• Lübeck

    July 26, 2024 in Germany ⋅ ☁️ 19 °C

    Die Hansestadt Lübeck ist für viel sehenswertes bekannt. Marzipan, Stockfisch oder auch das Holstentor. Womit fang ich an? Es ist heute nicht so früh am Morgen dass ich meinen Schlafplatz verlasse. Ich bin bei einer Gastgeberin im Gründerviertel direkt neben der Altstadt untergekommen. Die Wege in Lübeck sind unterdessen kurz. Die Stadt wurde komplett auf einer Insel errichtet. Am Morgen bevor die Läden öffnen ist die Innenstadt noch wie leer gefegt. Die ganzen Backsteinhäuser wirken ohne die vielen Menschen irgendwie viel ehrwürdiger. Und später gibt mir der Spürsinn Recht. Kaum kommen die Tagesgäste vom Frühstück gleicht das Holstentor einem Jahrmarkt. Dabei war es schon immer ein Zoll und Verteidigungstor. Durch seine Lage warLübeck ein wichtiges Handelstor zwischen Schweden und dem Süden. Die einen brauchten Schmuck Tuch und Wein, die anderen Hingegen Fisch und allerlei Nahrungsmittel für die stets hungrige Bevölkerung im Süden. Damit ließ sich gut Zoll eintreiben. Z.B. 5 Pfennige wenn man zu Barfuß in die Sradt wollte und sogar zwanzig Pfennig wenn man Schuhe anhatte. Die Lübecker Handelsflotte hatte zeitweise die Vorherrschaft über weite Teile der Ostsee und wie es am Holstentor heute immer noch prangt stellte Lübeck, aber auch andere Hansestädte wie Hamburg sich gleich mit den großstädten des Römischen Reiches. Auch wenn sie nie dazu gehörten. Davon zeugt noch heute die Inschrift in großen Lettern.

    Womit die Lübecker jedoch nie handelten waren Marzipan Rezepte. Vermutlich schon vor über tausend Jahren überlieferten alte Rezepte das Handwerk für Marzipan. Hier in Lübeck fand das großen Anklang und es entwickelten sich über 180 Marzipan Manufakturen innerhalb der Stadtmauern. Die bekanntesten sind heute noch Mest und Niederhagen.
    Die einen haben sogar ein kleines Museum mit Alten Formen und einigen lebensgroßen Marzipanfiguren. Die anderen haben das weitaus saftigere Marzipan. Lecker!

    Bei Kaffee mit Marzipan und einem Stück Walnustorte lasse ich es mir gut gehen. Während es draußen kurz regnet füllt sich das kleine Cafe in Windeseile bis auf den letzten Tisch und ein älterer Herr tritt an mich heran ob er sich mit der Zeitung zu mir setzen darf. Er bestellt einen Kaffee und wir beginnen einen herrlichen Plausch über sein Lübeck und über meine Tour quer durchs Land bzw. was er von Deutschland schon alles gesehen hat. Besser kann man die Zeit gar nicht verbringen. Nur schade dass ich heute nicht den ganzen Tag für Lübeck geplant habe. Wenn ich auch keine hundert Kilometer mehr weit kommen will so ist doch leichtes Training angesagt und es geht in die Holsteinische Schweiz. Es ist nicht mehr ganz so flach. Die Landschaft wechselt sich ab. Man könnte fast meinen ich bin wieder einmal falsch abgebogen und nicht etwa nur einen Katzensprung von der Ostsee entfernt.

    Hier in Lübeck nimmt zum ersten Mal auch die Dichte an Radwanderern spürbar zu. Statt sechs Tage lang niemand sehe ich heute gleich zehn oder mehr Radfahrer mit vollbepackten Taschen oder gar mit Anhänger und mehreren Taschen. Schön dass diese Art zu Reisen doch noch kein Auslaufmodell ist.
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