• Über die Grenze

    July 28, 2024 in Germany ⋅ 🌬 21 °C

    Verkehrte Welt in Deutschland. Der Lärm der mich am Abend um den Schlaf brachte kam vom größten Holsteinischen Volksfest nur anderthalb Kilometer von meinem Schlafplatz entfernt. Sonst schlafe ich in der Regel bei Vogelgezwitscher und Krötengequake ein, Früh komm ich daran dann vorbei und das ist wirklich eine Stadt in der Stadt. Nebenan beim Bäcker gibt es Sonntagsfrühstück und im Angebot steht „Allgäuer Pflaumenkuchen“. Ich war mir ja gestern schon nicht sicher ob ich auf dem Weg nach Lindau richtig bin.

    Am Badesee zum Mittag bin ich noch nicht wirklich weit gekommen. Der Gegenwind quält mich heute ein wenig. Ein bisschen Sonntagsmüdigkeit ist aber denke ich auch erlaubt nach 800km. In Flensburg lasse ich es mir nicht nehmen wenigstens einmal mit dem Finger auf das KBA zu zeigen. Nicht nur die Fernradwege in Deutschland sind teils eine Zumutung. Das Kraftfahrtbundesamt ist derzeit ebenso eine Baustelle. Es wird also höchste Zeit dass ich mir im Norden einmal anschaue wie es besser geht. Zuvor genieße ich den Blick vom Wasserturm über die Flensburger Bucht und die Stadt. Die Architektur lässt zu wünschen übrig aber von oben schaut die Stadt sehr grün aus. Und was ich nach so einer Enttäuschung wie Kiel und Eckernförde nie erwartet hätte. Es gibt hier einen schönen Hafen in der Bucht! In einer Museumswerft kann man live miterleben wie alte Museumsschiffe wieder auferstehen.

    Es ist schon wieder viel später als mir eigentlich lieb war als ich endlich die Grenze passiere. Um den Flüchtlingsströmen Einhalt zu gebieten und das eigene Sozialsystem zu stärken wurden sogar die Grenzkontrollen wieder hoch gefahren. Und danach in Pattburg bin ich erst einmal verloren. Die Beschilderung der Radwege ist alles andere als logisch, die Anwohner sind auch nicht happy wenn ich durch ihre Nachbarschaft rum eier. Aber wir werden uns schon noch kennen lernen. Ich bin ja noch ein paar Tage da. Das Rad ist jedenfalls bester Gesundheit wenn man das nach 51.000km noch so nennen darf. Die nächsten Kilometer verfliegen regelrecht dass mir eher mal der hintern weh tut als dass ich das Bedürfnis nach Pause verspüre weil die Beine müde sind.

    Am Ende steht ein kleiner Campingplatz irgendwo am Waldrand. Als ich ankomme bin ich erstmals diese Reise am Abend nicht allein. Eine Schweizer Familie und zwei Franzosen sind schon da. Die Sonne ist untergegangen und für heute heißt es nur noch Gute Nacht. Einzig was ich zum Einschlafen lieber hatte war wenn im Wald das Reh ruft oder der Kauz anstatt dass der Zeltnachbar schnarcht.
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