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  • Day3

    Lima II

    November 4, 2016 in Peru ⋅ ⛅ 20 °C

    Ich muss mich korrigieren: Bei Pisco (er heißt wirklich so) handelt es sich nicht um einen mexikanischen, sondern um einen peruanischen Nackthund. Beide Rassen sind jedoch eng verwand. Nackthunde gelten in Peru seit der Zeit der Inka und vermutlich sogar noch darüber hinaus als Kulturgut, da ihnen neben ihren sehr treuen und verlässlichen Eigenschaften als Begleieiter und Freund auch Heilkräfte zugesprochen wurden. Die andinen Staaten gelten ja gemeinhin auch heute noch als Mekka der esotherischen Medizin. Pisco trägt übrigens an kalten Tagen ein Hawaiihemd, das ihn vor der Kält schützen soll (Info: https://de.wikipedia.org/wiki/Peruanischer_Nackthund).

    Wir haben unseren ersten Tag in Lima dazu genutzt, den Stadtteil, der uns beherbergt zu erkunden. Miraflores ist eine recht moderne, wohlhabende und gepflegte Gegend. Sie gilt als eines der Zentrene des Limaer Nachtlebens und grenzt direkt an die Steilküste der Stadt, die man kilometerlang entlangflanieren kann. Hier haben wir auch Andreas aus Hamburg kennen gelernt. Er erzählte uns, dass er von einem Taxifahrer bestohlen wurde, der mit all seinem Hab und Gut davon gefahren sei. Er säße nun in Lima fest, bis die Botschaft ihm einen neuen Pass ausgestellt hat und er das Land verlassen kann. Zudem erzählte er, dass man ihm zwar ein Hotelzimmer organisiert, ihm aber keine finanziellen Soforthilfen gewährt habe. Kurz: Er bat uns um Geld, um etwas zu Essen einkaufen zu können.
    Das war eine ungemein schwierige Entscheidung, denn auf der einen Seite klingt seine Geschichte so, wie 1000 andere Betrugsmaschen, auch kannten wir uns nicht mit der Gepflogenheiten von Botschaften in Bezug auf finanzielle Soforthilfe nach Diebstählen aus. Auf der anderen Seite ist es uns wichtig, Solidarität mit in Not geratenen Reisenden zu zeigen. Wir baten ihn darum, uns kurz etwas Zeit zur Beratung zu geben und entschieden uns dann dazu, ihm 50 Soles, was etwa 12,50 entspricht, zu geben. Ausschlaggebend war, dass wir dachten, dass er auf das Geld angewiesen sein müsse, selbst wenn seine Geschichte erfunden gewesen sein sollte. Für Andreas spricht übrigens, dass ich mal ins Konsularvertretungsgesetz geschaut habe und dort steht, dass finanzielle Soforthilfe nur in ausgewählten Ausnahmefälle gewährt wird. Auch wenn wir natürlich anhaltend unsere Zweifel haben (wie auch nicht, wenn man jemandem Geld gibt, der sich nicht ausweisen kann?), glauben wir, dass das Ganze bestimmt nicht schlecht für unser Reise-Karma gewesen ist.

    In Lima fällt besonders der Verkehr auf. Ampeln gelten scheinbar sowohl für die meisten Fußgänger als auch für so manche Autofahrer weniger als Vorschrift und mehr als Empfehlung. Man hört selbst als „ordentlicher Deutscher“ schon nach wenigen Straßenüberquerungen auf, dem Ampelsystem zu vertrauen und nimmt sie von mal zu mal weniger wahr. Gegangen wird, wenn die Gelegenheit sich bietet und die Überquerung der Straße sicher ist. Außerdem ist auch das Hupen als Kulturgut anzusehen. Einige Autos sind mit Sirenen ausgestattet, mit denen Sie andere Verkehrsteilnehmer zum schneller Fahren ermahnen. Auch ein Taxi mit Blaulicht haben wir gesehen.

    Peruaner gelten als sehr gepflegt, insbesondere in Bezug auf ihre Kleidung. Selbst bei den meisten bettelnden Menschen merkt man, dass sie auf ihre Gaderobe achten. Etwas aus der Art schlagen hingegen die Horden junger Mädchen, die irgendwelchen schrecklichen Moden verfallen sind. Mehr dazu aber beim nächsten Mal.
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