• Kaffeekranz in Petersau

    March 27 in Sweden ⋅ ☁️ -4 °C

    Wer auch immer irgendwo auf der Karte bei den Samen an einer einsamen Siedlung ein Café einzeichnete hat mir gleichzeitig für heute den Floh in den Kopf gesetzt das herauszufinden. Dabei kann ich mich nur mühsam aus dem Bett quälen. Ich war scheinbar tatsächlich gestern ein ganzes Stück zu viel gelaufen. Macht nichts. Bei dem herrlichen Wetter, die Sonne strahlt, kaum ein Lüftchen. Gut dass ich noch zwei Tage angehängt habe.
    Der Wald rings um Saltoluokta ist vereist und den soll ich jetzt als Erstes bergauf. Anstatt der Schneemobilspur folge ich einer vermeintlich ausgetretenen Skispur die durch den Birkenwald führt. Einen Schritt vor, einen halben zurück. Der Ski rutscht heute in beide Richtungen gut. Während ich die letzten Tage gewohnt war dass die Bäume links und rechts des Weges stehen verheddere ich mich heute regelmäßig im Birkengestrüpp. Zumal der Weg auch nicht im V-Schritt ordentlich bergan geht sondern mühsam im Zickzack um jeden Höhenmeter kämpft. Doch die Aussicht über den Stausee im Tal ist super. Nach etwa zwei Stunden ertappe ich die Übeltäter dieser Spur auf frischer Tat beim Mittagessen. Eine geführte Gruppe von 10-15 Tagestouristen. Ausgestattet mit Kompass, Schneeschaufel und Isomatte um sich in der Sonne einen Schneestuhl zu bauen und ja nicht den Popo zu erkälten. Nun muss ich meine Spur jedoch selbst finden. Die Schneewehen sind leicht überfroren doch darunter sinke ich tief in den Neuschnee. Es ist anstrengend, auch ohne Rucksack. Vielleicht fehlt mir durch ihn heute einfach auch dass nötige Gewicht auf dem Ski.

    Oben angekommen bin ich jedenfalls überglücklich nach über 2 Stunden diese 350 Höhenmeter hinter mir zu lassen. Und vor mir eröffnet sich das weite Fjäll bis hinein in den Sarek Nationalpark. Doch mein Tagesziel kann ich am Horizont nur erahnen und vor mir öffnet sich zudem ein Fluss der so überhaupt nicht zugefroren ist. Ich darf also noch ein paar Umwege durch den Tiefschnee mäandern bis ich eine gefrorene Stelle finde die mich auch trägt. Zum späten Mittag gelange ich von meinen Abwegen auf den Schneemobiltrek gen Westen. Nun geht es wie auf dem Highway schnell ans Ziel. Petsaure, wie der Ort heißt, ist ein Winterdorf dass anders als die vielen vorherigen auch jetzt von den Samen bewohnt ist. Doch ich konnte es mir schon denken. Mangels Kundschaft hat das Café leider geschlossen. Zufrieden über den tollen Ausblick setze ich mich auf die Veranda vor der Sauna und esse mein Pausenbrot. Immer wieder flitzt ein Schneemobil über den See. Die meisten sind um diese Uhrzeit wohl vermutlich Eisfischen. Auf dem Rückweg nehme ich eine etwas andere Route. Der Wintertrail ist gut markiert und bei dem Sonnenschein kann ich ihn heute nicht nochmal verlieren. Bei einer kleinen Rast beobachte ich Schneeammern. Es sind die ersten Vorboten dass der Frühlingswinter im vollen Gange ist. Der Trail wird jedoch nicht nur von den Tourengehern gelaufen. Auch hier fahren jede Menge Schneemobile nach Petsaure und zurück. In den letzten Tagen hat es hier schon sehr viel geregnet und erst seit wenigen Tagen liegt darüber wieder Schnee. Nun muss alles in die Siedlung transportiert werden was Kufen hat. Besonders fällt mir dabei ein kleiner Junge auf. Immer wenn er an mir vorbei fährt grüßt er freundlich. Er hat ein Schneemobil in Miniaturausführung. Damit steht er seinem Papa in nichts nach soweit er einfach nebenher fährt und keinen Schlitten ziehen muss. Fahrschule mit 7 Jahren sozusagen.

    Als ich bald darauf wieder auf den Kungsleden stoße ist es schon zu spät um ihn noch ein Stück gen Süden zu gehen und für die vermeintlichen 11km laut Wanderkarte brauche ich ungelogen jetzt schon 5 Stunden. Das hebe ich mir für das nächste Mal auf. Dann evtl mit Zelt oder gerne auch jemandem der sich traut mitzukommen. Zurück in Saltoluokta sitze ich vor meinem heißen Kakao und döse. Eventuell habe ich heute auch noch einmal die Chance auf Polarlichter.
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