• Tag 2: Stadtführung und noch mehr Kultur

    March 29 in Germany ⋅ 🌧 3 °C

    In der Früh ging es wieder ins Cafe Ruvolo auf Cafe und Cornetto. Danach machten wir uns auf den Weg zur Tourismusagentur Epic Sicily in der Via dell'Argenteria, wo wir eine Stadtführung zu geheimen Ecken und Gärten Palermos gebucht hatten. Epic Sicily ist ein kleines, feines Reisebüro, das sich auf nachhaltigen Tourismus für die Stadt Palermo spezialisiert hat. Geleitet wird es von Elene, einer 30 jährigen Palermitanerin, die eine Wucht ist. Wir durften dann noch 2 Mitarbeiterinnen kennenlernen, Anna und Alex, beide aus Deutschland mit Wohnsitz in Palermo. Beide sorechen perfektes Italienisch und beide sind in die Stadt Palermo verliebt. Aber jetzt greife ich vor.
    Wir starteten also heute um halb zehn mit der Stadtführung mit Alex. Begonnen haben wir am Flohmarkt auf der Piazza Marina, der dort jeden Sonntag stattfindet. Dieser Markt bietet alles an Wunderbarem, Sonderbarem, Schönem und Hässlichem. Die Auswahl reicht von Antiquitäten über Kleidung, Schmuck und Haushaltswaren zu Möbeln, Lampen und Ähnlichem.
    Hinter dem sonntäglichen Flohmarkt befindet sich der Giardino Garibaldi, zu dessen Hauptattraktion ein riesiger Ficus macrrophylla gehört, der zu den größten und ältesten Europas zähl und dessen Luftwurzeln ein dichtes, schattiges Geflecht bilden. Außerdem steht in diesem Park eine Gedenktafel an Joe Petrosino. Kurz die Geschichte dazu: Der New Yorker Polizist reiste 1909 auf einer Geheimmission nach Palermo, um Beweise gegen die Mafia zu sammeln. Aber offenbar war die Mission doch nicht so geheim, denn er war gerade mal 2 Stunden in Palermo, als er auf der Piazza Marina erschossen wurde.

    Gleich dahinter ging es dann weiter zur Chiesa San Giovanni degli Eremiti mit den zwei schönen roten Kuppeln auf der Piazza Bellini und dann besuchten wir noch den Klostergarten vom Monastero di Santa Caterina D'Alessandria. Dieser Klostergarten mit schönem Kreuzgang, Springbrunnen und eineigen lauschigen Plätzchen ist öffentlich zugänglich. Im Kloster befindet sich die traditionelle Klosterbäckerei, die sizilianische Süßwaren nach alten Rezepten herstellt.

    Weiter ging es dann zur Kirche Santissimo Salvatore. Dort stiegen wir über eine mörderische Wendeltreppe bis zur Kuppel hinau. Auch hier hatten wir natürlich einen wunderbaren 360 Grad Blick über ganz Palermo.

    Und dann noch eine Kirche: Die Chiesa di Gesú, eine Jesuitenkirche, die schlicht und einfach als fürchterlich zu bezeichnen ist. Soviel Barock auf einem Haufen habe ich tatsächlich noch nie gesehen. Daher wird diese Kirche im Volksmund auch Chiesa zuccherata genannt, also Zuckerkirche oder gezuckerte Kirche.

    Danach ging es weiter ins etwas andere Palermo: Das Palermo der kleinen Leute, der armen Leute, das Palermo der Drogenabhängigen, der Prostituierten, der kleinen Ganoven und großen Verbrecher, das Palermo der sichtbaren Baukorruption und des sichtbaren und unsichtbaren Schwarzhandels. Das alles spielt sich hauptsächlich im Stadtviertel Albergheria ab. Besonders beeindruckend dort ist der Markt. Dort gibt es alles, was der Mensch braucht und nicht braucht, alles außer Lebensmittel. Taschen und Uhren und Kochtöpfe und Fahräder und Teller und Schmuck und Gürtel und Jeans und Louis Vitton Taschen und Sonnenbrillen usw. Alles Second Hand und angeblich alles geklaut. Angeblich haben schon einige Palermitaner*innen das Fahrrad, das ihnen geklaut wurde, auf diesem Markt wieder zurückgekauft. Diesen Markt haben wir relativ schnell hinter uns gelassen, Tourist*innen gibt es dort keine mehr, und kamen dann am Kinderspital vorbei, das durchaus einer Renovierung bedürfte. Angeblich ist für diese Renovierung einiges Geld vom Staat Italien und von der EU geflossen, man weiß aber nicht genau, in wessen Hände. Interessant aber und wunderschön sind drei Murales an den Häusern rund um das Kinderkrankenhaus.

    Nach diesen beklemmenden Eindrücken gig es dann zurück Richtung Kathedrale, in deren Nähe wir eine Kleinigkeit essen konnten. Hier war danndie geführte Tour mit Alex quasi zu Ende. Viele, viele Eindrücke, viele spannende Informationen, viel Neues über Palermo. Das muss erst einmal verdaut werden. Also war Siesta angesagt, bevor wir uns ins Abendvergnügen stürzten. Das fand dann in Form von tollem Abendessen im Restaurant Buatta Cucina Popolana in der Via Vittorio Emanuele.
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