Grand Palace: Die recycelte Hauptstadt
January 20 in Thailand ⋅ ☀️ 29 °C
Der Grand Palace, Bangkoks königlicher Palast, gilt als Pflichtprogramm in Bangkok. Noch heute ist er offizieller Sitz der Monarchie, auch wenn der König längst woanders wohnt. Begonnen hat alles deutlich bescheidener.
Als König Rama I. im Jahr 1782 die Macht übernahm, brauchte er einen Palast, aber die Kassen waren leer. Die erste Version war eine einfache Holzkonstruktion, umgeben von einer Absperrung aus Holzpfählen, innerhalb eines Monats zusammengezimmert. Eine provisorische Krönung hielt er sofort ab, die offizielle Zeremonie folgte erst drei Jahre später, als der Palast fertig war.
Um mit Stein zu bauen, schickte Rama I. seine Leute flussaufwärts nach Ayutthaya, der alten Hauptstadt, die wenige Jahre zuvor im Krieg zerstört worden war. Sie demontierten Festungsmauern und Paläste, die Tempel blieben unberührt. Die Ziegel transportierten sie per Lastkahn nach Bangkok. Die Mauern des Grand Palace bestehen also wortwörtlich aus den Überresten der Vorgängerhauptstadt. Für den Bauplatz musste eine chinesische Gemeinde weichen, Rama I. siedelte sie südlich vor die Stadtmauern um. Dort entstand Yaowarat, das heutige Chinatown, eines der größten der Welt.
Im Zentrum der Anlage liegt Wat Phra Kaeo, der wichtigste Tempel Thailands. Dort befindet sich der sogenannte Smaragd-Buddha, der allerdings nicht aus Smaragd besteht, sondern aus grünem Jadeit. Die kleine Statue war Jahrhunderte lang in Laos, bis thailändische Truppen sie 1779 zurückholten. Rama I. ließ den gesamten Tempel um diese eine Figur herum bauen. Sie gilt als Schutzsymbol des Landes, und nur der König darf ihr dreimal jährlich, zu jeder Jahreszeit, die Kleidung wechseln.
Der Palast wird noch heute für Staatszeremonien genutzt, auf dem Gelände befinden sich mehrere Museen, darunter eines über königliche Textilien. Im Eintritt ist außerdem eine klassische Tanzaufführung enthalten, die viele Besucher gar nicht wahrnehmen, weil das Theater etwas entfernt vom eigentlichen Palastgelände liegt. Aufgeführt wird Khon, ein traditioneller Maskentanz, der früher nur am Königshof gezeigt werden durfte und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die Tänzer tragen prächtige Kostüme und erzählen Szenen aus dem Ramakien, der thailändischen Version des indischen Ramayana.
All das gehört heute zu einem Besuch des Palasts. Trotzdem war die Erfahrung für uns insgesamt eher anstrengend als beeindruckend. Zwischen Gedränge, fehlender Ruhe und den stark inszenierten Abläufen fühlte es sich stellenweise wie in einem überlaufenen Themenpark an. Auch der Audioguide half uns nicht weiter. Er wirkte langatmig und trug eher zur Reizüberflutung bei als zu einem besseren Verständnis.Read more


























