschend schaukelig und das Sitzgefühl eher knochig und unbequem. Zum Glück waren wir die vergangenen zwei Wochen auf Pferden unterwegs. Chiara und ich machten noch ein gemeinsames Bild. Mit ihr war es die vergangenen Tage im Zelt völlig unkompliziert. Wir ergänzten uns super. Andere hingegen, die sich auch erst hier neu kennengelernt hatten, hatten eher Schwierigkeiten miteinander und schliefen seit der Halbzeit in getrennten Zelten.
Und damit ist unser letzter Reittag tatsächlich vorbei.
Die nächsten Tage erwartet uns wieder die lange und zähe Rückreise. Morgen fahren wir zunächst drei Stunden mit dem Jeep zurück in die nächstgrößere Stadt und übernachten dort eine Nacht in einem Jurtencamp. Danach geht es wieder rund 24 Stunden zurück nach Ulaanbaatar. Von dort fliegen ich am 22.08. zurück nach Deutschland.
By the way: Heute ist der 18.08. Ich habe also in den nächsten Tagen genug Zeit, all das Handgeschriebene endlich in die App zu übertragen. Und irgendwie fühlt es sich gerade ziemlich komisch an, dass die Reittage jetzt wirklich vorbei sind.Read more
Tag 15 - Abreisetag
August 19 in Mongolia ⋅ ☀️ 10 °C
Um 6 Uhr wurden wir geweckt. Ein letztes Mal auf der Luftmatratze, ein letztes Mal im Zelt.
Ein bisschen traurig war ich tatsächlich. Nach 14 Tagen gewöhnt man sich an diese völlig andere Routine. Alles war irgendwann selbstverständlich geworden. Gleichzeitig freute ich mich aber auch darauf, wieder zurück in die Zivilisation zu kommen. Fließendes warmes Wasser. Strom. Eine richtige Dusche. Dinge, die man zu Hause kaum wahrnimmt und auf dieser Reise plötzlich zu echtem Luxus werden. Um 7 Uhr gab es Frühstück und Troja machte uns zum Glück noch einmal die heiß geliebten Pancakes. Auch die Rhabarberkonfitüre durfte natürlich nicht fehlen. Ein schöner letzter Start in den Tag.
Leider war der Morgen etwas verregnet. Also quetschten wir uns alle ins Küchenzelt. Dort war es warm, trocken und natürlich mit so vielen Teilnehmern ziemlich eng. Aber das störte niemanden. Hauptsache trocken und nicht mehr diesem kalten Wind ausgesetzt. Danach wurde ein letztes Mal alles zusammengepackt. Die Taschen verstaut, die Zelte abgebaut und kontrolliert, ob auch wirklich nichts liegen geblieben war. Nach der Verabschiedung der Mongolen ging es dann mit den Jeeps wieder Richtung Zivilisation. Unser nächstes Ziel war Ölgii. Dort sollten wir in einem Jurten-Camp übernachten.
Was uns dort genau erwartete und wann wir ankommen würden, wusste eigentlich niemand so richtig. Informationen dazu gab es wie so oft eher spärlich. Kurz vor dem Jurten-Camp machten wir noch Halt an einem Supermarkt. Jeder hatte die Möglichkeit, sich mit Snacks bis zum Abend einzudecken. Da im Camp allerdings Abendessen vorgesehen war, kaufte ich nur eine Kleinigkeit. Zu sehr überflutete mich der plötzliche Reiz alles wieder einfach so im Supermarkt einkaufen zu können. Im Camp angekommen, fühlte ich mich dann ehrlich gesagt ein bisschen verarscht. In jeder Jurte gab es Strom und in einem separaten Häuschen sogar fließendes warmes Wasser.
Bitte was?
Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir im Supermarkt ordentliches Shampoo gekauft und uns vermutlich auch mit ein paar anderen Dingen eingedeckt. Diese Überraschungsaktion des deutschen Teamleiters fand ich tatsächlich noch einmal ziemlich enttäuschend. Über die gesamte Tour hinweg waren wir häufig schlecht informiert oder hatten Informationen bekommen, die sich später als falsch herausstellten. Für mich gehört genau das aber zu den Aufgaben eines Teamleiters: Die Teilnehmer vernünftig informieren und auf Situationen vorbereiten. Auch die Tatsache, dass Strom und warmes Wasser hier als Überraschung gedacht waren, fand ich eher unglücklich. Hätte ich gewusst, dass ich heute duschen und meine Haare richtig waschen kann, hätte ich entsprechend geplant. Denn ohne diese Möglichkeit wären noch zwei weitere Tage ohne vernünftige Körperhygiene und Strom vor uns gelegen, bevor wir in Ulaanbaatar im Hotel angekommen wären. Für einige von uns war die Aktion deshalb eher daneben als eine gelungene Überraschung. Naja. Improvisieren konnten wir ja mittlerweile. Also wusch ich meine Haare kurzerhand mit dem Allzweckwaschmittel, das mich die letzten Tage schon begleitet hatte. Während des Waschens fühlten sich meine Haare furchtbar trocken an. Mit ein paar Pflegeprodukten einer Teilnehmerin, bekam ich sie anschließend aber wieder einigermaßen in den Griff. Und dabei wurde mir erst richtig bewusst: Ich hatte tatsächlich 14 Tage lang meine Haare nicht gewaschen. Ich hatte sie jeden Tag eingeflochten und lediglich meinen Pony gewaschen. Und erstaunlicherweise hatte das ausgesprochen gut funktioniert. Andere Teilnehmer hatten ihre Haare dagegen immer wieder im kalten Wasser des Flusses gewaschen.
Nach der Körperhygiene begann für mich die nächste große Aufgabe: die vergangenen Tage vom handgeschriebenen Reisebericht in meine App zu übertragen. Brutal aufwendig. Einige Teilnehmer waren mittlerweile schon fast fasziniert davon, wie konsequent ich jeden Tag meinen Bericht schrieb und anschließend alles noch einmal digital übertrug. Für mich gehört das inzwischen einfach zur Reise dazu. Zum einen weiß ich, dass Freunde und Bekannte meine Berichte unglaublich gerne lesen und dadurch ein bisschen an meinen Reisen teilhaben können. Zum anderen möchte ich nach der Reise über FindPenguins wieder ein Buch daraus erstellen. Mein Bücherregal ist mittlerweile voll mit solchen Reisebüchern und manchmal sitze ich einfach da, nehme eines davon in die Hand und blättere durch die vergangenen Reisen. Genau das ist für mich eine der schönsten Möglichkeiten, Erinnerungen festzuhalten.
Am Abend, kurz vor dem Abendessen, besuchte ich noch zwei jüngere Teilnehmerinnen. Beide studieren Lehramt. Die eine hat bereits einen ziemlich konkreten Fünf- und Zehnjahresplan. Die andere war dagegen etwas verunsichert, weil sie nicht genau wusste, wo sie einmal hinmöchte. Und irgendwie erinnerte sie mich an mich selbst. Ich hatte nie einen Fünfjahresplan - ganz zu schweigen weiß ich nicht einmal was ich in zehn Jahren machen möchte. Hätte mich jemand vor fünf Jahren gefragt, was ich heute machen würde, hätte ich wahrscheinlich keine Ahnung gehabt. Und auch heute weiß ich nicht, wo ich in fünf Jahren stehen werde. Und das ist völlig in Ordnung. Solange man mit dem Leben zufrieden ist, das man gerade führt. Ich habe ihr versucht, meine Sichtweise zu erklären. Für mich ist das Leben ein bisschen wie ein Zug. Man steigt ein, sucht sich einen Platz und solange einem die Reise gefällt, bleibt man sitzen. Irgendwann kommt vielleicht der Punkt, an dem man merkt, dass man etwas anderes sehen oder erleben möchte. Dann darf man aussteigen und in einen anderen Zug steigen.
Aber man muss nicht Hals über Kopf aussteigen, nur weil man gerade nicht weiß, wo der Zug in fünf Jahren ankommen wird. Ich habe damals meine Ausbildung zur Pferdewirtin gemacht und nach einem 13-monatigen Auslandsaufenthalt anschließend studiert. Ich habe alles durchgezogen, was ich angefangen habe. Und genau das würde ich auch ihr raten: Ihr Lehramtsstudium zu Ende bringen und danach schauen, was das Leben bereithält. Denn es gibt so viele Türen, die sich im Laufe eines Lebens öffnen. Manche sieht man heute noch gar nicht. Und nur weil man mit 20 oder 25 nicht weiß, was man mit 30 oder 35 machen möchte, bedeutet das nicht, dass man keinen Plan vom Leben hat.
Vielleicht steht sie in fünf Jahren tatsächlich vor einer Schulklasse.
Vielleicht betreibt sie aber auch ein Café.
Ihr Café.
Und wenn es so kommt, werde ich sie definitiv besuchen.
Ich habe ihr gesagt, dass sie stolz auf sich sein darf. Und dass sie sich selbst auch erlauben sollte, nicht schon heute alle Antworten auf Fragen zu kennen, die das Leben vielleicht erst in einigen Jahren stellen wird. Während unseres Gesprächs bekam sie Tränen in die Augen. Sie bedankte sich bei mir und ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass sie genau diese Sichtweise in diesem Moment gebraucht hatte. Und ich war dankbar, sie mit ihr teilen zu können. Vielleicht war das einer dieser kleinen Momente auf einer Reise, die man vorher nicht erwartet und die am Ende trotzdem zu den Erinnerungen gehören, die bleiben.
Nach dem Abendessen entschieden sich einige Teilnehmer noch dazu, Alkohol zu trinken. Gemeinsam spielten wir eine Runde „Ich habe noch nie“. Irgendwann hatte ich genug und entschied mich, ins Bett zu gehen. Kurz darauf kam noch eine weitere Teilnehmerin zu mir. Sie wollte mir noch ein paar Worte mitgeben, bevor die Reise endgültig zu Ende ging. Sie sagte, dass sie mich bewundere. Meine Bodenständigkeit. Meine Art, die Situationen während der Tour zu beobachten und einzuschätzen. Sie habe großen Respekt davor, wie ich jeden Tag den Überblick behalten hätte. Wir waren uns tatsächlich ziemlich ähnlich. Auch sie hatte sich während der Tour immer wieder etwas zurückgezogen. Wir gehörten keiner festen Gruppe an, sondern waren irgendwie überall mal dabei. Mal mehr, mal weniger. Wir brauchten nicht ständig Menschen um uns herum und machten vieles gerne mit uns selbst aus. Hilfe fragten wir nicht unbedingt sofort. Nach außen wirkten wir vermutlich beide eher distanziert und selbstständig. Sie sagte mir, ich solle genauso bleiben, wie ich bin. Mein Auftreten und meine Ausstrahlung seien bewundernswert, auch wenn man mich dadurch im ersten Moment vielleicht nicht ganz so leicht einschätzen könne.
Ich bedankte mich für diese unglaublich lieben Worte. Danach ging sie wieder zurück zur Gruppe und ich blieb allein in meiner Jurte zurück. Und ich schlief mit einem Lächeln ein.
Danke für diese wohltuenden Worte.
Danke für diese faszinierende Reise.
Gute Nacht.Read more
Tag 16 - 24h zurück in die Hauptstadt
August 20 in Mongolia ⋅ ☀️ 20 °C
Um 6 Uhr bin ich aufgewacht.
Die Nacht war gemütlich. Die erste Nacht seit Beginn der Tour mal wieder in einem richtigen Bett und ich habe dementsprechend sehr gut geschlafen. Um 7 Uhr gab es Frühstück und um 8.30 Uhr startete der Bus zurück Richtung Hauptstadt.
Das Frühstück war im Vergleich zu den letzten 14 Tagen allerdings eine große Enttäuschung. Kein Vergleich zu Trojas selbst gebackenem Brot, den Pancakes oder der leckeren Rhabarberkonfitüre. Nach zwei Wochen mit frisch zubereiteten Mahlzeiten hatte ich offenbar gewisse Ansprüche entwickelt. Anschließend packte ich meine Sachen zusammen und wartete auf dem Parkplatz auf die restlichen Teilnehmer.
Uns allen graute es vor der Busfahrt. 1.690 Kilometer lagen vor uns. Am liebsten hätte ich diese Wartezeit einfach übersprungen und wäre direkt in Ulaanbaatar angekommen. Der Busfahrer machte immer wieder an verschiedenen Tankstellen Halt. Unsere Vermutung war, dass das Benzin in der Mongolei noch immer knapp ist und deshalb nicht beliebig viel getankt werden kann. Tatsächlich herrschte zu dieser Zeit im ganzen Land ein akuter Benzinmangel. Benzin wurde zeitweise rationiert und pro Tankvorgang nur eine begrenzte Menge ausgegeben. Die Mongolei ist zudem stark von russischen Treibstofflieferungen abhängig, während es auch in Russland selbst zu Engpässen gekommen war.
Für uns bedeutete das vor allem eines: noch mehr Zwischenstopps und eine Busfahrt, die ohnehin schon lang genug werden würde. Am Mittag machten wir Halt an einem Supermarkt. Und plötzlich machte für mich auch endlich die ganze XXL-Welt der mongolischen Lebensmittelverpackungen Sinn. Während ich mich in den letzten zwei Wochen noch gefragt hatte, warum es gefühlt jedes Lebensmittel nur in riesigen Packungen gibt, wurde mir jetzt klar, dass das im Alltag durchaus praktisch ist. Außerhalb der Städte sind die Entfernungen enorm und Einkaufsmöglichkeiten oft rar. Wer auf dem Land lebt, kann nicht einfach schnell zum Supermarkt fahren und ein paar Kleinigkeiten nachkaufen. Viele Lebensmittel werden deshalb auf Vorrat eingekauft. Große Verpackungen und größere Mengen sind unter diesen Bedingungen einfach sinnvoller.
Nach zwei Wochen in der Steppe, in denen wir selbst erlebt hatten, wie weit die nächste Einkaufsmöglichkeit entfernt sein kann, erschien mir das plötzlich vollkommen logisch. Die Fahrt selbst war unfassbar warm. Trotzdem blieb genug Zeit, die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren zu lassen. Zwei Wochen Mongolei, zehn Tage auf dem Pferd, unzählige Eindrücke, neue Erfahrungen und Momente, die ich vermutlich noch lange im Kopf behalten werde. Und während die Landschaft draußen langsam an uns vorbeizog, wurde mir allmählich bewusst, dass diese Reise tatsächlich ihrem Ende entgegenging.
Fakten über die Mongolei und ihre Menschen:
1️⃣. Mongolische Pferde sind Nutztiere und keine Sportpferde
Pferde sind in der Mongolei vor allem Fortbewegungsmittel und Arbeitstiere. Deshalb ist auch der Umgang mit Verletzungen teilweise anders als in Deutschland. Ein Pferd wird nicht automatisch bei jeder kleinen Verletzung aus dem Einsatz genommen.
2️⃣. Klein, aber unglaublich robust
Mongolische Pferde sind meist kleiner als europäische Reitpferde, dafür extrem trittsicher, genügsam und ausdauernd. Sie sind an lange Strecken, karges Futter und das teilweise extreme Wetter gewöhnt.
3️⃣. Die Natur bestimmt den Tagesablauf
Wind, Regen, Kälte, Hitze und die Landschaft geben vor, wann geritten, gegessen oder das Camp aufgebaut wird. Pünktlichkeit und feste Zeitpläne haben auf dem Land deutlich weniger Bedeutung als in Deutschland.
4️⃣. Die Jurte ist perfekt für das Nomadenleben
Die traditionelle mongolische Ger lässt sich vergleichsweise schnell auf- und abbauen und ist gleichzeitig erstaunlich warm und gemütlich. Sie ist bis heute ein wichtiger Bestandteil des Lebens vieler Nomaden.
5️⃣. Nomaden ziehen je nach Jahreszeit weiter
Viele mongolische Familien wechseln mit ihren Tieren je nach Jahreszeit den Standort. Entscheidend sind Wasser, Wetter und ausreichend Weideflächen für die Tiere.
6️⃣. Fleisch gehört zum Alltag
Schafe, Ziegen, Pferde, Rinder und Yaks sind wichtige Nutztiere und liefern Fleisch, Milch und weitere Produkte. Auch das Schlachten eines Tieres gehört auf dem Land zur Versorgung einer Familie dazu.
7️⃣. Airag ist vergorene Stutenmilch
Das traditionelle mongolische Getränk wird aus fermentierter Stutenmilch hergestellt und enthält etwas Alkohol. Geschmacklich ist es eher säuerlich und definitiv anderes als die Milch, die man aus Deutschland kennt.
8️⃣. Adlerjagd ist eine lebendige Tradition
Im Westen der Mongolei, besonders bei den kasachischen Familien, wird die traditionelle Adlerjagd noch heute praktiziert. Die Adler werden speziell trainiert und teilweise über Generationen weitergegeben.
9️⃣. Strom und warmes Wasser sind Luxus
In abgelegenen Regionen gibt es oft weder Stromanschluss noch fließendes Wasser. Generatoren, Solarenergie, Wasserkanister und einfache Waschmöglichkeiten gehören deshalb zum Alltag.
1️⃣0️⃣. Die Mongolei ist das am dünnsten besiedelte Land der Welt
Auf einer Fläche, die mehr als viermal so groß wie Deutschland ist, leben nur rund 3,5 Millionen Menschen. Deshalb kann man tatsächlich stundenlang unterwegs sein, ohne eine Ortschaft oder ein Haus zu sehen.
1️⃣1️⃣. Ziegen sind für Nomaden besonders wertvoll
Neben Fleisch und Milch liefern Ziegen Kaschmir. Die Mongolei gehört zu den weltweit wichtigsten Produzenten von Kaschmir. Die feine Unterwolle wird im Frühjahr ausgekämmt und anschließend zu hochwertiger Kleidung verarbeitet.
1️⃣2️⃣. Ein mongolisches Pferd braucht kaum zusätzliches Futter
Während deutsche Pferde häufig mit Heu, Kraftfutter und Mineralfutter versorgt werden, suchen sich mongolische Pferde ihr Futter größtenteils selbst. Sie grasen direkt in der Steppe und kommen mit dem vergleichsweise kargen Bewuchs zurecht.
1️⃣3️⃣. Wasser ist in der Steppe ein entscheidender Faktor
Wo Menschen und Tiere campen können, hängt häufig davon ab, ob Wasser vorhanden ist. Deshalb wirken manche Lagerplätze völlig zufällig gewählt, sind aber tatsächlich eng mit den natürlichen Wasserstellen verbunden.
1️⃣4️⃣. Mongolen trinken traditionell gesalzenen Milchtee
Suutei Tsai ist ein traditioneller Milchtee, der mit Salz zubereitet wird. Für europäische Geschmäcker klingt die Kombination aus Tee, Milch und Salz zunächst ziemlich ungewöhnlich. Er gehört in vielen Haushalten aber ganz selbstverständlich zum Alltag.
1️⃣5️⃣. In der Mongolei gibt es kaum Zäune
Ein ziemlich großer Unterschied zu Deutschland: Die riesigen Weideflächen sind vielerorts nicht eingezäunt. Pferde- und Viehherden können sich frei bewegen.
1️⃣6️⃣. Pferde werden in der Mongolei auch an ihrer Herkunft unterschieden
Die fünf klassischen „Nutztiere“ der mongolischen Viehzucht sind Pferd, Schaf, Ziege, Rind beziehungsweise Yak und Kamel. Zusammen bilden sie die Grundlage der traditionellen nomadischen Lebensweise.
1️⃣7️⃣. Kamele können in der Mongolei tatsächlich durch Schnee und Wüste
In der Mongolei leben vor allem zweihöckrige Baktrische Kamele. Sie sind perfekt an extreme Temperaturunterschiede angepasst und können sowohl große Hitze als auch eisige Winter überstehen.
1️⃣8️⃣. Die Mongolei hat extrem große Temperaturunterschiede
Im Sommer können über 30 °C erreicht werden, während es im Winter in manchen Regionen unter −30 °C fällt. Dadurch sind viele Menschen und Tiere an sehr extreme Bedingungen angepasst.
1️⃣9️⃣. Die berühmte mongolische Gastfreundschaft hat einen praktischen Hintergrund
In einer riesigen, dünn besiedelten Landschaft war Gastfreundschaft früher nicht nur eine nette Geste. Reisende waren darauf angewiesen, irgendwo Schutz, Essen oder einen Schlafplatz zu bekommen. Deshalb hat das Teilen von Essen und Unterkunft traditionell einen hohen Stellenwert.
2️⃣0️⃣. Die Landschaft erklärt, warum die Mongolen so gut mit Orientierung umgehen können
Wenn es kaum Straßen, Zäune oder andere markante Punkte gibt, muss man sich anders orientieren. Geländeformen, Berge, Flüsse und die Position der Sonne spielen eine wesentlich größere Rolle als bei uns.Read more
Tag 17 - Kaschmir Ulaanbaatar
August 21 in Mongolia ⋅ ☀️ 22 °C
Nach 26 Stunden sind wir endlich wieder in Ulaanbaatar angekommen.
Die Rückfahrt war diesmal deutlich anstrengender als die Hinfahrt. Irgendwann wusste man einfach nicht mehr, wie man noch liegen, sitzen oder schlafen sollte. Alles tat weh, nichts war wirklich bequem und trotzdem musste man irgendwie die Zeit rumkriegen. Aber tatsächlich habe ich es geschafft, irgendwie durch die Nacht zu kommen. Gegen kurz vor 23 Uhr wurden wir noch einmal geweckt. Es gab einen Mitternachtssnack: Reis mit Fleisch. Sonderlich lecker war es nicht, aber satt hat es gemacht. Und ehrlich gesagt hatte ich von den ganzen Snacks mittlerweile auch genug. Noch ein Keks? Noch ein Gummibärchen? Irgendwann möchte man einfach mal wieder etwas Warmes zwischen die Zähne bekommen. Danach ging es weiter Richtung Ulaanbaatar. Die zwei Busfahrer waren zwar deutlich angenehmer unterwegs als seine Kollegen auf der Hinfahrt, aber wirklich langsam waren sie auch nicht. Teilweise war die Fahrweise so rasant, dass man im Halbschlaf schon kurz darüber nachdachte, ob wir eigentlich wirklich heil in Ulaanbaatar ankommen würden. Manchmal hatte ich das Gefühl, der Busfahrer verwechselt seinen Reisebus mit einem Rennwagen. Überholen, beschleunigen, wieder abbremsen und das alles auf mongolischen Straßen, bei denen ich mich selbst wahrscheinlich nicht einmal getraut hätte, mit einem Fahrrad so schnell zu fahren. Durch jedes Schlagloch fuhren wir gefühlt ungebremst durch.
Und wir? Wir lagen beziehungsweise saßen einfach hinten im Bus und mussten volles Vertrauen in die zwei mongolischen Busfahrer setzen. Irgendwie verrückt.
Nach 26 Stunden Fahrt kann ich aber immerhin sagen: Beide Busfahrer haben ihren Job gemacht und wir sind tatsächlich alle heil in Ulaanbaatar angekommen. Vielleicht sollte man sich während einer solchen Busfahrt einfach nicht zu viele Gedanken machen. Augen zu, Vertrauen haben und hoffen, dass der Fahrer weiß, was er tut. Um 10 Uhr kamen wir in Ulaanbaatar an. Endlich.
Wir waren zu sechst im gleichen Hotel und bestellten uns drei Taxis. Pro Person zahlten wir jeweils 10.000 Tugrik. Im Hotel angekommen, hatten vier von uns Glück und konnten direkt einchecken. Zwei mussten leider noch bis 13 Uhr warten. Irgendwie fand ich das nicht ganz fair. Jeder von uns hatte sich wahrscheinlich gleichermaßen auf eine Dusche gefreut und mir persönlich wäre es völlig egal gewesen, ob ich jetzt noch zwei Stunden warten musste oder nicht. Also leistete ich nach einer kurzen Katzenwäsche den beiden einfach etwas Gesellschaft. Für mich selbstverständlich. Für andere offenbar eher weniger.
Chiara und ich begleiteten die beiden deshalb in einen großen Supermarkt um die Ecke. Dort konnten wir die Zeit ganz entspannt totschlagen. Ich entdeckte unter anderem Rhabarberkonfitüre und musste natürlich eine mitnehmen. Sicherlich gibt es die auch in Deutschland. Aber irgendwie hat es doch mehr Charme, wenn ich sie aus der Mongolei mit nach Hause bringe.
Bevor wir um 13 Uhr wieder zurück zum Hotel gingen, damit die beiden anderen endlich einchecken konnten, gingen wir noch etwas essen. Ich bestellte mir lediglich einen Tee. Und ich war ehrlich gesagt froh, nicht mehr jeden Tag drei Mahlzeiten essen zu müssen. Vielleicht lag es an der ungewohnten Höhe oder einfach daran, dass ich es von zu Hause anders gewohnt bin. Normalerweise esse ich eher ein bis zweimal am Tag und nicht ständig Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Nach zwei Wochen war ich jedenfalls froh, wieder in meinen normalen Rhythmus zurückzukehren.
Zurück im Hotel ging Chiara zuerst duschen, während ich meine Sachen sortierte und für den morgigen Heimflug packte. Danach war ich an der Reihe. Haare waschen habe ich mir heute gespart. Aber mein Körper wurde ordentlich durchgeschrubbt und dieses neue Körpergefühl war einfach unbeschreiblich. Wenn ich in den letzten zwei Wochen etwas vermisst habe, dann definitiv eine ausgiebige warme Dusche. Und das sage ich, obwohl ich in Deutschland teilweise keine fünf Minuten unter der Dusche brauche. Aber daran merkt man eben, was man vermisst, wenn man es plötzlich nicht mehr hat.
Nachdem alles gepackt war und Chiara und ich frisch geduscht und in sauberen Klamotten steckten, machten wir uns auf den Weg zu einem Kaschmirladen in Ulaanbaatar.
Ich wollte unbedingt mongolischen Kaschmir kaufen. Wann hat man schon einmal die Möglichkeit, Kaschmir dort zu kaufen, wo es tatsächlich hergestellt wird? Wir landeten schließlich bei GOBI Cashmere. Und natürlich wurde es nicht einfach nur ein kurzer Einkaufsbummel. Wir waren hauptsächlich im Sale-Bereich und ich hatte plötzlich die Herausforderung, zwischen all den schönen Sachen ein passendes Teil zu finden. Gleichzeitig war ich permanent am Umrechnen. So schön die Sachen auch waren, ich wollte keinesfalls Unmengen an Geld für meinen ersten Kaschmirpullover ausgeben. Am Ende wurde es dann doch ein bisschen mehr. Eine Mütze, ein Pullover und ein Geschenk für meine Mum durften mit nach Hause. Kaschmir ist in der Mongolei schließlich nicht einfach irgendein Souvenir. Die Mongolei gehört zu den wichtigsten Kaschmirproduzenten der Welt. Das besonders feine Unterhaar der Kaschmirziegen wird im Frühjahr während des Fellwechsels ausgekämmt. Anschließend werden die feinen Fasern von den gröberen Haaren getrennt, gewaschen und weiterverarbeitet. Aus den Fasern entsteht Garn und daraus schließlich Kleidung wie Pullover, Schals oder Mützen.
Das feine Unterfell schützt die Ziegen vor den extremen Temperaturen der Mongolei. Im Winter kann es hier deutlich unter minus 30 Grad kalt werden. Genau dieses unglaublich feine und weiche Unterhaar ist es, das Kaschmir so besonders macht.
Und ich glaube, ich habe meine Entscheidung ganz gut getroffen. Am Abend, als wir nach Sonnenuntergang im Hard Rock Café saßen, wurde es nämlich ordentlich kalt. Also zog ich meine neue Mütze und meinen neuen Pullover an. Und ich liebe sie. Spätestens in diesem Moment wusste ich, dass ich genau die richtigen Sachen ausgesucht hatte. Tatsächlich wurde ich an diesem Abend sogar mehrfach darauf angesprochen, ob ich wirklich Kaschmir trage. Ich gehe einfach mal davon aus, dass man es tatsächlich erkennt. Und vor allem merkt man es selbst. Der Pullover trägt sich unglaublich angenehm. Nach dem Einkauf machten wir uns auf den Weg ins Hard Rock Café. Eigentlich wollten wir dort nur Cocktails trinken. Aber wie eigentlich überall in der Mongolei dauerte es mal wieder etwas länger. Also entschieden wir uns kurzerhand, dort auch zu essen.
Ich bestellte mir Lachs und der war tatsächlich richtig lecker. Und an dieser Stelle muss ich auch noch einmal unsere Köchin Troja erwähnen. Wir hatten mit ihr wirklich unglaublich viel Glück. Das Essen war über die gesamte Reise hinweg täglich fantastisch, abwechslungsreich und definitiv nicht das, was ich von einer zweiwöchigen Tour mitten in der mongolischen Steppe erwartet hätte. Für mich war der Abend mit einigen aus der Gruppe noch einmal ein richtiges Highlight. Es war lustig, amüsant und wir haben unglaublich viel gelacht. Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg in einen Irish Pub. Allein die Taxifahrt dorthin war schon ein kleines Highlight. Unser Fahrer war super cool, spielte zuerst deutschen Rap und anschließend „Wonderwall“. Natürlich konnten wir nicht anders, als alle mitzusingen. Nach zwei Wochen irgendwo mitten in der mongolischen Steppe im Bus zu sitzen und plötzlich mit einem mongolischen Taxifahrer „Wonderwall“ zu grölen, war irgendwie genau die Art von Situation, die diese Reise ausmacht.
Im Irish Pub trafen wir dann auch den Rest der Gruppe. Von einigen mussten wir uns direkt verabschieden, mit den anderen tranken wir noch einen Cocktail.
Und plötzlich war alles vorbei.
Zwei Wochen.
Einfach vorbei.
Schon ein komisches Gefühl, sich jetzt zu verabschieden. Gerade jetzt, wo eigentlich alles funktioniert hat. Wo jeder seinen Platz in der Gruppe gefunden hatte und aus einer Gruppe fremder Menschen langsam eine richtige Reisegruppe geworden war. Es war definitiv keine perfekte Reise. Es gab Höhen und Tiefen, gute Tage und Tage, an denen ich mich gefragt habe, warum ich mir das eigentlich antue. Aber genau das gehört für mich mittlerweile irgendwie dazu.
Und am Ende bleibt vor allem eines:
Es war ein gelungenes Abenteuer.
Ich würde es definitiv wieder machen.
Im Irish Pub traf ich dann auch noch Uwe wieder. Könnt ihr euch erinnern? Mein Sitznachbar auf dem Hinflug. Ich wusste zwar, dass er ebenfalls im Irish Pub sein würde und dass wir morgen sogar denselben Rückflug nach Frankfurt nehmen. Trotzdem war es irgendwie cool, ihn und seine Gruppe tatsächlich dort zu treffen. Der Pub war groß und es war schließlich nicht selbstverständlich, dass wir uns dort über den Weg laufen. Schön war es auch, seine Reisegruppe noch einmal zu sehen. Sie hatten eine deutlich entspanntere Tour. Strom, warmes fließendes Wasser, WLAN. Dinge, die für uns während der letzten zwei Wochen teilweise schon wie purer Luxus geklungen hätten. Aber am Ende hatte jeder seine Freude und jeder durfte einen Teil der Mongolei auf seine ganz eigene Art kennenlernen. Und irgendwie nehme ich aus dieser Reise nicht nur Bilder, Erinnerungen und ein bisschen Kaschmir mit nach Hause. Ich habe unglaublich viele Menschen mit spannenden Geschichten kennengelernt. Einige stehen noch ganz am Anfang ihres Lebens, andere sind mittendrin, haben bereits so viel erlebt und wieder andere stehen vielleicht gerade an einem Punkt, an dem sich noch einmal alles verändert. Und dann war da ich. Ich, die vor allen Leuten ziemlich stolz sagen kann, dass sie sich darauf freut, am Montag wieder arbeiten zu gehen. Ich arbeite einfach unglaublich gern. Und je mehr Menschen ich kennenlerne, desto mehr stelle ich fest, dass das gar nicht so selbstverständlich ist. Viele suchen noch danach, was sie eigentlich wollen, andere überlegen, wo ihr Weg hingehen soll. Ich habe das große Glück, sagen zu können, dass ich mich auf meinen Alltag und meine Arbeit freue. Vielleicht ist genau das auch etwas, das ich aus dieser Reise mitnehme: Dankbarkeit. Für die Möglichkeit, zwei Wochen lang etwas völlig anderes zu erleben. Für die Menschen, die ich kennenlernen durfte. Für all die Geschichten, die ich hören durfte. Und auch dafür, anschließend wieder nach Hause zu kommen und mich tatsächlich auf mein eigenes Leben zu freuen.
Morgen werden wir um 6 Uhr zum Flughafen gefahren. Ich freue mich auf zu Hause. Auf mein eigenes Bett, eine normale Dusche, Strom, WLAN und wahrscheinlich auch darauf, wieder selbst entscheiden zu können, wann ich was esse. Und gleichzeitig bin ich unglaublich dankbar, dass ich dieses Abenteuer erleben durfte.
Zwei Wochen Mongolei. Zwei Wochen Pferde, Steppe, Berge, Zelte, Busfahrten, neue Menschen, neue Erfahrungen und ziemlich viele Momente, die ich so schnell nicht vergessen werde.
Jetzt geht es nach Hause.Read more
Tag 18 - Zurück in der Realität
August 22 in Germany ⋅ ☁️ 22 °C
Es hat einen Tag gedauert, bis ich diese Zeilen schreiben konnte. Irgendwie musste ich erst wieder ankommen. Und damit meine ich nicht nur körperlich. Die Ankunft zu Hause war seltsam. Plötzlich wieder ein Dach über dem Kopf, vier Wände, ein bequemes Bett und vor allem ein Tagesplan, der nicht mehr vom Wetter abhängig war. Kein Zelt, kein Schlafsack, keine Isomatte. Dafür fließend warmes Wasser. Und zwar so viel, dass ich beim Duschen tatsächlich kurz darüber nachgedacht habe, wie absurd verschwenderisch sich das anfühlt. Ich musste kein Wasser sparen. Ich konnte einfach duschen.
Und dann war da noch mein Kühlschrank.
Ich habe mich tatsächlich darüber gefreut, wieder einen Kühlschrank zu haben. Bisher ist er zwar nur mit Licht gefüllt, aber selbst diese völlig normale Alltäglichkeit fühlt sich gerade fast schon erschreckend an. Wenn man zwei Wochen mit einfachen Vorräten lebt, bekommen selbst solche Kleinigkeiten plötzlich eine Bedeutung. Dinge, die man zu Hause normalerweise überhaupt nicht wahrnimmt, fallen einem nach so einer Reise plötzlich auf. Die Rückreise selbst war in Ordnung. Nach zweimal 24 Stunden im Bus schockt einen vermutlich nichts mehr. Im Flugzeug habe ich knapp drei Stunden geschlafen. Die restliche Zeit habe ich mich mit Noah unterhalten, einem der Teilnehmer der vergangenen zweieinhalb Wochen.
Wir haben über unglaublich viele Dinge gesprochen. Über unsere Vergangenheit und unsere Zukunft, über die vergangenen Wochen, unsere Eindrücke und natürlich auch über die Gruppe. Besonders spannend fand ich eine Beobachtung von ihm. Er meinte, er habe im Nachhinein mein Verhalten während der Reise besser verstanden. Ich hätte die vergangenen zweieinhalb Wochen sehr viel beobachtet. Wie ein Adler hätte ich über der Gruppe geschwebt und eigentlich immer mitbekommen, was gerade passiert. Und irgendwie hatte er damit recht.
Ich habe viel beobachtet. Die schönen Momente, aber natürlich auch die Situationen, die nicht so schön waren. Ich habe Menschen beobachtet, ihre Reaktionen, die Dynamik und wie sich die Gruppe im Laufe der Zeit verändert hat. Gleichzeitig habe ich immer versucht zu helfen, wenn irgendwo Hilfe gebraucht wurde. Natürlich hatte das auch eine Kehrseite. Ich habe sehr viel Zeit mit dem Schreiben verbracht und damit, meine Eindrücke festzuhalten. Dadurch war ich nicht immer mitten im Gruppengeschehen. Manchmal habe ich mich bewusst ein Stück herausgenommen und die Situation lieber von außen betrachtet. Aber für mich war das wichtig. Ich wollte diese Reise nicht einfach nur erleben, sondern sie auch festhalten. Je länger die Tour dauerte, desto mehr veränderte sich die Gruppe. Die anfängliche Zurückhaltung verschwand, die Menschen fühlten sich wohler miteinander und irgendwann wurden alle einfach immer mehr sie selbst. Eigentlich ist das vermutlich ganz normal. Wenn Menschen über längere Zeit gemeinsam unterwegs sind, wenig Privatsphäre haben, müde sind und ständig neue Situationen erleben, fallen irgendwann die ersten Fassaden. Man wird spontaner, ehrlicher und manchmal auch ungefilterter. Dadurch haben sich manche meiner ersten Eindrücke im Laufe der Zeit bestätigt. Ich bin deshalb froh, meinem Bauchgefühl vertraut zu haben. Gleichzeitig muss ich aber zugeben: Noah hatte vermutlich auch recht. Hätte ich mich an manchen Stellen etwas mehr geöffnet und mehr zugelassen, wäre die Reise vielleicht noch intensiver geworden. Das möchte ich bei zukünftigen Reisen ausprobieren. Nicht komplett anders, denn meine Beobachterrolle gehört irgendwie zu mir. Aber vielleicht in einer besseren Balance. Mehr zulassen, mehr mittendrin sein und trotzdem immer wieder einen Schritt zurückgehen und beobachten.
Drei Fragen, die ich ehrlich beantworte und mich teilweise sehr beschäftigen:
1️⃣. Was bleibt von dieser Reise?
Vor allem die Einfachheit. Ich habe in der Mongolei gemerkt, wie wenig ein Alltag eigentlich braucht. Es braucht nicht viel, damit Menschen glücklich sein können. Ein gutes Essen, ein warmes Feuer, ein Pferd, ein paar Menschen, mit denen man lachen kann, und die Gewissheit, dass am nächsten Tag alles weitergeht. Unser Alltag in Deutschland ist dagegen oft genau das Gegenteil. Wir wollen immer mehr. Mehr Komfort, mehr Möglichkeiten, mehr Leistung, mehr Erlebnisse. Und gleichzeitig sind wir erstaunlich oft unzufrieden mit dem, was wir bereits haben. Die Mongolei hat mir gezeigt, wie befreiend es sein kann, wenn diese ganzen Dinge plötzlich keine Rolle mehr spielen. Die Frage war nicht: Was muss ich morgen noch erledigen? Die Frage war: Kommen wir morgen im nächsten Camp an? Mehr musste man eigentlich nicht wissen. Und gerade diese Einfachheit hat unheimlich gutgetan. Natürlich waren die zweieinhalb Wochen nicht immer einfach. Es gab unbequeme Busfahrten, wenig Schlaf, Rückenschmerzen, kaltes Wasser, fehlenden Strom, wenig Privatsphäre und Momente, in denen ich meine Komfortzone wirklich verlassen musste. Aber genau das hat so viel Spaß gemacht. Ich glaube, ich habe diese Reise gerade deshalb so genossen, weil sie mich gezwungen hat, Dinge anders zu machen. Ich musste mich auf Situationen einlassen, die ich zu Hause niemals als angenehm bezeichnet hätte. Und irgendwann wurden genau diese Dinge normal.
2️⃣.Würde ich so eine Reise noch einmal machen?
Ja. Definitiv. Aber nicht gleich nächstes Jahr. Dafür gibt es auf dieser Welt noch viel zu viel zu sehen. Ich möchte neue Länder kennenlernen, andere Kulturen erleben und wieder völlig andere Erfahrungen machen. Aber irgendwann würde ich wieder eine solche Reise machen. Denn diese Art des Reisens entschleunigt. Sie erdet. Sie nimmt einem für eine gewisse Zeit all die Dinge ab, über die man sich im normalen Alltag ständig Gedanken macht. Und vielleicht ist genau das der größte Luxus daran.
3️⃣. Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?
Wahrscheinlich mehr zulassen. Nicht alles kontrollieren, nicht alles beobachten und nicht immer versuchen, Situationen vorher einzuschätzen. Einfach manchmal mittendrin sein und schauen, was passiert. Aber eben auch nicht komplett auf meine Beobachterrolle verzichten. Denn gerade dadurch habe ich unglaublich viel wahrgenommen. Vielleicht geht es gar nicht darum, sich für eine Seite zu entscheiden. Vielleicht ist die richtige Mischung genau dazwischen.
4️⃣. Was werde ich vermissen?
Eigentlich alles. Die Pferde. Die Landschaft. Die endlosen Weiten. Die Abende im Camp. Das Leben draußen. Die Gespräche. Das gemeinsame Lachen. Die kleinen Routinen. Die Ruhe. Das Gefühl, dass niemand etwas von einem erwartet. Und vor allem die Menschen. Denn eine Reise besteht natürlich aus den Orten, die man sieht, und den Dingen, die man erlebt. Aber am Ende sind es die Menschen, die aus Erlebnissen Erinnerungen machen. Ohne diese Gruppe wäre die Reise wahrscheinlich nur halb so schön gewesen. Die Gruppendynamik, die gemeinsamen Erlebnisse, die kleinen Insider, die Gespräche und auch die schwierigen Momente haben diese zweieinhalb Wochen zu dem gemacht, was sie waren. Ich habe unglaublich viel Neues gelernt. Über die Mongolei, über das Leben auf dem Land, über Tiere und den Umgang mit ihnen, über Menschen und darüber, wie unterschiedlich ein Alltag aussehen kann.
Und wenn ich jetzt gefragt werde, was mein schönster Moment war, könnte ich wahrscheinlich keine eindeutige Antwort geben. Dafür waren es einfach zu viele. Vielleicht sind es am Ende auch gar nicht die spektakulärsten Momente, die bleiben. Sondern die kleinen Bilder: ein Pferd, das morgens vor dem Zelt steht. Das gemeinsame Lachen nach einem langen Reittag. Ein Abend am Camp. Die endlose Landschaft. Oder einfach dieses Gefühl, irgendwo mitten im Nirgendwo zu sitzen und für einen Moment nichts zu müssen.
Als ich diese Reise gebucht habe, wusste ich, dass ich zehn Tage reiten würde. Ich wusste, dass es wenig Komfort geben würde, dass uns lange Busfahrten erwarten und dass die Mongolei ganz anders sein würde als alles, was ich bisher kannte. Was ich nicht wusste, war, wie sehr mich diese Reise beschäftigen würde. Aus einer Reise, bei der ich ein neues Land kennenlernen wollte, ist eine Erfahrung geworden, die mir auch einiges über mich selbst gezeigt hat.
5️⃣.Und jetzt?
Jetzt bin ich wieder zu Hause. Die Wäsche ist gewaschen, die Sachen sind langsam wieder sortiert und der Alltag wartet bereits. Und trotzdem fühlt sich etwas anders an. Die letzten zweieinhalb Wochen waren zunächst ein kleiner Schock. Dann wurden sie zur Gewohnheit und irgendwann fast zur Wohltat. Kein Alltagsdruck. Keine Termine. Niemand, der etwas von mir erwartet. Keine Nachrichten, die beantwortet werden müssen. Keine Gedanken daran, was als Nächstes erledigt werden muss.
Nur diese einfachen Fragen.
Wo schlafen wir heute? Was gibt es zu essen?
Wie wird das Wetter? Schaffen wir es morgen ins nächste Camp?
Fragen, die im normalen Leben fast schon langweilig klingen. Und jetzt, wieder zu Hause, merke ich, wie essenziell diese langweiligen Fragen eigentlich sind. Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis, die ich aus der Mongolei mitnehme: Man braucht erstaunlich wenig, um glücklich zu sein. Und manchmal muss man erst sehr weit weg reisen, um das wieder zu merken.
Ach ja, und eines weiß ich jetzt auch ganz sicher:
Ich werde mich vermutlich noch eine ganze Weile über das Licht in meinem Kühlschrank freuen.Read more




























































































































































































TravelerHallo liebe Selina,,wir wünschen dir einen erfolgreichen Urlaub schönen Urlaub viel Spaß und ohne Ärger 😘❤️
Meine liebe Selina, wünsche Dir einen tollen Urlaub, habe deine Worte wieder verschlungen beim lesen 🤗❤️ [Mama]
TravelerHej Selina, ich wünsche dir viel Spaß und tolle Erfahrungen, pass gut auf dich auf.