• 08 Insel-Tunnel: Wie ein Schweizer Käse

    15 Nisan, Portekiz ⋅ ⛅ 17 °C

    Madeira mit ihrem zerklüfteten, bergigen Gelände hat schon immer die Fantasie von Einheimischen beflügelt. Eine der faszinierendsten Geschichten dreht sich um die Existenz alter Tunnel unter der Insel - geheime Gänge, vergessene Stollen und unterirdische Verbindungen zwischen Tälern und Gipfeln. Seit Jahrhunderten kursieren Theorien über Tunnel, die von religiösen Orden, Schmugglern oder sogar von alten Zivilisationen gebaut worden sein sollen. Einige ältere Bewohner erzählen Geschichten von verborgenen Gängen, die zur Flucht vor Angriffen dienten oder zum Versteck von wertvollen Besitztümern genutzt wurden. Manche glauben, dass bestimmte Tunnel einst Klöster, Kapellen oder Küstenfestungen mit den Höhenlagen verbanden: Als geheime Fluchtrouten.

    Daneben gibt es auch alte Straßen- und Eisenbahntunnel, die verschiedene Regionen verbanden, bevor moderne Schnellstraßen gebaut wurden. Einige dieser Tunnel sind heute verlassen und befeuern den Mythos vergessener Gänge. Die Faszination lebt also weiter - genährt durch Ruinen, Erzählungen und das ewige Geheimnis der madeirensischen Berge. Denn in jeder Legende steckt vielleicht ein Körnchen Wahrheit …… oder zumindest eine gute Geschichte…..

    Madeira verfügt über eines der dichtesten Tunnelnetze der Welt mit über 150 Straßentunneln in einer Gesamtlänge von mehr als 80 km, die das gebirgige Terrain erschließen. Die modernen Schnellstraßen ermöglichen (auch uns) echt zeitsparende Touren, während ältere Küstenstraßen für ihre engen, rustikalen Tunnel bekannt oder zwischenzeitlich ganz gesperrt sind. Dieses ausgeprägte Tunnelnetz ist eine moderne Ingenieursleistung, die die Insel durchbrach wie einen Schweizer Käse, um zerklüftete Landschaften zu verbinden. Ursprünglich dienten Tunnel seit dem 16. Hd. nur dem Bau von Levadas (Wasserkanälen), um Wasser von der regenreichen Nordseite in den trockenen Süden zu leiten.

    Der massive Ausbau der Tunnel für den Straßenverkehr begann erst im 20. Jhd. Das Vulkangestein der Insel machte den Bau extrem aufwendig. Der Ausbau diente zunächst der Verbindung von abgelegenen Dörfern mit den Wirtschaftszentren im Süden und der Förderung des Tourismus. Heute dagegen ist Madeira für seine dichte Folge von Brücken und Tunneln bekannt, die das Reisen auf der Insel, das früher Stunden dauerte, auf Minuten verkürzen.

    Nach soviel neuem Wissen über Madeira nun zu unseren heutigen Erlebnissen:

    Wir fahren noch einmal in den Norden der Insel und zwar durch das Tal, durch das wir am ersten Tag unserer Reise gefahren sind. Von Ribeira Brava nach Sao Vicente auf der anderen Seite der Insel. Nur, dass es dort vor ein paar Tagen noch regenverhangen und trübe war. Heute begrüßt uns die Sonne, blauer Himmel und schneeweiße Wolken. Wir benutzen diesmal nicht die gut ausgebaute Straße tief im Tal, sondern eine echte schmale Bergstraße (ER 105), die sich in ganz vielen kleinen und großen Serpentinen die Berge hoch schlängelt und dann wieder herunter. An vielen Stellen gibt es wunderschöne Aussichtspunkte, wo wir die grünbewachsenen Berge und Bergspitzen sowie enge Taleinschnitte in Ruhe betrachten können. Andrea macht einige Zeitraffer-Videos. An einer Stelle sind wir ganz alleine und weit vor uns „schwappen“ die weißen Wolken rasend schnell wie große Wellen über den Bergkamm herüber und bewegen sich dann nach unten. Warme Sonnenstrahlen und ein echtes Blau hoch über uns. Welch ein Ruhe! Ein toller Anblick! Fast wie Meditation….

    Wir machen etwas weiter von ihr entfernt am Strassenrand halt: Bei der schneeweißen „Capelinha de Nossa Senhora de Fátima“ handelt sich um eine kleine Kapelle ganz allein auf einem Hügel in São Vicente. Man sieht aber eigentlich nur einen Kirchturm, nicht mehr. Sie wurde 1948 erbaut, ist bekannt für ihre markante Turmform und bietet einen Panoramablick über das hinter ihr liegende Tal und den Atlantischen Ozean. Und nun kommt das Beste: Der Kirchturm verfügt über vier Uhren, die jedoch oft unterschiedliche Zeiten anzeigen. Und niemand weiß, weshalb.

    „Frau Fatima“ bezieht sich meist auf die Jungfrau Maria, die 1917 drei Hirtenkindern im portugiesischen Fátima als „weiße Dame“ erschienen sein soll. Diese Marienerscheinungen gelten als katholische Botschaften des Gebets, der Bekehrung und des Friedens, was Fátima zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte weltweit machte.

    So für heute genug erzählt, es geht jetzt gleich zum Abendessen. Dann gibt’s noch den obligatorischen „Rum 970“ und irgendwann am späteren Abend machen wir dann die Augen zu. Wir lesen uns dann morgen wieder. Gute Nacht!

    💤😴😘🌙
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