• 35 Vom Kohlenzentrum zur Kulturstadt

    July 23 in China ⋅ ⛅ 21 °C

    Wir besuchen heute zusammen mit Heiko die Yungang Grotten und das Hängende Kloster am Berg Hengshan. Heidi ist leicht erkältet und fühlt sich nicht 100% fit, kommt aber mit! Datong liegt auf 1000 m Höhe mit sehr angenehmen Temperaturen.

    Auf der Fahrt zu den Grotten kommen wir bei Kohlebergwerken vorbei. Heiko erklärt, dass Datong das Zentrum des Kohleabbaus in China sei. Sozusagen das chinesische Ruhrgebiet, ergänzt er. Rund um Datong gibt es jedoch auch grosse Anlagen erneuerbarer Energien. Wir sind ja gestern mit dem Zug an grossen Windparks vorbei gefahren. Im Hinterland sei ein 100 Hektar grosser Solarpark gebaut worden, der von oben betrachtet zwei Pandas darstellt! China produziert offenbar bereits 60% seines Bedarfs mit erneuerbaren Energien. Das hätte ich nie gedacht.

    Es fällt uns auf, wieviele moderne Hochhäuser hier in Datong (gut 3 Mio. Einwohner) zu sehen sind. Heiko erzählt, dass dies vor allem einem Bürgermeister zu verdanken sei, der von 2008-13 milliardenschwere Stadtprojekte umgesetzt hätte. Altstadt und ganze Viertel wurden erneuert. Wo jetzt die Hochhäuser in den Himmel ragen seien früher einfache Häusersiedlungen gestanden. 500'000 Menschen seien an die Perpherie zwangsumgesiedelt worden! Solche Massnahmen sind wohl nur in einem Land wie China möglich! Der preisgekrönte Dokumentarfilm "The Chinese Mayor" von 2015 begleitet den Bürgermeister bei seinen Bemühungen, eine der schmutzigsten Städte Chinas in ein touristisches und kulturelles Zentrum zu verwandeln. Soll sehenswert sein!
    Jetzt verstehe ich auch die gestrige Frage einer Journalistin in der Fussgängerzone nach unserer Meinung, wie wir die Luft in Datong finden! 😉
    Eine Kehrseite bei solch gigantischen Projekten ist die Korruption. Ein hoher Beamter sitzt wegen einer Deliktsumme von 2 Mia Yuan (ca. CHF 250 Mio.) im Gefängnis. Überhaupt hören wir dies von unseren Guides immer wieder als eine der grössten Herausforderungen Chinas.

    Datong selber war im 5./6. Jh. Hauptstadt, während China durch die Tuwa-Mongolen regiert wurde. In diese Zeit fällt auch die Entstehung der Yungang Grotten. Viele der buddhistischen Höhlentempel oder auch Teile der vorgelagerten Tempelanlagen wurden später durch Mensch und Natur zerstört. Die Anlage erstreckt sich über eine Länge von 1 km entlang einer Sandsteinwand und ist seit 2001 UNESCO Weltkulturerbe. Täglich besuchen 30'000 Touristen diese beeindruckende Grotten ... und wir mittendrin!😉

    Am Mittag fahren wir eineinhalb Stunden zum Hängenden Kloster, das ebenfalls vor über 1500 Jahren am Berg Hengshan erbaut wurde. Die Anlage "schwebt" 50 m über der Schlucht. Seinerzeit sollen 2-3 Mönche hier gelebt haben und die vielen Wandermönche Unterschlupf gefunden haben. Im Kloster sind die drei grossen Lehren Chinas - Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus - friedlich vereint, was ungewöhnlich ist. Wir können das Kloster nicht von Innen besichtigen, da die wenigen Tickets ausgelost werden. Es ist aber auch so sehr spektakulär!
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