Übung macht den Meister
Jan 18–23 in Austria ⋅ ⛅ -4 °C
Es ist ein bisschen so wie jedes Jahr. Kaum hat das neue Jahr Fahrt aufgenommen geraten die guten Vorsätze ins Hintertreffen. In diesem Jahr hatte es sogar wieder mal ein paar Tage zum Ski fahren vor der eigenen Haustür gereicht. Dann ruft die Arbeit hier und da und schlussendlich reift die Überzeugung - eigentlich kommt der Aufruf sich neben allem Übel auch noch fortzubilden gerade Recht. Gleich am Samstag Abend nach der letzten Schicht geht es auf die Straße gen Süden. Den Schlafsack und die dicke Winterjacke habe ich vorsichtshalber immer mit dabei.
Nach langer, anstrengender Anreise fallen mir am liebsten die Augen zu. Ein langes Gähnen am Nachmittag ist fast schon obligatorisch. Selbst wenn gerade erst der allererste Vortrag läuft. Auch über die nächsten Tage stellt sich immer öfter die Frage, was unterscheidet eigentlich einen Fortbildungskongress von einem Spitzensport-Trainingscamp?
Und je länger ich darüber nachdenke lautet die Antwort - Nichts!
Man geht mit Ehrgeiz hin und setzt sich voll ein. Man lernt etwas, geht zum Teil ganz nebenbei bis an seine körperlichen Grenzen und hat hinterher ein Lächeln auf dem Gesicht wenn sich der Erfolg einstellt. „War doch alles gar nicht so schlimm….“
Meine Unterkunft ist in einem gemütlichen Bauernhof. Die Bäuerin steht jeden früh um halb fünf auf um die Kühe zu versorgen und für meinen Kaffee frische Vollmilch zu zapfen. Der Kongress liegt dann in Sichtweite fast nur einen Schneeballwurf entfernt. Doch der Weg führt über die FIS Weltcup-Skipiste und ist steiler bergab als weit. Zu dem liegen die Temperaturen nach der Nacht immer so bei -14 Grad. Der kalte Atem könnte zu Erfrierungen führen. Nach fünf Minuten Schlitterpartie ist der Frühsport immer erfolgreich beendet.
Zur Mittagspause strahlt hingegen die Sonne für ein zwei Stunden bevor sie schon wieder hinter dem Berg verschwindet. Die Zeit draußen zu verbringen braucht man mir bekanntlich nicht zwei mal zu sagen. Und so heißt es dieser Woche nicht selten zu Fuß rauf auf den Berg und mit dem Schlitten wieder runter! Doch Ach - der Weg ist vereist. Es hat zwar frostige Temperaturen nur leider keinen Schnee. Der wenige der liegt wird von der Sonne schnell in rutschiges Glas verwandelt und verschafft mir eine extra Trainingseinheit. Am dritten Tag will ich nicht mehr. Gemeinsam mit einer Kollegin geht es in die Talbachklamm. Die ist halb zugefroren und glitzert wunderschön wenn die Sonne bis zum Fluss reicht. Überall türmen sich die Eisfälle und dazwischen singen Meisen oder baden Wasseramseln als wäre der Frühling ausgebrochen und nicht etwa dass seit Tagen - 10 Grad und weniger herrschen.
Zum Nachmittag geht bis spät abends der Kongress weiter. Meist schafft es der Kaffee jetzt nicht mehr den Zuckermangel vom Tag auszugleichen. Und so freut sich jeder wenn die letzte Fortbildung des Tages vorüber ist. Meist geht es noch gemeinsam essen und manches Mal auch noch ein wenig tanzen. Womit wir wieder beim Sport wären. In der Disziplin Schlafentzug sind die Apotheker spitze. Durch regelmäßige Notdienste stehen wir schließlich gut in der Übung. Und so hindert uns niemand daran hin und wieder nur mit einer halben Nacht in den neuen Tag zu starten. Den Heimweg, den muss ich mir allerdings schon wieder erkämpfen. Jetzt geht es den steilen Hang vom Vormittag wieder hinauf zum Bauernhof und nicht selten muss gerade jetzt auch die Pistenraupe den Schnee wieder aufbereiten. Regelmäßig bin ich an Passagen außer Atem an denen ich auf allen vieren sprinten muss und im Zweifel nicht einfach zur Seite springen kann.
Der Sonnenschein hält sich die gesamte Woche. Zum Abschluss habe ich mir darum nichts geringeres vorgenommen als eine Gipfelbesteigung im Winter. Der Weg auf den Stoderzinken führt auf über 2000m. Mit Stock und Grödel kann ich mich gerade so auf dem Eis halten und genieße die zwei Stunden Aufstieg im Schatten der tief stehenden Sonne. Oben angekommen wartet ein kleines Kirchlein. Ich läute die Glocke als Dank dass ich gesund und sicher überall durch die Woche geschlittert bin. Ein letzter kleiner Klettersteig dann bin ich auf dem Gipfel. Der Blick über den Dachstein gen Westen und das weit unter mir liegende Gröbminger Tal ist eine schöne Entschädigung für all die Strapazen.
Doch bald ruft der Heimweg. Jedes Training nützt nur wenn es hinterher in die Praxis umgesetzt wird. Also raus jetzt! Neues Jahr - Neue Ziele!
Die Flusstäler gen Salzburg verabschieden sich im Nebel. Dort wo die Sonne im Januar nie scheint wächst zentimeterdicker Reif an den Bäumen und zaubert mir ein riesengroßes Lächeln.Read more






















