10 Noch einen letzten schönen Miradouro
17 Nisan, Portekiz ⋅ ☁️ 17 °C
Wir entschließen uns, nochmals in die Berge zu fahren und zwar auf einer Strecke, die wir bisher noch nicht kannten. Es geht hoch hinauf auf 1.100 m. Unser Ziel und Aussichtspunkt heisst „Miradouro Eira do Serrado“ und bietet einen Panoramablick auf ein kleines Dorf tief unten vor uns, das von der Pracht der charakteristischen grünen Berge Madeiras umgeben ist. Wir befinden uns im bergigen Landesinneren, im Kreis Câmara de Lobos, und damit in der Mitte der Insel. Die Zufahrt ist eine sich in sehr engen Kurven schlängelnde, immer enger werdende Bergstraße, auf der zwei Autos kaum noch aneinander vorbeikommen. Wir haben großes Glück, dass uns nicht ein riesiger Reisebus entgegenkommt. Das wäre echt problematisch geworden. So sind wir aber ohne Schwierigkeiten ganz oben angekommen.
Dieser Ort zeigt uns die erosive Wirkung der natürlichen Elemente, die die Insel im Laufe der Jahrhunderte geformt haben. Die Betrachtung dieses Gebirgsmassivs ist also eine Reise durch die jahrtausendealte Geschichte dieses im Atlantik gelegenen Gebiets. In einem abgeflachten Bereich dieses Tals von gewaltigen Ausmaßen liegt das Dorf Curral das Freiras, dessen malerisches Profil der Berglandschaft einen besonderen Reiz verleiht. Wie nicht anders zu erwarten, verzaubert der Aussichtspunkt Eira do Serrado sowohl Touristen als auch uns als Fotografie-Begeisterte und ist deshalb zu einem der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel Madeira geworden. Echt schön dort. Das war nun also unser letzter Miradouro auf Madeira.
Und jetzt für alle Wissensdurstigen zum Abschluss noch ein paar Infos über die zwei besonderen Baumarten, die es auf dieser Insel ja so oft gibt:
Fast überall: Der Lorbeer & Eukalyptus:
Der Lorbeerwald (auch Laurissilva genannt ) auf Madeira ist ein 15.000 bis 22.000 ha ( = 20% der Inselfläche) großes, UNESCO-Weltnaturerbe-Gebiet, das als Relikt aus dem Tertiär gilt. Diese immergrünen Wälder, die vor 15 - 40 Mio. Jahren weite Teile Europas bedeckten, wachsen auf der Insel zwischen 300 und 1.300 m Höhe. Der Lorbeerwald ist ein wichtiger Wasser- und Feuchtigkeitsspender, schützt vor Erosion und ist essenziell für das hydrologische Gleichgewicht der Insel. Neben dem Azoren-Lorbeer wachsen dort der Stinklorbeer, Madeira-Mahagoni, Wacholder und der seltene Maiblumenbaum. Im Nordwesten, speziell im Gebiet Fanal, finden sich Jahrhunderte alte, moosbewachsene Lorbeerbäume, oft in Nebel gehüllt. Darüber haben wir bereits hier berichtet.
Der allgegenwärtige und echt stark duftende Eukalyptus prägt landschaftlich weite Teile Madeiras, ist jedoch ein sog. invasiver Neophyt. Ursprünglich zur Holzgewinnung und Erosionsschutz gepflanzt, breitet er sich stark aus, drängt den heimischen, ökologisch wertvollen Lorbeerwald zurück und erhöht durch seine ätherischen Öle die Brandgefahr. Die Bäume können über 50 m hoch werden. Die Wurzeln sind extrem tief (bis 20 m), sie entziehen dem Boden viel Wasser und verdrängen heimische Arten. Eukalyptusbäume dienen als gute Bienenweide, weshalb der leckere Eukalyptushonig auf Madeira verbreitet ist.
Eukalyptus duftet übrigens so stark, weil seine Blätter eine sehr hohe Konzentration an ätherischen Ölen, insbesondere Eukalyptol, enthalten. Dieser intensive Duft ist ein natürlicher Schutzmechanismus und hat verschiedene Funktionen: Der starke Geruch hält Insekten und Schädlinge fern, wodurch die Pflanze kaum von ihnen befallen wird. Die ätherischen Öle machen die Blätter für die meisten Tiere ungenießbar.
Das Eukalyptusöl, das beim Reiben der Blätter freigesetzt wird, wird bei Menschen stark antibakteriell und entzündungshemmend. Es gibt auch spezielle Sorten, wie den Zitronen-Eukalyptus, der eine zitronenartige Duftnote verströmt.
Morgen an unserem letzten Tag hier gibts für Euch dann wie immer noch ein kleines Reisefazit zum Lesen!
😎😎🤪🤪🦋🦋🌈🌈☀️☀️🌶️🌶️😘😘Okumaya devam et









Gezgin
Was für eine Stimmung. Grandios.
GezginDas klingt nach einem richtig würdigen Abschluss eurer Miradouro-Tour 😍 Der Blick ins Tal von Curral das Freiras ist wirklich unglaublich. So ein Ort, eingekesselt von Bergen, hat einfach etwas Besonderes. Spannend fand ich auch eure Infos zum Lorbeerwald und Eukalyptus. Man läuft da so durch und denkt „schön grün“, aber was da alles an Geschichte und Ökosystem dahintersteckt, ist schon echt faszinierend ☺️ Jetzt bin ich gespannt auf euer Fazit morgen.
Gezgin
Traumhaft schön 🤩
GezginBisher habe ich es noch nicht erwähnt, aber jetzt wird es langsam Zeit: wie immer versteht ihr es wie kaum ein anderer, uns alle mit faszinierenden und Wissenswerten Details über eure Reisen zu versorgen. Das Madeira übersät ist mit Eukalyptusbäumen, habe ich überhaupt nicht gewusst. Aber jetzt eine letzte Frage: wenn so viele Eukalyptusbäume da sind, warum gibt es dort keine Koalas? 😹😹😹