• 22b Naadam - Mongolisches Ringen

    11. Juli in Mongolei ⋅ ☁️ 15 °C

    Nach dem Mittagessen gehen wir mit Sana ins Stadion zurück, um dem Bökh, dem mongolische Ringen beizuwohnen. Diese jahrhundertealte traditionelle Kampfsportart gehört neben dem Bogenschießen und den Pferderennen zu den drei "männlichen Disziplinen" der Mongolen. Schon der am Naadam omnipräsente Dschingis Khan nutzte das Ringen, um seine Soldaten fit zu halten.

    Das Ringen findet ohne Gewichtsklassen und Zeitlimiten statt! Das Ziel ist es, den Gegner dazu zu bringen, den Boden mit dem Rücken, Knie oder dem Ellbogen zu berühren. Die Ringer tragen eine traditionelle Jacke (Zodog) mit freier Brust und eine spezielle Hose (Shuudag), meist auch traditionelle mongolische Stiefel (Gutal). Einer Geschichte zufolge war die Brust ursprünglich geschlossen. Nachdem aber angeblich eine verkleidete Frau alle männlichen Ringer besiegte, wurde die Tracht modifiziert, um solchen Ereignissen in Zukunft vorzubeugen! Tja, das haben die mongolischen Männer wohl schlecht ertragen!😉 Es kämpfen "wild" durcheinander verschiedenste Paarungen auf der grossen Rasenfläche im Stadion, keine abgesteckten Plätze. Jeder Kampf wird von einem Schiedsrichter verfolgt, der vor allem auf die Fairness achten soll.

    Vor und nach dem Kampf führen die Ringer traditionelle Tänze auf. So führt der Gewinner den traditionellen "Adlertanz" (Dewech) auf. Er imitiert dabei die Bewegungen eines Adlers, um Stärke und Respekt auszudrücken. Der Verlierer muss dagegen am Ende des Kampfes zum Zeichen seiner Unterlegenheit unter den Armen des Siegers hindurchgehen. Ein Zeichen der Ehrerbietung wie das Abwischen des Sägemehls beim Schwingen in der Schweiz. Nur dass hier der Sieger dem Verlierer das Sägemehl vom Rücken putzt.

    Dieses Jahr nehmen 1024 Ringer am Naadam-Festival teil. Der Wettkampf findet im K.O.-System statt, bis nur ein Sieger übrig bleibt (nach 10 Runden). Die Gewinner werden mit grossen Namen wie Löwe, Gigant oder Titan geehrt und sind im ganzen Land hoch verehrt.

    Typ für Interessierte: Unser Guide Sana macht uns auf die Netflix-Sendung Physical:Asia aufmerksam. Da kann man die mongolischen Ringer bestaunen. Der Gewinner des diesjährigen Naadam soll da zu bestaunen sein!

    P.S.: Allenfalls gab es noch längere Kämpfe, jeoch imponierte mir ein Duell über 68 Min. schon!
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