• 06 Degenfisch und eine Buddel Rum

    13 April, Portugal ⋅ ⛅ 16 °C

    Heute haben wir in Funchal den berühmten Tropischen Garten besucht. Man erreicht ihn mittels einer wunderschön ruhigen Seilbahnfahrt hoch über den Dächern der Hauptstadt auf dem sogenannten „Monte“. Der Park ist so eine Art japanischer Kunst-Garten. Sehr hübsch gestaltet mit vielen seltenen Pflanzen und Bäumen und natürlich auch zahlreichen japanischen Gestaltungselementen. Er liegt in einem Taleinschnitt, so dass man jede Menge Treppen, Brücken und Wege beschreiten muss. Natürlich immer nach unten. Das hat dazu geführt, dass wir uns dann erleichtert ein kleines E-Taxi geleistet haben, um ohne körperliche Mühen wieder ganz nach oben zum Eingang zu kommen. Insgesamt hat uns das ganze Teil gut gefallen.

    Wir wollten dann noch mit einer zweiten Seilbahn (keine 5 Minuten entfernt) den so sogenannten „Botanischen Garten“ von Funchal besuchen. Kaum dort angekommen, mussten wir jedoch feststellen, dass das wohl eher nichts für uns ist (weil es einfach viel zu wenig bunte Blumen, exotische Pflanzen, Bäume oder Ähnliches gab). Eher alles etwas unattraktiv trotz des nicht ganz geringen Eintrittspreises….

    Also haben wir wieder kehrt gemacht und sind beide Seilbahnstrecken herunter nach Funchal, also ganz nach unten, gefahren. Anschließend ein wenig noch schlendern an der Uferpromenade, ein riesiges Aida-Kreuzfahrtschiff anschauen und den bekannten Wochenmarkt von Funchal genießen. So war der heutige Tag.

    Aber nun noch ein bisschen Info über zwei interessante Themen, die mit Madeira zu tun haben und der Überschrift unseres heutigen Reisetagesberichts (inkl. Coverfoto):

    1. Die gestern von uns entdeckte und in Porto da Cruz gelegene Nordmühle mit Namen „Engenhos do Norte“ ist eines der wichtigsten lebenden Zeugnisse der historischen Zuckerproduktion auf der Insel. Der Besuch ist daher gleichbedeutend mit einer echten Reise in die Vergangenheit. Die Mühle wurde 1927 gebaut und mit Maschinen aus dem 19. Jhd. betrieben. Allerdings muss man bis ins 16. Jhd. zurückgehen, um seine Bedeutung zu verstehen. Als eine der drei alten Mühlen, die heute noch auf Madeira in Betrieb sind, ist dieser Ort wirklich ein echtes Museum.

    Der ausschließlich durch alkoholische Gärung und Destillation von Zuckerrohrsaft gewonnene Madeira-Rum ist eines der am meisten geschätzten traditionellen Produkte dieses atlantischen Archipels. Seine preisgekrönte Qualität ist das Ergebnis eines jahrhundertelangen Prozesses der Verfeinerung. Madeira Rum, auch bekannt als „Zuckerrohrschnaps“, hat einen Mindestalkoholgehalt von 37,5 Vol%. Vom natürlichen Rum, dem Rohstoff für die typische „Poncha“, bis zum in Eichenfässern gereiften, edlen Madeira-Rum gibt es eine breite Palette zum Probieren. Man kann sich da reinsetzen…..!

    Die Ursprünge des „Madeira-Brandes“, wie er gemeinhin genannt wird, gehen auf die Zeit der Entdeckung des Archipels zurück. Kurz nach der Ankunft der portugiesischen Seefahrer auf dieser Perle des Atlantiks, im 15. Jhd. begann die Einführung des Zuckerrohrs durch Stecklinge aus Sizilien. Schon damals wurde der Zucker zu einem der wichtigsten Produkte Madeiras (er wurde sogar als „weißes Gold“ bezeichnet). Er begann, auf das portugiesische Festland, in den Golf von Guinea, nach Afrika, Nordeuropa und in den Mittelmeerraum exportiert zu werden. Darüber hinaus ermöglichte der Reichtum dieses Rohstoffs die Entwicklung einer sehr produktiven Verarbeitungsindustrie. In der Folge wurden Produkte hergestellt wie z. B. Zuckerrohrsirup und natürlich Madeira-Rum. Anfangs wurde dieses Getränk mit sehr rudimentären Mitteln hergestellt, aber Ende des 19. Jhd. entstanden die ersten Brennereien für Zuckerrohrschnaps. Mit der Jahrhundertwende stieg die Nachfrage nach diesem einzigartigen Produkt erheblich an, sodass der historische Rum von Madeira in der ganzen Welt immer bekannter und begehrter wurde.

    In der 'Casa do Rum' direkt neben der „Engenhos do Norte“ haben wir folgerichtig den 6 Jahre alten „Rum 970“ probiert. So lecker!!! Und schon gekauft.

    2. Der Degenfisch (speziell der Schwarze Degenfisch) heißt auf Portugiesisch Espada preta oder einfach Peixe-espada preto. Er ist ganz schön hässlich anzusehen, aber trotzdem hier eine berühmte Spezialität, die in großen Tiefen gefangen und oft als Filet mit Banane (Filete de espada com banana) serviert wird. In den tiefen Gewässern ist der Schwarze Degenfisch kupferfarben. Erst beim Fang bekommt er durch die rasche Druckveränderung seine bekannte schwarze Farbe. Gefischt wird er mit Angeln mit einer Leine von 1500 m Länge, an der bis zu 50 Hilfsangeln befestigt werden. In ihren Mägen fand man neben kleinen Tiefseefischen Aale, die auf ihrer Laichwanderung gefressen worden waren.

    Aber trotz dieses Mageninhalts schmeckt er total lecker. Man darf nur nicht an seinen Gesichtsausdruck denken.
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