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Diesmal Skandinavien

An open-ended adventure by Staunend reisen mit Edith & Thomas Read more
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    🇫🇮 Kalajoki, Finnland

    Tag 55: Oulu 2026

    June 8 in Finland ⋅ ⛅ 20 °C

    Da bekommst du einen Tipp, dass Oulu eine besuchenswerte Stadt ist. Du hast zwar den Namen der Stadt auf der Landkarte gesehen, aber dich nicht mehr darum gekümmert. Du folgst also dem Tipp und findest dich nach kurzer Fahrt zu deiner Überraschung in der europäischen Kulturhauptstadt 2026 wieder.
    Wir fanden einen offiziellen Parkplatz am Strand, ganz in der Nähe gab es auch wunderbar saubere Duschen, die wir auch sofort nutzten. In neuer Frische machten wir uns auf den Weg in diese interessante 220.000 EW-Stadt. Wir hatten keinen besonderen Besichtungsplan, sondern ließen die Stadt einfach auf uns wirken.
    Oulu nutzt das Jahr als Europäische Kulturhauptstadt unter dem zentralen Motto „Cultural Climate Change“, um Kultur, Kunst und modernste Technologie auf einzigartige Weise miteinander zu verbinden. Zusammen mit 39 umliegenden Gemeinden der arktischen Region bringt die Stadt ein riesiges, ganzjähriges Programm mit tausenden Events und internationalen Künstlern auf die Beine. Ein absolutes Highlight ist dabei das Arctic Food Lab, das die kulinarische Identität des Nordens feiert und lokale, arktische Aromen auf die Teller bringt. Auch Lichtkunst und digitale Medien spielen eine riesige Rolle, was sich in spektakulären, immersiven Tech-Kunst-Installationen und Festivals wie dem erweiterten Lumo Festival im November zeigt. Sogar die reiche Tradition der indigenen Sámi-Kultur wird durch zahlreiche Ausstellungen und öffentliche Aktionen tief in das moderne Kulturprogramm integriert. Klingt gut, wie die jungen Frauen in der Oulu 2026-Info versuchten, uns das alles zu erklären. Aber leider fangen die meisten Veranstaltungen und Projekte erst nächste Woche an. Schade. Aber dennoch finden wir das Motto "Cultural Climate Change" richtig gut gewählt.

    Die Stadt hat einen sehr lebendigen, stark bevölkerten Marktplatz mit Verkaufsständen und Imbissbuden und viele schöne Holzhäuser. Außerdem handelt es sich um eine sehr grüne Stadt. Sie liegt direkt an der Mündung des Oulujoki in den Bottnischen Meerbusen, und diese Mündung ist ein wunderschönes, weit verzweigtes Flussdelta.
    Das Besondere daran ist, wie die Stadt dieses Delta nutzt: Das Stadtzentrum erstreckt sich über mehrere Inseln (wie Pikisaari, Linnansaari und Kuusisaari), die alle durch Brücken miteinander verbunden sind. Früher war dieses Delta die Lebensader für den weltweiten Teerhandel; heute ist es ein fantastisches Naherholungsgebiet mitten in der Stadt, das man wunderbar zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden kann. Wir nutzen das schon mal, in dem wir die 4,5 km von unserem Strandparkplatz ins Stadtzentrum zu Fuß bewältigten- und natürlich auch den Rückweg, den wir aber erst nach dem Genuss einer wirklich ausgezeichneten Pizza antraten.
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  • Tag 54: Auf nach Finnland

    June 7 in Finland ⋅ ☀️ 16 °C

    So, heute sind wir in Finnland eingereist. Wir haben in Schweden, nicht weit weg von Haparanda, übernachtet. Haparanda ist der schwedische Grenzort zu Finnland, das finnische Gegenstück heißt Tornio. Diese beiden Orte kann man nicht unterscheiden, genau so wenig, wie man merkt, dass man plötzlich in Finnland ist. Das einzige deutliche Zeichen ist, dass sich die Handyuhr auf osteuropäische Zeit umstellt, also +1 Stunde und der Telefonanbieter meldet: Willkommen in Finnland.
    An der Grenze gibt es ein großes, grenzüberschreitendes Einkaufszentrum. Hier haben wir uns mit Lebensmitteln eingedeckt, erkannt, dass wir in Skandinavien wohl keine Bialetti Espressomaschine in der Größe, wie wir sie brauchen, bekommen werden. Aber Ersatz für meine verlorene Sonnebrille und Thomasˋ kaputte Lesebrille erstanden. Danach sind wir einfach auf der Autobahn ein Stück Richtung Süden gefahren. Das Wetter ist so schön, die Temperaturen um die 20 Grad und wir stehen jetzt zwischen Kemi und Oulu am Meer. Das hier ist die sog. Bottenwiek-Küste, die den nördlichen Abschnitt des Bottnischen Meeresbusen bildet.
    Empfangen wurden wir an diesem traumhaften Ort von einer Horde Mücken, die uns dazu veranlassten, alle Insektengitter zu schließen und uns mit stinkendem Insektenschutz einzusprühen. Dann kam plötzlich heftiger Wind auf, und weg waren die Viecher, auch jetzt noch, nachdem sich der Wind schon seit längerer Zeit gelegt hat.
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  • Tag 53: Letzter Tag in Schweden

    June 6 in Sweden ⋅ ☁️ 14 °C

    Heute nacht um 00:30 hat sich das Wetter doch noch gnädig gezeigt und wir  sind - fast schon unverhofft - zu unserer Mitternachts-Sonnenshow gekommen. War auch die letzte Chance, weil wir übernachteten hier am Berg Dundret zu letzten Mal nördlich des Polarkreises. Für jetzt gleich planen wir noch eine zünftige Bergwanderung hier heroben und dann gehts wieder nach Süden, Richtung Finnland.

    Frühstück wieder mit der kleinen Ersatz Bialetti-Maschine (Thomas hat Große  ja in einem der letzten Frühstückstaumel irreperabel vernichtet) - sind gespannt, ob wir in Finnland irgendwo Ersatz bekommen, immer zu wenig Kaffee in der Früh macht unrund.

    Also dann rein in die Wanderkleidung und raus in die Landschaft mindestens zum Gipfel des Dundret (821 m), aber wahrscheinlich werden es eh viel mehr. Das ging jetzt auch ganz gemütlich gute 2 km. Am Gipfel (nicht als solcher erkennbar) ein Selbstversorgerhaus noch im Wintermodus, ein tadellos funktionierendes WC und eine offene Notunterkunft - die Skandinavier sind bei diesen Einrichtungen absolut vorbildhaft. So, das war jetzt aber viel zu wenig, also weiter auf den Hebrotoppen (823 m) - jetzt sinds schon 5,5 km, schon langsam sollten wir wieder Richtung Auto drehen. Ist schon super, mit 200 Höhenmeter Aufstieg 2 Gipfel, zu Hause bist da noch nicht einmal auf der ersten Alm. Nach gut 3 Stunden und 12,2 km sind wir gut durchgelüftet beim Auto. Essen, essen .... natürlich hatten wir nichts mit.

    Kurze Reiseorientierung Richtung Finnland und dann gehts schon los. Haben beschlossen, ganz oben an der finnischen Meeresküste einen Planungstag für Finnland einzulegen, wir wissen nämlich noch nicht viel (Auf jeden Fall werden wir uns schamlos bei Andi und Ivy bedienen, die uns gerade irgendwo weiter östlich am Weg nach Norden kreuzen)

    Nach ca. 200 km Fahrt stehen wir auf einem kleinen Parkplatz am Fluß Kalixälven, der hier vor uns zu einen veritablen See aufgestaut ist. Jetzt regnets (warm), was die auch anwesenden Finnen nicht am exzessiven Fischen hindert, ein schwedisches Wohnwagengespann steht auch noch da. Essen: Super geräucherten Lachs von unserem letzten Campingplatzbesitzer, ein Gedicht !!! Dazu Kartoffeln und Salat. Das wars - gute Nacht und viel Spass beim Lesen und, wer hat.......Tipps für Finnland bitte an uns.
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  • Tag 52: Über den Polarkreis

    June 5 in Sweden ⋅ ☁️ 17 °C

    So, endlich: Heute haben wir den Polarkreis überschritten, 8 km südlich von Jokkmokk. Ist natürlich genauso unspektakulär, wie den Äquator zu überschreiten. Aber ich liebe solche Festlegungen.
    Dafür, dass wir auch heute wieder 200 km durch das Nichts gefahren sind, haben wir ganz schön viel erlebt.
    Zunächst also Polarkreis. Da macht man halt ein paar Fotos und fährt dann wieder weiter. Aber ganz was Spannendes haben wir gelernt: Der Polarkreis ist keine feste Linie, sondern wandert, weil die Erdachse im Weltall ganz leicht schwankt.
    Diese Neigung der Erdachse ändert sich in einem Rhythmus von rund 41.000 Jahren. Aktuell richtet sich die Erde dadurch etwas mehr auf, weshalb sich der Polarkreis im Durchschnitt um etwa 14 Meter pro Jahr nach Norden verschiebt. Das Schild südlich von Jokkmokk markiert also im Grunde nur einen historischen Zustand und wandert der Realität hinterher. Zusätzlich sorgen kurzfristige Schwingungen dafür, dass die Linie im Alltag sogar um einige Meter hin und her springen kann.
    Dann Jokkmokk mit einem ganz wichtigen Museumsbesuch:
    Das Ájtte-Museum in Jokkmokk ist das zentrale Kultur- und Naturmuseum der schwedischen Sámi und das absolute Herzstück der Region. Es vermittelt eindrucksvoll und authentisch die Jahrtausende alte Geschichte, Kultur und das Überleben der indigenen Bevölkerung in der rauen Natur Lapplands. Neben Einblicken in die traditionelle Rentierzucht und das faszinierende Kunsthandwerk (Duodji) wird auch die einzigartige Flora und Fauna der arktischen Gebiete beleuchtet. Besonders faszinierend ist die gelungene Verbindung aus historischem Erbe und den Herausforderungen der modernen samischen Identität. Für jeden Besucher ist diese lebendige Ausstellung der Schlüssel, um die Kultur und die Landschaft des Nordens wirklich zu verstehen.
    Und hier bin ich auch noch eine Erklärung schuldig: In früheren Blogeinträgen habe ich von Kirchenstädten der Sami gesprochen. Dieser begriff bedarf einer Erklärung:
    Samische Kirchenstädte (Kyrkstäder) sind historische Siedlungen aus einfachen Holzhütten oder hölzernen Koten (Kåtor), die direkt um eine Kirche herum errichtet wurden.
    Da die nomadisch lebenden Sámi oft tagelange Anreisewege durch die Wildnis hatten, dienten diese Hütten als feste Übernachtungsquartiere für die gesetzlich vorgeschriebenen Kirchgänge. Zweimal im Jahr – meist zu großen Festen wie Mittsommer oder im Winter – strömten alle zusammen, wodurch die Kirchenstädte zu lebendigen Zentren für Handel, Gerichtstage und Hochzeiten wurden. Im Gegensatz zu den schwedischen Bauerndörfern, die oft aus klassischen roten Holzhäusern bestehen, spiegeln die samischen Kirchenstädte wie Lappstaden in Arvidsjaur oder das Kirchdorf in Fatmomakke mit ihren Pyramidenformen die traditionelle Bauweise der Ureinwohner wider. Heute sind die verbliebenen Siedlungen faszinierende Kulturdenkmäler, die zeigen, wie der erzwungene christliche Glaube und das soziale Leben der Sámi aufeinandertrafen.

    Nach diesem höchst interessanten Stopp fuhren wir heute noch nach Gällivare. Auf dem Weg dorthin machten wir noch einen Abstecher zum Harsprängsfallet.
    Der liegt südlich von Porjus und war einst einer der mächtigsten und spektakulärsten Wasserfälle Europas. Heute ist er ein faszinierendes Monument des industriellen Wandels.
    Ursprünglich stürzte der Stora Luleälven hier auf einer Länge von zwei Kilometern über 75 Höhenmeter hinab. In den 1940er und 50er Jahren wurde der Fall komplett trockengelegt, um das Wasserkraftwerk Harsprånget*zu bauen.
    Mit einer Leistung von fast 1.000 Megawatt ist es das größte Wasserkraftwerk des Landes. Es erzeugt rund ein Prozent des gesamten schwedischen Stroms. Auch die weltweit erste 400-Kilovolt-Höchstspannungsleitung nahm hier 1952 ihren Anfang.
    Wo einst ohrenbetäubende Wassermassen tobten, blickt man heute in einen tiefen, rauen Canyon aus nacktem Fels. Über Treppen gelangt man zu einer Aussichtsplattform, die die gewaltige Dimension der eiszeitlichen Landschaft spürbar macht. Nur zu extrem seltenen Gelegenheiten – meist für Sicherheitsprüfungen oder im Rahmen der sommerlichen Fallens Dag-Tage im Umland – werden die Schleusen der 50 Meter hohen Staumauer geöffnet. Dann erwacht der mächtige Wasserfall für kurze Zeit wieder zum Leben.

    Danach besuchten wir noch ein altes Kraftwerk, das mittlerweile zum Museum umfunktioniert wurde. Leider konnten wir dieses schönen Gebäude nur von außen besichtigen. Warum wohl? Vorübergehend geschlossen.

    Und schließlich kamen wir nach Gällivare
    Unbedingt sehenswert: Das Bahnhofsgebäude von 1893 ist ein echtes Prachtstück und steht heute unter Denkmalschutz.
    Der Bahnhof war der Schlüssel für den Aufstieg der Region, da hier die Erzbahn (Malmbanan)und später die berühmte Inlandsbahn (Inlandsbanan) zusammentrafen.

    Außerdem gibt es auch noch ein Schloss: Fjällnäs Slott. Es liegt idyllisch am Fuße des Dundret-Berges und gilt als eines der schönsten und historisch wertvollsten Holzgebäude in ganz Nordschweden. Heute wird es privat als exklusives Hotel und Restaurant betrieben, ist aber schon von außen ein fantastisches Fotomotiv vor der nordschwedischen Naturkulisse.
    Jetzt aber sitzen wir am Dundret-Berg und warten hier auf die Mitternachtssonne, falls sich die Wolken verziehen.
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  • Tag 51: Weiter Richtung Norden

    June 4 in Sweden ⋅ ☀️ 20 °C

    Am Campingplatz haben wir heute noch Räucherlachs (vom Besitzer gefangen, geräuchert und filetiert) und Elchbratwürste (hausgemacht) mitgenommen. Elchbratwürste zum Ausprobieren, Räucherlachs, weil der gestern Abend sooo gut geschmeckt hat. Zunächst fuhren wir dann weiter nach Sorsele, wo es für uns 2 wichtige Sachen gibt: 1. Einen ICA, zum Lebensmitteleinkauf
    2. Ein Eisenbahnmuseum, das Einblicke in die Geschichte der Inlandbanan gibt.

    Wer an Schwedens Norden denkt, hat endlose Wälder, glasklare Seen und Einsamkeit vor Augen. Genau mittendurch schneidet ein technisches Meisterwerk, das fast in Vergessenheit geraten wäre: die Inlandsbanan. Auf knapp 1.300 Kilometern verbindet diese historische Eisenbahnlinie Kristinehamn im Süden mit Gällivare weit hinter dem Polarkreis.
    Anfang des 20. Jahrhunderts (Bauzeit 1908–1937) hatte Schweden ein logistisches Problem: Das Inland war im Grunde unerschlossen, und die wichtige Bahnlinie an der Ostküste war im Falle einer Invasion extrem verwundbar. Die Inlandsbanan wurde deshalb als strategische Sicherheits- und Verteidigungsroute tief in die Wälder gebaut.
    Zehntausende Bahnarbeiter (Rallare) trotzten jahrzehntelang Mücken, eisigen Wintern und härtestem Terrain, um die Gleise Schaufel für Schaufel zu verlegen. Doch mit dem Ausbau der Straßen verlor die Strecke an Bedeutung. 1992 stand sie kurz vor dem endgültigen Aus, bis sich die anliegenden Gemeinden zusammenschlossen und die Bahn retteten.

    Heute ist die Strecke im Sommer (ca. Mitte Juni bis Ende August) ein absolutes Highlight für Naturbegeisterte. Der Zug ist hier kein reines Transportmittel, sondern rollendes Kulturprogramm: Die Zugbegleiter fungieren als Guides, teilen Anekdoten, und es wird gestoppt, wenn Elche auf den Schienen stehen oder die Fahrgäste Fotos am Polarkreis machen wollen.
    Selbst das Essen wird vorab per App oder Zugchef bestellt: An kleinen Bahnhöfen sammelt man dann fangfrischen Fisch, Rentiergeschnetzeltes oder frische Moltebeeren von lokalen Höfen ein.
    Durch die veränderte geopolitische Lage in Nordeuropa und den NATO-Beitritt Schwedens rückt der strategische Wert der Inlandsbanan für den zivilen und militärischen Schutz aktuell wieder voll in den Fokus. Es wird kräftig in die Instandhaltung investiert.
    Neben den klassischen Triebwagen gibt es spektakuläre Nostalgiezüge – teilweise mit echten Dampflokomotiven und eleganten Speisewagen aus den 1940er Jahren, die das Flair der alten Pionierzeit perfekt aufleben lassen.

    Dieses Wissen haben wir uns im kleinen Eisenbahnmuseum im Sorsele mühsam mit Übersetzungsprogramm angeeignet. Das Museum ist nett und durchaus einen Besuch wert. Vor allem auch, weil hier eine kompetente Schweizerin, die seit 18 Jahren in Sorsele lebt, Regie führt. Sie betreut das Museum, das der Gemeinde gehört. Dazu hat sie ein kleines Café eröffnet, wo es herrliche Waffeln gibt. Und sie gibt auch Auskunft über die Umgebung von Sorsele, was allerdings mangels Aktivitätsmöglichkeiten ein eher verzweifeltes Unterfangen ist.
    Leider war es uns auch verwehrt, die Inlandsbanan selber zu genießen, weil sie erst ab Mittsommer wirklich in Betrieb geht.

    Nach diesem netten Intermezzo fuhren wir weiter Richtung Norden, wo wir einem Tipp der Frau in Sorsele folgten und eine kurze, aber wirklich empfehlenswerte Wanderung zum Gimegolts Canyon machten bevor wir wieder über 100 km auf schnurgerader Straße durch absolutes Nichts (keine Siedlung, keine Menschen, keine Autos) abspulten. Auf einem schönen Übernachtungsplatz konnten wir dann auch noch die Nachtsonne genießen.
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  • Tage 49/50: 2 Tage Campingplatz

    June 3 in Sweden ⋅ ☁️ 15 °C

    Jetzt sind wir den 6. Tag wieder in Schweden und stehen derzeit auf dem wunderschönen Campingplatz  in Blattnicksele (südlich von Sorsele) 

    Seit langem wieder einmal: reorganisieren, Wäsche waschen, Herunterkommen, Sauna gehen, wunderbaren Lachs essen  (vom Besitzer selbst gefangen, geräuchert und heute abend serviert) und nicht zuletzt, die letzten Reisetage reflektieren und die Weiterreise planen.

    Das wohl erwartete, aber dennoch spannende Ergebnis: Planänderung. Nordkap wird gecancelt. Warum das? Wir haben uns so gefreut, wieder nach Schweden zu kommen. Norwegen war zwar wunderschön, hatte aber doch neben wirklich wunderbaren Erlebnissen, eine schwierige Grundstruktur: Kalt, zu viel Schnee und viele Regentage. Egal, wir haben uns auf Schweden gefreut - mit sanfteren grünen Wiesen, Wäldern und Hügeln, den wunderschönen Seen überall. Wir haben auch gewusst, dass es hier hauptsächlich Natur gibt und ein paar kulturelle Highlights, die sich hauptsächlich auf das Leben, die Geschichte und die Kultur der Samen beschränken,

    Und dann wuchs von Tag zu Tag die Erkenntnis: Was wir von Anfang an von Norwegen wussten, setzt sich hier in aller Härte fort....wir sind  um 3 Wochen zu früh dran. Nichts, aber schon gar nichts ist abseits von der herrlichen Natur möglich. Kein Museum, keine Veranstaltung, keine Galerie, kein Dampflokfahrt mit der "Inlandsbanan", keine Wanderung über 500 Höhenmeter, auch hier noch zu viel Schnee, wenig Menschen für die Kommunikation und das Wetter ändert sich auch nicht nachhaltig, nicht ganz, aber doch halb schlecht bis hin zum Gewitter, in das wir gerieten und die Kälte begleitet uns weiter, sie schleicht sich schon bis in die Knochen. Ganz abgesehen vom überdurchschnittlichen Gasverbrauch.
    Ganz Nordschweden befindet sich nach dem harten Winter in einer Art Ruhezustand, der genau mit Mittsommer endet und ab dann funktioniert wirklich alles, davor nichts.

    Jetzt hier auf diesem wunderbaren Platz - etwas zur Ruhe gekommen - haben wir uns gefragt, wollen wir diesen Zustand zwei Wochen weiter aufrecht erhalten, um das Nordkapp zu erreichen? Unsere Antwort ist jetzt ganz klar - Nein. Wir würden weitere 2000 km hin und zurück brauchen in wunderschöner Landschaft mit nichts außer links und rechts hauptsächlich schmalwüchsigen Birken, Föhrenwäldern und Seen. Das ist immer mehr vom Gleichen ohne Abwechslung. Und der Wetterbericht ist auch keine Verheißung.
    Deshalb werden wir in Jokkmokk (Hier wird das einzige Museum Nordschwedens offen sein) am Polarkreis  - wenigstens dieser - wenden und uns in Richtung Finnland fortbewegen. Und sollte es im Norden Finnlands auch so so sein wie hier - was wir nicht glauben - dann ist das auch kein Problem, weil bis dahin ist ja schon fast Mittsommer und das wissen auch die Finnen zu feiern.

    Also.... wie schon öfter - neuer Plan, neue Ufer !

    Übrigens: Die Mückensaison hat begonnen. Heute noch sehr zaghaft...
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  • Tag 48: Der Ort Vilhelmina

    June 1 in Sweden ⋅ ☁️ 14 °C

    Von unserem Übernachtungsplatz mussten wir heute wieder talauswärts fahren, d.h. einen Teil der gestrigen Strecke in die andere Richtung. Hier wollten wir heute noch eine kleines, feines Künstlermuseum besichtigen, das gestern geschlossen hatte. Ricklundgården ist ein geschichtsträchtiges Künstlerhaus, Museum und internationales Kunst-Residenzprogramm (Artist-in-Residence) im nordschwedischen Fjäll-Dorf Saxnäs (Gemeinde Vilhelmina, Lappland).
    ​Es liegt auf einem Hügel direkt am See Kultsjön mit spektakulärem Blick auf das Marsfjäll-Massiv und soll wirklich sehenswert sein. Hatte aber leider auch heute geschlossen.
    Danach machten wir auf unserem heutigen Weg nochmals bei den Stromschnellen Halt und fuhren dann weiter nach Vilhelmina. Benannt nach der schwedischen Königin Frederika Dorotea Wilhelmina, ist der charmante Ort weit mehr als nur ein praktischer Zwischenstopp zum Auftanken. Hier atmet man nordschwedische Kultur und Geschichte auf Schritt und Tritt.
    Wir haben uns aber zunächst im dortigen ICA mit Lebensmitteln versorgt und besuchten dann die wunderschön erhaltene Kirchstadt aus dem 19. Jhdt. Hier dürfte es im Sommer, also nach Mittsommer, recht lebendig zugehen. Heute waren wir nahezu die einzigen Besucher*innen. Da es nicht viel zusehen gab, sondern die Häuser nur von außen bestaunt werden konnten, hatten wir noch genügend Zeit und Energie, eine kleine, markierte Wanderung gleich hinter der Kirchstadt in den nahe gelegenen Wald zu unternehmen.
    Heute fuhren wir dann wieder weiter zu einem schönen Übernachtungsplatz knapp an der E45 an einem - wie soll es anders sein- wunderschönen See. Hier machten wir am späten Abend noch eine zünftige Wanderung, bei der wir allerdings von einem ordentlichen Gewitter überrascht wurden. Nachdem es ja 24 Stunden Tag ist, wirklich Tag, braucht man wenigstens keine Angst zu haben, in die Dunkelheit zu geraten, auch, wenn man, wie wir, erst um 20 Uhr aufbricht.
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  • Tag 47: Ab heute in Lappland

    May 31 in Sweden ⋅ ☁️ 10 °C

    So, jetzt sind wir unterwegs in schwedisch Lappland
    Hinter uns liegt eine unsichtbare Grenze, vor uns die absolute Freiheit oder das absolute Nichts. Wir werden sehen. Jedenfalls haben wir endlich Lappland erreicht – eine Region, die nicht nur geografische Dimensionen sprengt, sondern uns auch kulturell tief staunen lässt.
    Hier die faszinierendsten Fakten, die diesen Ort so einzigartig machen.

    Schwedisch-Lappland nimmt gut ein Viertel des gesamten schwedischen Staatsgebiets ein. Mit rund 109.000 Quadratkilometern ist diese historische Provinz wesentlich größer als Österreich!
    Traditionell zieht man die Grenze knapp nördlich von Östersund. Sobald man landeinwärts auf den Inlandsvägen (E45) einbiegt, verändert sich die Welt: Die Zivilisation tritt zurück, die Nadelwälder werden tiefer, und die magischen Bergketten (Fjälls) rücken näher.
    In dieser gigantischen Wildnis leben gerade einmal rund 90.000 Menschen. Das bedeutet: weniger als ein Einwohner pro Quadratkilometer! Zum Vergleich: In Deutschland teilen sich im Schnitt über 230 Menschen denselben Platz.
    Die Besiedlung ist extrem konzentriert. Das Leben spielt sich fast ausschließlich in kleinen Siedlungen entlang der großen Flusstäler oder in den wenigen urbanen Zentren wie Kiruna oder Gällivare ab. Dazwischen liegt einfach nur unberührte Natur.
    Die wahren Hüter dieser Region sind die Samen (Sámi), das einzige anerkannte indigene Volk Europas. Ihr traditionelles Land Sápmi erstreckt sich weit über die Staatsgrenzen von Schweden, Norwegen, Finnland und Russland hinweg. Seit Jahrtausenden leben sie hier im Einklang mit den Jahreszeiten, tief verwurzelt in der Rentierzucht, dem Fischfang und ihrem traditionellen Handwerk (Duodji). Sie prägen die Identität Lapplands bis heute ganz entscheidend.

    Wer hier oben unterwegs ist, dem fällt sofort etwas auf: Viele blaue Ortstafeln tragen zwei Namen – wie zum Beispiel "Vuollerim" und direkt darunter "Vuolleriebme".
    Das ist kein touristischer Gag, sondern das Ergebnis eines langen Kampfes der Sámi um Anerkennung ihrer Kultur. Seit dem Jahr 2000 ist Samisch eine offiziell geschützte, regionale Amtssprache. In den lappländischen Gemeinden haben die Menschen das Recht, mit Behörden komplett auf Samisch zu kommunizieren. Die Schilder holen die Jahrtausende alten, originalen Ortsnamen aus der samischen Erzähltradition zurück ins Straßenbild.
    Diese Entwicklung erinnert stark an das Autonomiestatut in Südtirol – auch dort wurden historische Minderheitensprachen nach Jahrzehnten der Unterdrückung endlich wieder gesetzlich geschützt und sichtbar gemacht.

    Um es positiv zu formulieren: Lappland entschleunigt ab der ersten Minute. Aber für uns nagt schon heute die Frage im Hinterkopf: Was tun wir eigentlich hier?

    Aber nun kurz zu unserem heutigen Tag: Unser wichtigstes Ziel heute war Fatmomakke an der Vildmarksvägen. Diese Straße könnte man gut bis zum Stekkenjokk, einem wunderbaren Aussichtsberg bzw. Pass befahren. Aber leider erst ab 7. Juni. Bis dahin ist die Passstraße wegen Schnees und wegen der Rentierjungen gesperrt. Sehr schade. Um nicht auf der schnurgeraden E45 zu bleiben, haben wir eine alternative Route nach Fatmomakke gefunden und diese freudig befahren. Hätten wir bloß nicht. 50 km der 90 km langen Alternative entpuppten sich nämlich als Schotterstraße. Nervig und zeitraubend.
    Aber bis Fatmomakke kamen wir trotzdem. Zuerst aber passierten wir die faszinierenden Stromschnellen Trappstegforsen. Sie verdanken ihren Namen ihrer markanten Form: Das Wasser des Flusses Kultsjöån stürzt hier wie über eine riesige, breite Treppe in zahlreichen kleinen Kaskaden herab. Die Stromschnellen liegen direkt an der Straße (etwa 5 Kilometer südlich von Saxnäs). Leider regnete es ausnahmsweise, sodass der Aufenthalt an diesem Naturschauspiel recht kurz war. Dann ging es weiter nach Fatmomakke, ein altes samisches Kirchendorf, das vielfach angepriesen wird. Aber leider: Man kann das Dorf zwar ansehen, aber es wirkt wenig gepflegt und sonst gibt es absolut nichts. Wirklich zum Leben erwacht es erst am Mittsommerwochenende. Schon wieder sind wir etwas enttäuscht und es regnet. Aber auch ein tolles Highlight: Auf dem Weg zum Übernachtungsplatz behinderte eine Rentierherde unsere Weiterfahrt. Wir waren begeistert.
    Jetzt heißt es nur noch, einen Übernachtungsplatz finden. Das gelang uns dann doch noch zufriedenstellend. Davor haben wir auf der einzigen Tankstelle auf 200 km (davon, wie schon erwähnt, 50 km Schotterstraße) Sprit aufgefüllt, sicher den teuersten dieser Reise: 22,25 SEK pro Liter (das sind 2,066€)
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  • Tag 46: Östersund und nach Norden

    May 30 in Sweden ⋅ ☁️ 13 °C

    Der Übernachtungsplatz in Östersund war super, auch wenn hier die Menschen die ganze Nacht feiern und grillen und spazieren gehen und manche Hartgesottenen gehen sogar ins Wasser. Aber ist ist alles ganz gemütlich und friedlich. Nach Norwegen ist hier die Freundlichkeit der Menschen wieder auffallend.
    Aber: Das Wetter mag uns nicht wirklich. Es war den ganzen Tag regnerisch, erst jetzt am Abend wurde es richtig schön.

    Also Östersund: Wir waren guten Willens, wollten den Ort besichtigen- kann man. muss man nicht. Und wir besuchten das vielgepriesene Jamtli - Museum. Kann man, muss man nicht. Für das, was es zu dieser Jahreszeit zu bieten hat, ist es schlichtweg zu teuer. Immer wieder kommen wir drauf, dass einfach nicht jedes angepriesenen Highlight wirklich sehenswert ist. Dennoch hier ein paar Infos zu Jamtli:
    Das Jamtli in Östersund wird oft als eines der besten Freilichtmuseen Schwedens angepriesen. Ich bin ein absoluter Fan von Freilichtmuseen, aber wenn das so ist, brauche ich mir hier keines mehr anzusehen.
    Dennoch: Wer durch die schwedische Region Jämtland reist, stolpert unweigerlich über das Jamtli in Östersund. Es ist eine Mischung aus modernem Hallenmuseum (inklusive einer Filiale des schwedischen Nationalmuseums) und einem weitläufigen Freilichtmuseum mit historischen Höfen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert.
    Was es theoretisch gäbe:
    Die Överhogdal-Tapeten: Das unbestrittene historische Highlight im Innenbereich. Diese gut erhaltenen Wikinger-Textilien stammen aus der Zeit zwischen 800 und 1100 n. Chr. und zeigen detailreiche Motive von Menschen, Pferden und Fabelwesen.
    Das Freilichtmuseum: Ein weitläufiges Areal mit originalen Holzgebäuden, die den historischen Alltag der Region abbilden sollen. Im Sommer (Hauptsaison) wird das Gelände durch Schauspieler („Jamtli Historieland“) zum Leben erweckt. Jetzt ist aber alles geschlossen, nichts beschriftet und wenn doch, dann nur auf Schwedisch
    Das Museum beleuchtet auch die Geschichte und die tiefen Spuren der samischen Kultur in dieser Region.

    Ok, wir hatten uns in Kultur versucht, haben auch die einen oder anderen wichtigen Infos bekommen, mehr gibt Östersund zu dieser Jahreszeit wohl nicht her. Wir machten uns also zu Fuß wieder Richtung Parkplatz am See und fuhren weiter nach Norden, wo wir in der Nähe des Ortes Dorotea an einem schönen See einen feinen Übernachtungsplatz fanden und sogar die Abend- bzw. Nachtsonne genießen konnten. Noch gibt es ja Sonnenuntergang und-Aufgang. Dazwischen liegen 2,5 Stunden.
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  • Tag 45: Es geht wieder nach Schweden

    May 29 in Sweden ⋅ ⛅ 16 °C

    Heute verließen wir für einige Zeit Norwegen und fuhren über die E 6 nach Schweden bis Östersund. In Schweden wollen wir durchs Landesinnere nach Norden fahren, um dann kurz vor dem Nordkap nocheinmal in Norwegen einzureisen, weil das Nordkap ja auf norwegischem Staatsgebiet liegt. Fazit zu Norwegen gibt es dann, wenn wir über alle drei Länder (N, S, FIN) reden können.
    Auf jeden Fall freue ich mich, in Schweden zu sein, weil hier offensichtlich das Wetter besser ist- zumindest heute, der Wetterbericht sagt was Anderes. Aber echt, unglaubliche 20 Grad, zum ersten Mal kurze Ärmel auf dieser Reise und weder Regenjacke noch Daunenjacke. Das ist paradiesisch.
    Wir fuhren ganz unspektakulär auf der E14 bis nach Östersund. Hier gibt es wieder ordentliche, gut sortierte Supermärkte mit einem vernünftigen Preisniveau. Die EU hat schon was für sich, das sieht man im direkten Vergleich Norwegen-Schweden. Also schwelgten wir zunächst in Einkaufsfreuden. Sogar ein Weingeschäft haben wir gefunden, wo wir unseren Weinvorrat aufstocken konnten. Nach diesem schönen Konsumanfall fuhren wir nur ein paar km zu unserem heutigen Übernachtungsplatz am Störsjon-See. Wunderschön. Und endlich konnten wir wieder einmal eine 10 km lange Wanderung machen.
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  • Tag 44: Trondheim

    May 28 in Norway ⋅ ☁️ 9 °C

    So, mit dem heutigen Tag geht das Fjorde- und Inselhopping und Kreuzundquer -Fahren zu Ende. Auf dem Weg nach Trondheim gab es noch eine Fähre und das ist vermutlich die letzte vor Helsinki-Tallin. Eine Überraschung gab es dann doch auf dem Weg nach Trondheim. Thomas hat recherchiert, dass es irgendwo in Strandnähe eine Anlage mit heißer Dusche gibt. Manchmal ist es nämlich ganz angenehm, in größeren Räumen als in unserer WoMo Dusche zu duschen. Die Anlage entpuppte sich als kleines Häuschen mit einem Raum, recht großzügig und sauber. Die Dusche war allerdings nur lauwarm.
    Eigentlich wollten wir Trondheim gar nicht besuchen. Aber weil wir noch unsere Gasflaschen auffüllen mussten, haben wir uns doch in der Stadt umgesehen und es hat sich gelohnt.
    Parken ist in Trondheim einerseits extrem schwierig und andererseits extrem teuer. Aber über P4N haben wir einen recht angenehmen Platz in einem Wohnviertel gefunden, auf dem man 4 Stunden stehen darf.

    Also Trondheim im Schnelldurchlauf. Das geht perfekt! Manchmal muss man keine Museen von innen sehen, um den Vibe einer Stadt zu spüren. Uns haben heute vier Stunden völlig gereicht, um uns treiben zu lassen und die Highlights einfach zu Fuß zu erlaufen.

    Trondheim wurde bereits 997 n. Chr. vom Wikingerkönig Olav Tryggvason gegründet und war lange Zeit die erste Hauptstadt Norwegens. Heute verbindet die Stadt perfekt ihre reiche Geschichte mit dem lebendigen Flair einer modernen Studentenstadt.

    Bei unserem Spaziergang haben wir die zwei markantesten Brücken der Stadt überquert, die den Fluss Nidelva überspannen:

    Gamle Bybro (Die alte Stadtbrücke): Das absolute Fotomotiv! Mit ihren roten, kunstvoll verzierten Holztoren aus dem Jahr 1861 wird sie auch als „Tor des Glücks“ bezeichnet. Von hier aus hat man den besten Blick auf die bunten, alten Speicherhäuser am Flussufer.
    Elgeseter Bro: Sie verbindet das Stadtzentrum mit dem Viertel Elgeseter und der Technischen Universität (NTNU). Sie ist moderner, bietet aber einen fantastischen, weiten Blick über den Flusslauf und die Stadt.

    Ein besonderes Highlight der Stadt ist der Nidarosdom
    Selbst von außen zieht er einen sofort in den Bann: Der Nidarosdom ist die nördlichste gotische Kathedrale der Welt und das nationale Heiligtum Norwegens.
    Erbaut ab 1070 über dem Grab von St. Olav, dem Schutzpatron des Landes, war er im Mittelalter das wichtigste christliche Pilgerziel in Nordeuropa. Bis heute werden hier die norwegischen Könige gesegnet. Seine Westfassade ist mit Dutzenden detaillierten Skulpturen ein echtes Meisterwerk.

    Zum Schluss kamen wir eher zufällig als gezielt an Solsiden (übersetzt: Die Sonnenseite) vorbei: Wo früher in der traditionsreichen Werft Trondhjems Mekaniske Værksted (TMV) Schiffe gebaut wurden, pulsiert heute das moderne Leben. Die alten Backsteinhallen wurden genial in ein hippes Viertel mit Restaurants und Läden verwandelt – von außen ein toller Kontrast aus rauem Industrie-Chic und moderner Architektur.
    Dann waren die 4 Stunden schon vorbei. Sie reichten völlig aus, um die magische Kombination aus Wikinger-Vergangenheit, gotischer Epoche und maritimem Industrie-Flair aufzusaugen.

    Wir fuhren dann noch weiter zur Gasverkaufsstelle, wo uns unsere leere Gasflasche aufgefüllt wurde. Auf dieser Reise brauchen wir extrem viel Gas. Woran das wohl liegt?🤔😄
    Unseren Übernachtungsplatz fanden wir an einem See in Malvik ganz nahe Trondheim.
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  • Tag 43: Inselhopping

    May 27 in Norway ⋅ ☁️ 7 °C

    Zwischen Kristiansund und Trondheim liegen unendlich viele kleine Inseln vorgelagert, die meisten davon sind dicht besiedelt und die Bewohner*innen den Elementen ausgesetzt. Wind, Regen, Stürme und tosendes Meer sind an der Tagesordnung, die Tage mit schönem Wetter halten sich in überschaubaren Grenzen. Wir sind heute die meisten dieser Inseln abgefahren und haben uns den Spaß gemacht, die Namen der Inseln aufzuschreiben. Hier sind die insgesamt 24 Inseln. Eigentlich sind es 27, aber drei sind tatsächlich namenlos
    Kieklandet - Nordlandet - Tustna - Korsvoll - Kuli - Hestøya - Lamiøya - Rossvolløya - Smøla - Kvalpøya - Malòya - Rognholmen - Kråkøya - Flatøya - Haugøya - Hammarøya - Ønøya - Vattholmen - Skinnstakken - Inner Inveien - Veiholmen (=4 Inseln) - Stabblandet - Folde -  Skardsøya

    Obwohl das Wetter auch heute schlecht war und ich ursprünglich keinen Bock auf Inseln hatte, hat sich diese Fahrt definitiv gelohnt
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  • Nochmal Tag 42: Kristiansund

    May 26 in Norway ⋅ 🌧 9 °C

    Unser heutiger Besuch in Kristiansund stand wettertechnisch unter keinem guten Stern: Es war kalt und goss den gesamten Tag wie aus Eimern. Doch wir ließen uns davon nicht die Laune verderben.
    Die geschichtsträchtige Stadt, die heute rund 24.000 Einwohner zählt, erstreckt sich über vier Hauptinseln (Nordlandet, Gomalandet, Kirklandet und Innlandet), die mitten im Atlantik liegen. Die beste Art, diese zu erkunden, ist das traditionelle öffentliche Boot – die Sundbåten. Diese Fähre gilt als eines der ältesten öffentlichen Nahverkehrsmittel der Welt, das ohne Unterbrechung in Betrieb ist!
    Wir haben die komplette Runde über alle vier Inseln gemacht. Das Highlight wartete auf einer der Inseln in Form eines kleinen, unscheinbaren Ladens: Hier gab es fangfrischen Fisch direkt auf die Hand – ein absoluter Genuss und genau der authentische Geschmack, den wir suchen.

    Nach dem Fischeinkauf ging es noch für Besorgungen zu Spar. Dort ergab sich ein unheimlich aufschlussreiches Gespräch mit einer jungen Mitarbeiterin über die Arbeitssituation im norwegischen Einzelhandel. Es war spannend zu hören, wie extrem zufrieden und motiviert sie bei Spar im Vergleich zu anderen Ketten ist – ein schöner, persönlicher Einblick in den norwegischen Alltag abseits der Touristenpfade.
    Danach hieß es für uns aber: Nichts wie weg! Kristiansund erhielt bereits 1742 das Stadtrecht und wird landesweit als die „Klippfisch-Hauptstadt“ Norwegens bezeichnet, da von hier aus historisch der getrocknete und gesalzene Kabeljau in die ganze Welt exportiert wurde. Uns persönlich hat die Stadt allerdings nicht begeistert. Unser ehrliches Fazit: Kann man besuchen, muss man aber nicht unbedingt gesehen haben. Wobei man fairerweise sagen muss: Vielleicht lag dieser graue Eindruck auch einfach am ungemütlichen Dauerregen.

    Mit der Weiterfahrt begann dann unser Inselhopping. Auf unserem heutigen Übernachtungsplatz auf der westlichen Inselkette von Smola gab es ein vorgezogenes Geburtstagsessen für Thomas, weil wir gerade frischen Fisch hatten. Dazu habe ich sogar einen Kuchen mit Beeren im Omnia gebacken
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  • Tag 41 und 42 : Auf der Atlantikroute

    May 25 in Norway ⋅ 🌧 9 °C

    Gut ausgeruht und voller Tatendrang zogen wir heute also weiter, Richtung Bud, von wo aus dann die Atlantikroute startet. Bevor wir aber auf die Antlantikroute kamen hieß es erstmal eine Meerenge mit der Fähre überwinden und zwar die Fähre von Vestnes nach Molde. Fähren sind hier in Norwegen einfach toll. Man fährt zum Fährhafen, fährt auf die Fähre, auf die wir nie länger als 20 Minuten gewartet haben, max. 30 Minuten Fahrt mit der Fähre und schon ist man auf eine anderen Insel oder auf der anderen Seite eines Fjords.

    Die Route von Bud nach Kristiansund ist kein bloßer Transportweg, sondern ein architektonisches Drama in mehreren Akten. Auf insgesamt 36 Kilometern schlängelt sich die norwegische Landschaftsroute an der berüchtigten Hustadvika-Küste entlang – einem Meeresabschnitt, der unter Seefahrern gefürchtet ist. Das Herzstück bildet die eigentliche Atlantikstraße: Ein 8,3 Kilometer langes Kunstwerk aus Beton, das sich mutig von Schäre zu Schäre hangelt.
    Insgesamt acht Brücken überspannen die Verbindung zwischen dem Festland und der Insel Averøya. Sie trotzen seit ihrer Eröffnung im Jahr 1989 den unbarmherzigen Herbst- und Winterstürmen.
    Storseisund-Brücke (Storseisundbrua): Sie ist das unbestrittene Symbol der Route. Mit einer Länge von 260 Metern und einer Höhe von 23 Metern biegt sie sich in einer dramatischen, fast surrealen Kurve über das Meer. Aus einem bestimmten Blickwinkel beim Heranfahren entsteht die optische Täuschung, die Straße würde im Nichts enden – weshalb sie weltweit auch als "The Road to Nowhere“ (Die Straße nach Nirgendwo) bekannt ist.
    Die Myrbærholm-Brücke: Ein geniales Bauwek für Angler. Hier wurden auf beiden Seiten spezielle Fußgängerstege integriert, damit man die Angel direkt in die starke Gezeitenströmung auswerfen kann, ohne den Verkehr zu gefährden.
    Der Bau dieser Brücken war ein echter Überlebenskampf. Während der sechsjährigen Bauzeit (1983–1989) wurde die Region von insgesamt 12 schweren Orkanen getroffen. Dass die Arbeiter trotz der permanenten Lebensgefahr weitermachten, brachte der Straße später den Titel „Norwegisches Bauwerk des Jahrhunderts“ ein.
    Nachdem heute ein starker Wind blies, war das Befahren der Brücken eine ziemliche Challenge, allerdings kein Vergleich mit der Europbrücke bei starkem Föhn.
    Nach den Brücken geht es in die Tiefe durch den Atlantiktunnel
    Von Averøya weiter nach Kristiansund tauschten wir den wolkenverhangenen Himmel plötzlich gegen puren Fels. Der Atlanterhavstunnel (Atlanterhavstunnelen) ist das unsichtbare Spektakel dieser Etappe
    Der Unterseetunnel ist 5,7 Kilometer lang und führt an seiner tiefsten Stelle 250 Meter unter dem Meeresspiegel hindurch.
    Mit einem maximalen Gefälle von 10 % schießt man regelrecht in die Tiefe, bevor sich das Fahrzeug die steile Rampe auf der anderen Seite wieder hinaufkämpfen muss. Ein echter Härtetest für die Bremsen.
    Seit Sommer 2020 ist die gesamte Strecke komplett mautfrei. In Norwegen haben sie diesbezüglich ein nachahmenswertes System: Auf Straßen und Brücken und in Tunnels wird solange Maut eingehoben, bis die Baukosten abbezahlt sind. Ab dann kommt für die Straßenerhaltung der Staat auf, die Mautgebühren entfallen.
    Die Strecke von Aresund nach Kristiansund haben wir auch vor allem wegen der Schönheit der Strecke auf zwei Tage aufgeteilt. Gestern sind wir 156 km gefahren und haben an einem schönen Picknickplatz an der Atlantikroute übernachtet, heute sind wir weiter nach Kristiansund gefahren und darüber hinaus. Dazu im nächsten Footprint
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  • Tag 40: Ruhetag

    May 24 in Norway ⋅ 🌧 12 °C

    Gestern Abend haben wir nahe Alesund einen feinen Platz gefunden. Nachdem es heute auch kühlund regnerisch ist, haben wir kurzerhand beschlossen, uns heute einfach so gut es geht ins kuschelige Wohnmobil zurüchzuziehen. Selbstorganisation, Ordnung machen, gründlich putzen und keinen km weiterfahren. Haben das sehr genossen, obwohl Thomas dann doch eine Wanderung machte, die ich verweigert habe.Read more

  • Tag 39: Ålesund

    May 23 in Norway ⋅ 🌧 10 °C

    Es war wieder einmal eine total ruhige Nacht auf unserem Platz am Fjord. Am Vormittag starteten wir heute dann los nach Alesund. Das Wetter wird schlechter, aber heute ist es noch einigermaßen ok. Ab und zu kurze Regenschauer, aber alles in allem ganz angenehm, wenn auch von frühlingshaften oder sommerlichen Temperaturen keine Rede sein kann. Auf dem Weg dorthin kamen wir ganz unerwartet an der bisher billigsten Tankstelle vorbei, an der der Sprit umgerechnet 1,65 Euro kostete. Also, nichts wie tanken. Da stellten wir fest, dass zu der tankstelle auch ein Restaurant und ein Campingplatz gehören. Das brachte uns ein wunderbares Frühsück im Camping/Restaurant Fjellstova ein
    In Alesund fuhren wir gleich auf auf den Stadtberg Aksla, wo wir neben einem Fußballplatz parken konnten, um zu Fuß zum Aussichtspunkt Fjellstua zu kommen, der wirklich spektkulär über der Stadt liegt.Ein bisschen nebelverhangen war die Aussicht dann schon, aber trotzdem schön. Danach haben wir den Balú einfach stehen lassen und sind zu Fuß die 450 Stufen zum Stadtpark hinunter gegangen, von wo aus wir gemütlich die Stadt erkundeten.
    Ålesund ist eine relativ junge Stadt. Die alte Stadt ist nämlich im Jahre 1904 einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen. Danach wurde sie fast vollständig in einheitlichem Jugendstil wieder aufgebaut. Für diese einzigartige Jugendstilarchitektur ist die Stadt auch weltweit bekannt.
    Ein kurzer Rundgang in der Stadt, um die Jugendstilhäuser zu bewundern, ein Besuch auf dem heutigen Markt, der hauptsächlich aus Imbissbuden besteht und aus einem Käsestand, an dem wir uns für 2 Stück Käse finanziel verblutet haben und ein Besuch im Jugendstilzentrum KUBE, damit war unser Interesse an der Stadt dann erschöpft. Das Jugendstil zentrum verdient aber doch ein paar Worte: Das in einer historischen Apotheke von 1907 und der ehemaligen Nationalbank untergebrachte Museum verbindet authentische Jugendstil-Interiors perfekt mit moderner Kunst.
    Neben der faszinierenden Dauerausstellung samt einer multimedialen „Zeitmaschine“ zum Stadtbrand von 1904 zeigt das Haus aktuell die filigrane Schau „Livslang kjærlighet til emaljen“ (Lebenslange Liebe zum Emaille).
    Zudem präsentiert das KUBE als ganz frisches Highlight die erste große norwegische Einzelausstellung über das Werk der schwedischen Künstlerin, Fotografin und Weltenbummlerin Tyra Kleen.
    Ach ja, noch was ganz Wichtiges: Wir wollten 2 Flaschen Wein kaufen. Das geht aber in Norwegen gar nicht so einfach. Es gibt in normalen Supermärkten keine alkoholischen Getränke mit einem Alkoholgrad von über 5%. Aber auch Norweger*innen trinken gerne Wein. Aber dafür gibt es eigene Geschäfte, die Vinmonopolets. Die gibt es aber nur in größeren Städten. Da wir heute in Alesund zufällig an so einem Vinmonopolet vorbei gekommen sind, beschlossen wir kurzerhand, uns ein bisschen umzusehen. Die Auswahl an Weinen aus allen Weingegenden der Welt ist beachtlich. Die Preise sind es auch. Trotzdem haben wir 2 Flaschen Vermentino di Gallura erstanden. Mal sehen, ob er auch so gut schmeckt, wie auf Sardinien. Danach machten wir uns wieder zu Fuß den Berg hinauf zu unserem Auto und fuhren ein paar Kilometer weiter Richtung Norden.
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  • Tag 38: Von Berg zu Berg

    May 22 in Norway ⋅ ☁️ 12 °C

    Das war gestern also nichts am Dalsnibba mit dem herrlichen Blick über die Gletscherwelt. Aber heute um halb 3 Uhr früh wachte Thomas zufällig auf und da ging gerade die Sonne über den Gletschern auf. Ein Bild für Göttinnen.
    Um 8:00 Uhr war dann aber der ganze Zauber wieder verschwunden und Nebel lag über dem Tal. Daher blieben wir dann auch nicht lange oben am Berg, sondern fuhren bald hinunter ins Tal nach Geiranger. Heute konnten wir endlich einkaufen, das Internet, das gestern alle Kassen lahmgelegt hatte, funktionierte wieder. Parkplatz vor dem Geschäft, aber nicht zum Geschäft gehörend, 20 Minuten parken, zum Auto kommen, Strafzettel.. Die Strafzettel sind gelbe Streifen, ungefähr im Format von denen, die am Flughafen an den Koffern befestigt werden. Der Streifen ist am Scheibenwischer der Windschutzscheibe befestigt. Autokennzeischen, Vergehen, Betrag sind darauf festgehalten. Und ein QR Code über den ich nur die Kreditkartennummer eingebe und schon ist bezahlt. Übrigens wohlfeile 660 NOK, was 61,25 € entspricht.
    Nun aber nichts wie weg hier und weiter zum Trollstigen.
    Der Trollstigen ist eine der spektakulärsten und bekanntesten Landschaftsrouten in Norwegen (Teil der Fv63).
    Die Straße schlängelt sich in 11 engen Kehren eine steile Felswand hinauf. (oder hinunter, jenachdem von welcher Seite man kommt. - für uns war es hinunter). Jede Kurve hat ihren eigenen Namen, benannt nach dem jeweiligen Bauleiter.
    Mittendrin überquert man auf einer Brücke den mächtigen Wasserfall Stigfossen, der über 300 Meter in die Tiefe stürzt und jetzt schon gewaltig ist.
    Oben auf dem Plateau (auf 858 m) gibt es eine moderne, architektonisch spektakuläre Aussichtsplattform mit Blick über das gesamte Tal und die Serpentinen

    Nach massiven Felsstürzen in den Vorjahren wurde die Wand aufwendig gesichert. Die Straße öffnete dieses Jahr am 27. April extrem früh, kann aber bei starkem Regen wegen Steinschlaggefahr kurzfristig gesperrt werden.
    Das war wirklich eine beeindruckende Tour, die aber autofahrerisch einiges forderte. Deshalb wollten wir nicht mehr soweit fahren. Kurz vor Alesund fanden wir am Romsdalsfjorden einen feinen ruhigen Übernachtungsplatz.
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  • Tag 37: Geirangerfjord und Dalsnibba

    May 21 in Norway ⋅ ☁️ 11 °C

    Das war heute nocheinmal ein intensiver Tag zwischen Fjord und Gletscher. Für heute hatten wir schon von zu Hause aus die Fährenfahrt in den Geirngerfjord gebucht. Spoiler: Vorbuchen wäre um diese Jahreszeit überhaupt nicht notwendig.
    Wir hatten die Fähre für 12.30 von Hellesylt nach Geiranger gebucht. Beide Orte sind klein und nichtssagend und leben sicher ausschließlich von der Lage am Fjord und dem damit verbundenen Tourismus. Die Geschichte ist dieselbe, die ich gestern beschrieben habe vom Segen und Fluch des Tourismus in engen Tälern und kleinen Orten. Wir waren dann schon um 11.00 in Hellesylt und es war kein Problem, die Fähre eine Stunde früher zu nehmen.
    Mit der Fähre durch den Gejiangerfjord ist schon ein spektakuläres Erlebnis. Der Fjord gehört zum UNESCO Weltnaturerbe und beeindruckt vor allem durch seine steilen, majestätischen Felswände von denen viele tosende Wasserfälle stürzen. Berühmt sind die Wasserfälle 7 Schwestern, die in kurzen Abständen nebeneinander von der Felswand stürzen. Wobei: Von tosenden Wassserfällen war hier, aufgrund der noch nicht ganz eingesetzten Schneeschmelze in den Bergen, noch nicht die Rede, aber erahnen ließen sie sich schon.
    Die Fahrt bis nach Geiranger dauert eine Stunde.
    Wir hielten uns dann gar nicht lange im Dorf auf und fuhren auf den 1476m hohen Berggipfel des Dalsnibba. Hier bietet sich normalerweise einer der spektakulärsten Aussichtspunkte Norwegens. Über die serpentinenreiche Mautstraße „Geiranger Skywalk“ lässt er sich direkt mit dem Fahrzeug anfahren und ist damit der höchste über eine Straße erreichbare Fjordaussichtspunkt Europas. Von der freitragenden Plattform blickt man fast senkrecht hinab auf den Geirangerfjord und die umliegende, oft ganzjährig schneebedeckte Bergwelt.
    Mit der Aussicht heute klappte es nur ganz kurz, weil dann dichter Nebel einfiel und wir keine 10 m mehr sehen konnten. Dennoch haben wir dann beschlossen, abzuwarten ob der Nebel sich lichtet bzw. hier heroben zu übernachten. Der Nebel hat sich bisher nicht gelichtet - wie übernachten aber trotzdem.
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  • Tag 36: Gletscher und Seilbahn

    May 20 in Norway ⋅ ☀️ 17 °C

    Zwischen Gletschermagie und Reisebussen: Das Dilemma der Postkarten-Idylle
    Manchmal liegt das größte Unglück eines wunderschönen Ortes darin, dass er zu leicht zu erreichen ist. Genau das haben wir auf unserer jüngsten Etappe zwischen dem mächtigen Briksdalsbreen und der schwindelerregenden Loen-Seilbahn erlebt. Eine Reise durch Landschaften, die einem den Atem rauben – und die gleichzeitig an ihre Grenzen stoßen.
    Der Briksdalsbreen: Einsamkeit auf Zeit
    Nach einer ruhigen Nacht auf dem idyllischen Campingplatz Melkevoll Bretun brachen wir relativ früh auf. Unser Ziel: die berühmte Gletscherzunge des Briksdalsbreen, ein Nebenarm des gewaltigen Jostedalsbreen. Der 45-minütige Spaziergang zum Gletschersee war morgens noch ein Traum. Das eisblaue Wasser, das tosende Schmelzwasser und die schiere Masse des ewigen Eises – Natur in ihrer reinsten Form. Der Weg ist flach, perfekt ausgebaut und für absolut jeden machbar. Die Quittung folgte prompt: Schon auf dem Rückweg strömten uns die ersten organisierten Bustouristen entweder zu Fuß entgegen oder sie wurden in so kleinen Wägelchen, in denen höchstens 6 Personen Platz fanden, nach oben gekarrt. Die Magie des Ortes verfliegt schnell, wenn der Pfad zur Fußgängerzone wird. Und dabei muss ich betonen, das die heutige Besucher*innenfrquenz noch sehr erträglich war. Wir stellen uns das Ganze gerade in den Sommermonaten vor.

    Unser nächster Stopp war dan Loen:
    Die dortige Seilbahn (Skylift) ist ein Meisterwerk der Technik und schießt in nur fünf Minuten fast senkrecht über 1.000 Meter in die Höhe auf den Berg Hoven. Der Ausblick von oben? Ein absoluter Traum. Der Fjord liegt einem tiefblau zu Füßen, eingerahmt von schneebedeckten Gipfeln.
    Auch hier das gleiche Bild: Oben drängen sich die Menschen. Und genau hier wird das Dilemma des modernen Tourismus spürbar.
    Gegenden wie das Oldedalen oder Loen haben ein geografisches Problem: Sie haben keinen Platz. Enge Täler, steile Felswände und dazwischen sensible Natur.
    Der Tourismus bringt Wohlstand und Arbeitsplätze in diese ehemals entlegenen Regionen. Attraktionen wie der Skylift ermöglichen es auch Menschen, die keine Profi-Bergsteiger sind, diese grandiose Welt von oben zu sehen. Sie schaffen Bewusstsein für die Schönheit der Erde.
    Die Infrastruktur kapituliert früher oder später vor den Massen. Enge Straßen werden von Wohnmobilen und Reisebussen verstopft, die Natur wird durch den reinen Andrang belastet und das authentische, einsame "Norwegen-Gefühl" geht im Stimmengewirr der Reisegruppen verloren.
    Wie zum Beweis, dass es sie noch gibt, die unberührten Ecken, endete unser Tag kurz vor Hellesylt. Wir fanden einen Stellplatz an einer alten, berühmten Steinbrücke (ein historisches Juwel der alten Poststraßen). Hier, abseits der großen Hotspots, rauschte nur der Fluss.
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  • Tag 35: Vom Fjord zum Gletscher

    May 19 in Norway ⋅ ⛅ 10 °C

    Die Fahrt zum Westkapp haben wir uns heute gespart, weil es doch einen Umweg von 150 km bedeutet hätte. Dafür haben wir uns von Krakenes auf der Insel Vågsøy nach einer kurzen Wanderung zu einer Nato Station und einem Abstecher zum einzigen Sandstrand auf der Insel, auf den Weg Richtung Briksdalen am Briksdalsbreen gemacht (Breen=Gletscher).
    Zur Nato Station muss ich noch was sagen:
    Es handelt sich dabei um die Radarstation Vågsøy und die Teil des integrierten Luftverteidigungssystems der NATO ist. Sie liegt extrem exponiert direkt am berüchtigten Stadhavet. Schon im Zweiten Weltkrieg nutzte die deutsche Wehrmacht genau diese Lage und baute dort eine erste Radaranlage sowie die heutige Zufahrtsstraße, um den Schiffs- und Luftverkehr an der Westküste zu überwachen. Nach dem Krieg übernahm das norwegische Militär den Standort.
    Heute ist die Station keine Basis mit stationierten Soldaten vor Ort, sondern eine ferngesteuerte militärische Radaranlage der königlich-norwegischen Luftwaffe. Die Daten fließen direkt in das NATO-Netzwerk ein, um den Luftraum über dem Nordatlantik und der Nordsee zu überwachen.
    Der Standort ist brandaktuell. Norwegen erneuert derzeit sein gesamtes Netz an Luftraumradaren an den Küsten, und die Station in Vågsøy wird dabei mit modernster Technik ausgestattet, um die NATO-Nordflanke abzusichern.
    Das Gelände selbst ist natürlich ein umzäuntes militärisches Sperrgebiet, was wir zunächst ignoriert haben, weil wir uns der Bedeutung dieser Anlage gar nicht bewusst waren. Erst vor Ort, als wir schon an den Gebäuden der Anlage angelangt waren, hat uns eine Frau über Aktualität und Hintergründe aufgeklärt.
    Man sieht der kargen, windgepeitschten Landschaft dort oben sofort an, warum sie seit Jahrzehnten strategisch so wichtig ist – der Blick über das offene Meer ist endlos.

    Nach dieser interessanten Begegnung kurz noch einmal ein Stopp in Maloy, wo es eine tolle Station zum Ent- und Versorgen gibt und die sogar eine Tankstelle hat. Danach ging es den Nordfjord entlang zu unserem heutigen Tagesziel: Einem Campinplatz ganz in der Nähe vom Briksdalsbreen.
    Noch ist es hier relativ ruhig, obwohl die Region um den Nordfjord und um den Gletscher touristisch sehr erschlossen ist und der Fjord auch große Kreuzfahrtschiffe Platz hat. Ein Kreuzfahrtschiff stand heute da, aber noch schien nichts wirklich überlaufen zu sein.
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  • Bewohntes Fjordland

    May 18 in Norway ⋅ ☁️ 9 °C

    Wer heute durch die Fjorde reist, stellt sich unweigerlich die Frage: Wer lebt hier eigentlich noch – und wovon? Die einsamen historischen Höfe, die sich spektakulär an die Steilhänge klammern, sind heute meistens Museen oder Ferienhäuser. Das echte Leben spielt sich längst ganz anders ab. Das Fjordland ist kein reines Freilichtmuseum, sondern eine vitale Region – und das nicht nur in Form von kleinen Gehöften, sondern in lebendigen Kleinstädten und regionalen Zentren.
    Das Fjordland besteht keineswegs nur aus isolierten Einsiedeleien. Entlang der Fjorde reihen sich charmante, größere Orte und Kleinstädte aneinander, die als wirtschaftliche und kulturelle Knotenpunkte dienen. Orte wie Askvoll, Kalvag oder auch Maloya und einige andere bieten moderne Infrastruktur, Schulen, Einkaufszentren und Industrie. Sie zeigen, dass das Leben hier trotz der extremen Geografie absolut zukunftsfähig ist.
    Wer an Fjorde denkt, denkt an Fischerboote. Doch der Schein trügt: Der klassische Wildfischfang mit dem Kutter hat sich fast komplett an die offene Außenküste verlagert. In den Fjorden selbst dominiert heute eine hochmoderne Industrie: die Aquakultur. Die riesigen, runden Netzgehege, die man im Vorbeifahren oft im Wasser sieht, sind hochtechnologisierte Lachsfarmen. Sie sind heute einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region und sichern ganzjährig krisensichere Jobs abseits der Ballungsräume.
    Klassischer Ackerbau ist auf den felsigen Böden kaum möglich. Und dennoch ist die Landwirtschaft ein Pfeiler der Identität:
    Schafe und Ziegen nutzen als geschickte Kletterer die steilen Bergwiesen im Sommer und liefern die Basis für lokale Spezialitäten wie den berühmten braunen Brunost-Käse.
    Dank des Golfstroms herrscht in geschützten Fjordlagen ein mildes Mikroklima. Im Sommer reiht sich hier oft Hofladen an Hofladen, wo frische Kirschen, Pflaumen und Äpfel per Vertrauenskasse (oder App) direkt an der Straße verkauft werden.
    Die enormen Höhenunterschiede und Wasserfälle werden konsequent für saubere Wasserkraft genutzt, was in einigen Orten sogar moderne Industrie anzieht. Und natürlich lebt ein beträchtlicher Teil der Menschen im Dienstleistungssektor für den Tourismus – auch wenn dieses Geschäft stark saisonabhängig ist.
    Das moderne Fjordland ist also ein faszinierender Spagat. Es verbindet die raue, traditionelle Naturverbundenheit mit hochmodernen Industrie- und Dienstleistungszweigen in lebendigen Kleinstädten.
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  • Wandern

    May 18 in Norway ⋅ ☁️ 10 °C

    Natürlich sind wir in den Tagen des Fjordhoppings nicht nur herumgefahren, sondern haben uns auch in Wanderungen versucht. Versucht deswegen, weil wir einerseits durch Schnee waren, andererseits standen uns auch unbezwingbare Felsen im Weg. Aber ein bisschen was ging schon.Read more

  • Tage 30 bis 34: Fjordhopping

    May 18 in Norway ⋅ ☁️ 10 °C

    So, jetzt haben wir 4 Tage intensives Fjordhopping hinter uns. Das muss man in Norwegen unbedingt machen. Egal, welches Wetter, egal, welche Temperaturen. Das ist einfach wunderschön.
    Heute befinden wir uns fast am westlichsten Punkt Norwegens. Nicht weit von hier gibt es die Halbinsel Selje, die für sich das Westkapp beansprucht. Vielleicht fahren wir morgen noch dorthin. Mal sehen. Und noch was gibt es zu berichten: Wir sind jetzt schon soweit im Nordwesten, dass es erst um 23.40 ziemlich dunkel wird und um 2.45 wieder hell.
    Wir sind auf der Strecke durch unzählige Tunnels gefahren, manche gut beleuchtet und gut ausgestattet, die meisten (weil kürzer) schlecht oder überhaupt nicht beleuchtet und der eine oder andere Tunnel lässt auch uns Routiniers kurz innehalten mit der Frage: Passen wir da überhaupt durch? Es gibt allerdings auch das andere Extrem: Noch nie zuvor haben wir z.B. gesehen, dass es mitten im Tunnel einen wunderbaren, blau beleuchteten Kreisverkehr gibt. Besonders irritierend auch, dass im Tunnel überholt werden kann.
    Wir sind auf vielen Jo-Jo Straßen gefahren. Ich nenne sie so, weil die Straßen hier einem jo-jo Effekt unterliegen. Ein- und dieselbe Straße ist teilweise zweispurig, sehr oft 1,5 spurig, was besonders blöd ist und häufig einspurig mit Ausweichen alle paar hundert Meter und manchmal so eng, dass wir froh sind, wenn wir mit allen 4 Reifen auf dem Asphalt bleiben. Aber das ganze wird wirklich erleichtert durch kein oder sehr geringes Verkehrsaufkommen. Und wir sind mit 5 Fähren gefahren. Das liebe ich ganz besonders. Die Fähren müssen nicht gebucht werden. Man fährt einfach zum Fährhafen, stellt sich in die Reihe (wenn man nicht gerade das einzige Fahrzeug ist) und wartet. Die Fähren kosten ungefähr zwischen 45 und 60 NOK, d.h. ca. zwischen 4 und 5,5 €, wenn man mit einem Fahrzeug bis 6m unterwegs ist. Bevor man in Norwegen einreist muss man sich sowieso bei Epass24 registrieren und ein Benutzerkonto anlegen. Dann ist alles ganz easy, weil jegliche Gebühren, auch die für die Fähren einfach abgebucht werden.
    Ich will hier nicht jede einzelne Straße und jeden einzelnen Fjord aufzählen. Begeistert euch einfach an den Bildern
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  • 17.Mai: Norwegischer Staatsfeiertag

    May 17 in Norway ⋅ 🌬 10 °C

    Der 17. Mai (Syttende Mai) ist in Norwegen nicht einfach nur ein gesetzlicher Feiertag, sondern der absolute Ausnahmezustand im positivsten Sinne – es ist der wichtigste und fröhlichste Tag des ganzen Jahres. Wir haben gestern dieses Ereignis hautnah miterlebt

    An diesem Tag feiert Norwegen seine Verfassung von 1814 (unterzeichnet in Eidsvoll), die das Land nach Jahrhunderten dänischer Herrschaft in die Unabhängigkeit führte. Es ist ein Fest der Freiheit, der Demokratie und der nationalen Identität. Das Besondere: Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist es kein militärisches Schaulaufen, sondern ein zutiefst ziviles, fröhliches Familien- und Volksfest.
    Absolut jedes Haus und nahezu jeder Blumentopf sind beflaggt und gefühlt putzt sich das ganze Land heraus.
    Die Norweger*innen tragen voller Stolz ihre Bunad– die traditionelle, extrem hochwertige Regionaltracht. Jedes Tal und jede Region hat ihr eigenes Design. Wer keine Tracht hat, trägt feine Abendkleidung, und jeder steckt sich eine rot-weiß-blaue Schleife an. Kinderumzüge sind das Herzstück des Tages. Statt Militärparaden ziehen die Schulkinder in endlosen Zügen durch die Orte, schwenken norwegische Flaggen und singen. Begleitet werden sie von unzähligen Musikkapellen. Jedes noch so kleine Dorf hat seinen eigenen Umzug.
    Die Abschlussklassen der Schulen (Russ) fallen in ihren roten, blauen oder schwarzen Overalls auf. Sie feiern das Ende der Schulzeit, fahren in lauten, umgebauten Bussen herum und verteilen Visitenkarten mit lustigen Sprüchen (Russekort) an Kinder, die diese leidenschaftlich sammeln.
    Nach den Umzügen trifft man sich auf Schulhöfen, Marktplätzen oder in Parks. Es gibt Spiele für Kinder und ein ungeschriebenes Gesetz: Am 17. Mai dürfen Kinder (und Erwachsene) so viel Eis, Waffeln und Pølser (Hot Dogs) essen, wie sie wollen.
    Am Abend wird es dann meist im privaten Kreis bei gutem Essen im Kreis von Familie und Freunden ruhiger.
    Ein absolut farbenfrohes, lautes und stolzes Fest, das perfekt zeigt, wie eng die Norweger*innen mit ihrer Heimat verbunden sind.
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