04 Einmal ein Drittel um die Insel
11. april, Portugal ⋅ ☁️ 17 °C
Heute regnet es endlich nicht mehr und auch der Wind hat aufgehört zu wehen. Nach einem leckeren Frühstück begeben wir uns direkt in unser Auto und fahren zunächst an der Südküste entlang, bis wir dann nach links abbiegen in Richtung Norden durch die Berge von Madeira. Unser höchster Punkt (stellt Andrea später fest) war auf 1460 m! Immerhin gar nicht schlecht für diese doch nicht ganz so große Insel.
Wir erreichen nach etwa 1 Stunde Fahrt durch tief eingeschnittene Täler und über Berghöhen den immer noch vom Wind aufgegepeitschten Atlantik mit knallweißer Gischt und dunkelblau-grünem Wasser. Davor die Kulisse der steilen Wände des Madeiragebirges - besser gesagt des Madeira-Vulkans. Ein tolles Bild, dass uns ein wenig an Island erinnert mit seinen rauhen wilden Küsten. Wir halten an echt traumhaften Miradouros - auf deutsch Aussichtspunkten - an, um Fotos zu machen und die Atmosphäre dort in vollen Zügen zu genießen. Andrea lässt ihre Drohne fliegen und wir sind gespannt, wie ihre Flug-Videos nachher ausschauen werden. Es gibt hier viele kleine Dörfer mit schnuckeligen Häusern und rotgedeckten Ziegel- Dächern. Nichts erscheint hier hektisch, selbst die Autofahrer verhalten sich ruhig in diszipliniert. LKWs sehen wir überhaupt nicht. Alles geht irgendwie den Gang der Zeit.
Wer übrigens Salat mag mit Kapuzinerkresse (und mit den schönen bunten Blüten obendrauf geschmückt), der findet hier an jeder Ecke diese Pflanze in allen Farben rot gelb, orange, grün. Nur blau nicht. Massenweise, flächenddeckend, einfach überall. Als hätte der liebe Gott tonnenweise Samen dieser Kapuzinerpflänzchen über Madeira ausgeschüttet.
Ein Hauptziel unserer heutigen Tour ist das kleine Dörfchen Santana im Norden Madeiras. Dort gibt es kleine dreieckige Häuser, die direkt auf dem Erdboden errichtet worden sind. Sie sind definitiv eines der herausragendsten Wahrzeichen der Gemeinde. Diese eigentümlichen Bauwerke bieten eine echte Reise durch die Geschichte der Insel. Die Materialien, aus denen die Casas de Santana gebaut wurden, zeugen von den Ressourcen, die in der Region historisch am meisten verfügbar waren:
Die dreieckigen Häuser sind aus Holz gebaut, einem billigen und in dieser Gegend reichlich vorhandenen Material, das zum Temperaturausgleich im Inneren beiträgt. Darüber hinaus war das berühmte Strohdach eine weitere Möglichkeit, Nutzen aus dem Anbau von Getreide wie Weizen und Roggen zu ziehen. Die Neigung der Dächer gewährleistete die Wasserdichtigkeit der Häuser, denn so konnte das Regenwasser abfließen. Zudem ist die Außenseite dieser Häuser für ihre leuchtenden Farben bekannt: blau, rot und weiß. Im Inneren wiederum gab es nur einen Dachboden, um landwirtschaftliche Produkte zu lagern, und ein Erdgeschoss für den Wohnbereich, der in Küche und Schlafzimmer unterteilt war. Sie schauen echt goldig aus.
Wir stehen vor einem solchen wunderschönen Motiv. Andrea hat ihre nicht übersehbare Sony-Kamera in der Hand. Hinter ihr stehen bestimmt fünf Leute mit Handy und iPad und möchten dasselbe Motiv fotografieren. Vor dem Motiv steht in aller Seelenruhe ein Ehepaar, was verzweifelt versucht, eine gerade erworbene Bonbontüte aufzumachen. Dauer mindestens 5 Minuten und die Tüte ist immer noch nicht offen. Einem Menschen hinter Andrea platzt der Kragen und er sagt zum Paar: „Könnten Sie bitte nicht zur Seite gehen und ihre Tüte woanders öffnen?!“ Und das Wunder geschieht tatsächlich. Der Weg war plötzlich frei für das Motiv und das iPad und die iPhones. Hunderte von Touristen und Andrea konnten aufatmen.
Matthias möchte gleich nebendran eine Handy-Aufnahme vom Eingang eines Dreieckshäuschens machen und eine mittelalte blonde Frau mit ostdeutschem Akzent kommt auf ihn zu. Sie bemerkt, dass er das Foto machen will. Dann sagt sie unvermittelt „Ich gehe jetzt extra zurück und stelle mich wieder in den Eingang. Und zwar solange wie ich es will. Sie müssen warten mit ihrem Foto. Bis ich gehe.“ Soweit sind wir jetzt schon….
Bergauf schwächelt unser kleiner VW. Es geht gerade noch, so muss Andrea nicht aussteigen, um zu schieben! Aber er bringt uns langsam und sicher über die schmalen und steilen Straßen in der Bergwelt Madeiras. Mit echt vielen Haarnadelkurven. Übrigens der Benzinpreis für Normal-(Super)Benzin beträgt aktuell hier gerade einmal 1,81 € - in den heutigen Zeiten ist es ja wirklich schon ganz schön günstig, oder?!
Ein gutes Drittel der gesamten Insel Madeira haben wir heute per Straße erfahren. Den Rest werden wir in den nächsten Tagen in aller Ruhe sehen und erleben und ihr natürlich auch - hier auf FindPenguins.Læs mere




















Rejsende
Eine beeindruckende Aufnahme…
Andrea on TourDanke Hanno
RejsendeWas für ein wunderbare Reisebericht! Es sind nicht nur eure beeindruckenden Fotos, sondern auch die detaillierten Schilderungen der Reise, der erlebten Momente, eure präzisen Beobachtungen und dann natürlich auch die kleinen Anekdoten, die ich ja selbst bereits mit euch erlebt habe. Nur dass es diesmal keine netten Chinesinnen waren wie auf Madagaskar, sondern eine mit ganz viel Scham und Humor ausgestattete Landsfrau…. Die Idioten sterben einfach nicht aus. Lasst euch nicht beirren, gibt uns möglichst viele von diesen beeindruckenden und schönen Fotos und lasst uns teilhaben! Weiterhin gute Reise und wenig Störenfriede!
Andrea on TourMal schauen, was heute kommt. ❤️