34 Kilometer vor der Ewigkeit
August 30 in Switzerland ⋅ ☁️ 23 °C
Schaut auf diese Zahl. 99'966 Kilometer. Noch 34, ein Wimpernschlag, ein halber Pass – und dann fällt die sechste Stelle, dann steht da eine glatte Hunderttausend. Und wisst ihr, was das Schönste daran ist? Der Motor hat es nicht gemerkt. Kein Ruckeln, kein Klopfen, kein besorgter Blick auf die Öltemperatur. Er läuft, als wären es die ersten hunderttausend von vielen.
Denn genau dafür wurde er gebaut. Was da im Heck arbeitet, ist der Mezger – benannt nach Hans Mezger, dem Mann, der auch die legendären Rennmotoren von Porsche zeichnete. Seine Grundarchitektur, das Kurbelgehäuse, stammt vom Triebwerk des 911 GT1, der 1998 Le Mans gesamt gewann. Trockensumpfschmierung, ein eigenständiger Kurbeltrieb, keine der Schwachstellen, die den wassergekühlten Serien-Boxern jener Jahre nachhingen. Dieser Motor wurde für 24 Stunden Vollgas konstruiert – da sind 100'000 Kilometer über Alpenpässe eher ein Spaziergang. Unter Kennern hat er längst seinen Beinamen weg: der Unkaputtbare. Sechsstellige Laufleistungen sind für ihn kein Alarmsignal, sondern eine Formsache.
Und man sieht dem Bild an, wo er gerade ist: die Scheibe voller Regentropfen, draußen das satte Grün des Hochmoors von Rothenthurm – der größten Moorlandschaft der Schweiz, jenem stillen Stück Natur, das die Rothenthurm-Initiative 1987 unter Verfassungsschutz stellte. Die Uhr auf 8:03, ein früher, nasser Morgen kurz vor Sattel. Kaum ein größerer Kontrast ist denkbar: Draußen die Zeitlupe des Moores, das pro Jahrhundert einen Meter wächst – drinnen ein Le-Mans-Herz, das gleich die Hunderttausend knackt. Und ein Detail für die Aufmerksamen: Der Tageskilometerzähler steht auf 111,8 km. Elfhundertelf – der Elfer grüßt sich selbst.
Kein Zufall, dass er in dieser Verfassung dasteht. Und der Ort passt wie bestellt: Gleich hinter dem Moor liegt Sattel – und dort kommt mein X50 frisch aus dem Service. Nicht bei irgendwem, sondern bei Fach Auto Tech, im Kanton Schwyz, demselben Kanton wie auf meinem Kennzeichen. Das Foto entstand also praktisch in Sichtweite der Werkstatt, auf den ersten Kilometern nach der Kur. Die Familie Fach schraubt dort nicht nur, sie fährt selbst Rennen, und zwar erfolgreich: Alexander Fach jr. holte den Titel im Porsche GT3 Cup Challenge Suisse (2020 und 2021) und gleich zweimal den Pro-Am-Titel im ADAC GT Masters (2024 und 2025). Wer seinen Turbo in solche Hände gibt, weiß, dass er von Leuten betreut wird, die einen Elfer im Grenzbereich kennen – nicht vom Prospekt, sondern von der Rennstrecke. Das war kein Ölwechsel. Das war eine Kur auf Motorsport-Niveau, pünktlich vor der großen Runde.
Und weil ein Le-Mans-Herz auch standesgemäßen Grip verdient, stehen hinten neue Michelin Pilot Sport Cup 2 – Michelins straßenzugelassener Semi-Slick, im Grunde ein Rennreifen mit Nummernschild. Passt gleich doppelt: Michelin dominiert Le Mans seit Jahrzehnten – dieselbe Bühne, auf der die Architektur dieses Motors 1998 gewann. Le-Mans-Gene im Kurbelgehäuse, Le-Mans-Gummi auf der Antriebsachse. Und dieser Reifen ist genau für das gemacht, was noch kommt: trockener, griffiger Passasphalt, warm gefahren durch die Kehren. Auf den französischen Pässen, wenn die Sonne den Belag aufheizt, spielt so ein Cup 2 seine ganze Klasse aus. So gehört sich das.
Also, kleiner feierlicher Moment am Straßenrand: In wenigen Kilometern rollt die 99'966 auf 100'000. Andere Autos gehen bei dieser Zahl langsam in Rente. Meiner geht damit erst richtig auf Tour – frisch gewartet, neu besohlt, das Herz eines Le-Mans-Siegers unter dem Blech. 34 Kilometer vor der Ewigkeit, und kein bisschen müde.
Auf die nächsten hunderttausend. Kehre um Kehre.
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Travelerlegendär 🙌
TravelerCoole Story - nach 17024 Tagen nun noch eine weitere historische Zahl vor Monatsende.