Der weiße Tempel: Wo Buddha den Terminator trifft
February 21 in Thailand ⋅ ☀️ 24 °C
Wat Rong Khun, der „Weiße Tempel", liegt am Südrand von Chiang Rai. Offiziell ist die Anlage geweiht, und es leben auch Mönche hier. Aber wer das Gelände betritt, steht eher in einer begehbaren Kunstinstallation als in einem Ort der Andacht. Zwischen den weißen Fassaden ragen Dämonenfiguren aus dem Boden, an den Bäumen hängen Schrumpfköpfe, und im Inneren des Hauptgebäudes blickt einem der Terminator entgegen. Wat Rong Khun ist das Lebenswerk eines einzelnen Mannes: Chalermchai Kositpipat.
Chalermchai stammt aus Chiang Rai und begann seine Karriere als Maler von Filmplakaten auf Werbetafeln. Er studierte traditionelle thailändische Kunst, wurde einer der bekanntesten Künstler des Landes und erhielt den Titel „Nationalkünstler". Den gab er später zurück, zusammen mit sämtlichen Ehrentiteln bis hin zum Professor und Doktor. Seine Kunst mischt buddhistische Tradition mit Popkultur und Gesellschaftskritik, und das passt nicht zu jemandem, der die thailändische Kultur offiziell repräsentieren soll. Chalermchai entschied sich für die Kunst.
Als er Ende der Neunziger beschloss, den verfallenen Dorftempel seiner Heimatstadt komplett neu zu gestalten, tat er das aus eigener Tasche. Bis heute hat das Projekt umgerechnet rund 40 Millionen Dollar verschlungen, finanziert durch den Verkauf seiner Gemälde. Spenden nimmt er nur bis 10.000 Baht an, umgerechnet etwa 250 Euro. Seine Begründung: „Wenn ich Millionen von einem reichen Mann nehme, denkt er, der Tempel gehört ihm."
Thailändische Tempel sind traditionell gold oder rot. Dass dieser Tempel weiß leuchtet, geht auf eine Reise nach Sri Lanka zurück. Als junger Künstler studierte Chalermchai dort die weißen Tempel und Statuen des Landes und brachte die Idee mit nach Hause. In die Fassade eingelassene Spiegelscherben reflektieren das Sonnenlicht. Weiß steht für die Reinheit Buddhas, die Spiegel für seine Weisheit.
Der Weg zum Ubosot, dem Hauptgebäude der Anlage, ist alles andere als friedlich. Vor der Brücke strecken sich Hunderte weißer Hände aus einer Grube nach oben. Manche halten Schädel. Sie stehen für Tanha, das ungebremste Verlangen. Nach buddhistischer Lehre hält es die Seelen im endlosen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt gefangen. An den Bäumen neben dem Weg hängen geschrumpfte Köpfe als Symbole für Menschen, die zu oft Versuchungen nachgegeben haben. Die Brücke selbst steht für den Weg aus diesem Kreislauf in einen leidfreien Zustand. Am Ende bewachen zwei Figuren das Tor: Tod und Rahu, die über das Schicksal der Verstorbenen entscheiden. Wer das Tor durchschreitet, betritt das Paradies – zumindest nach buddhistischer Lehre.
Was sich dann im Inneren des Ubosot zeigt, passt in kein Tempelschema der Welt. Fotografieren ist hier verboten. Die Wandmalereien zeigen wirbelnde orangefarbene Flammen und Dämonengesichter. Dazwischen tauchen Neo aus Matrix, Superman, Hello Kitty, Pikachu und Michael Jackson auf. An einer Wand ein Flugzeug, das in die Twin Towers fliegt, Bilder von Atomkrieg und Ölpumpen. Chalermchai selbst sagt, junge Leute interessierten sich nicht für Szenen, die vor 500 Jahren in Rot und Gold gemalt wurden, aber sie kennen Keanu Reeves. Er will mit seinen Figuren das Interesse junger Menschen wecken und buddhistische Lehren in eine modernere Sprache übersetzen. Die Bilder sind aber auch Gesellschaftskritik an einer Welt, die sich durch Gier und Technologie ohne Weisheit selbst zerstört. Das einzige goldene Gebäude im ganzen Komplex ist die Toilette. Gold steht hier für den Körper und materielle Begierden, im Kontrast zum weißen Geist des Tempels.
Vor gut zehn Jahren wurde der Tempel durch ein Erdbeben schwer beschädigt. Die filigranen Außenelemente ließen sich reparieren, aber Teile der Wandmalereien, an denen Chalermchai fast zwanzig Jahre gearbeitet hatte, sind unwiederbringlich verloren. Zunächst wollte er alles abreißen und nie wieder aufbauen. Dann entschied er sich um und widmete den Rest seines Lebens der Restaurierung. Von den neun geplanten Gebäuden stehen bisher nur vier. Fertig wird der Tempel frühestens 2070, lange nach Chalermchais Tod. Er selbst sieht das gelassen. Der Tempel sei seine Opfergabe an Buddha und werde ihm ewiges Leben schenken.
Wir haben den Weißen Tempel im Rahmen einer organisierten Tour besucht und würden das im Nachhinein nicht wieder so machen. Die Anlage ist gut besucht, und bei einer Tour bleibt zu wenig Zeit, um sich wirklich auf die vielen Details einzulassen. Wer den Tempel auf eigene Faust besucht, hat deutlich mehr davon. Eintritt 200 Baht.Read more





















Traveler
Na der ist ja scharf. Aber WER ... ist das
Sebastian SchillerEin Wächter (Yak), der Dämonen usw. zurückhält.