• Walter Röhrl stimmt den 996 ab

    August 17 in Switzerland ⋅ ☁️ 30 °C

    Kleines Rätsel vom Nürburgring: Zwei 996 stehen an der Nordschleife. Der eine schwarz und foliert, mit der wunderbar untertriebenen Aufschrift „Erprobungsfahrzeug" — der andere knallgelb (Speed Yellow, was sonst). Dazwischen lehnt ein Herr in Jeans und Turnschuhen so entspannt am Kotflügel, als warte er auf den Bus.

    Der Herr ist Walter Röhrl. Zweifacher Rallye-Weltmeister, seit den 90ern Porsches legendärer Abstimmungsfahrer — und hier gerade dabei, den 996 GT2 einzufahren. Also genau jenen wassergekühlten Biturbo mit dem unverwüstlichen Mezger-Motor, der in verwandter Form auch in meinem 996 Turbo X50 werkelt. Der GT2 war damals der wilde Bruder der Baureihe: Heckantrieb statt Allrad, kein PSM, kein Netz, kein doppelter Boden. Die Presse taufte ihn liebevoll „Witwenmacher". 462 PS, 319 km/h, Keramikbremsen serienmäßig. Und Röhrl? Zirkelt das Ding in Jeans um die Grüne Hölle, als hole er Brötchen.

    Dieser Mann hat mit einem 996 GT3 als erstem straßenzugelassenen Elfer die Nordschleife unter acht Minuten geknackt (7:56 — damals eine Sensation). Sein berühmtester Spruch bleibt trotzdem die schönste Demut-Lektion für uns Passjäger: „Wer sagt, er sei auf der Nordschleife am Limit gefahren, der lügt."

    Wir kurven im September mit zwei Elfern über 22 Alpenpässe und fühlen uns wie Helden, wenn ein Spitzkehren-Trio sauber sitzt. Der Mann auf dem gelben Kotflügel hat unseren Autos überhaupt erst beigebracht, wie das geht — ohne Schweißperlen, ohne Drama, in Turnschuhen.
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