• Saltoluokta

    March 28 in Sweden ⋅ ☁️ -1 °C

    Schööön! Die vorerst letzte Nacht am Polarkreis hatte sich gestern noch einmal gelohnt. Bis zum späten Abend hatten wir erst noch die Küche unsicher gemacht und nachher die Sauna. Zwei Mitbewohner in meinem Zimmer waren schon einige Tage länger in Saltoluokta und zauberten sich am späten Abend noch eine riesige Lasagne von der sie drei Tage essen können. Danach ging es nochmal in die Sauna. Während die sonst um Neun meist schon wieder aus ist kamen heute die Dorfbewohner rüber und machten die Sauna zu ihrem Feierabendplatz. Der normale Skifahrer geht dann bereits schlafen sobald es dunkel wird. Selbst bin ich der Fremde und doch fühlt es sich an wie zu Hause wenn die Nachbarn so untereinander reden und wir eingeladen werden. Zur Abkühlung geht es hinaus in den Schnee und während ringsum alles ruht funkeln oben am Himmel ein paar verhältnismäßig schöne Polarlichter. Selbst mit bloßem Auge tanzen sie ihren Reigen und stehen nicht nur da wie Sterne am Himmel.

    Während sie kommen und gehen muss ich aufpassen nicht zu erfrieren. Es liegt halt doch noch Schnee. Am nächsten Morgen will ich noch das Dorf besuchen wenn die Bewohner schon zu uns kamen. Und dann geht am Nachmittag der Bus und Zug zurück nach Stockholm. Im Dorf sind alle schon wieder ausgeflogen. Nachdem die letzten Tage nicht viel transportiert werden konnte muss jetzt alles den Berg hoch in das Sommercamp. Der freundliche Junge von gestern ist auch schon wieder auf seinem Schneemobil unterwegs. Damit werden die Kinder scheinbar groß wie wir mit dem Fahrrad. Zum Mittag statte ich der Kirche noch einen Besuch ab. Ganz aus Holz. Der Boden ist mit Reisig ausgelegt und wird von einem kleinen Rednerpult geschmückt. Im Winter wird es eisig kalt sein doch die Atmosphäre ist sicher toll wenn alle zusammen kommen um zu singen.

    Mit der Zeit kommt Wehmut auf und ein schlechtes Gewissen. Denn nach zehn Tagen ist es Zeit für die Heimreise. Ich will erneut diesen einen Bus der hier am Tag fährt nicht verpassen. Zurück über den See strahlt die Sonne und ich komme bei dem warmen Wetter schnell ins Schwitzen. Zum Glück braucht mich das aber heute nicht zu interessieren. Der Tag gestern ohne Gepäck verleitet dazu heute so gar keine Lust zu haben aber was muss das muss. An der Bushaltestelle habe ich noch etwas Zeit mich in die Sonne zu setzen und die Nase zu kitzeln. Ein paar Finnen packen gerade ihre Autos nach zwei Wochen mit dem Zelt im Fjell. Sie berichten von ihrer bevorstehenden Heimreise über 1.000km mit einem Anhänger wo ein ganzes Schneemobil rein passt. Das dauert in etwa genau so lange wie ich mit dem Zug nach Hause brauche. Skandinavien ist groß! Zwei andere Schneemobilfahrer berichten von einem Unfall. Sie seien heute Morgen in den Bergen ohne Helm schnell mal über einen Stein im hohen Bogen vom Fahrzeug gefallen und nun hat einer eine Platzwunde die genäht werden muss. Der Krankenwagen sei schon unterwegs und würde wohl in gut einer Stunde ankommen. Wohl dem wenn es hoffentlich nichts Ernstes ist. Das nächste Krankenhaus ist zwei Stunden Fahrt weg.

    Wir warten und reden noch ein wenig bis endlich die erhoffte Hilfe kommt. Im gleichen Moment kommt mein Bus. Frei nach dem Motto wenn einmal am Tag sich zwei Autos auf der Straße treffen herrscht gleich Vollsperrung. Ich fahre zum Bahnhof in die kleine Stadt Gällivare. Nebenan ist ein Skigebiet und so langsam kommt die Zivilisation zurück. Der Zug kommt erst am Abend und ich nutze die Zeit für einen Bummel. Doch mal ehrlich. Schöne Städte bietet der Polarkreis nicht. Alles findet hinter der Fassade statt. Die Häuser sind schmucklos und dick isoliert. Cafes haben geschlossen und das letzte Geschäft macht 18 Uhr zu. Wäre ich mit dem Fahrrad hier, ich würde mich versorgen und sofort weiter ziehen. Die Leute lieben es scheinbar, sonst würden sie es nicht so bauen. Ein paar alte Gebäude gibt es am Ende doch noch zu bestaunen bevor der Zug kommt und mich auf die 1300km lange Nachtfahrt nach Stockholm mitnimmt. Dass ich wieder kommen möchte steht eigentlich außer Frage.
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