• Tag 73 und 74: Helsinki

    June 26 in Finland ⋅ ☁️ 19 °C

    ... und 5. Tag der Saunarunde
    Jetzt also Helsinki: Die letzte Station unserer Skandinavienrundreise. Ab morgen sind wir definitiv auf der Heimreise.
    Diesen Footprint muss ich ein bisschen mit Überschriften strukturieren

    Helsinki im Kontrast: Von historischer Stille zur lebendigen Vielfalt
    Zwei intensive Tage in der finnischen Hauptstadt liegen hinter uns – es sind die letzten Tage unserer großen Skandinavien-Rundreise. Wir stehen mit unserem Camper auf einem Übernachtungsplatz direkt am Wasser und blicken auf eine Stadt zurück, die sich uns in all ihren Facetten präsentiert hat. Helsinki, im 16. Jahrhundert von den Schweden als Handelsrivale zu Tallinn gegründet und später unter russischer Herrschaft zur monumentalen Hauptstadt ausgebaut, zeigt heute eine bemerkenswerte Balance zwischen historischer Würde und moderner, offener Lebensqualität.

    Tag 1: Klassizismus, Jugendstil und die Festung im Meer
    Unser erster Tag begann im historischen Herzen. Der Senatsplatz mit dem alles überragenden, schneeweißen Dom präsentierte sich uns fast menschenleer. Das gab uns die seltene Gelegenheit, die strenge, perfekt proportionierte klassizistische Architektur des Berliner Baumeisters Carl Ludvig Engel ganz in Ruhe zu bewundern. Genau hier spürt man die Geschichte: Der Platz sollte im 19. Jahrhundert die Macht des russischen Zarenreichs demonstrieren – heute ist er das friedliche Postkartenmotiv eines zutiefst demokratischen Landes.
    Einen völlig anderen architektonischen Charakter erlebten wir im angrenzenden Viertel mit seinen wunderschönen Jugendstilhäusern (Katajanokka). Die finnische Spielart des Art Nouveau, der „Nationale Romantik“-Stil, nutzt oft grob behauene Granitsteine und Naturmotive. Er erzählt von der Identitätssuche der Finnen um das Jahr 1900.

    Am Nachmittag setzten wir mit der Fähre zur Festungsinsel Suomenlinna über. Die „Burg Finnlands“, die im 18. Jahrhundert von den Schweden (damals als Sveaborg) zum Schutz gegen Russland erbaut wurde und später doch in russische Hände fiel, ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Die mächtigen Wallanlagen und Tunnelmitten im glitzernden Meer bei bestem Wetter zu erkunden, war ein eindrückliches Erlebnis.

    Der krönende Abschluss des Tages war jedoch der Besuch einer äußerst skurrilen, kultigen Institution: der Sompasauna. Diese selbstgebaute, kostenlose Gemeinschaftssauna ist rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr geöffnet und wird komplett von Freiwilligen betrieben. Gestern Abend herrschte dort ein reger Andrang, getragen von einer wunderbar friedlichen, toleranten und unkomplizierten Stimmung – ein echtes Stück authentischer Helsinkier Lebenskultur direkt am Wasser.
    Mit diesem 5. und beeindruckendsten Saunaerlebnis endete auch unsere Saunarunde.

    Tag 2: Moderne Architektur und lebendige Gegenwart
    Der heutige Tag stand im Zeichen der Moderne und des Kontrasts. Vom Bahnhofsviertel – dessen Hauptbahnhof ein Meisterwerk des späten Jugendstils von Eliel Saarinen ist (bewacht von den ikonischen, monumentalen Fackelträgern aus Stein) – wanderten wir weiter zur Zentralbibliothek Oodi. Dieses Gebäude ist weit mehr als ein Ort für Bücher; es ist das „Wohnzimmer der Stadt“, eine architektonische Meisterleistung aus Holz und Glas, die zeigt, wie Finnland Kultur und Bildung im 21. Jahrhundert zelebriert.
    Vorbei an Alvar Aaltos berühmter Finlandia-Halle, einem Schlüsselwerk des finnischen Funktionalismus, steuerten wir die Felsenkirche(Temppeliaukio) an. Da sie Mittagsruhe hatte, kehrten wir zunächst ins Zentrum zurück und gerieten mitten in die Pride Parade.
    Der Kontrast hätte nicht größer sein können: Letzten Samstag noch erlebten wir die traditionelle, fast intime Ruhe des Mittsommerfestes in Pelinki – heute eine farbenfrohe, pulsierende und laute Demonstration für Vielfalt und Menschenrechte im Herzen der Metropole. Helsinki zeigt sich heute als extrem liberale, moderne Gesellschaft.
    Nach diesem bunten Trubel besichtigten wir schließlich die Felsenkirche. Das in den anstehenden Granitfels hineingesprengte Gotteshaus mit seinem Kupferdach ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Natur und Architektur miteinander verschmelzen können. Die Akustik im Inneren, verstärkt durch die unbehauenen Felswände, ist phänomenal.

    Abschied von Skandinavien
    Insgesamt 12 Kilometer sind wir heute kreuz und quer durch die Stadt gewandert, bevor uns der Bus zurück zu unserem Stellplatz brachte.
    Morgen schlagen wir das nächste Kapitel auf: Wir setzen mit der Fähre nach Tallinn über. In fünf oder sechs Etappen wird uns der Weg über das Baltikum und Polen zurück nach Hause führen. Das Fazit zu Skandinavien folgt demnächst
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