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Diesmal Skandinavien

An open-ended adventure by Staunend reisen mit Edith & Thomas Read more
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    🇵🇱 Grabowiec, Polen
  • Tag 73 und 74: Helsinki

    June 26 in Finland ⋅ ☁️ 19 °C

    ... und 5. Tag der Saunarunde
    Jetzt also Helsinki: Die letzte Station unserer Skandinavienrundreise. Ab morgen sind wir definitiv auf der Heimreise.
    Diesen Footprint muss ich ein bisschen mit Überschriften strukturieren

    Helsinki im Kontrast: Von historischer Stille zur lebendigen Vielfalt
    Zwei intensive Tage in der finnischen Hauptstadt liegen hinter uns – es sind die letzten Tage unserer großen Skandinavien-Rundreise. Wir stehen mit unserem Camper auf einem Übernachtungsplatz direkt am Wasser und blicken auf eine Stadt zurück, die sich uns in all ihren Facetten präsentiert hat. Helsinki, im 16. Jahrhundert von den Schweden als Handelsrivale zu Tallinn gegründet und später unter russischer Herrschaft zur monumentalen Hauptstadt ausgebaut, zeigt heute eine bemerkenswerte Balance zwischen historischer Würde und moderner, offener Lebensqualität.

    Tag 1: Klassizismus, Jugendstil und die Festung im Meer
    Unser erster Tag begann im historischen Herzen. Der Senatsplatz mit dem alles überragenden, schneeweißen Dom präsentierte sich uns fast menschenleer. Das gab uns die seltene Gelegenheit, die strenge, perfekt proportionierte klassizistische Architektur des Berliner Baumeisters Carl Ludvig Engel ganz in Ruhe zu bewundern. Genau hier spürt man die Geschichte: Der Platz sollte im 19. Jahrhundert die Macht des russischen Zarenreichs demonstrieren – heute ist er das friedliche Postkartenmotiv eines zutiefst demokratischen Landes.
    Einen völlig anderen architektonischen Charakter erlebten wir im angrenzenden Viertel mit seinen wunderschönen Jugendstilhäusern (Katajanokka). Die finnische Spielart des Art Nouveau, der „Nationale Romantik“-Stil, nutzt oft grob behauene Granitsteine und Naturmotive. Er erzählt von der Identitätssuche der Finnen um das Jahr 1900.

    Am Nachmittag setzten wir mit der Fähre zur Festungsinsel Suomenlinna über. Die „Burg Finnlands“, die im 18. Jahrhundert von den Schweden (damals als Sveaborg) zum Schutz gegen Russland erbaut wurde und später doch in russische Hände fiel, ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Die mächtigen Wallanlagen und Tunnelmitten im glitzernden Meer bei bestem Wetter zu erkunden, war ein eindrückliches Erlebnis.

    Der krönende Abschluss des Tages war jedoch der Besuch einer äußerst skurrilen, kultigen Institution: der Sompasauna. Diese selbstgebaute, kostenlose Gemeinschaftssauna ist rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr geöffnet und wird komplett von Freiwilligen betrieben. Gestern Abend herrschte dort ein reger Andrang, getragen von einer wunderbar friedlichen, toleranten und unkomplizierten Stimmung – ein echtes Stück authentischer Helsinkier Lebenskultur direkt am Wasser.
    Mit diesem 5. und beeindruckendsten Saunaerlebnis endete auch unsere Saunarunde.

    Tag 2: Moderne Architektur und lebendige Gegenwart
    Der heutige Tag stand im Zeichen der Moderne und des Kontrasts. Vom Bahnhofsviertel – dessen Hauptbahnhof ein Meisterwerk des späten Jugendstils von Eliel Saarinen ist (bewacht von den ikonischen, monumentalen Fackelträgern aus Stein) – wanderten wir weiter zur Zentralbibliothek Oodi. Dieses Gebäude ist weit mehr als ein Ort für Bücher; es ist das „Wohnzimmer der Stadt“, eine architektonische Meisterleistung aus Holz und Glas, die zeigt, wie Finnland Kultur und Bildung im 21. Jahrhundert zelebriert.
    Vorbei an Alvar Aaltos berühmter Finlandia-Halle, einem Schlüsselwerk des finnischen Funktionalismus, steuerten wir die Felsenkirche(Temppeliaukio) an. Da sie Mittagsruhe hatte, kehrten wir zunächst ins Zentrum zurück und gerieten mitten in die Pride Parade.
    Der Kontrast hätte nicht größer sein können: Letzten Samstag noch erlebten wir die traditionelle, fast intime Ruhe des Mittsommerfestes in Pelinki – heute eine farbenfrohe, pulsierende und laute Demonstration für Vielfalt und Menschenrechte im Herzen der Metropole. Helsinki zeigt sich heute als extrem liberale, moderne Gesellschaft.
    Nach diesem bunten Trubel besichtigten wir schließlich die Felsenkirche. Das in den anstehenden Granitfels hineingesprengte Gotteshaus mit seinem Kupferdach ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Natur und Architektur miteinander verschmelzen können. Die Akustik im Inneren, verstärkt durch die unbehauenen Felswände, ist phänomenal.

    Abschied von Skandinavien
    Insgesamt 12 Kilometer sind wir heute kreuz und quer durch die Stadt gewandert, bevor uns der Bus zurück zu unserem Stellplatz brachte.
    Morgen schlagen wir das nächste Kapitel auf: Wir setzen mit der Fähre nach Tallinn über. In fünf oder sechs Etappen wird uns der Weg über das Baltikum und Polen zurück nach Hause führen. Das Fazit zu Skandinavien folgt demnächst
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  • Tag 72: Turku und weiter nach Helsinki

    June 25 in Finland ⋅ ☁️ 19 °C

    Heute Früh fuhren wir schon relativ zeitig von unserem Übernachtungsplatz in die Stadt. Übrigens hatten wir auf diesem Platz eine junge österreichische Familie kennengelernt: Bernadette und Gottfried mit den beiden kleinen Mädchen Josefine und Emma und mit Hund, dessen Name mir leider entfallen ist. Die 5 sind seit nahezu einem Jahr im Wohnmobil unterwegs und kehren Mitte August nach hause zurück. Das ist für michso bewundernswert, wie nicht vorstellbar. Ich finde es aber toll.

    Turku empfängt uns an diesem Freitag mit genau der Mischung, die alte europäische Kulturstädte so faszinierend macht: geschichtsträchtige Mauern und pulsierendes Sommerleben. Gegründet im späten 13. Jahrhundert ist Turku die älteste Stadt Finnlands und war bis 1812 auch deren Hauptstadt. Bis heute gilt sie als das historische und kulturelle Herz des Landes, geprägt durch den Fluss Aurajoki, der sich wie eine Lebensader durch das Zentrum zieht. Für uns begann der Tag logistisch perfekt – direkt in der Nähe der Burg fanden wir einen unkomplizierten Parkplatz für unseren Camper, ein idealer Ausgangspunkt.

    Die Burg Turku (Turun linna) steht seit 1280 strategisch günstig an der Mündung des Aurajoki. Sie hat sich von einer schlichten Festung zu einem prachtvollen Renaissance-Schloss gewandelt und atmet schwedisch-finnische Geschichte. Was uns hier nachhaltig beeindruckt hat, ist die hervorragende Kuration. Die Beschreibungen in den verwinkelten Räumen, Gängen und Verliesen sind so lebendig und detailreich aufbereitet, dass die Epochen förmlich greifbar werden. Man spürt regelrecht den Geist der schwedischen Könige und der Herzogin Katharina Jagiellonica, die hier einst Hof hielten.

    Vom rauen Charme der Burg ging es weiter ins Herz der Stadt. Entlang des Aurajoki und auf dem Marktplatz herrschte ein bemerkenswert reges Treiben; Turku zeigte sich von seiner lebendigsten Seite. Ein besonderer kulinarischer Anziehungspunkt ist die historische Markthalle (Kauppahalli) von 1896, in der die Düfte von frischem Fisch, lokalem Käse und traditionellem Gebäck in der Luft liegen.

    Wie sich herausstellte, verdankte die Stadt ihre besondere Energie an diesem Wochenende einem glücklichen Timing: Wir sind mitten in den Auftakt der Mittelaltertage von Turku (Turun Keskiaikamarkkinat) geraten. Es ist eines der größten historischen Feste Finnlands. Rund um den Alten Großmarkt drängten sich Handwerker, Gaukler und zahlreiche Verkaufs- und Essensstände, die traditionelle Waren und Düfte verbreiteten. Die Atmosphäre war mitreißend, ohne kitschig zu wirken – ein authentisches Stück gelebte Tradition.

    Wo viel Licht ist, gibt es auf Reisen manchmal auch Schatten. Unser Weg führte uns natürlich auch zum berühmten Dom von Turku, dem Nationalheiligtum des Landes. Umso größer war die Enttäuschung vor den Portalen: Wegen umfangreicher Restaurierungsarbeiten ist die monumentale Kirche bis auf Weiteres für Besucher geschlossen. Der erhoffte Blick auf das gotische Kirchenschiff blieb uns verwehrt – ein kleiner Dämpfer für einen ansonsten großartigen Tag.
    Dennoch bleibt Turku als eine Stadt in Erinnerung, die ihre Vergangenheit nicht nur im Museum verwahrt, sondern sie mitten im Sommer auf den Straßen feiert.

    Nach den vielen Eindrücken in Turku, fuhren wir dann doch weiter nach Helsinki. ASuch hier haben wir wieder einen zwar sehr gefragten, aber dennoch wunderschönen Übernachtungsplatz em Meer. Da sich hier doch Canper an Camper drängt, hatten wir das unverschämte Glüch, dass gerade bei unserer Ankunft ein Camper den wahrscheinlich besten Platz auf diesemGelände verlassen hatte und wir sofort genau dort einparken konnten. Auch hier in der Nähre gibt es eine Sauna. Aber heute haben wir die Saunarunde unterbrochen. Hier haben wir dann auch noch ein paar nette Leute getroffen, mit denen wir uns lange und intensiv unterhalten konnten
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  • Tag 70 und 71: Rauma und weiter nach Turku

    June 24 in Finland ⋅ ☁️ 17 °C

    3. und 4. Tag der Saunarunde

    Gestern sind wir von Lahti an die Westküste Finnlands bis nach Rauma gefahren. Auch hier haben wir wieder einen Übernachtungsplatz direkt am Wasser, direkt neben einer Saunalandschaft gefunden.
    Da die Strecke gestern ziemlich lang war, fanden wir es herrlich, gleich die Sauna nutzen zu können. Nach der Sauna haben wir noch gemütlich gekocht. Erst heute morgen haben wir uns dann zu Fuß nach Rauma aufgemacht. Sind von unserem Übernachtungsplatz nur drei km.

    Die Altstadt (Vanha Rauma) ist bekannt für ihre gut erhaltenen, bunten Holzhäuser, durch die wir ein bisschen gebummelt sind. Tatsächlich bilden sie das größte zusammenhängende Holzstadtviertel in den nordischen Ländern, was dem Ort auch einen Platz auf der UNESCO-Welterbeliste eingebracht hat. Beim Schlendern durch die Gassen sieht man schön die unterschiedlichen Bauweisen und die liebevollen Details an den Fenstern und Toren. Es ist faszinierend zu sehen, wie lebendig dieses historische Viertel heute noch als ganz normaler Wohn- und Lebensraum genutzt wird. Zwischen den Fassaden verstecken sich zudem immer wieder nette, kleine Geschäfte, die zum Stöbern einladen.

    Neben den Holzhäusern haben wir uns auch die alte Steinkirche des Heiligen Kreuzes angeschaut, die charmant im Viertel liegt.
    Rauma ist durchaus ein nettes, hübsches Städtchen für einen entspannten Spaziergang und einen Kaffee. Wer auf der Durchreise ist, kann den Stopp gut mitnehmen – ein absolutes Must-see, das man zwingend im Finnland-Urlaub eingeplant haben muss, ist es aus unserer Sicht aber nicht. Für ein paar ruhige Stunden war es dennoch ein schöner Einblick in die finnische Holzhaus-Architektur.

    Wir fuhren dann heute noch weiter nach Turku, wo wir wieder an einem schönen Platz am Meer stehen. Natürlich mit Sauna
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  • Tag 69: Lahti und 2.Tag der Saunarunde

    June 22 in Finland ⋅ ☀️ 19 °C

    Weil wir gestern erst am Abend angekommen sind und gleich die Sauna gestürmt haben, beschlossen wir, heute noch zu bleiben, Lahti zu besichtigen und ein weiteres Mal eine Sauna zu genießen.
    Unser Tag begann entspannt am Hafen. Bei einem späten Frühstück in einem kleinen Café am Ufer beobachteten wir das ruhige Treiben auf dem Wasser, bevor es uns zur nahegelegenen Sibelius-Halle zog. Der markante Bau gilt als Flaggschiff der finnischen Holzarchitektur und verbindet ein über 100 Jahre altes Backsteingebäude einer ehemaligen Tischlerei geschickt mit modernem, hellem Nadelholz.

    An diesem Tag hatte der Komplex eine ganz besondere Dynamik: Gerade startete eine große, internationale Konferenz – Fachpublikum aus aller Welt, darunter Expert:innen für Rotordynamik, füllte das lichte Foyer der „Waldhalle“. Wer dort im Zentrum nach oben blickt, entdeckt übrigens eine poetische Besonderheit: Die Decke zeigt exakt den Sternenhimmel der Geburtsnacht des Komponisten Jean Sibelius im Jahr 1865. Akustisch gehört der Hauptsaal mit seinen verstellbaren Echokammern und Holzwänden weltweit zur absoluten Spitzenklasse – Zeitungen wie der Guardian und das Wall Street Journal wählten die Halle bereits unter die besten Konzertsäle Europas. Ein faszinierender Kontrast zwischen hochkarätiger Wissenschaft und dieser warmen, skandinavischen Ästhetik.

    ​Ein weiteres architektonisches Prachtstück erwartete uns im Stadtzentrum: das historische Rathaus von Lahti. Der markante Jugendstilbau wurde vom weltberühmten finnischen Architekten Eliel Saarinen entworfen und im Jahr 1912 fertiggestellt. Erst vor Kurzem wurde der geschichtsträchtige Komplex aufwändig saniert, wobei der historische Charme perfekt mit einem modernen, überdachten Innenhof kombiniert wurde.

    Danach ging es zu Fuß weiter in Richtung der markanten Salpausselkä-Skisprungschanzen. Lahti ist ja DER Wintersportort Finnlands. Der Weg dorthin führte uns durch einige Baustellen, doch der kleine Slalom lohnte sich. Mit dem Lift ging es hinauf bis direkt an den Schanzentisch. Von hier oben, wo sonst die Skispringer in die Tiefe jagen, bietet sich ein fantastischer, weiter Blick über Lahti und die umliegenden Wälder.

    Zurück im Zentrum ließen wir den Nachmittag bei einem gemütlichen Stadtbummel ausklingen. Und weil ein Tag in Finnland ohne die passende Entspannung nicht vollständig ist, testeten wir am Abend eine weitere lokale Sauna. Unser Fazit: absolut großartig und der perfekte Abschluss für diesen vielseitigen Tag.
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  • Tag 68: Saunarundenstart in Lahti

    June 21 in Finland ⋅ ☁️ 26 °C

    Am Sonntag, dem 21.Juni, haben wir Pelinkki wieder verlassen und sind nach Porvoo weitergefahren.
    Porvoo, eine der ältesten Städte Finnlands, besticht vor allem durch seine gut erhaltene mittelalterliche Struktur und das historische Flair. Die charakteristischen roten Speicherhäuser am Flussufer zeugen von der einstigen Bedeutung der Stadt als wichtiger Handelsplatz für Gewürze und Waren. Beim Gang durch die gepflasterten Gassen der Altstadt trifft historische Holzarchitektur auf ein authentisches, alltägliches Stadtleben mit lokalen Handwerksläden und Cafés. Der majestätische Dom auf dem Hügel bildet das unübersehbare Zentrum dieses geschichtsträchtigen Ensembles. Unser sonntäglicher Besuch bot so einen ebenso informativen wie unaufgeregten Einblick in die finnische Kultur und Lebensart.
    Mittlerweile sind die Tourist:innen mehr und die Temperaturen sommerlicher geworden. Porvoo strahlte an allen Ecken und Enden Sommer und Lebensfreude aus.
    Wir fuhren dann aber noch weiter, wieder etwas nach Norden bis nach Lahti. Und hier starteten wir unsere Saunarunde: Runde im Sinne von Rundtour.
    Wir parkten auf einem Platz nahe einem Restaurant mit Sauna. Lahti liegt am Väsijärvi, einem der vielen, vielen Seen in Finnland und überalle am See stehen Saunen: Bei Hotels, bei Restaurants und Cafes, teilweise liegen auch zu mietende Saunaboote am Ufer. Wir aber genossen die Sauna ganz in der Nähe von unserem Parkplatz mit angeschlossenem Restaurant, in dem wir auch gleich as Abendessen zu uns nahmen.
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  • Tag 65, 66, 67: Drei Tage im Mittsommer

    June 20 in Finland ⋅ ☀️ 20 °C

    Wir fuhren also am Donnerstag, nach unserem Kurzbesuch in Hamina, nach Pelinkki (finnisch) bzw. Pellinge (schwedisch). Warum? Weil wir erfahren hatten, dass dort noch ganz ursprünglich und traditionell Mittsommer (Midsommar) gefeiert wird. Pelinkki ist eine Insel im Süden Finnlands nahe Helsinki und gehört zur Gemeinde Porvoo. Um auf die Insel zu kommen dürfen wir noch einmal mit einer Minifähre fahren. Mini, weil wirklich klein und weil die Fahrt ganze 5 Minuten dauert.
    Wir wollten also an den drei Tagen auf der Insel Pelinkki gemeinsam mit Finn*innen Midsommeraktivitäten möglichst authentisch zu erleben.
    Das begann äußerst erfolgversprechend bei den Arbeiten zur Schmückung und Aufstellung der "Midsommarstangen". Das ist ein Fest, bei dem alle, die gerade auf der Insel sind und weder krank noch sonstwie verhindert sind, zusammenkommen und beim Schmücken und Aufstellen der Stange mitmachen. Und wir hatten das Glück, mittendrin zu sein. So kamen wir in den Gesprächen unversehens auf das Phänomen der "Finnlandsschweden" zu sprechen, von dem wir keine Ahnung hatten.
    Zuerst lernten wir, dass die Insel Pellinki zu nahezu 100% schwedischstämmig/-sprachig ist. Und weiter, dass in den Küstenregionen und vorgelagerten Inseln der Großteil der Finnlandsschweden lebt. Das sind heute immerhin etwa 5,2 % der Gesamtbevölkerung Finnlands (rund 290.000 Personen). Es wurde uns schnell vermittelt, dass zwar alle finnische Staatsbürger*innen sind, die schwedische Minderheitsbevölkerung durchaus sehr bewusst ihr Schwedentum zu leben versteht und alle verbrieften Minderheitenrechte sehr ernst wahrnimmt.
    Wir haben in diesen Gesprächen sehr viel gelernt, aber neugierig, wie wir sind, haben wir uns dann noch weiter schlau gemacht und wollen das jetzt auch hier weitergeben.

    Im 12. und 13. Jahrhundert wurde Finnland im Zuge von Kreuzzügen und Expansionswellen schrittweise in das schwedische Königreich eingegliedert und war bis 1809 ein integraler Bestandteil Schwedens. Schwedisch etablierte sich in dieser Zeit als die Sprache der Verwaltung, der Justiz, des Adels, des gehobenen Bürgertums und der Bildung, während die Mehrheit der ländlichen Bevölkerung finnischsprachig blieb. Gleichzeitig besiedelten schwedische Bauern und Fischer die Küstenregionen.

    1809 fiel Finnland ​an das Russische Kaiserreich mit dem Status "autonomes Großfürstentum", wobei paradoxerweise die  schwedischen Gesetze und schwedisch als Amtssprache auch unter russischer Herrschaft erhalten blieben. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand parallel zur finnischen Nationalbewegung eine eigene schwedische Identitätsbewegung, die den Schutz der eigenen Kultur und Sprache im nun eigenständigen Finnland (ab 1917) vorbereitete.

    ​Schwedisch ist in Finnland eine gleichberechtigte National- und Amtssprache.
    Laut finnischer Verfassung haben Bürger das Recht, Behördengänge, Gerichtsverfahren und medizinische Behandlungen in ihrer Muttersprache (Finnisch oder Schwedisch) zu absolvieren. Formulare, Gesetze und amtliche Bekanntmachungen müssen zweisprachig vorliegen. (Erinnert mich wieder an meine Heimat Südtirol)
    Kommunen sind je nach Einwohneranteil offiziell einsprachig finnisch, zweisprachig oder (im Fall von Åland) einsprachig schwedisch. Ab einem Anteil von 8 % oder mindestens 3.000 Sprechern einer Sprache in einer Gemeinde wird diese per Gesetz zweisprachig.
     Es existiert ein komplett eigenständiges, staatlich finanziertes Bildungssystem von der schwedischsprachigen KiTa über Grundschulen und Gymnasien bis hin zu Hochschulen (wie der Åbo Akademi).In den Schulen ist die jeweilige Sprache der anderen Sprachgruppe Pflichtunterrichtsfach.

    ​Das Verhältnis zwischen der finnisch- und schwedischsprachigen Volksgruppe ist im Alltag friedlich, stabil und von pragmatischem Zusammenleben geprägt. Es gibt keine ethnischen oder gewaltsamen Konflikte. Finnlandsschweden verstehen sich primär als finnische Staatsbürger mit schwedischer Muttersprache, nicht als Schweden. ​Dennoch gibt es im politischen und gesellschaftlichen Diskurs wiederkehrende Debatten, wie z.B. Pflichtschwedisch an den Schulen, Kosten der Zweisprachigkeit, schleichende Assimilation, u.ä.m.
    Soweit der intellektuelle Exkurs.

    Wir haben am Donnerstag also mitgeholfen, die Midsommarstanga aufzustellen und haben in diesem Zusammenhang einige interessante Menschen kennengelernt. Das war der 18. Juni
    Am Freitag , dem 19. Juni, wurden wir dann Zeugen des traditionellen Midsommarktes. Der fand am Freitag Vormittag statt und da stürmten sicher um die 1000 Leute die beschauliche Insel. Sie kamen mit Autos, Fahrrädern und Booten, nur um ihre Vorräte in den Sommerhäusern aufzufüllen, wo sie dann am Samstag mit Familie und Freund:innen den wirklichen Mittsommer feiern. Es war eine Tohubawohu, aber auch wir erstanden Fisch und typisch schwedisch/finnische Piroggen. Um 13:00 Uhr war dann urplötzlich der ganze Zauber vorbei, die Marktstände waren leer, weil ausverkauft und die Leute zugen mit Fisch, Brot, Kuchen Wurst und Käse von dannen.

    Wir nutzten den Nachmittag, um zu Fuß die Insel zu erkunden. Weit kommt man ja nicht, weil am Ufer überall Sommerhäuser auf Privatgrund stehen, also erwandert man die Insel eher strahlenförmig. Am Abend aßen wir dann in Benitas Cafe Fish and Chips.
    Der Samstag, 20. Juni, der eigentliche Mittsommertag, war für uns gewissermaßen der Höhepunkt dieser Expedition. Am Nachmittag gab es am Platz, an dem die Mitsommerstange stand, ein traditionelles Fest mit Gesängen und Tänzen und Ansprachen. Zuschauen war schön, zuhören auch. Verstanden haben wir kein Wort. Interessanterweise fand das Fest am Nachmittag statt, weil ab dem frühen Abend feiern alle zu Hause.

    Fazit: Die traditionellen Mittsommerfeste werden von Ehrenamtlichen und Vereinen organisiert und sind Familienfeste mit Gesängen, Tänzen und gemeinsmen Aktivitäten. Es geht ganz stark um die Gemeinschaft. Es gibt manchmel eine Kleinigkeit zu essen, manchmal auch nicht und es fließt kein Tropfen Alkohol. Die Stimmung ist dementsprechend friedlich und entspannt. Man genießt das Zusammensein.
    Richtige Mittsommerpartys gibt es nur vereinzelt und dann nur in größeren Städten, wie Helsinki oder Turku, weil der Mittsommer traditionell zu Hause gefeiert wird.
    Wir sind der Bevölkerung von Pelinkki jedenfalls dankbar, dass sie uns so herzlich in ihr traditionelles Mitsommerfeiern aufgenommen haben.
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  • Tag 64 und 65: Lappeenranta und Hamina

    June 18 in Finland ⋅ ☀️ 16 °C

    Wir sind immer noch ganz nahe an der russischen Grenze. Von unserem Übernachtungsplatz war es nicht weit nach Imatra, wo es in einem Prisma Supermarkt eine perfekte Anlage zum Wäschewaschen gibt. Die haben wir genutzt und während Waschmaschine und Trockner auf Hochtouren arbeiteten, nutzten wir die Gelegenheit um zu frühstücken und einzukaufen. Mehr gab es dann in Imatra auch nicht zu tun.
    Wir sind ja jetzt unterwegs Richtung Süden. Hier wurde uns empfohlen, Lappeenranta zu besuchen. Die 73.000 Einwohner:innen zählende Stadt, ist so wie viele finnische Städte: Holzhäuser, schönes Rathaus und sonst nicht viel. Für uns ist immer auch der geschichtliche Hintergrund interessant: ​„Lappeenranta“ bedeutet übersetzt etwa „Der Strand von Lappee“. Der schwedische Name Villmanstrand bedeutet skurrilerweise „Wildmannstrand“ – deshalb zeigt das Stadtwappen bis heute einen wilden, nackten Mann mit Keule.

    Lappeenranta präsentiert sich heute als ruhige Grenzstadt, deren modernes Gesicht zwar unaufgeregt wirkt, in deren historischer Festung aber die bewegte Vergangenheit als Spielball zwischen Schweden und Russland spürbar bleibt. Direkt an ihren Ufern beginnt der geschichtsträchtige Saimaa-Kanal, der über Jahrzehnte als logistische Lebensader den riesigen See mit der Ostsee verband. Heute ist dieses imposante Bauwerk mit seinen riesigen Schleusen zu einem stillen Symbol der Weltpolitik geworden, da der Schiffsverkehr durch den russischen Streckenabschnitt infolge der geschlossenen Grenzen faktisch lahmgelegt ist. Statt großer Frachter ziehen nun vor allem lokale Ausflugsboote an den finnischen Schleusen vorbei und bieten Reisenden einen fast schon melancholischen Blick auf eine blockierte Wasserstraße. So verschmelzen Stadt und Kanal in der Gegenwart zu einem Ort des Innehaltens, an dem man die Tragweite europäischer Geschichte hautnah spüren kann.

    Nach diesem Stadtbesuch fuhren wir dann noch weiter nach Hamina (auch dafür hatten wir einen Tipp bekommen), wo wir gestern übernachteteten und heute noch den Ort besuchten.

    Hamina empfing uns mit einer städtebaulichen Besonderheit, die man in Nordeuropa kaum vermutet: Die historische Festungsstadt ist in einem seltenen, kreisrunden Radialsystem angelegt, bei dem alle Straßen wie Speichen auf das zentrale Rathaus zulaufen. Beim Schlendern entlang der alten Wallanlagen wird die strategische Bedeutung dieses Ortes sofort greifbar, der einst als schwer befestigte Bastion die Grenze zwischen den Imperien Schweden und Russland sicherte. Heute verströmen die alten Holzhäuser in den runden Gassen eine herrlich unaufgeregte, fast museale Ruhe abseits der typischen Touristenpfade. Besonders imposant ragt die riesige finnische Flagge am Hafen in den Himmel, die als stolzes Symbol der Unabhängigkeit weit über die Schärenküste hinausreicht. Nach dieser relativ kurzen Wanderung in der Stadt und um die Wehrmauern machten wir uns auf den Weg nach Pellinki/Pellinge. Dazu im nächsten Footprint.
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  • Tag 63: Von der Burg zum Skulpturenpark

    June 16 in Finland ⋅ ☁️ 19 °C

    Heute konnten wir am kleinen Hafen, an dem wir übernachtet haben, noch unseren Wassertank auffüllen. Dann fuhren wir weiter nach Savonlinna, zur angeblich schönsten Burg Finnlands.

    Savonlinna mit ihren 31.000 Bewohner:innen liegt mitten im tiefen Blau des Saimaa-Seengebiets. Diese Stadt verbindet wie keine zweite in Finnland Kultur und unberührte Natur. Auf mehreren Inseln erbaut, gleitet man hier förmlich durch eine Landschaft aus glitzerndem Wasser, historischen Holzhäusern und dichten Wäldern. Doch das unbestrittene Kronjuwel der Stadt thront auf einer eigenen, felsigen Insel inmitten einer starken Strömung – die mittelalterliche Burg Olavinlinna.
    Gegründet im Jahr 1475 vom dänischen Ritter Erik Axelsson Tott, sollte die Burg die Ostgrenze des schwedischen Reiches gegen die Russen sichern. Benannt nach dem heiligen Olaf, ist Olavinlinna heute die am besten erhaltene mittelalterliche Steinfestung Nordeuropas. Wer die hölzerne Brücke zur Burg überquert und die dicken, kühlen Mauern betritt, spürt sofort die Jahrhunderte der Belagerungen, Machtkämpfe und Legenden.

    Heute fliegen hier allerdings keine Kanonenkugeln mehr, sondern hochkarätige Töne. Jeden Sommer verwandelt sich der imposante Innenhof der Burg in eine der spektakulärsten Kulturbühnen der Welt. Die Opernfestspiele von Savonlinna locken Musikbegeisterte aus aller Welt an. Die Akustik innerhalb der mächtigen Steinwände, kombiniert mit den magischen, hellen Sommernächten Finnlands, soll für eine absolut unvergleichliche Atmosphäre sorgen. Wir wurden Zeugen einiger Gesangsproben und schon dieses Erlebnis ist wirklich überwältigend.

    ​Nach den historischen Eindrücken der Burg zog es uns weiter zu einem der skurrilsten und faszinierendsten Orte ganz Finnlands: dem Skulpturenpark in Parikkala. Mitten in einem dicht eingewachsenen, fast verwunschenen Waldgarten verbirgt sich hier das Lebenswerk des eigenbrötlerischen Künstlers Veijo Rönkkönen (1944-2010).Über 50 Jahre lang schuf er rund 500 lebensgroße Betonfiguren, die heute wie versteinerte Waldgeister zwischen den Bäumen lauern.
    ​Beim Spaziergang durch die verschlungenen Pfade weiß man oft nicht, ob man staunen oder leicht schaudern soll. Besonders berühmt ist die große Gruppe von rund 200 Figuren, die in komplexen Yoga-Posen verharren – ein stummer, dynamischer Ausdruck im grünen Dickicht. Viele der Statuen besitzen künstliche Augen und sogar echte Zahnprothesen, was ihnen einen unheimlich lebendigen, fast magischen Ausdruck verleiht. Ein absolut einzigartiges Open-Air-Kunsterlebnis, das einen tiefen, unvergesslichen Eindruck hinterlässt und zeigt, wie fließend in Finnland die Grenzen zwischen Kunst und wilder Natur sind.
    Nach diesen beiden sehr beeindruckenden Besichtigungen war für heute genug. Wir haben diesen feinen, an einem kleinen Hafen gelegenen Übernachtungsplatz gefunden. Jetzt regnet es gerade, aber wir haben es hier ganz schön gemütlich.
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  • Tag 62: Kloster und Kirche

    June 15 in Finland ⋅ ☀️ 21 °C

    Nach dem wunderbaren Grillabend gestern haben wir heute das orthodoxe Männerkloster Uusi Valamo in Heinävesi besucht. Gleich vorweg: Das klösterliche Anwesen ist keineswegs ein alterwürdiges Gemäuer, sondern steht erst seit 1940 an diesem Standort, obwohl der Orden uralt und ehrwürdig ist. Die Geschichte ist mit der bewegten Geschichte Finnlands eng verknüpft.
    Das Kloster wurde ursprünglich auf der Inselgruppe Valaam im Ladogasee in Kareliien - heute Russland - zum Zwecke der Missionierung gegründet. Zeitpunkt unklar; der Orden sagt 12. Jh., andere Fachleute meinen spätestens Ende 14.Jh.
    ​Es diente über Jahrhunderte als nördlicher Außenposten der Ostkirche. Aufgrund dieser Extremlage zwischen Schweden und Russland wurde es mehrfach bei kriegerischen Konflikten zerstört.
    ​Unter Zar Peter I. erlebte das Kloster im 19. Jahrhundert seine größte Blütezeit. Es entwickelte sich zu einem riesigen spirituellen und wirtschaftlichen Zentrum mit mehreren Kirchen, Einsiedeleien, landwirtschaftlichen Betrieben und Handwerkswerkstätten.

    Jedoch die geopolitischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts zwangen die Ordensbrüder zur Aufgabe ihres Stammsitzes.
    Nach der russischen Revolution und der Unabhängigkeit Finnlands im Jahr 1917 gehörte die Ladoga-Insel Valaam und damit der Orden plötzlich zum Staatsgebiet Finnlands. Mit dem Ausbruch des sowjetisch-finnischen Winterkrieges im November 1939 geriet das Kloster direkt in die Kampfhandlungen. Das führte im Februar 1940 zur  Evakuierung durch die finnische Armee. In einer dramatischen Rettungsaktion transportierten die 200 Brüder die wertvollsten Kulturschätze – jahrhundertealte Ikonen, heilige Reliquien, das historische Archiv, u.v.m. – auf Lastwagen über den zugefrorenen Ladogasees in Sicherheit. Das Gebiet mussten die Finnen an Moskau abtreten; eine Rückkehr für den Orden war somit unmöglich geworden. 
    Im Sommer 1940 erwarben die Mönche das Gut Papinniemi in der Gemeinde Heinävesi (Südsavo). In der Folge konsolidierte der Orden durchaus erfolgreich.JIrgendwann aber starben die evakuiereten Mönche altersbedingt, das Kloster war ab den 60er und 70er Jahren vom Aussterben bedroht. Ab den späten 70er Jahren erlebet es aber sowas wie eine Renaissance und erstaunlicherweise traten junge finnischspracjhige Novizen ins Kloster ein.

    Heute ist das Kloster mit über 100.000 Besuchern im Jahr ist eines der wichtigsten Zentren für orthodoxe Kultur in Skandinavien. 

    Aber auch die höchst profane Seite kommt nicht zu kurz: Ganzjährig werden ein Hotelbetrieb und Restaurant Trapesa geführt.
    Und ganz klosterlike: Eine bedeutende Einnahmequelle ist die klostereigene Produktion von Beerenweinen, Likören sowie Gin, Absinth und Single Malt Whisky. Valamo betreibt die größte Destillerie Finnlands.
    Außerdem veranstaltet das angeschlossene Volkshochschulzentrum Kurse zu Themen wie Ikonenmalerei, orthodoxe Spiritualität, Kunsthandwerk und Textilrestaurierung an.
    Im Kulturzentrum befinden sich eine bedeutende historische Bibliothek, Archive sowie Werkstätten zur Restaurierung alter Ikonen und kirchlicher Textilien.
    Durchaus spannend, was man über so ein Kloster alles lernen kann.
    Und weil wir heute schon auf dem spirituellen Trip waren, fuhren wir nach dem Besuch des Klosters gleich weiter zur größten Holzkirche der Welt in Kerimäki nahe Savonlinna.
    Sie sollte das hölzerne Highlight unserer heutigen Etappe werden, doch stattdessen präsentierte sich die größte Holzkirche der Welt in einem gänzlich unerwarteten Gewand. Statt der gewaltigen, gelben Fassaden des 1847 erbauten Monuments erwartete uns in Kerimäki ein komplett verhülltes Bauwerk, das hinter Planen und Gerüsten seine Geheimnisse verbarg. Die dringend notwendige Renovierung macht es derzeit unmöglich, den gigantischen Innenraum zu betreten, der mit seinen Maßen von 45 mal 42 Metern sonst weit über 3.000 Menschen Platz bietet. Auch wenn uns der Blick auf dieses architektonische Meisterwerk verwehrt blieb, so hatte dieser beinahe surreale, riesige Kasten im Herzen Südsavos doch seine ganz eigene, faszinierende Dynamik. Es ist eben genau diese Unvorhersehbarkeit, die unsere Art zu reisen so spannend macht – und ein Grund mehr, vielleicht irgendwann für den ungetrübten Blick auf diesen hölzernen Riesen zurückzukehren.

    Umso mehr Raum blieb uns heute dafür, die fantastische Lage unseres heutigen Übernachtungsortes zu genießen, denn Kerimäki schmiegt sich direkt an das Ufer des Puruvesi. Dieser Teil des Saimaa-Seensystems ist weltberühmt für sein kristallklares Quellwasser mit Sichtweiten von bis zu zehn Metern, aus dem auch die fangfrischen, butterzart gebratenen Maränen stammen, die hier als lokale Spezialität gelten. Doch die idyllische Ruhe täuscht fast ein wenig darüber hinweg, wie geschichtsträchtig dieser Boden tatsächlich ist. Luftlinie trennen uns hier gerade einmal knapp 40 Kilometer von der russischen Grenze – eine geografische Nähe, die dem Ort eine ganz besondere, spürbare Tiefe verleiht. Selbst der Bau der monumentalen Kirche in den 1840er Jahren war damals, als Finnland noch zum Russischen Kaiserreich gehörte, ein bewusstes architektonisches Statement finnischen Selbstbewusstseins direkt im Grenzland.
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  • Tag 61: Auf dem Ukko Koli

    June 14 in Finland ⋅ ☁️ 17 °C

    Nachdem wir heute Früh Dominik an einer strategisch günstigen Kreuzung abgesetzt haben, machten wir uns auf den Weg nach Koli. Hier, im Koli Nationalpark, wartete seit langem wieder einmal ein Berg auf uns. Wobei die Bezeichnung "Berg" für den Ukko Koli für uns Bergmenschen doch etwas zu hoch gegriffen ist. Er misst gerade einmal 347 Meter über dem Meeresspiegel –, aber er ist kulturell und landschaftlich der wichtigste und berühmteste "Berg" des Landes. Die Aussicht von dort oben gilt als die finnische Nationallandschaft schlechthin.
    Geologisch gesehen ist der Koli-Rücken der steile Überrest eines uralten Faltengebirges (den Kareliden), das vor etwa zwei Milliarden Jahren so hoch war wie der heutige Himalaja. Übrig geblieben ist der extrem harte weiße Quarzit, dem Wind und Eiszeiten nichts anhaben konnten.
    ​Um 1900 zog der Koli Heerscharen finnischer Künstler an. Die epische Weite über den riesigen See Pielinen prägte das finnische Nationalbewusstsein und die Identität des Landes tief.
    ​Da der See Pielinen auf etwa 94 Metern liegt, ragt der weiße Quarzitfelsen des Ukko-Koli rund 250 Höhenmeter steil über dem Wasser auf. Das sorgt für eine Tiefenwirkung, die sich nach deutlich mehr als 347 Metern anfühlt.
    ​Direkt neben dem Ukko-Koli ("Der alte Wettergott") liegen übrigens noch der Akka-Koli ("Die alte Frau") und der Paha-Koli ("Der Böse"). Zusammen bilden sie ein fantastisches, leicht zu erwanderndes Felsplateau mit einem spektakulären Ausblick über nahezu ganz Nordkarelien. Die Wanderung war einfach, das Wetter wunderschön und der Blick in die unendliche Seen- und Urwaldwelt Finnlands ein Traum.
    Wieder zurück beim Balu konnten wir in dem kleinen Dorf Koli noch einkaufen bevor wir weiterfuhren in die Nähe von Joensuu. Wir haben nämlich das Grillen für uns entdeckt. Nein, dazu braucht man hier in Finnland keinen Griller mitschleppen.

    Wer in Finnland reist, stellt schnell fest: Die finnische Bevölkerung hat das Grillen im Freien zu einer absoluten Kunstform erhoben. Überall im Land – an einsamen Seeufern, mitten im tiefen Nationalparkwald oder auf felsigen Berggipfeln – stößt man auf sie: die offiziellen Grillstationen. Meistens sind es wunderschöne, rustikale Holzhütten, die zu einer Seite hin offen sind. Ihr finnischer Name: Laavu (oder Kotalavu, wenn sie rund wie ein Tipi gebaut sind).
    Das Faszinierende daran ist die tiefe Vertrauenskultur, die dahintersteckt. Jede dieser Stationen ist ein kleiner, autarker Luxusort für Naturbegeisterte. Man kommt an und findet fast immer ein perfekt organisiertes Set-up vor: einen soliden gusseisernen Rost über der Feuerstelle, windgeschützte Holzbänke und – das ist der absolute Clou – ein eigenes kleines Holzhäuschen direkt daneben. Darin stapelt sich trockenes, oft schon perfekt gespaltenes Birkenholz. Sogar eine Axt und eine Säge hängen meistens bereit. Alles kostenlos, bereitgestellt von der Forstverwaltung oder lokalen Gemeinden.

    Das System funktioniert tadellos, weil sich jeder an ein einfaches, wunderbares Gesetz hält: Hinterlasse den Platz etwas schöner, als du ihn vorgefunden hast. Das bedeutet: Müll wird strikt wieder mitgenommen, die Glut vor dem Aufbruch gelöscht und neues Holz für die nächsten Reisenden nachgelegt.
    Auch unsere heutige Grillstation liegt natürlich an einem See. Wir grillen einfach alles, was unser Kühlschrank hergibt und genießen den lauen Abend. Und nein, Mückenplage gibt es wider Erwarten überhaupt nicht.
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  • Tag 60: Spannendes Karelien

    June 13 in Finland ⋅ ☁️ 17 °C

    Wir sind jetzt also im Osten von Finnland, relativ nahe an der russischen Grenze und zwar in Karelien.

    Karelien. Ein Name, der nach Freiheit, unendlichen Nadelwäldern und tiefer Melancholie klingt. Wer den finnischen Teil dieser riesigen, geschichtsträchtigen Region bereist, merkt schnell: Das hier ist das emotionale Epizentrum Finnlands. Hier entstanden die uralten Runengesänge, aus denen später das finnische Nationalepos "Kalevala"zusammengetragen wurde. Karelien ist der Ort, an dem die finnische Identität ihre tiefsten Wurzeln hat.
    Doch was genau ist Karelien eigentlich?
    Geografisch gesehen ist es eine riesige Region, die heute zweigeteilt ist: Ein Teil gehört zu Russland, der andere – in dem wir gerade unterwegs sind – zu Finnland.

    Aber Karelien war nie nur eine Linie auf einer Landkarte. Es ist ein kultureller Schmelztiegel zwischen Ost und West, geprägt von einer jahrhundertelangen, oft schmerzhaften Geschichte.

    Die Geschichte Kareliens ist die Geschichte eines ewigen Grenzlandes. Jahrhundertelang rieben sich hier die Großmächte aneinander: auf der einen Seite das schwedische Königreich (und das spätere unabhängige Finnland), auf der anderen Seite das russische Zarenreich (und die spätere Sowjetunion).
    Während der Westen Finnlands lutherisch geprägt ist, brachte der östliche Einfluss die orthodoxe Kirche nach Karelien. Noch heute sieht man hier wunderschöne Holzkirchen mit den typischen Zwiebeltürmen und kleine Waldfriedhöfe, die eine ganz besondere, fast mystische Ruhe ausstrahlen.
    Der wohl tiefste Einschnitt kam mit dem Winterkrieg und dem Fortsetzungskrieg im Zweiten Weltkrieg. Finnland musste nach harten Kämpfen große Teile Kareliens – darunter die pulsierende Kulturmetropole Viipuri (heute Wyborg) und die fruchtbaren Gebiete um den Ladogasee – an die Sowjetunion abtreten.
    Über 400.000 Karelier verloren damals von heute auf morgen ihre Heimat. Sie packten das Nötigste ein und wurden im Rest Finnlands neu angesiedelt. Sie brachten ihre Kultur, ihre Herzlichkeit und ihre Küche mit – und prägten das Land damit bis heute.

    Wenn man heute auf die Landkarte schaut, wird einem erst richtig bewusst, wie radikal die Region damals zerschnitten wurde. Der weitaus größere Teil Kareliens liegt heute auf der russischen Seite der Grenze:
    Der russische Teil (die Republik Karelien) erstreckt sich über eine gewaltige Fläche von rund 180.000 Quadratkilometern. Das ist fast so groß wie halb Deutschland!
    Der finnische Teil, (aufgeteilt in Nord- und Südkarelien) bringt es zusammen auf gerade einmal knapp 30.000 Quadratkilometer.
    Der russische Teil ist flächenmäßig also etwa sechsmal so groß wie das karelische Gebiet, durch das wir gerade reisen.
    Noch faszinierender wird es, wenn man sich anschaut, wie ungleich die Menschen in Finnland verteilt sind. Wenn wir hier durch die Einsamkeit fahren, spüren wir es ohnehin jede Minute – aber die Statistik untermauert dieses Gefühl von unendlicher Freiheit:
    In ganz Finnisch-Karelien (Nord und Süd zusammen) leben heute nur etwa 290.000 Menschen. Zum Vergleich: In der Metropolregion rund um die Hauptstadt Helsinki drängen sich auf engstem Raum rund 1,6 Millionen Einwohner– also mehr als fünfmal so viele!
    Während sich unten im Süden das moderne, quirlige Leben ballt, verteilen sich die Menschen hier oben in den karelischen Wäldern auf riesige Flächen. Die Bevölkerungsdichte in Nordkarelien liegt bei gerade einmal knapp 8 Einwohnern pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: In der Region Helsinki sind es weit über 400. Wer die Einsamkeit, die Natur und ungestörte Stellplätze sucht, ist genau hier richtig.
    Was vom finnischen Karelien blieb, ist eine Region voller Stolz und lebendiger Traditionen. Die Menschen hier gelten als offener, redseliger und gastfreundlicher als im restlichen Finnland.
    Es ist diese Mischung, die uns in ihren Bann zieht: Die unberührte, wilde Natur, die tiefe Stille der karelischen Wälder und die Gewissheit, auf historischem Boden zu stehen. Karelien ist rau, es ist herzlich, und es erzählt Geschichten, die man so schnell nicht vergisst.

    Nachdem wir tief in die wechselvolle Geschichte eingetaucht waren, wollten wir diese karelische Seele natürlich auch hautnah spüren. Unser erster Weg führte uns deshalb in das wunderbare Freilichtmuseum in Lieksa, wo die alten, wettergegerbten Holzhöfe und Boote uns wie eine Zeitmaschine in den rauen Alltag der karelischen Vorfahren katapultierten. Von dort aus zog es uns weiter nach Paateri, dem magischen Ort im Wald direkt am Seeufer, an dem die berühmte Bildhauerin Eva Ryynänen lebte und wirkte. Ihre monumentale Atelier-Kirche aus mächtigen Kiefernstämmen hat uns schlicht den Atem geraubt – jede Holzschnitzerei dort erzählt von einer tiefen, fast mystischen Verbundenheit mit der Natur.
    Genau diese unberührte Natur umgibt uns auch jetzt, während wir uns auf einem wunderschönen Waldgrillplatz mit Dominik, einem jungen Deutschen auf Skandinavienreise, der zufällig des Weges kam und auch hier übernachten wird, über Erlebtes und Gefühltes auf dieser Reise austauschen. Das Feuer am Grill (ja wir haben den Grill ausführlich genutzt) verleiht auch dem heutigen Abend irgendwie eine magische, zur Landschaft passende Stimmung.
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  • Tag 59: Einfach mal Strecke machen

    June 12 in Finland ⋅ 🌧 20 °C

    Heute war der Plan, die 400 km durchzufahren von Kalajoki bis in den Osten von Finnland, also bis kurz vor die russiche Grenze . In der Früh haben wir am Hafen noch Wasser getankt. Zufällig kam ein Fischer daher, der gerade seinen frischen Fisch in die dafür vorgesehene Halle brachte. Ich hab ihn gleich angequatscht, ob er uns Fisch verkauft. Er verstand kein Wort englisch, ahnte aber worum es ging, da er sofort seine Frau zu Hilfe rief. Sie sprach auch kein Wort englich, aber irgendwie verstanden wir uns und ich bekam zwei schöne Lachsfische (keine wirklichen Lachse), sauber geputzt. Auf die Frage nach dem Preis winkten beide nur ab und so zogen wir mit unserer Beute glücklich von dannen.
    Ja und dann fuhren wir tatsächlich die 400 km. Auf der Strecke gibt es wirklich nichts zu verpassen. Die Suche nach einem Übernachtungsplatz gestaltete sich dann etwas schwierig, aber schließlich fanden wir in Lieksa am Pielinen See einen feinen Parkplatz vor einem Restaurant. Natürlich haben wir im Restaurant vorher gefragt, ob wir über Nacht bleiben durfen. Da sind zwar außerhalb des Restaurantparkplatzes unendliche viele ungenutzte Parkplätze, aber dort steht überall "Leiriytyminen kielletty". Muss man nicht verstehen, weil vor allem auch kein Piktogramm dabei ist. Aber wir haben das Übersetzungsprogramm bemüht und siehe da! das heißt "Camping verboten". Den Abend ließen wir also mit gebratenem Fisch, Kräuterbrot und viel Gemüse ausklingen.
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  • Tage 57/58: Nochmal ein Stück Richtung Süden

    June 11 in Finland ⋅ ☁️ 16 °C

    Gestern sind wir nochmal 130 km an der Küste Richtung Süden gefahren. Zunächst haben wir einen kurzen Stopp in Raahe gemacht, einst eine wohlhabende Handels- und Seefahrerstadt, heute ein netter Ort, der aber nicht viel zu bieten hat. Einige wirklich schöne Holzhäuser, ein skurriles Theater, ein feines Kaffee am Hauptplatz und eine höchst interessante Attraktion: Die sog. Klatschspiegel.

    Beim Spaziergang durch die charmanten Gassen von Raahe haben wir an manchen Fenstern ein kurioses Detail entdeckt: kleine, außen montierte Rückspiegel. Im Finnischen heißen sie juorupeili, was übersetzt genau das bedeutet, was sie waren – Klatschspiegel.
    Die cleveren Vorrichtungen kamen im 18. und 19. Jahrhundert aus Schweden an die finnische Küste. In einer wohlhabenden Seefahrer- und Handelsstadt wie Raahe erfüllten sie einen ganz praktischen Zweck: Man konnte gemütlich und windgeschützt in der warmen Stube sitzen, während man im Spiegel die Straße hinauf und hinunter blickte. Wer flaniert gerade vorbei? Wer spricht mit wem? Und ist vielleicht unerwarteter Besuch im Anmarsch? Die Spiegel machten es möglich, das Stadtgeschehen unbemerkt zu beobachten, ohne neugierig den Kopf aus dem Fenster strecken zu müssen.
    Gleichzeitig dienten sie der sozialen Kontrolle und waren ein echtes Statussymbol. Eine lokale Anekdote besagt sogar, dass die Besitzer des Landguts Fredriksberg so die örtlichen Buben im Auge behielten, die es auf die Äpfel im Garten abgesehen hatten.

    Lange haben wir uns in dem Ort nicht aufgehalten. Wir fuhren dann weiter nach Kalajoki, die Stadt mit den größten Sanddünen. Die Stadt haben wir uns geschenkt. Ein paar km weiter südlich liegt Rahja, ein Küstenort mit herrlichem Blick auf die finnischen Schären. Ganz in der Nähe fanden wir einen wunderschönen - vielleicht den bisher achönsten - Übernachtungsplatz am Meer und vor uns die Schären.
    Weil das Wetter wunderbar ist, der Platz wirklich idyllisch, haben wir heute früh beschlossen, einen Tag hierzubleiben. Kurze Wanderung zum nahegelegenen Fischerei- und Yachthafen und sonst einfach nur die Ruhe und Schönheit dieser Natur genießen.
    Jetzt ist übrigens Schluss mit Mitternachtssonne. Hier geht die Sonne heute um 23:58 Uhr unter und um 01:30 wieder auf.
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  • Tag 56: Überraschungsstellplatz am Meer

    June 9 in Finland ⋅ ☁️ 19 °C

    Wir sind immer noch an der Bottenwiek-Küste. Auch heute gab es wieder eine sehr schöne Überraschung. Wir fuhren 60 km südlich von Oulu einfach aus Neugier auf die kleine Landzunge Lumijoki. Da gibt es (fast) nichts, aber überraschenderweise einen feinen kleinen Stellplatz für 10€, wunderbar gelegen. Eine etwas skurrile Preisgestaltung haben sie dort, wenn man Strom braucht. Das kostet in der Theorie gleich 15 € mehr. Normalerweise brauchen wir nie Strom, aber heute hatten wir den Kühlschrank zu lange auf Strom laufen, was unser Strommanagement heftig durcheinanderbrachte und wir schließlich Landstrom brauchten. Auf meine Nachfrage, ob sie das wirklich ernst meinen mit +15€ für Strom, hat die Betreiberin dann nur abgewinkt und so haben wir keinen € mehr bezahlt. Super Platz, nettes Kaffee in einem alten Schiff und es gibt einen Fischer, der fangfrischen Fisch verkauft, nicht ohne ihn für uns zu filetieren, entgräten und entschuppen. Wir konnten also fangfrisches Barschfilet kaufen, das wir uns am Abend zubereitet haben. Eine Delikatesse!
    Auf dem Platz waren noch andere Wohnmobile mit wirklich netten Menschen und so gab es heute alles: Super Platz, frischen Fisch, nette Gespräche und Mitternachtssonne.
    Und besonders erwähnenswert: Hier in Finnland scheint uns die Wettergöttin wohlgesonnen zu sein.
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  • Tag 55: Oulu 2026

    June 8 in Finland ⋅ ⛅ 20 °C

    Da bekommst du einen Tipp, dass Oulu eine besuchenswerte Stadt ist. Du hast zwar den Namen der Stadt auf der Landkarte gesehen, aber dich nicht mehr darum gekümmert. Du folgst also dem Tipp und findest dich nach kurzer Fahrt zu deiner Überraschung in der europäischen Kulturhauptstadt 2026 wieder.
    Wir fanden einen offiziellen Parkplatz am Strand, ganz in der Nähe gab es auch wunderbar saubere Duschen, die wir auch sofort nutzten. In neuer Frische machten wir uns auf den Weg in diese interessante 220.000 EW-Stadt. Wir hatten keinen besonderen Besichtungsplan, sondern ließen die Stadt einfach auf uns wirken.
    Oulu nutzt das Jahr als Europäische Kulturhauptstadt unter dem zentralen Motto „Cultural Climate Change“, um Kultur, Kunst und modernste Technologie auf einzigartige Weise miteinander zu verbinden. Zusammen mit 39 umliegenden Gemeinden der arktischen Region bringt die Stadt ein riesiges, ganzjähriges Programm mit tausenden Events und internationalen Künstlern auf die Beine. Ein absolutes Highlight ist dabei das Arctic Food Lab, das die kulinarische Identität des Nordens feiert und lokale, arktische Aromen auf die Teller bringt. Auch Lichtkunst und digitale Medien spielen eine riesige Rolle, was sich in spektakulären, immersiven Tech-Kunst-Installationen und Festivals wie dem erweiterten Lumo Festival im November zeigt. Sogar die reiche Tradition der indigenen Sámi-Kultur wird durch zahlreiche Ausstellungen und öffentliche Aktionen tief in das moderne Kulturprogramm integriert. Klingt gut, wie die jungen Frauen in der Oulu 2026-Info versuchten, uns das alles zu erklären. Aber leider fangen die meisten Veranstaltungen und Projekte erst nächste Woche an. Schade. Aber dennoch finden wir das Motto "Cultural Climate Change" richtig gut gewählt.

    Die Stadt hat einen sehr lebendigen, stark bevölkerten Marktplatz mit Verkaufsständen und Imbissbuden und viele schöne Holzhäuser. Außerdem handelt es sich um eine sehr grüne Stadt. Sie liegt direkt an der Mündung des Oulujoki in den Bottnischen Meerbusen, und diese Mündung ist ein wunderschönes, weit verzweigtes Flussdelta.
    Das Besondere daran ist, wie die Stadt dieses Delta nutzt: Das Stadtzentrum erstreckt sich über mehrere Inseln (wie Pikisaari, Linnansaari und Kuusisaari), die alle durch Brücken miteinander verbunden sind. Früher war dieses Delta die Lebensader für den weltweiten Teerhandel; heute ist es ein fantastisches Naherholungsgebiet mitten in der Stadt, das man wunderbar zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden kann. Wir nutzen das schon mal, in dem wir die 4,5 km von unserem Strandparkplatz ins Stadtzentrum zu Fuß bewältigten- und natürlich auch den Rückweg, den wir aber erst nach dem Genuss einer wirklich ausgezeichneten Pizza antraten.
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  • Tag 54: Auf nach Finnland

    June 7 in Finland ⋅ ☀️ 16 °C

    So, heute sind wir in Finnland eingereist. Wir haben in Schweden, nicht weit weg von Haparanda, übernachtet. Haparanda ist der schwedische Grenzort zu Finnland, das finnische Gegenstück heißt Tornio. Diese beiden Orte kann man nicht unterscheiden, genau so wenig, wie man merkt, dass man plötzlich in Finnland ist. Das einzige deutliche Zeichen ist, dass sich die Handyuhr auf osteuropäische Zeit umstellt, also +1 Stunde und der Telefonanbieter meldet: Willkommen in Finnland.
    An der Grenze gibt es ein großes, grenzüberschreitendes Einkaufszentrum. Hier haben wir uns mit Lebensmitteln eingedeckt, erkannt, dass wir in Skandinavien wohl keine Bialetti Espressomaschine in der Größe, wie wir sie brauchen, bekommen werden. Aber Ersatz für meine verlorene Sonnebrille und Thomasˋ kaputte Lesebrille erstanden. Danach sind wir einfach auf der Autobahn ein Stück Richtung Süden gefahren. Das Wetter ist so schön, die Temperaturen um die 20 Grad und wir stehen jetzt zwischen Kemi und Oulu am Meer. Das hier ist die sog. Bottenwiek-Küste, die den nördlichen Abschnitt des Bottnischen Meeresbusen bildet.
    Empfangen wurden wir an diesem traumhaften Ort von einer Horde Mücken, die uns dazu veranlassten, alle Insektengitter zu schließen und uns mit stinkendem Insektenschutz einzusprühen. Dann kam plötzlich heftiger Wind auf, und weg waren die Viecher, auch jetzt noch, nachdem sich der Wind schon seit längerer Zeit gelegt hat.
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  • Tag 53: Letzter Tag in Schweden

    June 6 in Sweden ⋅ ☁️ 14 °C

    Heute nacht um 00:30 hat sich das Wetter doch noch gnädig gezeigt und wir  sind - fast schon unverhofft - zu unserer Mitternachts-Sonnenshow gekommen. War auch die letzte Chance, weil wir übernachteten hier am Berg Dundret zu letzten Mal nördlich des Polarkreises. Für jetzt gleich planen wir noch eine zünftige Bergwanderung hier heroben und dann gehts wieder nach Süden, Richtung Finnland.

    Frühstück wieder mit der kleinen Ersatz Bialetti-Maschine (Thomas hat Große  ja in einem der letzten Frühstückstaumel irreperabel vernichtet) - sind gespannt, ob wir in Finnland irgendwo Ersatz bekommen, immer zu wenig Kaffee in der Früh macht unrund.

    Also dann rein in die Wanderkleidung und raus in die Landschaft mindestens zum Gipfel des Dundret (821 m), aber wahrscheinlich werden es eh viel mehr. Das ging jetzt auch ganz gemütlich gute 2 km. Am Gipfel (nicht als solcher erkennbar) ein Selbstversorgerhaus noch im Wintermodus, ein tadellos funktionierendes WC und eine offene Notunterkunft - die Skandinavier sind bei diesen Einrichtungen absolut vorbildhaft. So, das war jetzt aber viel zu wenig, also weiter auf den Hebrotoppen (823 m) - jetzt sinds schon 5,5 km, schon langsam sollten wir wieder Richtung Auto drehen. Ist schon super, mit 200 Höhenmeter Aufstieg 2 Gipfel, zu Hause bist da noch nicht einmal auf der ersten Alm. Nach gut 3 Stunden und 12,2 km sind wir gut durchgelüftet beim Auto. Essen, essen .... natürlich hatten wir nichts mit.

    Kurze Reiseorientierung Richtung Finnland und dann gehts schon los. Haben beschlossen, ganz oben an der finnischen Meeresküste einen Planungstag für Finnland einzulegen, wir wissen nämlich noch nicht viel (Auf jeden Fall werden wir uns schamlos bei Andi und Ivy bedienen, die uns gerade irgendwo weiter östlich am Weg nach Norden kreuzen)

    Nach ca. 200 km Fahrt stehen wir auf einem kleinen Parkplatz am Fluß Kalixälven, der hier vor uns zu einen veritablen See aufgestaut ist. Jetzt regnets (warm), was die auch anwesenden Finnen nicht am exzessiven Fischen hindert, ein schwedisches Wohnwagengespann steht auch noch da. Essen: Super geräucherten Lachs von unserem letzten Campingplatzbesitzer, ein Gedicht !!! Dazu Kartoffeln und Salat. Das wars - gute Nacht und viel Spass beim Lesen und, wer hat.......Tipps für Finnland bitte an uns.
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  • Tag 52: Über den Polarkreis

    June 5 in Sweden ⋅ ☁️ 17 °C

    So, endlich: Heute haben wir den Polarkreis überschritten, 8 km südlich von Jokkmokk. Ist natürlich genauso unspektakulär, wie den Äquator zu überschreiten. Aber ich liebe solche Festlegungen.
    Dafür, dass wir auch heute wieder 200 km durch das Nichts gefahren sind, haben wir ganz schön viel erlebt.
    Zunächst also Polarkreis. Da macht man halt ein paar Fotos und fährt dann wieder weiter. Aber ganz was Spannendes haben wir gelernt: Der Polarkreis ist keine feste Linie, sondern wandert, weil die Erdachse im Weltall ganz leicht schwankt.
    Diese Neigung der Erdachse ändert sich in einem Rhythmus von rund 41.000 Jahren. Aktuell richtet sich die Erde dadurch etwas mehr auf, weshalb sich der Polarkreis im Durchschnitt um etwa 14 Meter pro Jahr nach Norden verschiebt. Das Schild südlich von Jokkmokk markiert also im Grunde nur einen historischen Zustand und wandert der Realität hinterher. Zusätzlich sorgen kurzfristige Schwingungen dafür, dass die Linie im Alltag sogar um einige Meter hin und her springen kann.
    Dann Jokkmokk mit einem ganz wichtigen Museumsbesuch:
    Das Ájtte-Museum in Jokkmokk ist das zentrale Kultur- und Naturmuseum der schwedischen Sámi und das absolute Herzstück der Region. Es vermittelt eindrucksvoll und authentisch die Jahrtausende alte Geschichte, Kultur und das Überleben der indigenen Bevölkerung in der rauen Natur Lapplands. Neben Einblicken in die traditionelle Rentierzucht und das faszinierende Kunsthandwerk (Duodji) wird auch die einzigartige Flora und Fauna der arktischen Gebiete beleuchtet. Besonders faszinierend ist die gelungene Verbindung aus historischem Erbe und den Herausforderungen der modernen samischen Identität. Für jeden Besucher ist diese lebendige Ausstellung der Schlüssel, um die Kultur und die Landschaft des Nordens wirklich zu verstehen.
    Und hier bin ich auch noch eine Erklärung schuldig: In früheren Blogeinträgen habe ich von Kirchenstädten der Sami gesprochen. Dieser begriff bedarf einer Erklärung:
    Samische Kirchenstädte (Kyrkstäder) sind historische Siedlungen aus einfachen Holzhütten oder hölzernen Koten (Kåtor), die direkt um eine Kirche herum errichtet wurden.
    Da die nomadisch lebenden Sámi oft tagelange Anreisewege durch die Wildnis hatten, dienten diese Hütten als feste Übernachtungsquartiere für die gesetzlich vorgeschriebenen Kirchgänge. Zweimal im Jahr – meist zu großen Festen wie Mittsommer oder im Winter – strömten alle zusammen, wodurch die Kirchenstädte zu lebendigen Zentren für Handel, Gerichtstage und Hochzeiten wurden. Im Gegensatz zu den schwedischen Bauerndörfern, die oft aus klassischen roten Holzhäusern bestehen, spiegeln die samischen Kirchenstädte wie Lappstaden in Arvidsjaur oder das Kirchdorf in Fatmomakke mit ihren Pyramidenformen die traditionelle Bauweise der Ureinwohner wider. Heute sind die verbliebenen Siedlungen faszinierende Kulturdenkmäler, die zeigen, wie der erzwungene christliche Glaube und das soziale Leben der Sámi aufeinandertrafen.

    Nach diesem höchst interessanten Stopp fuhren wir heute noch nach Gällivare. Auf dem Weg dorthin machten wir noch einen Abstecher zum Harsprängsfallet.
    Der liegt südlich von Porjus und war einst einer der mächtigsten und spektakulärsten Wasserfälle Europas. Heute ist er ein faszinierendes Monument des industriellen Wandels.
    Ursprünglich stürzte der Stora Luleälven hier auf einer Länge von zwei Kilometern über 75 Höhenmeter hinab. In den 1940er und 50er Jahren wurde der Fall komplett trockengelegt, um das Wasserkraftwerk Harsprånget*zu bauen.
    Mit einer Leistung von fast 1.000 Megawatt ist es das größte Wasserkraftwerk des Landes. Es erzeugt rund ein Prozent des gesamten schwedischen Stroms. Auch die weltweit erste 400-Kilovolt-Höchstspannungsleitung nahm hier 1952 ihren Anfang.
    Wo einst ohrenbetäubende Wassermassen tobten, blickt man heute in einen tiefen, rauen Canyon aus nacktem Fels. Über Treppen gelangt man zu einer Aussichtsplattform, die die gewaltige Dimension der eiszeitlichen Landschaft spürbar macht. Nur zu extrem seltenen Gelegenheiten – meist für Sicherheitsprüfungen oder im Rahmen der sommerlichen Fallens Dag-Tage im Umland – werden die Schleusen der 50 Meter hohen Staumauer geöffnet. Dann erwacht der mächtige Wasserfall für kurze Zeit wieder zum Leben.

    Danach besuchten wir noch ein altes Kraftwerk, das mittlerweile zum Museum umfunktioniert wurde. Leider konnten wir dieses schönen Gebäude nur von außen besichtigen. Warum wohl? Vorübergehend geschlossen.

    Und schließlich kamen wir nach Gällivare
    Unbedingt sehenswert: Das Bahnhofsgebäude von 1893 ist ein echtes Prachtstück und steht heute unter Denkmalschutz.
    Der Bahnhof war der Schlüssel für den Aufstieg der Region, da hier die Erzbahn (Malmbanan)und später die berühmte Inlandsbahn (Inlandsbanan) zusammentrafen.

    Außerdem gibt es auch noch ein Schloss: Fjällnäs Slott. Es liegt idyllisch am Fuße des Dundret-Berges und gilt als eines der schönsten und historisch wertvollsten Holzgebäude in ganz Nordschweden. Heute wird es privat als exklusives Hotel und Restaurant betrieben, ist aber schon von außen ein fantastisches Fotomotiv vor der nordschwedischen Naturkulisse.
    Jetzt aber sitzen wir am Dundret-Berg und warten hier auf die Mitternachtssonne, falls sich die Wolken verziehen.
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  • Tag 51: Weiter Richtung Norden

    June 4 in Sweden ⋅ ☀️ 20 °C

    Am Campingplatz haben wir heute noch Räucherlachs (vom Besitzer gefangen, geräuchert und filetiert) und Elchbratwürste (hausgemacht) mitgenommen. Elchbratwürste zum Ausprobieren, Räucherlachs, weil der gestern Abend sooo gut geschmeckt hat. Zunächst fuhren wir dann weiter nach Sorsele, wo es für uns 2 wichtige Sachen gibt: 1. Einen ICA, zum Lebensmitteleinkauf
    2. Ein Eisenbahnmuseum, das Einblicke in die Geschichte der Inlandbanan gibt.

    Wer an Schwedens Norden denkt, hat endlose Wälder, glasklare Seen und Einsamkeit vor Augen. Genau mittendurch schneidet ein technisches Meisterwerk, das fast in Vergessenheit geraten wäre: die Inlandsbanan. Auf knapp 1.300 Kilometern verbindet diese historische Eisenbahnlinie Kristinehamn im Süden mit Gällivare weit hinter dem Polarkreis.
    Anfang des 20. Jahrhunderts (Bauzeit 1908–1937) hatte Schweden ein logistisches Problem: Das Inland war im Grunde unerschlossen, und die wichtige Bahnlinie an der Ostküste war im Falle einer Invasion extrem verwundbar. Die Inlandsbanan wurde deshalb als strategische Sicherheits- und Verteidigungsroute tief in die Wälder gebaut.
    Zehntausende Bahnarbeiter (Rallare) trotzten jahrzehntelang Mücken, eisigen Wintern und härtestem Terrain, um die Gleise Schaufel für Schaufel zu verlegen. Doch mit dem Ausbau der Straßen verlor die Strecke an Bedeutung. 1992 stand sie kurz vor dem endgültigen Aus, bis sich die anliegenden Gemeinden zusammenschlossen und die Bahn retteten.

    Heute ist die Strecke im Sommer (ca. Mitte Juni bis Ende August) ein absolutes Highlight für Naturbegeisterte. Der Zug ist hier kein reines Transportmittel, sondern rollendes Kulturprogramm: Die Zugbegleiter fungieren als Guides, teilen Anekdoten, und es wird gestoppt, wenn Elche auf den Schienen stehen oder die Fahrgäste Fotos am Polarkreis machen wollen.
    Selbst das Essen wird vorab per App oder Zugchef bestellt: An kleinen Bahnhöfen sammelt man dann fangfrischen Fisch, Rentiergeschnetzeltes oder frische Moltebeeren von lokalen Höfen ein.
    Durch die veränderte geopolitische Lage in Nordeuropa und den NATO-Beitritt Schwedens rückt der strategische Wert der Inlandsbanan für den zivilen und militärischen Schutz aktuell wieder voll in den Fokus. Es wird kräftig in die Instandhaltung investiert.
    Neben den klassischen Triebwagen gibt es spektakuläre Nostalgiezüge – teilweise mit echten Dampflokomotiven und eleganten Speisewagen aus den 1940er Jahren, die das Flair der alten Pionierzeit perfekt aufleben lassen.

    Dieses Wissen haben wir uns im kleinen Eisenbahnmuseum im Sorsele mühsam mit Übersetzungsprogramm angeeignet. Das Museum ist nett und durchaus einen Besuch wert. Vor allem auch, weil hier eine kompetente Schweizerin, die seit 18 Jahren in Sorsele lebt, Regie führt. Sie betreut das Museum, das der Gemeinde gehört. Dazu hat sie ein kleines Café eröffnet, wo es herrliche Waffeln gibt. Und sie gibt auch Auskunft über die Umgebung von Sorsele, was allerdings mangels Aktivitätsmöglichkeiten ein eher verzweifeltes Unterfangen ist.
    Leider war es uns auch verwehrt, die Inlandsbanan selber zu genießen, weil sie erst ab Mittsommer wirklich in Betrieb geht.

    Nach diesem netten Intermezzo fuhren wir weiter Richtung Norden, wo wir einem Tipp der Frau in Sorsele folgten und eine kurze, aber wirklich empfehlenswerte Wanderung zum Gimegolts Canyon machten bevor wir wieder über 100 km auf schnurgerader Straße durch absolutes Nichts (keine Siedlung, keine Menschen, keine Autos) abspulten. Auf einem schönen Übernachtungsplatz konnten wir dann auch noch die Nachtsonne genießen.
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  • Tage 49/50: 2 Tage Campingplatz

    June 3 in Sweden ⋅ ☁️ 15 °C

    Jetzt sind wir den 6. Tag wieder in Schweden und stehen derzeit auf dem wunderschönen Campingplatz  in Blattnicksele (südlich von Sorsele) 

    Seit langem wieder einmal: reorganisieren, Wäsche waschen, Herunterkommen, Sauna gehen, wunderbaren Lachs essen  (vom Besitzer selbst gefangen, geräuchert und heute abend serviert) und nicht zuletzt, die letzten Reisetage reflektieren und die Weiterreise planen.

    Das wohl erwartete, aber dennoch spannende Ergebnis: Planänderung. Nordkap wird gecancelt. Warum das? Wir haben uns so gefreut, wieder nach Schweden zu kommen. Norwegen war zwar wunderschön, hatte aber doch neben wirklich wunderbaren Erlebnissen, eine schwierige Grundstruktur: Kalt, zu viel Schnee und viele Regentage. Egal, wir haben uns auf Schweden gefreut - mit sanfteren grünen Wiesen, Wäldern und Hügeln, den wunderschönen Seen überall. Wir haben auch gewusst, dass es hier hauptsächlich Natur gibt und ein paar kulturelle Highlights, die sich hauptsächlich auf das Leben, die Geschichte und die Kultur der Samen beschränken,

    Und dann wuchs von Tag zu Tag die Erkenntnis: Was wir von Anfang an von Norwegen wussten, setzt sich hier in aller Härte fort....wir sind  um 3 Wochen zu früh dran. Nichts, aber schon gar nichts ist abseits von der herrlichen Natur möglich. Kein Museum, keine Veranstaltung, keine Galerie, kein Dampflokfahrt mit der "Inlandsbanan", keine Wanderung über 500 Höhenmeter, auch hier noch zu viel Schnee, wenig Menschen für die Kommunikation und das Wetter ändert sich auch nicht nachhaltig, nicht ganz, aber doch halb schlecht bis hin zum Gewitter, in das wir gerieten und die Kälte begleitet uns weiter, sie schleicht sich schon bis in die Knochen. Ganz abgesehen vom überdurchschnittlichen Gasverbrauch.
    Ganz Nordschweden befindet sich nach dem harten Winter in einer Art Ruhezustand, der genau mit Mittsommer endet und ab dann funktioniert wirklich alles, davor nichts.

    Jetzt hier auf diesem wunderbaren Platz - etwas zur Ruhe gekommen - haben wir uns gefragt, wollen wir diesen Zustand zwei Wochen weiter aufrecht erhalten, um das Nordkapp zu erreichen? Unsere Antwort ist jetzt ganz klar - Nein. Wir würden weitere 2000 km hin und zurück brauchen in wunderschöner Landschaft mit nichts außer links und rechts hauptsächlich schmalwüchsigen Birken, Föhrenwäldern und Seen. Das ist immer mehr vom Gleichen ohne Abwechslung. Und der Wetterbericht ist auch keine Verheißung.
    Deshalb werden wir in Jokkmokk (Hier wird das einzige Museum Nordschwedens offen sein) am Polarkreis  - wenigstens dieser - wenden und uns in Richtung Finnland fortbewegen. Und sollte es im Norden Finnlands auch so so sein wie hier - was wir nicht glauben - dann ist das auch kein Problem, weil bis dahin ist ja schon fast Mittsommer und das wissen auch die Finnen zu feiern.

    Also.... wie schon öfter - neuer Plan, neue Ufer !

    Übrigens: Die Mückensaison hat begonnen. Heute noch sehr zaghaft...
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  • Tag 48: Der Ort Vilhelmina

    June 1 in Sweden ⋅ ☁️ 14 °C

    Von unserem Übernachtungsplatz mussten wir heute wieder talauswärts fahren, d.h. einen Teil der gestrigen Strecke in die andere Richtung. Hier wollten wir heute noch eine kleines, feines Künstlermuseum besichtigen, das gestern geschlossen hatte. Ricklundgården ist ein geschichtsträchtiges Künstlerhaus, Museum und internationales Kunst-Residenzprogramm (Artist-in-Residence) im nordschwedischen Fjäll-Dorf Saxnäs (Gemeinde Vilhelmina, Lappland).
    ​Es liegt auf einem Hügel direkt am See Kultsjön mit spektakulärem Blick auf das Marsfjäll-Massiv und soll wirklich sehenswert sein. Hatte aber leider auch heute geschlossen.
    Danach machten wir auf unserem heutigen Weg nochmals bei den Stromschnellen Halt und fuhren dann weiter nach Vilhelmina. Benannt nach der schwedischen Königin Frederika Dorotea Wilhelmina, ist der charmante Ort weit mehr als nur ein praktischer Zwischenstopp zum Auftanken. Hier atmet man nordschwedische Kultur und Geschichte auf Schritt und Tritt.
    Wir haben uns aber zunächst im dortigen ICA mit Lebensmitteln versorgt und besuchten dann die wunderschön erhaltene Kirchstadt aus dem 19. Jhdt. Hier dürfte es im Sommer, also nach Mittsommer, recht lebendig zugehen. Heute waren wir nahezu die einzigen Besucher*innen. Da es nicht viel zusehen gab, sondern die Häuser nur von außen bestaunt werden konnten, hatten wir noch genügend Zeit und Energie, eine kleine, markierte Wanderung gleich hinter der Kirchstadt in den nahe gelegenen Wald zu unternehmen.
    Heute fuhren wir dann wieder weiter zu einem schönen Übernachtungsplatz knapp an der E45 an einem - wie soll es anders sein- wunderschönen See. Hier machten wir am späten Abend noch eine zünftige Wanderung, bei der wir allerdings von einem ordentlichen Gewitter überrascht wurden. Nachdem es ja 24 Stunden Tag ist, wirklich Tag, braucht man wenigstens keine Angst zu haben, in die Dunkelheit zu geraten, auch, wenn man, wie wir, erst um 20 Uhr aufbricht.
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  • Tag 47: Ab heute in Lappland

    May 31 in Sweden ⋅ ☁️ 10 °C

    So, jetzt sind wir unterwegs in schwedisch Lappland
    Hinter uns liegt eine unsichtbare Grenze, vor uns die absolute Freiheit oder das absolute Nichts. Wir werden sehen. Jedenfalls haben wir endlich Lappland erreicht – eine Region, die nicht nur geografische Dimensionen sprengt, sondern uns auch kulturell tief staunen lässt.
    Hier die faszinierendsten Fakten, die diesen Ort so einzigartig machen.

    Schwedisch-Lappland nimmt gut ein Viertel des gesamten schwedischen Staatsgebiets ein. Mit rund 109.000 Quadratkilometern ist diese historische Provinz wesentlich größer als Österreich!
    Traditionell zieht man die Grenze knapp nördlich von Östersund. Sobald man landeinwärts auf den Inlandsvägen (E45) einbiegt, verändert sich die Welt: Die Zivilisation tritt zurück, die Nadelwälder werden tiefer, und die magischen Bergketten (Fjälls) rücken näher.
    In dieser gigantischen Wildnis leben gerade einmal rund 90.000 Menschen. Das bedeutet: weniger als ein Einwohner pro Quadratkilometer! Zum Vergleich: In Deutschland teilen sich im Schnitt über 230 Menschen denselben Platz.
    Die Besiedlung ist extrem konzentriert. Das Leben spielt sich fast ausschließlich in kleinen Siedlungen entlang der großen Flusstäler oder in den wenigen urbanen Zentren wie Kiruna oder Gällivare ab. Dazwischen liegt einfach nur unberührte Natur.
    Die wahren Hüter dieser Region sind die Samen (Sámi), das einzige anerkannte indigene Volk Europas. Ihr traditionelles Land Sápmi erstreckt sich weit über die Staatsgrenzen von Schweden, Norwegen, Finnland und Russland hinweg. Seit Jahrtausenden leben sie hier im Einklang mit den Jahreszeiten, tief verwurzelt in der Rentierzucht, dem Fischfang und ihrem traditionellen Handwerk (Duodji). Sie prägen die Identität Lapplands bis heute ganz entscheidend.

    Wer hier oben unterwegs ist, dem fällt sofort etwas auf: Viele blaue Ortstafeln tragen zwei Namen – wie zum Beispiel "Vuollerim" und direkt darunter "Vuolleriebme".
    Das ist kein touristischer Gag, sondern das Ergebnis eines langen Kampfes der Sámi um Anerkennung ihrer Kultur. Seit dem Jahr 2000 ist Samisch eine offiziell geschützte, regionale Amtssprache. In den lappländischen Gemeinden haben die Menschen das Recht, mit Behörden komplett auf Samisch zu kommunizieren. Die Schilder holen die Jahrtausende alten, originalen Ortsnamen aus der samischen Erzähltradition zurück ins Straßenbild.
    Diese Entwicklung erinnert stark an das Autonomiestatut in Südtirol – auch dort wurden historische Minderheitensprachen nach Jahrzehnten der Unterdrückung endlich wieder gesetzlich geschützt und sichtbar gemacht.

    Um es positiv zu formulieren: Lappland entschleunigt ab der ersten Minute. Aber für uns nagt schon heute die Frage im Hinterkopf: Was tun wir eigentlich hier?

    Aber nun kurz zu unserem heutigen Tag: Unser wichtigstes Ziel heute war Fatmomakke an der Vildmarksvägen. Diese Straße könnte man gut bis zum Stekkenjokk, einem wunderbaren Aussichtsberg bzw. Pass befahren. Aber leider erst ab 7. Juni. Bis dahin ist die Passstraße wegen Schnees und wegen der Rentierjungen gesperrt. Sehr schade. Um nicht auf der schnurgeraden E45 zu bleiben, haben wir eine alternative Route nach Fatmomakke gefunden und diese freudig befahren. Hätten wir bloß nicht. 50 km der 90 km langen Alternative entpuppten sich nämlich als Schotterstraße. Nervig und zeitraubend.
    Aber bis Fatmomakke kamen wir trotzdem. Zuerst aber passierten wir die faszinierenden Stromschnellen Trappstegforsen. Sie verdanken ihren Namen ihrer markanten Form: Das Wasser des Flusses Kultsjöån stürzt hier wie über eine riesige, breite Treppe in zahlreichen kleinen Kaskaden herab. Die Stromschnellen liegen direkt an der Straße (etwa 5 Kilometer südlich von Saxnäs). Leider regnete es ausnahmsweise, sodass der Aufenthalt an diesem Naturschauspiel recht kurz war. Dann ging es weiter nach Fatmomakke, ein altes samisches Kirchendorf, das vielfach angepriesen wird. Aber leider: Man kann das Dorf zwar ansehen, aber es wirkt wenig gepflegt und sonst gibt es absolut nichts. Wirklich zum Leben erwacht es erst am Mittsommerwochenende. Schon wieder sind wir etwas enttäuscht und es regnet. Aber auch ein tolles Highlight: Auf dem Weg zum Übernachtungsplatz behinderte eine Rentierherde unsere Weiterfahrt. Wir waren begeistert.
    Jetzt heißt es nur noch, einen Übernachtungsplatz finden. Das gelang uns dann doch noch zufriedenstellend. Davor haben wir auf der einzigen Tankstelle auf 200 km (davon, wie schon erwähnt, 50 km Schotterstraße) Sprit aufgefüllt, sicher den teuersten dieser Reise: 22,25 SEK pro Liter (das sind 2,066€)
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  • Tag 46: Östersund und nach Norden

    May 30 in Sweden ⋅ ☁️ 13 °C

    Der Übernachtungsplatz in Östersund war super, auch wenn hier die Menschen die ganze Nacht feiern und grillen und spazieren gehen und manche Hartgesottenen gehen sogar ins Wasser. Aber ist ist alles ganz gemütlich und friedlich. Nach Norwegen ist hier die Freundlichkeit der Menschen wieder auffallend.
    Aber: Das Wetter mag uns nicht wirklich. Es war den ganzen Tag regnerisch, erst jetzt am Abend wurde es richtig schön.

    Also Östersund: Wir waren guten Willens, wollten den Ort besichtigen- kann man. muss man nicht. Und wir besuchten das vielgepriesene Jamtli - Museum. Kann man, muss man nicht. Für das, was es zu dieser Jahreszeit zu bieten hat, ist es schlichtweg zu teuer. Immer wieder kommen wir drauf, dass einfach nicht jedes angepriesenen Highlight wirklich sehenswert ist. Dennoch hier ein paar Infos zu Jamtli:
    Das Jamtli in Östersund wird oft als eines der besten Freilichtmuseen Schwedens angepriesen. Ich bin ein absoluter Fan von Freilichtmuseen, aber wenn das so ist, brauche ich mir hier keines mehr anzusehen.
    Dennoch: Wer durch die schwedische Region Jämtland reist, stolpert unweigerlich über das Jamtli in Östersund. Es ist eine Mischung aus modernem Hallenmuseum (inklusive einer Filiale des schwedischen Nationalmuseums) und einem weitläufigen Freilichtmuseum mit historischen Höfen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert.
    Was es theoretisch gäbe:
    Die Överhogdal-Tapeten: Das unbestrittene historische Highlight im Innenbereich. Diese gut erhaltenen Wikinger-Textilien stammen aus der Zeit zwischen 800 und 1100 n. Chr. und zeigen detailreiche Motive von Menschen, Pferden und Fabelwesen.
    Das Freilichtmuseum: Ein weitläufiges Areal mit originalen Holzgebäuden, die den historischen Alltag der Region abbilden sollen. Im Sommer (Hauptsaison) wird das Gelände durch Schauspieler („Jamtli Historieland“) zum Leben erweckt. Jetzt ist aber alles geschlossen, nichts beschriftet und wenn doch, dann nur auf Schwedisch
    Das Museum beleuchtet auch die Geschichte und die tiefen Spuren der samischen Kultur in dieser Region.

    Ok, wir hatten uns in Kultur versucht, haben auch die einen oder anderen wichtigen Infos bekommen, mehr gibt Östersund zu dieser Jahreszeit wohl nicht her. Wir machten uns also zu Fuß wieder Richtung Parkplatz am See und fuhren weiter nach Norden, wo wir in der Nähe des Ortes Dorotea an einem schönen See einen feinen Übernachtungsplatz fanden und sogar die Abend- bzw. Nachtsonne genießen konnten. Noch gibt es ja Sonnenuntergang und-Aufgang. Dazwischen liegen 2,5 Stunden.
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