• Guanyin: Aus den Augen einer Göttin 👁️

    February 22 in Thailand ⋅ ⛅ 30 °C

    Auf einem Hügel nördlich von Chiang Rai steht eine riesige weiße Figur, die wir am Vortag aus dem Bus gesehen hatten. Vor unserer Abreise wollten wir wissen, was es mit ihr auf sich hat. Um sieben Uhr waren wir die Ersten auf dem Gelände. Kein anderer Besucher, keine Schlange, sondern völlige Ruhe mit leiser Mantra-Musik.

    Die Figur wird von Touristen gerne als Big Buddha bezeichnet, ist aber kein Buddha. Sie stellt Guanyin dar, die Göttin der Barmherzigkeit aus dem Mahayana-Buddhismus, und ist mit fast 80 Metern die größte Guanyin-Statue Thailands. Ihre Oberfläche ist mit tausenden kleinen Spiegeln besetzt, die im Sonnenlicht schimmern. Guanyin wird vor allem in China verehrt und kam nach Nordthailand, als nach dem chinesischen Bürgerkrieg Tausende Soldaten aus Südchina hierher flohen.

    Was von außen wie eine Skulptur aussieht, ist von innen ein Gebäude mit 25 Stockwerken. Ein Aufzug fährt durch das Innere bis in den Kopf, vorbei an Wänden voller weißer Stuckreliefs mit Drachen und Götterfiguren. Oben blickt man durch Guanyins drei Augen auf das Umland von Chiang Rai. Das dritte, auf der Stirn, steht für übermenschliche Wahrnehmung.

    Den besten Blick auf die Statue selbst hat man von der Pagode gegenüber. Sie hat neun Stockwerke und fällt schon von außen auf: Statt der üblichen Naga-Schlangen, die in Thailand Tempeltreppen bewachen, rahmen chinesische Drachen den Eingang ein. Im Inneren sind auf jeder Etage Buddhas und Gottheiten aus Sandelholz geschnitzt, darunter auch eine Tausendarmige Guanyin, bei der jede Hand in eine andere Richtung reicht, weil sie allen Leidenden gleichzeitig helfen soll.

    Wat Huay Pla Kang steht auf keiner Touristenliste. Hier war es still, der Eintritt frei, nur für den Aufzug in der Statue zahlt man 40 Baht. Der Name des Tempels bedeutet übrigens Bach des Schlangenkopffischs, benannt nach einem Süßwasserfisch aus der Gegend. Kein besonders spiritueller Name für einen Ort, an dem man durch die Augen einer Göttin schaut.
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