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  • Jun11

    Das Moor im Spreewald

    June 11, 2021 in Germany ⋅ ⛅ 18 °C

    Wenige Kilometer nach dem letzten Baggerloch teilt sich die Spree in tausend Wasserläufe. Auf kleinstem Raum lassen sich ca. 270km Wasserwege und Kanäle erkunden. Ein Eldorado also für Naturliebhaber wie mich. Mein erster Eindruck vom Spreewald? Der Radweg nach Lübbenau ist aus nicht erkennbarem Grund gesperrt. Sobald ich irgendwo stehen bleibe kommen von überall Mücken! Außerdem wird es bald finster und in absehbarer Nähe gibt es keinen geeigneten Zeltplatz. So recht weiß ich noch nicht was ich hier soll.
    Doch der Spreewald ist nicht umsonst ein besonderer Ort in Brandenburg. Tausende Vögel, Lurche, Insekten und das ein oder andere Wild gibt es nirgendwo sonst im Umkreis als hier in diesem eiszeitlichen Urstromtal. Und noch etwas macht es so einzigartig hier. Von April bis Oktober ist es die einzige Region in Deutschland in der selbst die Post besser mit dem Kahn transportiert wird als mit dem Auto. Das ist es allemal wert lauf meiner Tour zu erleben. Die Suche nach dem Nachtlager gestaltet sich schwierig. Bis in den Abend habe ich Schloss, Stadt und Park Lübbenau erkundet. Es ist das kürzeste Tor zum Spreewald und das wohl vielfältigste. An meinem Abendbrottisch führt der Spreeradweg entlang. Und noch bis nach halb elf kommen immer wieder Radfahrer und Wanderer entlang. Man muss bedenken dass hier alles auf Grundwasser und mitten ins Moor gebaut ist. Das Zelt also irgendwo auf die Wiese daneben zu stellen ist keine gute Idee. Zumal der Spreewald auch ein geschütztes Gebiet ist. Da will ich ungern stören. Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Heldentat - ist die Nacht irgendwann gerettet. Der neue Tag beginnt sehr früh und über Stunden bin ich in dem Naturschutzgebiet allein unterwegs. Wenn auch auf dem Rad anstatt dem Kahn starte ich meine Erkundungstour. So früh am Morgen will noch kein Bootsverleih öffnen. Selbst Schuld. Dafür packe ich nicht nur mein Frühstück aus, sondern auch mein Fernglas und ich spitze die Ohren. Goldammer, Buchfink und Drosselrohrsänger sind unüberhörbar. Selbst der Pirol, ein putziger gelber Vogel ist jetzt schon wach. Es ist noch nicht einmal Sechs Uhr. Ich lausche über eine Stunde bevor ich mich entschließe weiter zu fahren. Gefühlt habe ich den ganzen Spreewald immer noch für mich allein. Ich bin eindeutig wieder einmal fernab der Hauptwege unterwegs. Nach sehr langer Fahrt durchs Moor erreiche ich die Gastwirtschaft Wotschofska. Die haben aber vor zehn noch nicht einmal für ein zweites Frühstück oder ein Stück Kuchen geöffnet. Und so genieße ich es auf der Brücke zu stehen und zu den wenigen Kajakfahrern zu schauen die heute im Spreewald schon unterwegs sind. Apropos diese Spreewaldbrücken. Zu Fuß sind sie ja ein Genuss, jedoch nicht mit dem Rad! Sie sind immer so gebaut, dass ein Kanal an der engsten Stelle passiert wird. Da geht es dann steil soweit rauf, dass problemlos ein Kahn samt Fracht und Mann hindurchpasst und dahinter geht es wieder genau so steil hinunter. Für mich heißt das Gepäck abschnüren, alles rüber tragen, Gepäck wieder aufschnüren. 300m fahren und dann beginnt alles wieder von neuem. Das ganze bis zu fünf Mal in der Stunde ist keine Seltenheit. Jetzt zur Mittagsstunde zehrt das stark an mir. Die Laune lässt bald zu wünschen übrig da bin ich endlich wieder von meinem kleinen Abstecher in Lübbenau auf der Straße angekommen. Die nächste Ortschaft Lehde liegt jedoch fast noch tiefer im Sumpf mittendrin. Der Postbote war leider schon durch. Mir bleiben aber die Gurken. Hier im Oberspreewald bekam die Spreewaldgurke ihren Namen, denn Wasser kann sie nie genug bekommen und sie gedeiht hier angeblich prächtig inmitten vom Sumpf angelegten Inseln. Ein kleines unscheinbares Gurkenmuseum zeigt die Vielfalt auf, die diese Kürbispflanzen mit sich bringen. Nur leider finde ich das jetzt alles sehr touristisch und für die Gurken bin ich scheinbar zu früh. Um 'schneller' unterwegs zu sein schließe ich mein Rad an einem Baum an anstatt es über alle Brücken zu tragen und gehe zu Fuß durch das historische Dorf. Sorbische Häuser werden entweder als Umgebinde gebaut, oder wie hier, auf Stelzen. Man hat neben dem Haus auch keine Garage für sein Auto, sondern für seinen Kahn auf dem nächstgelegenen Kanal. Es ist eindrucksvoll zu sehen wie die Bootsführer ihren Kahn staken. Mancher Bauer hat sich mittlerweile jedoch auch einen Außenborder zugelegt. Tag ein, Tag aus erzählen Sie den Besuchern dabei viel über die Kulturlandschaft Spreewald. Ich finde jedoch die Natur selbst geht vor den vielen Touristen im Sommer sehr schnell unter.
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