• Goldenes Dreieck: Kopfgeld, Opium und die CIA

    February 21 in Thailand ⋅ ☀️ 34 °C

    An einem Dreiländereck im Norden Thailands treffen Thailand, Myanmar und Laos aufeinander. Das sogenannte Goldene Dreieck ist heute ein unscheinbarer Aussichtspunkt mit einem goldenen Buddha am Fluss und Souvenirständen, aber hier wurde Weltgeschichte geschrieben.

    Die Bergvölker der Region bauten schon seit Jahrhunderten Schlafmohn an. Die Höhenlagen boten das richtige Klima, und die Berge waren so abgelegen, dass keine Regierung kontrollieren konnte, was dort oben passierte. Doch aus dem lokalen Anbau wurde ein globales Geschäft, als nach dem chinesischen Bürgerkrieg 1949 tausende besiegte Soldaten über die Grenze flohen. Sie brauchten Geld für ihre Geheimarmee und drängten die Bauern zum großflächigen Mohnanbau. Das Opium wurde mit Gold bezahlt, daher der Name Goldenes Dreieck. Die Soldaten transportierten es in meilenlangen Maultierkarawanen aus den Bergen und betrieben bald eigene Heroinraffinerien. Unterstützt wurden sie von der CIA, die sie mit Waffen versorgte und mit Air America, einer als zivil getarnten Fluglinie, ein Netz aus Landebahnen und Flugverbindungen in den abgelegenen Bergregionen aufbaute. Offiziell im Kampf gegen den Kommunismus, doch dieselbe Infrastruktur diente auch dem Opiumtransport.

    Einer von ihnen wurde mächtiger als alle anderen: Khun Sa, der „Prinz des Wohlstands". Zu seinen Hochzeiten kontrollierte er mit einer Privatarmee von 20.000 Mann den Großteil der Opiumproduktion Myanmars. Seine Truppen waren besser bewaffnet als das myanmarische Militär. Auf dem Höhepunkt seiner Macht stammten 80 Prozent des in New York verkauften Heroins aus seiner Produktion. Khun Sa bot der US-Regierung an, seine gesamte Opiumernte aufzukaufen, dann wäre der Heroinhandel erledigt. Die USA lehnten ab und setzten stattdessen ein Kopfgeld von zwei Millionen Dollar auf ihn aus. 1996 ergab er sich überraschend der burmesischen Regierung, zog mit seinem Vermögen und vier jungen Geliebten nach Rangun und investierte in Immobilien und Rubinminen.

    Dass Thailand heute nicht mehr für Opium steht, liegt vor allem an zwei Personen. König Rama IX. half den Bergvölkern in den Siebzigerjahren, von Mohn auf andere Einkommensquellen umzusteigen. Auch seine Mutter, eine der verehrtesten Frauen Thailands, engagierte sich. Ende der Achtzigerjahre besuchte sie das Gebiet um den Berg Doi Tung. Die Bergvölker dort lebten in bitterer Armut, ihr einziger Verdienst war Opium. Sie ließ auf dem Berg eine Residenz bauen und zog mit Ende achtzig selbst ein. Unter ihrer Führung stellten die Bauern von Mohn auf Kaffee, Tee und Macadamia-Nüsse um. Das Einkommen der Familien verzehnfachte sich.

    Der Ansatz gilt heute international als Vorbild. Allerdings ging Thailand zur Bekämpfung des Drogenproblems auch härtere Wege. 2003 wurden bei der Regierungskampagne „War on Drugs" innerhalb von drei Monaten rund 2.500 mutmaßliche Drogenhändler getötet, von denen viele rückblickend keine nachweisbaren Verbindungen zum Drogenhandel hatten. Bis heute wurde niemand dafür zur Verantwortung gezogen.

    Das Drogenproblem der Region ist damit nicht verschwunden, es hat sich gewandelt. In Myanmar werden heute statt Opium auf Feldern synthetische Drogen wie Methamphetamin in Laboren produziert, industriell und in Mengen, die alles Bisherige übertreffen. Seit dem Militärputsch 2021 kontrolliert in den Grenzgebieten niemand mehr, was passiert.

    Das Grenzgebiet hat aber noch eine andere Schattenseite. Auf der laotischen Seite liegt die Golden Triangle Special Economic Zone, ein Komplex aus Kasinos und Hotels. Laos hat das Gebiet an einen chinesischen Geschäftsmann verpachtet, der dort mit eigenen Sicherheitskräften und eigenen Gesetzen regiert. Weil Glücksspiel in China und Thailand verboten ist, kommen die Kunden vor allem von dort. Die USA haben wegen Drogenhandel, Geldwäsche und Menschenhandel Sanktionen gegen den Betreiber verhängt. Angeblich ist die Zone auch eines der Zentren für die sogenannten Scam-Compounds, Anlagen in denen Menschen mit falschen Jobangeboten angelockt und zu Online-Betrug gezwungen werden.

    Im Dorf Sop Ruak zeichnet ein kleines Opium-Museum die Geschichte des Anbaus und Handels mit Werkzeugen und Pfeifen nach. Etwas außerhalb liegt die Hall of Opium, ein großes Multimedia-Museum, das leider nicht auf unserem Tourplan stand, aber sehr interessant sein soll. Extra hinfahren würden wir für das Goldene Dreieck nicht, aber es ist bei den meisten Touren ab Chiang Rai enthalten.
    Read more