• Tag 23: Flåm und Flåmsbanen

    May 7 in Norway ⋅ ☁️ 5 °C

    Jetzt sind wir so richtig im Fjordland. Heute haben wir in der Früh noch eine wirklich schöne und etwas herausfordernde Wanderung gemacht. Nicht sehr lang, aber durch relativ unwirtliches Gelände. Die Wanderung führte durch das Vindhellaskaret im Lærdal, ein echtes Meisterwerk historischer Straßenbaukunst, aber dann auch durch Wälder und über steile, schwach ausgetretene Pfade. Nach 2, 5 Stunden waren wir wieder zurück auf unserem Übernachtungsplatz. Es ging dann weiter nach Flåm.
    Das heißt: Von Stabkirchen zu Weltrekorden
    Unsere Reise führte uns von der historischen Stabkirche in Borgund direkt in ein modernes Weltwunder der Ingenieurskunst: den Lærdaltunnel.
    Mit über 24 Kilometern ist er der längste Straßentunnel der Welt. Doch er ist mehr als nur eine dunkle Röhre:
    Alle sechs Kilometer weitet sich der Tunnel in riesige, blau und gelb beleuchtete Hallen. Das hilft gegen die Monotonie beim Fahren.
    Eine Reinigungsanlage filtert Staub und Schadstoffe direkt unter Tage heraus – die Luftqualität ist überraschend gut und das System setzt auf hochsensible Sensoren und SOS-Stationen statt auf Videoüberwachung.

    Am Ende des Tunnels erreichten wir Flåm am Aurlandsfjord. Nachdem wir den Vormittag für eine Wanderung genutzt hatten, ließen wir es später entspannt angehen.
    Wir machten eine Tour mit der nostalgischen und sauteuren Flamsbahn und haben uns für die Fahrt hin und zurück entschieden. Sie führt von Flåm nach Myrdal und wieder zurück.
    Dass die Bahn spektakulär ist, sieht man. Aber erst die Zahlen dahinter machen die Fahrt zu einem echten Erlebnis: Gebaut wurde sie zwischen 1923 und 1940. Mit einem Höhenunterschied von 864 m auf 20 km ist sie eine der steilsten Normalspurbahnen der Welt.
    ​Auf fast der gesamten Strecke beträgt die Steigung 5,5 % – das bedeutet, auf 18 Metern Fahrt gewinnt der Zug einen Meter an Höhe. Und das ganz ohne Zahnradantrieb!
    ​Von den 20 Tunneln auf der Strecke wurden 18 von Hand gegraben. Die Arbeiter schafften damals etwa einen Meter Tunnel pro Monat. Insgesamt dauerte der Bau fast 20 Jahre.
    ​Um die enorme Höhe zu überwinden, fährt der Zug durch den Vatnahalsen-Tunnel eine komplette 180-Grad-Kurve im Inneren des Berges. Man verliert kurz die Orientierung und taucht an einer völlig anderen Stelle wieder auf.
    ​Da es so steil bergab geht, ist jeder Waggon mit fünf separaten Bremssystemen ausgestattet, die alle unabhängig voneinander den Zug stoppen können.

    ​Derzeit und überhaupt befördert die Bahn hauptsächlich Tourist*innen, für die an besonders sehenswerten Stellen Stopps eingeplant sind.
    Beim obligatorischen Halt am berühmten Wasserfall Kojsfossen zeigte sich heute die Natur pur. Da die Schneeschmelze aufgrund der Kälte noch auf sich warten lässt, präsentierte sich der sonst tosende Kjosfossen als ein fast schon schüchternes, leises Rinnsal. Ein seltener Anblick, der die Ruhe der noch winterlichen Bergwelt unterstreicht.

    Alles in allem hatten wir einen interessanten, schönen Tag. Und ich muss es immer wieder betonen: Das Wetter ist einfach nur strahlend schön. Allerdings wäre es auf Zypern wärmer.
    Und dann hatten wir noch den perfekten Stützpunkt: Camping Flam
    Ein schöner Stellplatz ist die halbe Miete. Der Campingplatz direkt im Ort hat uns begeistert:
    Top Infrastruktur: Alles ist modern und sehr gepflegt.
    Kulinarik-Bonus: Die Küche ist hervorragend ausgestattet. Wir haben sie ausführlich genutzt, um uns ein ordentliches Abendessen zuzubereiten – nach einem Tag an der frischen Luft genau das Richtige.

    Noch ein Tipp
    Wer fit ist, sollte die Flåmsbana für eine Strecke nutzen und den Rückweg zu Fuß durch die alpine Flora antreten.
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