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  • Jan30

    Khop Chai Lei Lei

    January 30 in Laos ⋅ ⛅ 24 °C

    Zehn Uhr daheim, sechzehn Uhr Laoszeit, verraten mir zwei der vielen Uhren im Flur des Hostels in Luang Prabang. Habe heute bereits meinen Pass aufs vietnamesische Konsulat getragen fürs Visum, und danach mit Amy aus den Staaten, die in Shanghai als Lehrerin arbeitet, und mit den Chefs Zou Lao und Leng Lee sieben verschiedene laotische Gerichte gekocht. Es ist eine andere Küche als bei den Thai, viel mehr Gemüse. I like!

    Amy wurden gerade die Ferien zum chinesischen Neujahr verlängert, als Antivirus-Programm. Während mich aus Deutschland manche besorgt anfunken, hält sich hier im Land die Panik in Grenzen. Die Laotische Regierung will ihrem Volk wohl lieber vermitteln, dass Glück und Wohlstand aus China kommen, während bei uns Übel und Verderben eher ins Bild passen.

    Liebe auf den ersten Blick mit Laos. Dankeschön heisst Khop Chai Lei Lei, das allgegenwärtige Beerlao wird nach DDR-Rezept aus laotischem Reis und deutschem Hopfen gebraut, und es gibt richtiges Brot zu kaufen. Bei meiner Freude über die erste belegte Stulle nach Monaten Nudelsuppe habe ich mich schon arg Deutsch gefühlt. Das Brot ist allerdings französisch, Baguettes und Croissants. Es treiben sich auch überdurchschnittlich viele französische Touristen hier rum. Irgendwie lustig, dass es die ehemaligen Kolonialmächte immer noch zuhauf in ‚ihre‘ Länder zieht.

    Ich durfte nicht ins Land einradeln, aber einreisen ging, Rad in den Bus für 200 Meter Freundschaftsbrücke, und vier Schalter und 30 Dollar später prangte der Stempel im Pass.

    Habe mir dann zwei Tage im SlowBoat über den Mekong den Popo plattgesessen, inklusive Stranden auf einer Sandbank im Nirgendwo mit defektem Motor.

    Bei zweimal sieben/acht Stunden ‚langer, ruhiger Fluss‘ schwappte irgendwann die Melancholie über die Reling. Habe sie auch in vielen anderen Augenpaaren gesehen. Bei den Einheimischen mit Kindern und Hühnern auf dem Schoß, und auch bei manchen der Backpacker mit ihren Freundinnen, Vollbärten, Tattoos und Jungs-Dutts auf dem Oberkopf. Die haben das dann meist mit ordentlich Beerlao wieder weggespült.

    So in Horden geht mir eine gewisse Sorte Traveller manchmal ziemlich auf den Geist, muss ich unter uns zugeben, das ganze ‚Did you do this and that...?‘ - als ob man ein Land nicht mehr bereist, sondern gemacht, erledigt hat. Und dann denke ich, bin ich echt schon ähnlich drauf wie dieses kleine Zeit-Büchlein, das ich lese, und das die gute Art zu reisen von den weniger guten unterscheidet? Ist doch toll, wenn die 20/30-something Generation unterwegs ist.

    Vielleicht hatte ich auch ein kleines bisschen Pärchenneid, um die Schulter zum Anlehnen, während die Dörfer am Mekongufer vorbeiziehen und der Fluss Badewanne, Waschmaschine, Wasserhahn, Spielplatz und Hauptverkehrsader für die Menschen dort ist. Und Lottobude, es wird tatsächlich nach Gold geschürft. Und Latrine und manchmal Mülleimer wohl auch. Was für ein anderes Leben.

    Als dann statt der regulären 80 Passagiere gut anderthalbmal so viele an Bord waren, gab es Anlehnschultern für alle, ob man wollte oder nicht. Ich saß inmitten einer laotischen Großfamilie und fand‘s prima.

    Luang Prabang ist recht touristisch und trotzdem schön. Wie Thailand vor 30 Jahren, sagen die Vielgereisten. Noch. Wenn die Chinesen erstmal ihre Eisenbahnlinie in Betrieb nehmen, wird wohl Schicht sein mit der Beschaulichkeit. Habe ich also ein gutes Jahr erwischt - 2021 ist die Eröffnung geplant, die Brücke über den Mekong war schwer in Arbeit und wirkte wie aus einer anderen Welt in die Landschaft gepflanzt.

    Werde morgen noch hier sein, um meinen Pass wieder in Empfang zu nehmen, und dann in die Berge radeln Richtung Nordost. I’ll keep you updated, Khop Chai Lei Lei fürs Mitreisen!

    PS: War gestern im Ballett, die TänzerInnen knackig, die Kapelle eher so die Stones der Laotischen Klassik. Dem Kong Wong Spieler mussten zwei Leute wieder hochhelfen nach der Show, sonst hätte er zwischen seinen Gongs übernachten müssen. Der Conférencier wünschte zu Beginn erstmal allen ein gutes und glückliches Leben, und dass dieser Abend Teil davon sein möge. Hat mir gefallen.
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