• Durch die Altmark zum Grünen Band

    July 24, 2024 in Germany ⋅ ☁️ 22 °C

    5 Uhr - der wohl zeitigste Start dieser Tage. Beim Sachen packen habe ich mittlerweile gut Routine. Das Zelt blieb einmal mehr ungenutzt denn wenn ich unter Sternen schlafen kann, warum sollte ich die Chance dann nicht ergreifen solange ich trocken bleibe? Der geplante Schlafplatz war es nicht, den steure ich dafür gleich zum Frühstück an. Ich komme durch die Altmark wieder in Regionen wo selbst die größeren Feldwege wie zu Zeiten der Postkutsche gepflastert sind. Na dann - Hals und Radbruch!
    Zwei Rehe flitzen über den Weg, doch sonst sehen die Höfe aller paar hundert Meter hier sehr verlassen aus. Alles schläft noch. Nur in der Schutzhütte nachher sitzt ein Mann und beantwortet irgendwelche Briefe vom Amt. „Hier hast du Ruhe, hier ist rundrum alles Tot. Da kann ich wunderbar mein Büro machen“ ok - scheint ein sehr ruhebedürftiger Mensch zu sein. Wir haben dennoch ein nettes Gespräch und nach dem Frühstück heißt schnurstracks auf die Landstraße und Meter machen bevor die Sonne hoch steht. Mittags bin ich immer so müde zum radeln. Nach 70 km kommt am Horizont Salzwedel auf. Die Altmark ist ja nicht nur für ihre Weite, sondern auch für den leckeren Baumkuchen bekannt. Denn kenne ich von früher bereits aus dem Harz. Also rein in die historische Altstadt! Hm, der letzte Bäcker hat hier allerdings schon vor Jahren zu gemacht. Die Stadt ist zwar etwas belebter als ihr Umland und sehr hübsch anzuschauen - aber sonst? Baumkuchen zum gleich essen Fehlanzeige. Mitnehmen mag ich ihn nicht auf dem Rad, das wäre schade um das Gebrößel in den Taschen.

    Gleich nach Salzwedel folgt Europas Ost-West Grenze. Der erste Unterschied der mir gleich selbst als Radfahrer auffällt sind die ganzen Blitzer an der Straße. Auf 15 km schaffen die es getrost auf 5 Stück und mehr. Raubritter! Was der Radweg nun besser ausgeschildert ist büßt er jedoch an Fahrqualität wieder ein und so entscheide ich mich neben der Tatsache dass die Fähre heute Nachmittag schon wieder ihren Betrieb eingestellt hat für einen Umweg über die Elbbrücke bei Dömritz.
    Zurück im Osten sieht die Welt hier zwar trostlos aus aber wunderschön mit Backsteinhäusern und Festungen verziert. Einst gab es hier in Dömritz sogar ein Karstadt Warenhaus. Was den nicht einmal zweitausend Einwohnern schwer zu glauben ist. Die Elbe ist hier der Grenzfluss zur DDR gewesen und heute noch ein Biosphärenreservat zum Schutz der Tierwelt. Wenn dieser elende Gegenwind nicht wäre könnte ich den Sonnenuntergang an der Elbe so richtig genießen. Ach, und außerdem können die Mücken hier recht lästig sein.Ich bin gespannt wie ich heute nach 140km zur Ruhe komme.
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