Shkodra - Alte Kulturhauptstadt
November 12, 2025 in Albania ⋅ ☁️ 15 °C
Shkodra liegt im Norden Albaniens, etwa 90 Kilometer von Tirana entfernt, und wird als Hauptstadt des Nordens bezeichnet. Die Stadt liegt zwischen dem Shkodra-See und den albanischen Alpen. Der See ist der größte der Balkanhalbinsel und reicht bis nach Montenegro hinein.
Die Geschichte der Stadt reicht über 2.400 Jahre zurück. Hier residierte einst der illyrische König Gentius, bis die Römer ihn 168 v. Chr. besiegten. Danach wechselten die Herrscher im Rhythmus der Jahrhunderte: Byzantiner, Serben, Venezianer, Osmanen. Im 19. Jahrhundert wurde Shkodra zum Zentrum der albanischen Nationalbewegung. Hier erschienen die ersten albanischen Zeitungen, hier eröffnete das erste weltliche Gymnasium des Landes. Katholiken, Muslime und Orthodoxe lebten nebeneinander – eine Toleranz, die Shkodra bis heute prägt. Bevor Tirana 1920 zur Hauptstadt wurde, war Shkodra das kulturelle und politische Zentrum des Landes.
Von dieser Vergangenheit ist im Stadtbild wenig geblieben. Wir verbrachten eine Woche hier, und die Stadt selbst blieb eher Kulisse als Erlebnis. Shkodra ist geschäftig, praktisch, manchmal chaotisch – aber kein Ort, an dem man sich verliert oder überrascht wird.
Das eigentliche Highlight liegt oberhalb der Stadt: die Rozafa-Burg. Die ältesten Mauern stammen aus dem ersten Jahrtausend vor Christus. Im 15. Jahrhundert war sie eine der letzten Bastionen gegen die osmanische Expansion – die Burg hielt zwei großen Belagerungen stand, bevor sie 1479 fiel. Heute thront die Festung auf ihrem felsigen Hügel am Zusammenfluss dreier Flüsse – Drin, Buna und Kiri. Die Anlage ist weitläufig und verwinkelt. Man kann durch verfallene Gänge streifen und auf alten Mauern entlanggehen. Von oben hat man den Blick über See, Stadt und Berge.
Den Shkodra-See kannten wir bereits von der anderen Seite, wo wir im vergangenen Jahr in Montenegro mit dem Kanu unterwegs waren. Der See gilt als eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete Europas – rund 270 Arten leben hier, darunter seltene Pelikane. Von albanischer Seite wirkt er ruhiger und weniger erschlossen.
Etwa acht Kilometer außerhalb der Stadt liegt die Mesi-Brücke. Das osmanische Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert überspannt mit 13 Bögen den Fluss Kiri. Sie lag einst an der Handelsroute nach Kosovo, einem Weg, der bis in vorrömische Zeit zurückreicht.
Von Shkodra aus führen die Straßen in die albanischen Alpen – nach Theth etwa, das viele Wanderer als eigentliches Ziel im Norden ansteuern.Read more

















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