• Hoi An - Im Schein der Laternen 🏮

    May 16 in Vietnam ⋅ ☁️ 29 °C

    Die Laternenstadt Hoi An ist eines der typischen Postkartenmotive Vietnams. Die alte Hafenstadt ist außerdem ein Ort des Handwerks, heute vor allem bekannt für ihre Schneider. In der Altstadt reihen sich niedrige Häuser mit ockergelben Wänden an engen Gassen, dazu hölzerne Ladenfronten, Ziegeldächer und ein Fluss, über dem unzählige bunte Laternen hängen.

    Hoi An war einmal einer der wichtigsten Handelshäfen Südostasiens. Der Name bedeutet "friedlicher Treffpunkt", und genau das war er. Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert legten hier Schiffe aus China und Japan an. Weil der Handel vom Monsun abhing und die Kaufleute oft Monate auf günstigen Wind für die Heimreise warten mussten, richteten sie sich eigene Stadtviertel ein. Sicher war dieser Reichtum nie. Das Vermögen eines Händlers steckte monatelang in Waren und Schiffen weit draußen, und ein Sturm oder Überfall konnte alles auf einmal vernichten. Gehandelt wurde mit Seide, Porzellan und Gewürzen, vor allem aber mit Adlerholz, einem harzigen Duftholz, aus dem Räucherwerk und Parfüm gewonnen werden. Die Herrscher kauften es im Inland für viel Geld und verkauften es in Japan für das Dreißigfache. Die Europäer waren dabei eher Nachzügler. Sie drängten auf die Waren Asiens, das damals das wirtschaftliche Zentrum der Welt war, hatten selbst aber kaum etwas zu bieten, das hier gefragt war, und bezahlten meist mit Silber.

    Dass von dieser Zeit so viel übrig ist, verdankt Hoi An seinem Niedergang. Als der Fluss versandete, wichen die großen Schiffe ins nahe Da Nang aus, und die Stadt verlor ihre Bedeutung. Während andernorts abgerissen und neu gebaut wurde, blieb hier alles stehen, und selbst der Vietnamkrieg ging weitgehend spurlos an der Stadt vorbei. Geblieben ist eine ganze Altstadt mit traditionellen Gebäuden. Die Kaufmannshäuser sind schmal und tief, unten der Laden, darüber Wohn- und Lagerräume. Weil der Fluss die Stadt regelmäßig überschwemmt, zogen die Bewohner ihre Waren bei Hochwasser durch eine Luke in der Decke ins Obergeschoss. In manchen leben bis heute dieselben Familien. Dazu kommen die Versammlungshallen, in denen sich die chinesischen Händler nach ihrer Herkunftsregion trafen und in einem Tempel im Hinterhof die Meeresgöttin Thien Hau verehrten, die über die Seeleute und ihre gefährlichen Überfahrten wachte.

    Das Wahrzeichen der Stadt ist eine überdachte Holzbrücke, die japanische Kaufleute vor gut vierhundert Jahren bauten, um ihr Viertel mit dem chinesischen zu verbinden. Sie steht sogar auf der 20.000-Dong-Note. Um die Brücke rankt sich eine düstere Legende. Tief unter der Erde soll ein gewaltiges Untier liegen, dessen Kopf in Indien ruht, dessen Körper sich unter Vietnam erstreckt und dessen Schwanz bis nach Japan reicht. Schlägt es mit dem Schwanz, bebt in allen drei Ländern die Erde. Die Brücke wurde ihm wie ein Schwert in den Rücken getrieben, das es seither festhält. An ihren beiden Enden wachen steinerne Affen und Hunde.

    Tagsüber und spät am Abend ist die Altstadt erstaunlich ruhig. Das ändert sich, sobald die Sonne untergeht. Dann füllen sich die engen Gassen, bis es zugeht wie auf einem Jahrmarkt. Am Flussufer wird man ständig angesprochen, mal für Laternen, mal für eine Bootsfahrt. Dafür leuchten zu dieser Stunde überall die Laternen aus Bambus und Seide, für die die Stadt berühmt ist, in allen Farben und Formen. Ihre Wurzeln reichen zu den chinesischen Händlern zurück, das allgegenwärtige Laternenmeer von heute ist aber vor allem eine moderne Erfindung für den Tourismus. In einem Workshop haben wir zwei davon selbst gebastelt, was ganz nett war. Später ließen wir uns mit dem Boot über den dunklen Fluss rudern und setzten eine brennende Laterne aufs Wasser, die zwischen all den anderen Lichtern davontrieb.

    Einen Abend verbrachten wir in einer Show namens Teh Dar, einer spektakulären Mischung aus Akrobatik und meterhohen Bambusgerüsten, inspiriert von den Bergvölkern des vietnamesischen Hochlands. Fotografieren war leider streng verboten, aber wir fanden sie großartig.

    Auch die große Geschichts-Show am Flussufer mit ihren fast fünfhundert Darstellern haben wir uns angesehen, aber das ist eine Geschichte für sich.
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