• Hoi An Memories - 400 Jahre in einer Stunde 🎭

    May 17 in Vietnam ⋅ ☁️ 28 °C

    Die Hoi An Memories (die Erinnerungen an Hoi An) ist eine große Open Air Show am Flussufer und spielt auf einer Bühne, die sich fast einen Kilometer am Wasser entlangzieht. Rund 500 Darsteller stehen auf der Bühne, dazu kommen Lichtprojektionen, Wasserfontänen und lebensgroße Kulissen, darunter ganze Häuser und ein nachgebautes Schiff. So etwas hatten wir vorher noch nie gesehen.

    Die Show erzählt die Geschichte der Stadt über rund vierhundert Jahre hinweg, gegliedert in mehrere Kapitel. Es beginnt mit Reisbauern und Fischern, die dem Land die ersten Felder abringen, wobei Männer mit Bambusstangen das Wasser zu Fontänen aufwühlen. Dann folgt die Hochzeit einer vietnamesischen Prinzessin mit einem König der Cham, dem Volk, das hier vor den Vietnamesen herrschte. Diese Heirat brachte vor gut siebenhundert Jahren Frieden zwischen beiden Reichen, und auf der Bühne zieht dazu ein Elefant vorbei. Ein weiteres Kapitel dreht sich um eine Frau, die jeden Abend eine Laterne auf den Fluss setzt und auf die Rückkehr ihres Mannes wartet, der zur See gefahren ist. Es sind genau die leuchtenden Laternen, für die Hoi An heute berühmt ist. Danach erwacht der alte Handelshafen mit seinen Kaufleuten aus China, Japan und Europa zum Leben, bevor zum Schluss Tänzerinnen im Áo Dai, dem vietnamesischen Nationalkleid, das heutige Hoi An zeigen.

    Der Handlung konnten wir dabei grob folgen. Auf einer Fläche neben der Bühne lief erklärender Text mit, aber im Kern war es ein Bilderrausch, der einen von einer Szene zur nächsten trägt, ohne dass man jedes Detail verstehen muss.

    Was wir damals nicht wussten: Diese gewaltigen Freilichtshows mit Hunderten Darstellern auf einer Naturbühne sind ein eigenes Genre, und erfunden wurde es nicht in Vietnam, sondern in China. Inszeniert hat sie ein chinesischer Regisseur, der diese Art von Massenspektakel mit einer früheren Show überhaupt erst berühmt machte. Als die Show vor einigen Jahren startete, fanden manche Vietnamesen sie deshalb zu chinesisch geraten und kritisierten das offen. Seither wurde sie mehrfach überarbeitet.

    Beworben wird sie heute als schönste Show der Welt. Dahinter steckt vor allem geschicktes Marketing, etwa ein bezahlter Werbeauftritt am New Yorker Times Square. Sehenswert ist sie.

    Die Show findet jeden Abend außer dienstags auf einer Insel im Fluss statt, gut einen Kilometer von der Altstadt entfernt und in einer Viertelstunde zu Fuß über die Brücke erreichbar. Die Tickets kosten je nach Sitzkategorie zwischen gut 20 und knapp 50 €. Vom Rest der Themeninsel haben wir wenig mitbekommen, weil es längst dunkel war, als wir ankamen.
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