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Porschefahrt 2026

7 Tage, 2 Porsche 911, keine Autobahn: Thomas & Edi über 22 Alpen- und Jurapässe durch die Schweiz, Italien und Frankreich – 1 758 km. Höchster Punkt: Cime de la Bonette, 2 802 m. Zwei Elfer · 22 Pässe. Read more
  • Trip start
    September 6, 2026

    Porschefahrt 2026

    July 28 in Switzerland ⋅ ☀️ 29 °C

    Sieben Tage, zwei Elfer, keine Autobahn: Vom 6. bis 12. September 2026 fahren Thomas (silberner 996 Turbo) und Edi (992 GTS T-Hybrid in schiefergrau neo) im Konvoi von Sargans quer durch die Alpen und den Jura zurück in die Schweiz. Auf rund 1 758 Kilometern durch die Schweiz, Italien und Frankreich reihen sich 22 Pässe aneinander – von Nufenen, Simplon und der Panoramica Zegna über Bonette, Izoard und Galibier bis zu den kurvigen Jura-Übergängen. Höchster Punkt der Tour ist die Cime de la Bonette auf 2 802 Metern, gefahren wird konsequent auf Landstraßen und Serpentinen statt auf der schnellsten Route. Übernachtet wird stilvoll: am Lago d'Orta, in einem Weingut im Piemont, in Briançon, Beaufort und im Design-Hotel des Horlogers im Vallée de Joux. Am Ende zählen nicht die Kilometer, sondern die Kurven – nach dem Motto „Zwei Elfer · 22 Pässe".Read more

  • Porschefahrt 2026 - Pässe

    July 29 in Switzerland ⋅ ☀️ 33 °C

    Hier die Liste aller Pässe, die wir fahren werden. Tag 3 ist Ruhetag.

    Tag 1 · Sargans → Lago d'Orta
    Lukmanierpass – 1 915 m
    Nufenenpass – 2 478 m
    Simplonpass – 2 005 m

    Tag 2 · Lago d'Orta → Alba/Asti
    Passo della Colma – 942 m
    Panoramica Zegna / Bocchetto Sessera – 1 373 m
    Passo di Croce Serra – 850 m

    Tag 4 · Villa Pattono → Briançon
    Colle della Lombarda – 2 350 m
    Cime de la Bonette – 2 802 m
    Col de Vars – 2 109 m
    Col d'Izoard – 2 360 m

    Tag 5 · Briançon → Beaufort
    Col du Galibier – 2 642 m
    Col du Télégraphe – 1 566 m
    Col de la Madeleine – 2 000 m
    Col du Tra – 1 308 m
    Cormet de Roselend – 1 968 m

    Tag 6 · Beaufort → Le Brassus
    Col des Saisies – 1 650 m
    Col des Aravis – 1 486 m
    Col de la Faucille – 1 323 m
    Col de la Givrine – 1 228 m

    Tag 7 · Le Brassus → Würenlos
    Col des Étroits – 1 153 m
    Gänsbrunnen – 767 m
    Balmberg – 1 079 m
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  • 996 Turbo X50

    July 29 in Switzerland ⋅ ☀️ 33 °C

    **Kurz für alle, die kein Porsche-Latein sprechen:** „X50" ist keine Modellbezeichnung, sondern eine Bestellnummer aus der Porsche-Optionsliste — ein Werks-Leistungspaket („Powerkit"), das von 2002 bis 2005 für den 996 Turbo erhältlich war. Wer damals seinen 911 Turbo bestellte, konnte gegen kräftigen Aufpreis das Kreuzchen bei X50 setzen. Ab Werk baute Porsche dem Wagen dann stärkere Technik ein: größere Turbolader, größere Ladeluftkühler, eine andere Motorsteuerung und die kräftigere Abgasanlage. Aus 420 werden so 450 PS — und vor allem deutlich mehr Durchzug. Das Besondere: keine nachträgliche Tuning-Bastelei, sondern echte Porsche-Werksarbeit mit voller Garantie. Erkennen kann man ihn am Heck: Der X50 trägt die markanten Doppel-Endrohre (vier runde Rohre) statt der ovalen Endrohre des Serien-Turbo. Ein sicherer Beweis ist das aber nicht — die letzte Gewissheit liefert das Kürzel im Fahrzeugauftrag. So begehrt war das Paket, dass Porsche es 2005 serienmäßig in den neuen Turbo S übernahm. Genau deshalb sind echte X50-Fahrzeuge heute selten und gesucht — und meiner ist obendrein handgeschaltet, was ihn noch rarer macht: Viele Turbo dieser Baujahre gingen als Tiptronic-Automatik vom Hof.

    Man sieht ihm die Bosheit nicht an. Er steht da, breithüftig und still, im Understatement der frühen 2000er — und trägt doch unter dem Blech das kleine, magische Kürzel, das Kenner die Augenbraue heben lässt: X50.

    Und unter der Haube schlägt ein ganz besonderes Herz: der legendäre Mezger-Motor, benannt nach dem genialen Porsche-Konstrukteur Hans Mezger. Während der normale Carrera mit dem braven Serientriebwerk fuhr, teilt sich dieser Boxer seine Bauart mit den Rennmotoren aus Weissach — sein Kurbelgehäuse stammt in direkter Linie vom GT1-Triebwerk, das 1998 in Le Mans den Gesamtsieg holte. Echte Trockensumpfschmierung, getrennte Köpfe und Block, aus dem Rennsport geboren, für die Ewigkeit gebaut. Wer einen Mezger fährt, fährt ein Stück Le-Mans-Geschichte auf der Landstraße.

    Hier hört das Wettern der Prospekt-PS auf und beginnt die Ingenieurskunst. Wo der Serien-Turbo mit seinen K16-Ladern schon herrlich anschiebt, greift der X50 tiefer in die Trickkiste: größere K24-Turbolader, größere Ladeluftkühler, ein neu abgestimmtes Motormanagement und die kernige Vierrohr-Abgasanlage. Kein Marketing-Zauber, sondern echte Hardware. Aus 420 werden 450 PS, aus kräftigen 560 werden brachiale 620 Nm — und die stehen bei nur 4.400 Umdrehungen wie eine Wand.

    Was das bedeutet, spürt man nicht in der Zahl, sondern im Kreuz. Der X50 lädt nicht auf, er lädt vor. Ein Wimpernschlag Verzögerung, dann drückt der Twin-Turbo-Boxer beide Achsen in den Asphalt, und der Allrad verwandelt jedes Newtonmeter in nackten Vortrieb. Jenseits der 300 km/h Spitze — und das aus einem Auto, das man morgens klaglos zum Bäcker fährt. Nicht umsonst adelte Porsche genau dieses Paket später zum Serienstand des Turbo S.

    Und mein Exemplar geht noch einen Schritt weiter: Mit dem KW-Gewindefahrwerk habe ich ihm den Feinschliff verpasst. Höhe, Härte, Charakter — alles einstellbar, alles meins. Satter Stand, geschärfte Wankkontrolle, präzises Einlenken. Dazu die Handschaltung — sechs Gänge, selbst sortiert, jeder Boost-Aufbau bewusst erarbeitet. X50 für den Punch, KW für die Präzision, das Getriebe für die Seele. Das ist kein Auto mehr, das ist eine These über die Schwerkraft.

    Lob also dem 996 Turbo X50: dem Wolf im Understatement, dem Le-Mans-Erben mit Straßenzulassung, dem Beweis, dass wahre Größe kein Aufsehen braucht — nur die richtigen drei Zeichen, drei Pedale und das ehrliche Pfeifen zweier K24.
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  • 992 GTS T-Hybrid - die Zukunft fährt mit

    July 31 in Switzerland ⋅ ☁️ 32 °C

    Und dann ist da Edis Wagen. Schiefergrau neo, unaufgeregt – und unter dem Blech steckt der erste Serien-911 der Geschichte, dem Porsche eine Elektrifizierung spendiert hat: der **992.2 Carrera GTS T-Hybrid**.

    Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Seit über sechzig Jahren ist der Elfer der Inbegriff des reinen Verbrenner-Sportwagens. Und ausgerechnet der GTS, die Genussvariante für Leute, die alles wollen und nichts vermissen möchten, macht 2024/25 den Anfang mit der Elektrifizierung. Kein zaghafter Versuch, sondern ein Meisterstück der Ingenieurskunst.

    Und hier liegt der eigentliche Clou: Offiziell läuft der 992.2 als „Modellpflege", als Facelift der bestehenden Baureihe. Das ist Understatement in Reinkultur. In Wahrheit ist das eine komplette Neuentwicklung – ein von Grund auf neu konstruierter Motor, ein neues Getriebe, ein völlig neues Antriebskonzept mit gleich zwei Elektromotoren und Hochvolt-System. Wer das eine Modellpflege nennt, nennt eine Herztransplantation auch einen Verbandswechsel. Porsche stapelt tief. Der Wagen tut es nicht.

    Das Herzstück: ein von Grund auf neu konstruierter 3,6-Liter-Boxer mit einem einzelnen, elektrisch angetriebenen Turbolader. Und der neue Sechszylinder baut deutlich flacher – er sitzt gut zehn Zentimeter tiefer im Heck als der bisherige Motor. Das drückt den Schwerpunkt nach unten, genau dorthin, wo ein Elfer ihn haben will: möglichst nah an der Fahrbahn. Weniger Höhe, tieferer Schwerpunkt, mehr Präzision in der Kehre. Und genau da liegt der Zauber. Bei einem klassischen Turbo muss erst Abgas strömen, bevor der Lader Druck aufbaut – das berühmte Turboloch. Edis eTurbo hat einen kleinen E-Motor zwischen Turbine und Verdichter sitzen, der das Laufzeug in Sekundenbruchteilen auf Drehzahl bringt. Ergebnis: Ladedruck ist da, bevor man ihn überhaupt bestellt hat. Kein Warten, kein Loch, nur sofortiger, brutaler Schub.

    Dazu ein zweiter E-Motor, elegant im neuen 8-Gang-PDK versteckt, gespeist aus einem 400-Volt-System mit kompakter 1,9-kWh-Batterie. Kein Plug-in, kein Ladekabel-Gedöns – ein leichter Performance-Hybrid, der nur ein Ziel kennt: Vortrieb.

    Und die Fahrwerte sind schlicht phänomenal. Rund **541 PS Systemleistung**, **610 Nm**, **0 auf 100 in glatten 3,0 Sekunden**, **312 km/h** Spitze – und dank des blitzschnell schaltenden Doppelkupplungsgetriebes ohne jede Zugkraftunterbrechung serviert. Dazu die serienmässige Hinterachslenkung: Bei niedrigem Tempo lenken die Hinterräder gegen die Vorderräder ein und lassen den Elfer förmlich um die Spitzkehre zirkeln, bei hohem Tempo mit – für eine Stabilität, als klebte der Wagen auf Schienen. Genau das, was man auf 22 Pässen mit tausend Kehren gebrauchen kann.

    Und wer jetzt denkt, „Hybrid" sei bei Porsche ein Zugeständnis an die Vernunft, der irrt gewaltig. Denn genau diese Technik hat Renngene – und was für welche. Der **919 Hybrid**, Porsches LMP1-Rennwagen, gewann Le Mans 2015, 2016 und 2017 in Serie und holte drei Weltmeistertitel. Sein Trick: Neben der Bremsenergie an der Vorderachse rückgewann er als einziger Hersteller zusätzlich Energie aus einer eigenen Turbine im Abgasstrang – lud die Batterie also sogar beim Beschleunigen. Genau dieser Gedanke, Abgas-Energie elektrisch nutzbar zu machen, lebt in Edis eTurbo weiter. Was 2017 die Ziellinie an der Sarthe zuerst überquerte, sitzt heute in Serie hinter seinem Rücksitz. Renntechnik, für die Strasse übersetzt.

    Und hier wird die Reise zum Sinnbild. Vorne mein 996 Turbo mit dem Le-Mans-Mezger – analog, handgeschaltet, ein Motor, dessen Architektur 1998 in Le Mans gesamt gewann. Dahinter Edis T-Hybrid, mit der Renn-DNA der Le-Mans-Siege 2015–2017 im Blut – die elektrifizierte Zukunft des Elfers, lautlos-schnell aus der Kehre heraus. Zwei Generationen Porsche-Philosophie, beide in Le Mans geboren, Stossstange an Stossstange über die Pässe. Der eine feiert, was war. Der andere zeigt, was kommt.

    Chapeau, Edi. Du fährst der Serie voraus – und uns manchmal auch. 😉
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  • Über Spiegeleier...

    August 1 in Switzerland ⋅ ⛅ 27 °C

    Jetzt, wo Edis Hybrid gebührend gefeiert ist, wird es Zeit für ein Bekenntnis. Ein Loblied auf das meistgescholtene Detail meines eigenen Wagens: die Spiegelei-Scheinwerfer meines 996 Turbo.

    Man muss die Geschichte kennen. 1997 wagt Porsche mit dem 996 den grössten Bruch seiner Historie. Zum ersten Mal ein wassergekühlter Elfer – die Puristen schäumen, „seelenlos" schimpfen sie, „ein Boxster in Kostüm". Und als hätte man den Aufschrei geradezu provozieren wollen, verabschiedet sich Porsche auch noch vom heiligsten aller Elfer-Insignien: dem runden Scheinwerfer. An seine Stelle tritt eine tropfenförmige, in den Kotflügel gezogene Leuchte mit bernsteingelbem Blinker mittendrin. Die Form? Erinnert an ein in die Pfanne geschlagenes Ei. Der Spott ist sofort da. In Deutschland wie im englischen Sprachraum, ganz ohne Übersetzung: Spiegeleier. Fried eggs.

    Und ja, geteilt hat sich der 996 die Dinger auch noch mit dem kleinen Boxster 986. Für die Rechtgläubigen war das der Sündenfall schlechthin: das Spiegelei als Chiffre für alles, was sie an Porsches neuem Weg fürchteten. Dabei war ausgerechnet der Boxster S jener Jahre ein ganz wunderbares Auto – ein Mittelmotor-Roadster von seltener Ausgewogenheit und aussergewöhnlicher Agilität, den die Zeit längst rehabilitiert hat. Wer damals über die Verwandtschaft spottete, spottete in Wahrheit über zwei grundehrliche Sportwagen.

    Aber – und jetzt kommt die Ketzerei – ich liebe sie. Genau dafür.

    Denn dieses Spiegelei ist ehrlich. Es kaschiert nichts, es biedert sich niemandem an, es trägt den Mut zum Bruch offen im Gesicht. Wo der 997 die Runde später wieder brav nachreichte und alle erleichtert aufatmeten, stand der 996 da und sagte: So sehe ich aus, friss oder stirb. Ein Auto mit Rückgrat trägt sein umstrittenstes Detail nicht als Makel, sondern als Charakterzug. Und mein Turbo mit dem X50-Paket, dem Mezger-Herz aus dem Le-Mans-Rennmotor, kann sich diese Frechheit im Gesicht ohnehin leisten – wer 450 PS mit Handschaltung durch die Kehre trägt, muss keinem gefallen wollen.

    Und unter dem umstrittenen Blech steckt Renn-Adel. Das Fahrwerk dieser Generation trägt die Handschrift von Walter Röhrl – dem zweifachen Rallye-Weltmeister und Porsche-Entwicklungsfahrer, der den 996 GT3 federführend abstimmte und als Erster ein Serienauto in unter acht Minuten über die Nordschleife jagte. Wer von einer solchen Hand entwickelt wurde, darf im Gesicht aussehen, wie er will.

    Und der Walter war sich für einen fetten Spruch ja nie zu schade. Sein berühmtester passt wie angegossen auf 22 Pässe mit tausend Kehren: „Übersteuern ist, wenn der Beifahrer Angst hat. Untersteuern, wenn der Fahrer Angst hat." Nur: Beifahrer haben wir auf dieser Tour keine – zwei Elfer, zwei Fahrer, jeder für sich. Es zählt also allein, ob der Mann am Lenkrad Angst hat. Und der hat keine.

    Und was das Gesicht an Streit auslöste, macht das Heck mit Zinsen wieder gut. Denn während vorne die Puristen zeterten, herrschte hinten stille Einigkeit: Das Hinterteil des 996 gilt bis heute als eines der schönsten, das je einen Elfer zierte – diese sanft gespannte, breit über die Hüften laufende Linie, beim Turbo noch betont von den mächtigen Backen und dem festen Heckflügel. Kurz gesagt: Vorne mag man streiten, von hinten glänzt es. Und Hand aufs Herz, auf einer Passfahrt sehen die anderen ohnehin meistens genau diese Seite.

    Das Schönste: Die Zeit hat mir recht gegeben. Was jahrelang als Schandfleck galt, ist heute Kult. Der 996 ist der letzte bezahlbare, ehrliche Elfer – ein „future classic", und die Spiegeleier sind sein unverwechselbares Markenzeichen geworden. Was man einst versteckt hätte, zeigt man heute stolz.

    Ein Detail noch, das die Metapher endgültig vollendet: Später nahm Porsche den gelben Dotter aus dem Ei – klare Blinkgläser statt Bernstein. Und meine sind genau solche: ein Spiegelei ohne Dotter. Passt. Wer braucht schon Farbe im Ei, wenn der Rest so gut abgeschmeckt ist.

    Also, liebe Spiegeleier: Ihr habt mir jahrzehntelange Häme eingebracht und seid mir trotzdem – oder gerade deshalb – ans Herz gewachsen. Sunny side up, immer voraus, Kehre um Kehre.

    Und wenn wir morgens am Pass frühstücken, weiss der Kellner schon Bescheid: Zwei Spiegeleier, bitte. Eins auf dem Teller, eins fährt vor.
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  • Walter Röhrl stimmt den 996 ab

    August 17 in Switzerland ⋅ ☁️ 30 °C

    Kleines Rätsel vom Nürburgring: Zwei 996 stehen an der Nordschleife. Der eine schwarz und foliert, mit der wunderbar untertriebenen Aufschrift „Erprobungsfahrzeug" — der andere knallgelb (Speed Yellow, was sonst). Dazwischen lehnt ein Herr in Jeans und Turnschuhen so entspannt am Kotflügel, als warte er auf den Bus.

    Der Herr ist Walter Röhrl. Zweifacher Rallye-Weltmeister, seit den 90ern Porsches legendärer Abstimmungsfahrer — und hier gerade dabei, den 996 GT2 einzufahren. Also genau jenen wassergekühlten Biturbo mit dem unverwüstlichen Mezger-Motor, der in verwandter Form auch in meinem 996 Turbo X50 werkelt. Der GT2 war damals der wilde Bruder der Baureihe: Heckantrieb statt Allrad, kein PSM, kein Netz, kein doppelter Boden. Die Presse taufte ihn liebevoll „Witwenmacher". 462 PS, 319 km/h, Keramikbremsen serienmäßig. Und Röhrl? Zirkelt das Ding in Jeans um die Grüne Hölle, als hole er Brötchen.

    Dieser Mann hat mit einem 996 GT3 als erstem straßenzugelassenen Elfer die Nordschleife unter acht Minuten geknackt (7:56 — damals eine Sensation). Sein berühmtester Spruch bleibt trotzdem die schönste Demut-Lektion für uns Passjäger: „Wer sagt, er sei auf der Nordschleife am Limit gefahren, der lügt."

    Wir kurven im September mit zwei Elfern über 22 Alpenpässe und fühlen uns wie Helden, wenn ein Spitzkehren-Trio sauber sitzt. Der Mann auf dem gelben Kotflügel hat unseren Autos überhaupt erst beigebracht, wie das geht — ohne Schweißperlen, ohne Drama, in Turnschuhen.
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  • 34 Kilometer vor der Ewigkeit

    August 30 in Switzerland ⋅ ☁️ 23 °C

    Schaut auf diese Zahl. 99'966 Kilometer. Noch 34, ein Wimpernschlag, ein halber Pass – und dann fällt die sechste Stelle, dann steht da eine glatte Hunderttausend. Und wisst ihr, was das Schönste daran ist? Der Motor hat es nicht gemerkt. Kein Ruckeln, kein Klopfen, kein besorgter Blick auf die Öltemperatur. Er läuft, als wären es die ersten hunderttausend von vielen.

    Denn genau dafür wurde er gebaut. Was da im Heck arbeitet, ist der Mezger – benannt nach Hans Mezger, dem Mann, der auch die legendären Rennmotoren von Porsche zeichnete. Seine Grundarchitektur, das Kurbelgehäuse, stammt vom Triebwerk des 911 GT1, der 1998 Le Mans gesamt gewann. Trockensumpfschmierung, ein eigenständiger Kurbeltrieb, keine der Schwachstellen, die den wassergekühlten Serien-Boxern jener Jahre nachhingen. Dieser Motor wurde für 24 Stunden Vollgas konstruiert – da sind 100'000 Kilometer über Alpenpässe eher ein Spaziergang. Unter Kennern hat er längst seinen Beinamen weg: der Unkaputtbare. Sechsstellige Laufleistungen sind für ihn kein Alarmsignal, sondern eine Formsache.

    Und man sieht dem Bild an, wo er gerade ist: die Scheibe voller Regentropfen, draußen das satte Grün des Hochmoors von Rothenthurm – der größten Moorlandschaft der Schweiz, jenem stillen Stück Natur, das die Rothenthurm-Initiative 1987 unter Verfassungsschutz stellte. Die Uhr auf 8:03, ein früher, nasser Morgen kurz vor Sattel. Kaum ein größerer Kontrast ist denkbar: Draußen die Zeitlupe des Moores, das pro Jahrhundert einen Meter wächst – drinnen ein Le-Mans-Herz, das gleich die Hunderttausend knackt. Und ein Detail für die Aufmerksamen: Der Tageskilometerzähler steht auf 111,8 km. Elfhundertelf – der Elfer grüßt sich selbst.

    Kein Zufall, dass er in dieser Verfassung dasteht. Und der Ort passt wie bestellt: Gleich hinter dem Moor liegt Sattel – und dort kommt mein X50 frisch aus dem Service. Nicht bei irgendwem, sondern bei Fach Auto Tech, im Kanton Schwyz, demselben Kanton wie auf meinem Kennzeichen. Das Foto entstand also praktisch in Sichtweite der Werkstatt, auf den ersten Kilometern nach der Kur. Die Familie Fach schraubt dort nicht nur, sie fährt selbst Rennen, und zwar erfolgreich: Alexander Fach jr. holte den Titel im Porsche GT3 Cup Challenge Suisse (2020 und 2021) und gleich zweimal den Pro-Am-Titel im ADAC GT Masters (2024 und 2025). Wer seinen Turbo in solche Hände gibt, weiß, dass er von Leuten betreut wird, die einen Elfer im Grenzbereich kennen – nicht vom Prospekt, sondern von der Rennstrecke. Das war kein Ölwechsel. Das war eine Kur auf Motorsport-Niveau, pünktlich vor der großen Runde.

    Und weil ein Le-Mans-Herz auch standesgemäßen Grip verdient, stehen hinten neue Michelin Pilot Sport Cup 2 – Michelins straßenzugelassener Semi-Slick, im Grunde ein Rennreifen mit Nummernschild. Passt gleich doppelt: Michelin dominiert Le Mans seit Jahrzehnten – dieselbe Bühne, auf der die Architektur dieses Motors 1998 gewann. Le-Mans-Gene im Kurbelgehäuse, Le-Mans-Gummi auf der Antriebsachse. Und dieser Reifen ist genau für das gemacht, was noch kommt: trockener, griffiger Passasphalt, warm gefahren durch die Kehren. Auf den französischen Pässen, wenn die Sonne den Belag aufheizt, spielt so ein Cup 2 seine ganze Klasse aus. So gehört sich das.

    Also, kleiner feierlicher Moment am Straßenrand: In wenigen Kilometern rollt die 99'966 auf 100'000. Andere Autos gehen bei dieser Zahl langsam in Rente. Meiner geht damit erst richtig auf Tour – frisch gewartet, neu besohlt, das Herz eines Le-Mans-Siegers unter dem Blech. 34 Kilometer vor der Ewigkeit, und kein bisschen müde.

    Auf die nächsten hunderttausend. Kehre um Kehre.

    Zwei Elfer · 22 Pässe
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  • Tag 1: Abfahrt und Ankunft in Italien

    September 6 in Italy ⋅ ☁️ 29 °C

    Es geht los. Treffpunkt Heidiland bei Sargans, zwei stille Zeiger auf null gestellt, zwei Elfer nebeneinander: der silberne 996 Turbo X50 (SZ 104911) und Edis schiefergrauer 992.2 GTS T-Hybrid (SG 7285) — analoge Le-Mans-Vergangenheit trifft elektrifizierte Zukunft. Kaum ein Meter Autobahn ist geplant, dafür gleich zum Auftakt drei Alpenübergänge.

    Über Chur und Disentis rollen wir auf den Lukmanier ★★★ — fliessend, offene Radien, ein sanftes Einfahren. Danach das erste echte Ausrufezeichen: der Nufenen ★★★★★, mit 2 478 m der höchste ganz auf Schweizer Boden, Kehre um Kehre ins Hochalpine. Und zum Abschluss der grosszügige, majestätische Simplon ★★★★★ hinunter nach Domodossola. Drei Pässe, rund 388 Kilometer, und die Motoren haben sich warmgesungen.

    Am Abend empfängt uns der Lago d'Orta in der Casa Fantini in Pella — Wasser, Ruhe, ein Glas auf den gelungenen Auftakt. Sieben Stunden Fahrfreude im Rücken, sechs Fahrtage vor uns.

    Zwei Elfer · 22 Pässe — Tag 1: 3 Pässe, ~388 km.
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  • Tag 2: Ankunft südlich von Turin

    September 7 in Italy ⋅ ☀️ 31 °C

    Der Tag, an dem wir Turin links liegen lassen — im Wortsinn. Statt Tangenziale wählen wir den nördlichen Bogen durch Valsesia und Biellese, und der beginnt gleich fulminant: der Passo della Colma ★★★★ (SP88), zwanzig Kilometer fast ununterbrochene Tornanti durch dichten Wald, kein Geradeausstück, kaum ein Auto. Eine dieser Strassen, für die man das Handschalten liebt.

    Das Herzstück folgt darüber: die Panoramica Zegna zum Bocchetto Sessera ★★★★★. Ab Pray hinauf über Feria und Massaro, dann die klassische Kammstrasse durchs Zegna — kurvenreich, einsam, landschaftlich schlicht grandios. Das fahrerische Highlight des Tages. Zum Ausklang die Serra Morenica di Ivrea über den Passo di Croce Serra ★★★, eine Panoramastrasse über den längsten Moränenhügel Europas mit weiten Ausblicken.

    Ganz ohne Autobahn tasten wir uns via Ivrea und die Monferrato-Hügel — Cocconato, Montechiaro — nach Asti und schliesslich zur Villa Pattono bei Annunziata, unserem Quartier für zwei Nächte im Weinland. Rund 280 Kilometer, drei Pässe, und das Piemont öffnet seine Türen.

    Zwei Elfer · 22 Pässe — Tag 2: 3 Pässe, ~280 km.
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  • Tag 3: Ruhepause

    September 8 in Italy ⋅ ☀️ 32 °C

    Heute schweigen die Boxermotoren. Ruhetag an der Villa Pattono — Zeit für die Beine, die Augen, den Gaumen. Das Piemont im September ist ein einziges warmes Versprechen: sanfte Rebhügel, reife Trauben, langes Licht.

    Am späten Nachmittag dann der kulinarische Höhepunkt der Reise. Rund dreissig Kilometer hinüber nach La Morra, hoch über dem Barolo-Land, ins Palas Cerequio. Um 17:00 Uhr Weindegustation im Caveau — Nebbiolo in seiner königlichsten Form, dort verkostet, wo die grossen Lagen zum Greifen nah vor dem Fenster liegen. Anschliessend Abendessen im hauseigenen Restaurant „La Corte". Kein Pass, keine Kehre, dafür Genuss in Zeitlupe.

    Ein Tag zum Durchatmen zwischen den Alpenetappen — morgen wartet der spektakulärste Fahrtag der ganzen Tour.

    Zwei Elfer · 22 Pässe — Tag 3: Ruhetag, 0 Pässe.
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  • Tag 4: in die französischen Alpen

    September 9 in France ⋅ ☀️ 23 °C

    Früher Start, denn heute stapeln sich vier Hochkaräter auf der legendären Route des Grandes Alpes. Über Cuneo und das Valle Stura hinauf nach Vinadio, dann auf der schmalen SP255 zum Colle della Lombarda ★★★★ — unzählige Kehren beidseitig, italienische Auffahrt, französische Abfahrt, dazwischen die Grenze auf 2 350 m.

    Es folgt das Dach der Reise: die Cime de la Bonette ★★★★★. Über die Gipfelschleife kratzen wir an den 2 802 Metern — eine der höchsten Passstrassen der Alpen, endlose Kurven durch kahle, fast mondartige Hochgebirgslandschaft. Danach der offene, fliessende Col de Vars ★★★★, und zum krönenden Abschluss der ikonische Col d'Izoard ★★★★★ mit der bizarren Casse Déserte, die aussieht, als hätte jemand ein Stück Mond ins Gebirge gelegt.

    Am Abend erreichen wir die Zitadelle von Briançon, höchste Stadt Frankreichs, und beziehen das Maison Soyeuse in der Vauban-Altstadt. Rund 285 Kilometer, vier Pässe, davon zwei mit voller Punktzahl — ein Tag, der noch lange nachhallt.

    Zwei Elfer · 22 Pässe — Tag 4: 4 Pässe, ~285 km, höchster Punkt 2 802 m.
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  • Tag 5: französische Alpen

    September 10 in France ⋅ 🌧 11 °C

    Wenn ein Tag wie ein Best-of klingt, dann dieser: fünf Pässe, drei davon mit fünf Sternen. Über den Col du Lautaret arbeiten wir uns hinauf zum Col du Galibier ★★★★★ — 2 642 m, grosse Höhenmeter, spektakuläre Kulisse, ein Name, der jedem Rennradfahrer und jedem Sportwagen das Herz höher schlagen lässt. Gleich hinterher die dichte Kehrenfolge des Col du Télégraphe ★★★★ hinab in die Maurienne.

    Dann die lange, grandiose Überquerung von der Maurienne in die Tarentaise über den Col de la Madeleine ★★★★★. Als Kenner-Variante nehmen wir statt des Talbodens die schmale Balkonstrasse des Col du Tra ★★★★ (D88) via Notre-Dame-du-Pré — eng, sehr kurvig, nichts für schwache Nerven. Zum Finale das vielleicht schönste Stück des Tages: der Cormet de Roselend ★★★★★, traumhaft geschwungen an türkisblauen Bergseen vorbei, kaum ein Lastwagen weit und breit, hinunter nach Beaufort.

    Quartier ist das Maison Doron mitten im Beaufortain. Nur 225 Kilometer, aber dafür fünf Pässe pure Fahrfreude — Qualität vor Quantität.

    Zwei Elfer · 22 Pässe — Tag 5: 5 Pässe, ~225 km.
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  • Tag 6: um Genf herum

    September 11 in Switzerland ⋅ ☀️ 16 °C

    Vom Hochgebirge sanft in den Jura. Der Morgen beginnt über dem Col des Saisies ★★★, offen und weit, gefolgt vom kurvigen, landschaftlich herrlichen Col des Aravis ★★★★ mit Blick zurück auf die Savoyer Gipfel. Über Thônes lassen wir dann — wie schon Turin — auch Genf bewusst links liegen: nördlich an Annecy vorbei, hinein ins stille Valserine-Tal über Lélex nach Mijoux.

    Der Jura empfängt uns mit seinen eigenen, feineren Kurven: über die Col de la Faucille ★★★ öffnet sich der Balkonblick hinunter in den Pays de Gex und über den Genfersee bis zum Mont Blanc. Via Crassier und Gingins schwingen wir über die ruhige Col de la Givrine ★★★ ins Vallée de Joux — Uhrmacherland, klare Luft, ein anderer Rhythmus.

    Am Ziel wartet ein besonderer Ort: das Hôtel des Horlogers in Le Brassus, ein 5-Sterne-Designhaus mit dem Restaurant von Emmanuel Renaut. Rund 225 Kilometer, vier Pässe — und der Übergang von den grossen Alpen in den beschaulichen Jura ist perfekt gelungen.

    Zwei Elfer · 22 Pässe — Tag 6: 4 Pässe, ~225 km.
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  • Tag 7: Heimreise

    September 12 in Switzerland ⋅ ☀️ 18 °C

    Der letzte Tag, und noch einmal ein grosser: eine ausgedehnte Jura-Tour mit Frankreich-Abstecher, ehe uns die A1 nach Hause trägt. Über Vallorbe und Vuiteboeuf hinauf zum Col des Étroits ★★★ nach Sainte-Croix, dann durchs weite Hochtal von La Brévine — der „Schweizer Sibirien" — zur Doubs-Grenze. Kurzer Sprung nach Frankreich über Morteau und Villers-le-Lac, zurück via Le Locle und La Chaux-de-Fonds ins Uhrmacherland.

    Ein Halt bei der Maison de la Tête de Moine in Bellelay, dann über Moutier ins Grand Val. Die Querung ins Thal führt über den sanften Gänsbrunnen ★★, ehe zum Abschied noch einmal Charakter gefragt ist: der Balmberg ★★★ mit seiner berüchtigten Nordrampe — bis zu 25 % Steigung, eine der steilsten und schmalsten Passstrassen der Schweiz. Ein würdiger letzter Biss für Mensch und Maschine.

    Ab Attiswil dann, erstmals und ausnahmsweise erlaubt, die A1 zum gemeinsamen Schlusspunkt bei der Raststätte Migrolino Würenlos. Rund 355 Kilometer im Rücken, und damit ist die Rechnung rund: 22 Pässe, ~1 758 Kilometer, sieben Tage, zwei Elfer. Was für eine Fahrt.

    Zwei Elfer · 22 Pässe — Tag 7: 3 Pässe, ~355 km · Gesamttour: 22 Pässe, ~1 758 km.
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    Trip end
    September 12, 2026