Bauchgribbeln
15. marts, Tyskland ⋅ ☁️ 6 °C
Es ist schon wieder so lange her seit ich im letzten Jahr die BVI besucht habe und in der DomRep auf die höchsten Gipfel der Karibik geklettert bin.
Die vergangenen Wochen waren sehr anstrengend und teils logistisch eine Herausforderung. Spätestens als ich selbst Nachts von Apotheke geträumt habe wusste ich dass ich daran etwas ändern muss. Schnellstmöglich! So saß ich jetzt in den letzten 24 Stunden dabei bin meine Checkliste durchzugehen. Wieder und wieder werden Sachen gestrichen um nur das vermeintlich Nötigste einzupacken. Der Platz reicht gerade so. Hier noch ein bisschen rütteln, da noch die Verpackung zu Hause lassen.
Mit sage und schreibe 33kg stehe ich später am Bahnhof. Im Zug dauert es nicht lange dass ich argwöhnisch auf meine alten Ski angesprochen werde. Vor ein paar Jahren habe ich von meinem Nachbarn alte Langlauf-Ski geschenkt bekommen. Für meinen Ausflug scheinen sie perfekt. Sie sind robust. Ich brauche keine extra Schuhe und zu Hause wurden die Ski zumindest wann immer möglich ein zwei Mal im Winter erprobt. Nach dem für unsere Breiten wieder einmal knackig kalten Winter hoffe ich inständig dass in Skandinavien noch ein wenig Schnee liegt. Auch im März. Den Wetterbericht habe ich in den vergangenen drei Tagen nicht mehr beobachtet. Doch wenn es zu Hause regnet und ich bei Ankunft dann eher auf Schneesturm hoffen darf, dann zieht es mich gleich doppelt hinaus ins Abenteuer.Læs mere
Im Nachtzug nach Stockholm
16. marts, Danmark ⋅ ☁️ 3 °C
Im Nachtzug nach Stockholm
Natürlich kann man heute in Europa überall mit dem Auto hinfahren. Da man innerhalb Skandinaviens jedoch nicht vorwärts kommt sprechen wir schnell von 3 Tagen Anreise ohne jegliche Bewegungsfreiheit.
Die klassische Reise nach Lappland erfolgt mit dem (Nacht-)Zug. Während man im ICE der Deutschen Bahn seine Sachen nicht aus den Augen lassen darf und deshalb lieber ebenso stundenlang unbequem sitzen bleibt kann man den ein oder anderen Podcast hören oder lauscht gespannt der Odyssee anderer Reisender quer durch Deutschland. Kurz vor Hamburg steigen drei junge Erwachsene zu mir ins Abteil die allein schon Freude ausstrahlen dass sie heute ohne Kinder reisen und damit nicht im Familienabteil sitzen müssen. Die elf Stunden ab der Österreichischen Grenze hätten sie so nicht ausgehalten.
In Hamburg trifft mich erstmal doppelt der Schlag. Unter anderem weil mein Anschlusszug angeschrieben steht dass er ausfällt. Ich will hier heute nur noch raus aus Deutschland! Immerhin habe ich genug Zeit mich zu sortieren und muss mit der S-Bahn gen Süden fahren wo mein Nachtzug heute ersatzweise in den hohen Norden losfährt. Das steht aber nicht etwa angeschrieben dass muss ich bei der Bahn in Schweden erst erfragen. Welches Gleis, das erfahren wir dann von der Deutschen Bahn auch erst drei Minuten vor der Abfahrt. Und plötzlich setzen sich hundert Rucksäcke und mindestens zehn paar Ski in Bewegung. Auf hinterher!
Auf dem Weg über die Treppen helfe ich einer Frau aus der Schweiz mit dem Skigepäck. Sie hat den Trolly genau so schwer wie ich den Rucksack und bekommt ihn nun allein die Treppen nicht schnell genug hinauf gezogen.
Mein Schlafwagenabteil teile ich mir mit zwei Schweden und zwei Deutschen womit Platzmangel vorprogrammiert ist. Allein schon im Gang bleibe ich mit meinem Rucksack stecken. Vorbeikommen der Anderen ist schier unmöglich. Die Ski unters Bett und den Rucksack auf zwei Meter hochgehievt falle ich bald in den Schlaf.
Am Morgen wache ich im Nebel auf. Bäume fliegen wie Geister an mir vorbei. Über Nacht ging es von Dänemark über den Großen Belt. Jetzt bleiben erst einmal noch 600km in denen sich die graue Landschaft aus Deutschland fortzieht. Schon jetzt merke ich das etwas anders ist in Schweden. Nur noch hier und da steht ein Haus oder ein Bauernhof. Und die Vorfreude steigt wenn hin und wieder ein See auftaucht. Denn der ist meist noch gefroren. Schnee ist heute Morgen jedoch Fehlanzeige.Læs mere
Stockholm
16. marts, Sverige ⋅ ☁️ 5 °C
Bei der Zugankunft in Stockholm liegt Eis auf dem Kanal. Große Kinderaugen leuchten in mir und schnell ist das Gepäck für den Tag sicher in einem Lager abgegeben. Stadthäuser mit einheitlich fünf oder sechs Etagen prägen das Bild. Obgleich die Häuser eine freundliche Farbe haben wirkt alles gedrungen und bestens auf die kalte Jahreszeit eingestimmt. Das Leben findet drinnen statt und bis auf die touristische Fußgängerzone in der Altstadt ist es nirgends überlaufen.
Das Rathaus wirkt in seiner Architektur wie eine Ausnahme. Schnell merkt man die gotischen Einflüsse und den drang der Christianisierung einst durch den Schwedischen König. Während der Reformation war König Magnus Ladulas der erste der seine letzte Ruhe auf der Insel Riddarholmen in einer Kirche fand. Wo einst der größte Dampfschiffhafen Schwedens lag liegen heute nur wenige Restaurantschiffe vor Anker.
An einigen Stellen wird sichtbar dass das März-Eis im Kanal noch immer ca. 10cm dick ist selbst wenn nur noch Schollen treiben. Stattdessen laden regelmäßig Badestellen dazu ein sich auf die nächsten Tage vorzubereiten. Wiederum kann ich mich nur zu gut daran erinnern wie ich das letzte Mal zu lang im Wasser war und anschließend drei Wochen Schnupfen hatte.
Dann lieber gehe ich mich kurz in ein Cafe aufwärmen. Zwar scheint die Sonne doch der Wind ist stärker. Er entzieht mir beim Spaziergang auch das letzte bisschen Restwärme. Der Kaffee schmeckt recht lieblos. Die nächsten Tage werde ich wohl bestimmt auf Wasser und Milchpulver ausweichen. Was bin ich doch für ein verwöhnter Reisender selbst teuren Kaffee zu verschmähen. Doch die Pasteten die dazu gereicht werden machen dem Kuchen zu Hause alle Ehre.
Am Nachmittag besuche ich den königlichen Palast und das Parlament. Ringsum die Königliche Bibliothek und die Stadthäuser zeugen von alten Zeiten. Etwas erstaunt bin ich über das vergleichsweise kleine Gebäude der Akademie der Wissenschaften an einem ebenso kleinen Marktplatz. Den Prunk, den Ruhm und die Ehre nicht heraushängen zu lassen gehört hier scheinbar seit jeher dazu.
Für den einen Tag zu Besuch in Stockholm kommt der Abend schneller als gedacht. Wieder geht es zum Bahnhof. Wieder den schweren Rucksack satteln und an dem über 300m langen Zug sein Abteil finden. Dann geht es in die Nacht. Schweden ist groß. Noch einmal 16 Stunden gen Norden.Læs mere
Abisko
17. marts, Sverige ⋅ ☁️ 0 °C
Die zweite Nacht im Zug verläuft weitaus ruhiger. Kein Ruckeln, kein Rattern, nicht mal der Waggon quietscht. Schwedische Wertarbeit! Mit zwei Reisegefährten aus Holland verbringe ich den Abend. Wir reden und spielen am Tisch. In den Bahnhöfen scheint Schnee zu liegen doch noch ist es nur das Salz vergangener Tage. Bereits um fünf Uhr wird es hell. Irgendwo über den Wolken geht bereits die Sonne auf. Der Zug wiederum befindet sich in leichtem Schneegriesel von außen gefrieren die Fenster. Mal sind die Bäume noch schneebedeckt, mal sind die Lawinen bereits von den Dächern gerutscht. Die wenigen Seen von der Bahnlinie scheinen noch unter dickem Eis. Am Wegesrand entdecke ich sogar einen Schneemobilfahrer. Die Zivilisation ist scheinbar niemals weit auch wenn es hier für März so unwirklich weit weg wirkt.
Vor der Einfahrt nach Kiruna bleibt unser Zug stehen. Fast schon wie bei der Deutschen Bahn kommt die Durchsage dass wir in 20 Minuten weiterfahren, und wieder und wieder und wieder 20 Minuten später die gleiche Durchsage. Bis mal jemand die Schallplatte wechselt und sagt dass vor uns eine kaputte Lok die Gleise blockiert. Kein Wunder, bei den Tonnen an Eisenerz die die Loks hier jeden Tag an die Küste schleppen sollen. Immerhin fällt eine Stunde Verspätung bei der langen Zugfahrt auch nicht mehr auf und eine Rückerstattung gibts obendrauf. Irgendwann weit nach Kiruna wechselt der monotone Wald plötzlich die Ortslage. Statt neben mir wachsen die Bäume jetzt Berghänge hinauf. Als Amerika und Europa sich nicht mehr einig waren und die Kontinente auseinander drifteten faltete sich das sehr alte Grenzgebirge zwischen Norwegen und Schweden vor gut 2 Milliarden Jahren. Die Berggipfel werden seither durch Wind und Wetter bereits wieder rund geschliffen. Und mittendrin schlängelt sich die Eisenbahn an einem See. Der Tornetresk ist Schwedens sechstgrößter See. Nach 1980km quer durch Schweden ist kurz vor Norwegen für mich Schluss. In Abisko steige ich aus.
Hier ist es so schön dass ich zwei Tage bleibe! Von einer Landschaft allein aus Schnee und Eis sind wir hier aber weit entfernt. Im nahegelegen Fluss wurde einst Strom für die Erzproduktion gewonnen und die schwedische Armee startet im Fjell seit über 70 Jahren jedes Jahr einen Gebirgsmarsch. Man ist immer noch stolz im zweiten Weltkrieg die Front zum besetzten Norwegen halten zu können. Hatte man doch zuvor in Lappland große Landstriche der Samischen Bevölkerung an Finnland abtreten müssen.
Am Nachmittag spaziere ich wieder der Warnungen im Hostel dass das Eis schon dünner wird in den nahegelegenen Canyon. Von den Wänden hängen Eiszapfen und am Abschluss zur Straße ergießt sich ein riesiger Eisfall den vier Bergsteiger zum Eisklettern nutzen. Jede Minute verändern sich die Wolken und die Sicht auf die umliegenden Berge. Aus der Eisschlucht laufe ich in der Abenddämmerung auf den See hinaus. Mit Polarlichtern wird es wohl eher nichts. Die nächsten Tage zieht ein Sturmtief auf. Dann lobe ich mir doch glatt ab jetzt jeden Abend die Schwedische Sauna - so als Trostpflaster.Læs mere
Wissen auf dem Eis
18. marts, Sverige ⋅ ⛅ 3 °C
Das Tageslicht weckt mich viel zu zeitig. Ich will mich noch einmal umdrehen doch es lässt mich einfach nicht. Da draußen gibt es viel zu viel zu entdecken!
Das Frühstück nehme ich im ersten Stock mit Panorama-Blick über den See ein. Die Schweden wissen wie sie ihre Berghütten bauen müssen. Alles in allem sind rings um Abisko schon außerordentlich viele Touristen allein wegen der Jagd nach Polarlichtern hier. Oder zum Eisangeln. Es gibt aber auch einige Gruppen die ebenso wie ich ihren Rucksack oder Schlitten packen und sich auf eine lange beschwerliche Reise vorbereiten. Doch die fängt erst morgen an. Heute will ich auf den See weiter hinauslaufen als es gestern Abend möglich war. Dabei packt mich der Wind mit voller Kraft. Die Temperaturen sind angenehm über Null. In der Nacht gab es Schneeregen. Überall sind Pfützen auf dem Eis. Ob es mich noch trägt? Nach 500m kommen die ersten größeren Risse. Und immer wieder steht das Wasser bis zu 5 cm tief. Vielleicht sollte ich doch nicht hier sein!?
Ruhig Blut, denke ich mir. Gestern sind auch noch welche drüber gelaufen. Aber gestern war eben auch das Wasser noch nicht in flüssiger Form da. Der Wind treibt mich von hinten an, immer weiter hinaus auf das offene Eis. Wo eine Pfütze ist besteht auch gerne mal die Gefahr auszurutschen. Eis ist eben glatt. Ich rette mich zum Mittagessen auf eine vorgelagerte Insel und versüße mir die Brotzeit mit Preiselbeeren und Schwarzkrähenbeeren direkt vom Strauch. In etwas Entfernung sehe ich zwei Autos auf dem Eis stehen. Die sind mutig! Bestimmt Eisfischer. Eigentlich will ich den Rückweg antreten und doch treibt mich die Neugier ich könnte was verpassen. Ich komme an dem ein oder anderen Eisloch vorbei. Alle sind sie mit einem Tannenbaum markiert damit niemand hineinfährt. Das Loch bei den zwei Autos markieren sogar vier Bäume. Und jede Menge Technik. Ich frage nach und ziemlich bald wechseln wir ins Deutsche soweit der Sturm hier draußen überhaupt ein Wort zulässt. Eine Forschergruppe aus Bremen hat gestern dieses Loch gesägt. 50cm ist das Eis derzeit dick. Ok, jetzt komme ich auch irgendwann zurück ans Ufer. Doch zuvor erzählen sie mir von ihrer Forschungsarbeit. Hier wird ein Gerät erprobt dass im Weltraum Wasseranalysen unter dem Eis vornehmen soll - wenn es denn mal irgendwann zum Einsatz kommt. So ganz final sicher sind sich die Forscher da nicht. Aber sie lieben die vielen kleinen Fortschritte auf dem Weg dorthin. Leider darf ich keine weiteren Details veröffentlichen, es wird ja noch geforscht. Immerhin kann ich jetzt von mir stolz behaupten dass ich in der Arktis an einem Forschungsprojekt teilgenommen habe. Statt nur zuzusehen habe ich Kabelbinder hin und her getragen. ;)
Auf dem Rückweg komme ich an ein paar weiteren eigenartigen Hütten vorbei. Hier haben die Eisfischer scheinbar wirklich Station gemacht und gleich ihren Wohnwagen auf Kufen mitten auf das Eis gestellt. Wer hat, der kann.Læs mere
Ein Sturm zieht auf
19. marts, Sverige ⋅ ❄️ -1 °C
Ich wusste dass der Anfang meiner Wanderung extrem anstrengend werden würde. Während ich das schreibe kann ich es nur bestätigen. Was für ein Tag! Ich schaue aus dem Panoramafenster und der Wind ist richtig lebhaft. Nebelschwaden wechseln sich mit Schneegriesel ab. Erst mal frühstücken, dann sehen wir weiter. Zwei Stunden sitze ich beim Frühstück. Internet und Empfang sind wegen dem Sturm immer noch ausgefallen. Doch irgendwann muss ich dann aufbrechen wenn ich noch bei Tag ankommen will. Als letztes hole ich die Ski aus dem Schutzraum.
Vor zwei Tagen lagen hier noch 10cm festgestampfter Schnee. Der Regen hat alles davon gewaschen. Mir bleibt nur die Ski zu tragen, der Rucksack hat ja erst 26Kg. Bald ist der Weg durch den Regen einfach überall nur noch vereist. Ohne Krallen komme ich keinen Meter voran und der Rucksack zieht zusätzlich wenn ich auf dem Eis wieder mal weg rutsche.
Der Fluss schlängelt sich am Weg entlang und zeigt hier und da weite Spalten durch die ein türkisblaues Licht schimmert. An einer Schutzhütte gibt es eine erste Rast. Ein Tagesausflügler kommt mir entgegen. Gestern wurden hier am Fluss Elche gesichtet. Derweil gebe ich mich auch mit Kohlmeisen und Schneehühnern zufrieden die vor mir aufflattern. Der Frühling steckt in den Startlöchern. Das sagt mir leider auch die Schneequalität. Wo es mit Skifahren geht ist es sehr verharscht. Wo es wirklich schlimm ist liegt das blanke Eis auf dem Weg. Hang abwärts habe ich bedenken und meistere sie auf Ski dennoch bravourös. Kurz darauf Hang aufwärts haut es mich dann doch hin. Voll auf die Nase! Ich muss erstmal ein Pflaster suchen. Wortwörtlich habe och die Nase voll und trage die Ski wieder.
Der Regen wird mehr und mehr zum Schneematsch. Vielleicht doch noch ein Versuch auf Skiern? Ich muss üben - nur dann wird es Tag für Tag besser. Und die wahren Herausforderungen starten erst morgen! An dem verharschten Schnee versagt meine Ski-Bindung. Ist jetzt vielleicht doch so ein Moment der mir sagen will „ich sollte lieber umkehren bevor es dunkel wird“? Ich setze mich in den Windschatten. Nö! Jetzt erst recht nach Vorne. Hinten wartet nur wieder das Eis auf mich. Zum Glück hat der Wind nachgelassen. Dem wäre ich auf dem See hilflos ausgeliefert. Stattdessen dauert es nicht lang und ich merke wie ich im Wasser versinke. Drunter ist noch dickes Eis doch oben hat der Regen alles aufgeweicht und zwingt mich zu einem Umweg. Der Schnee pappt so sehr dass ich ihn nicht fahren kann. Die Ski darf ich mehr tragen als fahren. Dieses ständige An- und Ausziehen zehrt an meinen Kräften. So kann das nicht weiter gehen. Erst mal was essen. Wie aus dem Nichts taucht nach 6 Stunden im Nebel die Hütte auf. Abiskojaure ist zum Greifen nah. Nur noch einmal durch das Wasser waten. Der Hüttenwart erwartet mich bereits und meint ich wäre heute nicht mal der Letzte. Schnell erklärt er mir wo ich Wasser, Toilette und Sauna finde. Umgekehrt! Die Sauna war ihm das Wichtigste.
In geselliger Runde gibt es Abendbrot. Die Knochen tun mir bis ins Letzte weh. Einer spielt Gitarre. Diese Abende wo es keinen Strom gibt sind immer einzigartig und wie ich finde jedes Mal die Strapazen wert.Læs mere
Weißer Regen
20. marts, Sverige ⋅ ❄️ 0 °C
Im Morgengrauen drehe und wende ich mich vor Rückenverspannung. Die Sauna hatte nur zum Teil ihre Wunder gewirkt. Dann halt aufstehen. Der Hüttenwart geht mit seinem Hund gerade Gassi. Da kann ich mitgehen.
Nach drei Tagen über dem Polarkreis ist die Morgenroutine bereits eingespielt. Zum Morgen muss der Rucksack so leer wie möglich werden. Zumal heute mit 22km die längste Teilstrecke auf dem Programm steht. Zu Hause ein Klaks, hier sind 9-10 Stunden angesetzt.
Zu Beginn geht es weiter durch den Birkenwald und ich habe jetzt jede Menge Zeit für schöne Fotos. Trotz des schlechten Wetters ziehen die Wolken schnell und geben immer wieder andere Gipfel frei. Dann folgt ein kleiner Anstieg - 300 Höhenmeter - eigentlich auch ein Klaks wenn sie sich denn nicht kontinuierlich auf 18km verteilen. Denn als heutige Herausforderung zeigt sich bald dass der Wind von Vorne kommt und sich hinter jedem Stein eine kleine Schneewehe aufbaut. Der Schnee ist nicht vereist, er pappt bei kurz über Null Grad. Er pappt so gut, dass ich ständig auf Stelzen Laufe. Es nervt mich. Und ich bin selten aus der Ruhe zu bringen. Ich trage die Ski ein Stück, dann probiere ich es wieder. Der Schnee kennt keine Gnade, er pappt. Als ich wieder mal trage kommt mir die erste Skifahrerin mit Rückenwind aus Alesjaure entgegen. Sie bietet mir an die Ski zu wachsen. Vielleicht hilft‘s heute. Verlieren kann ich nichts. Doch der Plan geht nicht auf. Der Ski taut auf und perlt, doch im Schnee pappt er wieder.
Ich trage es mit Fassung bis zu einer Nothütte auf halbem Weg. Mittagessen, wenn auch etwas verspätet. Die Hütte ist voll mit etwa zwölf Leuten die alle ihre Riegel und Dosen futtern. Keiner spricht. Jeder atmet tief durch während draußen der Sturm weiter mit 28m/s tobt. Immer schön i s Gesicht. Die Stimmung sagt viel über die Stimmung in der Gruppe. Jeder ist erschöpft. Noch liegen 7km vor uns. 2-3 Stunden!
Entlang vom See wird der Gegenwind zur Tortur. Warum tue ich mir das nochmal an? Hier oben im Norden ist der Klimawandel echt ein Problem und trifft mich gerade von unten wie von oben mit voller Wucht. Immerhin laufen die Ski jetzt etwas besser, allein weil es ein Grad kälter ist. Am anderen Seeufer taucht eine Samensiedlung auf. Jetzt kann der Weg nicht mehr weit sein. Mein Rücken schmerzt und wird mich in den nächsten Tagen hassen. Die Landschaft lädt zum Glück tatsächlich jeden Meter wieder dazu ein den Rucksack mal für zwei Minuten abzusetzen. Wohl dem wenn ich in dem Wind nicht auskühle.
Nach 8:45 Std erreiche ich trotz aller Widrigkeiten die rettende Hütte. Hier ist viel Trubel. Von Süden und von Norden kommen Wanderer hier an. Die aus dem Süden sind eindeutig schneller. Während ich mich heute zuerst auf die Sauna und auf‘s Essen freue gibt es bei Anderen erste Komfortverluste. Bei einer Schneeschuh-Läuferin lösen sich gerade die Sohlen von Schuhen und eine Gruppe Jugendlicher fragt mich ob die Heizung kaputt ist weil die Gasflamme so klein wäre. Wissen die Leute manchmal überhaupt wo sie sind und wie dankbar sie sein sollten hier überhaupt irgendwelchen Schutz zu finden? Zumindest außerhalb der vier Wände verzeiht die Natur heute Abend keine Fehler. Weit in der Dunkelheit erreicht eine Pulka-Gruppe von den Franzosen die Hütte. Mal sehen ob sie morgen auch weiterziehen.Læs mere
Im inneren einer Schneekugel
21. marts, Sverige ⋅ ❄️ -4 °C
Das Problem meiner Reisebegleiter mit den Schuhen hat sich zum Guten gewendet. Der Hüttenwirt hat eine Hütte nur voll mit Zeug was vor Ort liegen gelassen wurde. Da waren doch tatsächlich auch Winterschuhe in der passenden Größe dabei.
Der Morgen kann sich noch nicht recht entscheiden ob es heute stürmt und schneit oder stürmt und regnet. Selbst in der Sauna waren wir gestern Abend nur zu dritt weil bei dem Wind keiner raus wollte. Zwischendurch guckt sogar die Sonne heraus. Allgemein war es zuletzt immer so dass die Tage in weiß waren und in der Nacht kamen selbst gestern wieder die Sterne raus und Polarlichter zeigten sich hinter den Bergen. Von der Hütte geht es vorbei am Wasserloch hinaus auf den Fluss. Der erste Kilometer fährt sich recht leicht und ich bin guter Dinge dass ich nach zwei Tagen nun doch langsam den Dreh raus habe. Ski fahren bei Sturm ist ja nur das Eine, bei Sturm mit Rucksack ist dagegen extrem anders. Der Rucksack macht wie ein Segel was er will. Und hat man den im Griff machen die Ski was sie wollen. Habe ich einmal festen Stand öffnet sich hinter mir ein Schönwetter-Fenster und das ganze Tal erscheint im Sonnenlicht. Ich kann gut mit einer Tschechischen Familie mithalten. 3 Leute, 2 Pulkas - das scheint mir hier die perfekte Arbeitsteilung. Doch dann schüttelt im nächsten Moment wieder jemand an der Schneekugel. Flocken wirbeln, Regen prasselt von vorn auf meine Schneebrille.
Das leicht hügelige Terrain weht den Schnee zusammen. In Tälern liegen Treibschnee-Haufen dass selbst die Ski einsinken und auf den Hügeln fehlt er komplett. Das blanke Eis bietet kaum Halt um auf den Ski stehen zu bleiben. Bergab legt es mich einmal mehr auf das Eis. Da unten ist es ziemlich windstill. Perfekt für eine Brotzeit! Doch ich darf nicht auskühlen. Sobald ich mich nicht bewege gefrieren sofort die Handschuhe von außen. Meine Weggefährten muss ich ziehen lassen. Ohne Skifelle bin ich auf dem Eis ein Spielball.
Von hinten kommt bald ein gestandener Vollbart. Die Fellkapuze komplett vereist, der Bart komplett vereist - nördlich vom Polarkreis herrschen andere Bedingungen an Mensch und Material. „Das hilft alles nichts. Bei diesem Wetter muss man einfach weiter laufen.“ …ein rotes Kreuz, … zwei rote Kreuze … ich rutsche mehr zurück als nach vorn. Die Ski abzuschnallen und hinter mir her zu ziehen ist leider auch keine Lösung. Sie verhaken sich ständig und der Wind spielt mit ihnen. Ich versuche es nochmal. 100m später ramme ich die Skistöcke in den Schnee. Ich will nicht mehr! Keine Lust! Fertig! Der Sturm zollt einmal mehr Tribut. Irgendwie muss och die Ski auf den Rücken schnallen. An der komme ich den Berg nicht hoch. Ein whiteout folgt auf den Nächsten. Ohne Orientierung bleibe ich stehen und verharre was da kommt. Dazwischen kann ich immer mal ein Kreuz erahnen. Und so stapfe och langsam aber sicher im Tiefschnee bergauf. Irgendwo ist der Berg zu Ende. Irgendwo ist die Hütte.
Weder der Wind noch der Schnee lassen nach. Als die rettende Tjäktja-Hütte naht wachsen die Eiszapfen schräg an den Dächern. Wo keine Schneewehe liegt ist es glatt. Der Hüttenwirt macht zudem wenig Hoffnung dass in den nächsten zwei Tagen Wetteränderung eintritt. Während dieser Sturm in die Verlängerung geht meint er eher beiläufig seit er Mitte Februar die Hütte aufgeschlossen hat gab es hier ohnehin erst 3 sonnige Tage. Für ihn ist das eine gewisse Normalität.
Am Abend sitzen wir bei Uno und MauMau am Tisch. Alle zwei Stunden gibt es etwas zu Essen. Ich hüte mich vor dem Moment auf Toilette zu müssen denn die Schneekugel wirbelt weiter.Læs mere
Über den Tjäktja-Pass
22. marts, Sverige ⋅ ☁️ -1 °C
So ein Mist. Weil ich mich gestern Abend mit der Toilette bewusst zurück gehalten habe drückt die Blase schon im Morgengrauen. Auch wenn gerade erst Tag und Nachtgleiche war dämmert es hier schon wieder gegen fünf Uhr. Und jeden Tag zehn Minuten zeitiger. Zumindest muss ich um die Uhrzeit am Klohäuschen nicht anstehen. Danach kann ich mich noch einmal hinlegen, doch Einschlafen klappt jetzt im Hellen nicht mehr. Dann beginnt um 6 die Morgenroutine. Tagesrucksack packen, Brote schmieren, frühstücken, eventuell auch ein zweites Mal frühstücken. Bei dem anhaltenden Sturm gibt es genügend andere Ausreden nicht vor die Tür zu müssen. Essen gefällt mir am Besten. Mein Tischnachbar, der eingefrorene Vollbart von gestern sieht das genauso.
Doch irgendwann heißt es Rucksack packen und Abwasser raus bringen bzw. neues Wasser holen. Das Wasserloch wird heute zur ersten Herausforderung des Tages. Die Wegbeschreibung gleicht der wie sie bei einem Schneesturm nur aus einem bösen Märchen stammen kann. „Beim sechsten roten Kreuz links abbiegen und den Hang runter. Vorsicht! Unten Glatteis. Vorsicht! Beim fünften und beim siebten Kreuz nicht abbiegen. Steiler Felsabhang.“ Ich erreiche das Wasserloch unversehrt und habe noch jemand gefunden der mir bei den arktischen Bedingungen hilft den 25l-Kanister zu füllen. Heute sind wir die Ersten an der Wasserstelle. Das Loch ist bei -10 Grad über Nacht zugefroren und es liegen 1,5m Schnee darüber. Runter klettern mag ich nicht und versuche es mit einer Feuerlanze wieder aufzuhacken. Das gelingt ein kleines Stück, doch dann müssen wir das Wasser mit einer selbstgebauten verlängerten Kelle schöpfen und in den Kanister balancieren. Das ist aufwändig und dauert lange. Zum Glück habe ich noch die warmen Sachen an die ich beim Gehen stets ausziehe. So lässt es sich den Naturgewalten trotzen.
Im Unterhemd, T-shirt und natürlich Jacke geht es dann wieder auf die Ski. Kreuz für Kreuz führt der Weg hinauf zum Pass. Der Tjäktjä-Pass ist der höchste Übergang auf dem Kungsleden. Er hat nur 1150m doch bei dem Sturm ist auch das kein Zuckerschlecken. Dankbarer Weise läuft der Ski und ich muss sie nicht durch metertiefe Schneewehen tragen. Oben angekommen existiert eine kleine Schutzhütte. Ein paar Pulka-Fahrer sind schon durch doch nach mir kommt lange niemand. Zeit durch zu schnaufen. Einen Apfel und einen Tee später geht es den steilen Hang vom Pass hinunter.
Neues Tal, neues Wetter. Für die nächsten Kilometer ist die Sicht grandios und der Wind fast still. Der Ski will meist schneller bergab als ich und so fällt es oft schwer das Gleichgewicht zu halten. Drei Mal messe ich mit der Nase die Schneetiefe und bin dankbar dass anders als beim Ersten Tag kein Eis darunter ist. feinster Tiefschnee! Unten angekommen stockt der nasse Neuschnee wieder und ich stapfe mehr als dass ich fahren kann. Doch tragen ist heute keine Option. Ohne Schneeschuhe wäre der Neuschnee heute hier viel zu tief. Wieder braucht es fünfeinhalb Stunden bis ich in Sälka bin und bekomme keine gute Nachrichten für das morgige Wetter. Wieder ist Sturm angesagt, stärker als in den letzten Tagen. Ich werde meine Route wohl anpassen müssen.
Den Abend verbringen wir bei Kerzenschein und Kartenspiel. Am Tisch kommen Fragen auf weil im Zimmer bereits seit Mittag jemand im Bett liegt und schläft. Um vier kommt er raus, isst „Abendbrot“ und schläft weiter. In der Sauna folgt dann die vermeintliche Auflösung. Der Hüttenwirt ermahnt uns nicht das kalte mit dem kochenden Wasser zu verwechseln. Das hat wohl gestern einer geschafft und man hat vier Stunden gebraucht ihn nach der Verbrühung mit Eis zu kühlen. Ok - so viel Vorsicht muss sein, jedoch ist Sauna definitiv toll und besser noch wenn man nachher in den Schnee rausspringen kann und sich wie Kleinkinder darin wälzt.Læs mere
Unterwegs im Tjäktjavagge
23. marts, Sverige ⋅ ❄️ -2 °C
Wo andere sagen die Würfel seien gefallen muss ich eher gestehen sie sind auch am fünften Tag in Folge vom Winde verweht. In Sälka haben wir die Hütte mit einer geführten Gruppe Belgier geteilt. In der Sauna hatte ich einen der Bergführer keuchen gehört. Deren Ziel ist eine Gebirgsüberquerung nach Norwegen mit der Pulka. Jeden Tag 25-30km. Das sind jeden Tag 10 Stunden in meinem Tempo. „Oh je, dass sind alles gestandene Triathleten. Die hängen mich schon am zweiten Tag ab und wollen das noch bis Norwegen so weiter durchziehen.“ Die Belgier gehen die Route nach Haukejaure die ich mir auch vorgenommen hatte. Doch der Wind dreht. Aus den 25km Gegenwind mit Schneegestöber werden es heute zwölf denn och habe noch ein Bett in einer eigentlich schon ausgebuchten Hütte in Singi ergattert.
Los geht es wieder ohne jede Sicht auf die Berge. Eigentlich ist das Tjäktjavagge ein 30km langes Trogtal das von unzähligen Bergen eingerahmt ist. Für mich ist es seit fünf Tagen eine Linie roter Kreuze durch Eis und Schnee. Nur Berge gibt es selten. Die Ski laufen hingegen gut. Ich kann mit unserem Franzosen Valentin git mithalten. Der ist sonst immer der Schnellste und plötzlich sehe ich ihn das erste Mal im Schnee liegen. Schön langsam nähere ich mich der Abfahrt, nehme langsam Fahrt auf und Schwupp…plötzlich fliegen meine Ski durch die Luft. Das gab es ja noch nie! Eine Schanze mitten im Nichts ist schon gemein. Doch och bin weich gelandet und kann mich nicht beklagen. Ist ja heute auch schon der zweite Sturz und wird nicht der Letzte sein.
Das schöne an den Winteretappen ist immer eine Schutzhütte zwischen den eigentlichen Hütten. Ich kann mich dort aufwärmen und den Rucksack erleichtern. Die darauf folgende Strecke wird sehr wellig. Im Schnee ist das so schwierig da man nicht erkennt wann es abwärts geht und wann man unten im Tiefschnee plötzlich mit der Nase stecken bleibt. Nachdem es wieder einmal so weit ist setze ich mich auf den nächstbesten Stein und verschnaufe. Etwas unterhalb von mir von mir drehen zwei Pulkas ihre Kreise und fotografieren sich dabei. Als ich dazu komme sehe ich neugierig welche alten Fotoapparate sie benutzen. Sie sagen dass beide Fotografie studieren und eine Expedition mit Pulka und Zelt auf 8mm Film und Spiegeldia festhalten. Gewicht ohne Ende, aber cool!
Extra für sie hat sich auch der Himmel gelichtet. Plötzlich scheint die Sonne durch das Tal und die Berge glänzen in weiß. Am Fluss taucht ein Samen-Dorf auf. Jetzt ist es nicht mehr weit. Für die Samen ist jetzt „Frühlingswinter“. Sie teilen das Jahr in acht Jahreszeiten und ordnen ihnen bestimmte Aufgaben und Orte bei der Arbeit mit den Rentieren zu. Im Moment sind diese Siedlungen verlassen. Die Kühltruhe für das Rentierfleisch ist leer.
Ich bin recht zeitig angekommen. Die nächsten Tage möchte ich die Touren etwas kürzer halten und mich erholen. Der Husten von dem vielen Wind will mich nicht verlassen. Beim Hüttenwirt gibt es wie immer einen warmen Saft. Und dann - nach Tagen das Erste Mal wieder Mittagsschlaf. Erfolgsfaktor = 100%. Zum Nachmittag steht zunächst wieder Hausarbeit an. Holz hacken und später auf einem Spaziergang Wasser holen. Das Wasserloch ist eine Weltreise für sich. 600m irgendwo unten am Fluss und dann noch vom Schnee verweht. Dafür zieht der Himmel noch auf und der Mond zeigt die wahre Größe des Tjäktjavagge.Læs mere
Schichtwechsel
24. marts, Sverige ⋅ ☁️ -8 °C
Es ist frisch geworden über Nacht. Gestern Abend fegte der Wind den Schnee noch durch die undichten Fenster. Doch der hat sich gelegt. Mit jedem Augenblick den die Dämmerung weiter voran schreitet zeigt sich heute früh ein Winterwunderland. Der Weg zur Toilette ist stark vereist was unausgeschlafen schnell gefährlich wird. Es hat einen kleinen Temperatursturz von Null auf -8 Grad gegeben. Alles ist wie ausgewechselt! Nach dem Frühstück reibe ich mir die Augen nochmal und überlege wie ich heute den Kameraakku vor dem Kältetod rette. Der wird heute wohl im Dauereinsatz sein.
Doch erst heißt es Abschied nehmen. Die letzten fünf Tage hatte ich treue Wegbegleiter die mich Abends in der Hütte bei Kartenspiel und Tee empfangen haben. Doch deren Weg schlägt eine andere Richtung ein. Ich laufe weiter gen Süden auf dem Kungsleden nach Kaitumjaure. Kurz darauf nimmt das ungleiche Schauspiel seinen Lauf. Eine Rentiermama mit ihren drei Jungen läuft vor mir über den Schnee. Auf einer Kuppe bleiben sie stehen und beobachten mich. Dann kommen zwei andere Skifahrer und weg sind sie.
Während ich die Schnee- gegen die Sonnenbrille getauscht habe kann och die Kreuze heute in etwas weiterer Entfernung passieren und bleibe auf dem Fluss anstatt in den Hügeln ständig die Schneetiefe zu messen. Das klappt super! Der gefrorene Fluss fließt ja auch bergab und so komme ich auf dem Eis doppelt gut voran wo es nicht zugeweht ist. Links und rechts die Berge sind ein Augenschmauß. Genau dafür bin ich hergekommen. Fünf Tage harter Entbehrung sind dem voraus gegangen und ich wurde nicht enttäuscht.
Zum Mittag spielen die Schneehühner in einer Schlucht wo der Fluss im Sommer in Terrassen hinab stürzt. Daneben folgt der Weg langsam stetig bergab. Mit dem Schnee der über Nacht gewechselt hat komme ich perfekt zurecht und brauche so nur an zwei besonders steilen Stellen abzuschnallen. Es rutscht so super dass ich zu Mittag bereits in Kaitumjaure bin. Vor mir türmt sich ein steiles einschüchterndes Bergmassiv. Da will ich nicht rauf! Irgendwo hier im Wald muss aber doch die Hütte sein? Ein letzter steiler Stich dann gibt sie ein herrlicher Blick über den Kaitumsee frei der sich hier im Gebirge schlängelt. Der Hüttenwirt ist gerade ausgeflogen. Auf dem Tisch liegt eine Nachricht. Daneben warmer Tee und Schokolade. Am Nachmittag will er wieder kommen. Noch immer sind wir nur zu dritt angekommen. Ob noch weitere folgen bleibt unklar. Und so teilt der Hüttenwart am Nachmittag nicht nur jedem ein Bett sondern seine ganze eigene Hütte zu. Die Saunazeiten werden ebenfalls durch drei geteilt.
Bis ich dran bin gibt es erstmal Kekse und Muskelnahrung. Dann geht es zu einem Ausflug hinaus auf den See Padje Kaitumjaure. Ganz ohne Gepäck. Ist das herrlich! Der Rücken dankt es schon lange vor der Sauna. Am Anfang haben noch ein paar Schneemobil-Touristen das halbe Eis zerfurcht. Später ist die Eisfläche allein ein Spiel von Schneewehen und überfrorenen Eisschollen. Gemütlich gleite ich dahin. Links und rechts türmen sich steil die Felsen auf. Fast schon bedrohlich schieben sich erneut Schneewolken vor die Sonne. Spätestens jetzt ist es Zeit zurück zu fahren denn auf dem weitläufigen See ist nichts markiert. Wenn ich hier in einen whiteout gerate ist das blöd. Mit Rückenwind schaffe ich den Weg sogar noch in der halben Zeit. Rückenwind! Ich wusste gar nicht dass dieses Wort überhaupt noch existiert. Ein bisschen fühlt es sich an wie Massage nach fünf Tagen Gegenwind.
In der Sauna löse och den Hüttenwart ab. Er meint dass er mit seinen 70 Jahren immer noch freiwillig für den schwedischen Tourismusverein in jeder Saison auf einer anderen Hütte wohnt. In der Regel fünf Wochen, manchmal auch neun. Im Lauf dieser Woche kommt seine Ablösung wenn das Wetter nicht alles verzögert. So lange fährt er Tag ein Tag aus immer zur Mittagszeit mit seinen Ski in die umliegenden Berge und geht danach in die Sauna. Das Leben kann so einfach sein.Læs mere
Stora Sjöfallet
25. marts, Sverige ⋅ ☁️ -2 °C
Beim Frühstück kommt der Hüttenwart und bittet mich um Hilfe. Eine von seinen Gasflaschen muss getauscht werden. Zu Beginn der Saison wurden 600kg Essen, privates Equipment und eben ca. 1200kg Gas mit dem dem Schneemobil auf die Hütte gebracht. Doch jetzt muss die Flasche vom Lager auf einem Schlitten zur Hütte. Griffe, wie man das von so einer kleinen Flasche zu Hause kennt, haben die 50kg-Flaschen natürlich nicht und sind so einfach nur unhandlich. Besonders wenn der Hüttenwart das eigentlich allein hinbekommen soll. Einer zieht, einer schiebt. Bis zur nächsten Schneewehe geht das gut. Bei der Hütte hat sich jedoch eine zwei Meter hohe Schneewehe aufgetan und die muss die Flasche jetzt möglichst unbeschadet runter. Da tun einem die Arme schon weh bevor man überhaupt Ski fährt.
Aber hey, es ist so ein schöner Tag. Danach den Rucksack aufgeschnallt und los geht es. Der Winterweg verläuft bekanntlich etwas anders als der Sommerweg und führt zuerst direkt über zugefrorene Wasserfälle. Ski auf Eis rutscht in alle Himmelsrichtungen. Doch sonst kann ich mich eigentlich nicht beklagen - oder doch? Ich weiß ich habe Sonnencreme dabei. Allein ich finde sie nicht mehr nachdem ich sie über eine Woche lang getrost gegen Frostschutzcreme eingetauscht habe. Um keinen Sonnenbrand zu bekommen hilft da nur Vollvermummung.
Dass der Tag schweißtreibend werden würde wusste ich zum Glück schon vorneweg. Auf der Mourka-Hochebene kommen mir einige Pulka-Fahrer entgegen. Sie müssen wohl draußen im Zelt geschlafen haben. Der Blick reicht zurück bis zum Kbnekaise, Schwedens höchstem Berg. Und vorn sehe ich in einiger Entfernung bereits den Sarek-Nationalpark. In zwei Tagen bin ich dort. Doch hier und jetzt befinde ich mich in Stora Sjöfallet Europas erster Nationalpark überhaupt. Hier darf schon seit 1909 Natur, Natur sein. Auch wenn der Name eigentlich von großen stürzenden Wasserfällen verkündet sind die meisten im Raubbau großer Wasserdammprojekte des letzten Jahrhunderts längst verschwunden. Der See an gleicher Stelle bildet heute die Grenze zweier verschiedener Samengruppen. Am Wegrand stehen vom Sommer allerlei Infotafeln über das Leben und Arbeiten der Samen. Getroffen habe ich hier im Frühlingswinter noch keine, leider.
Ein harter steiler Abstieg zwingt mich die Ski abzuschnallen und hinunter zu tragen. Der Schnee ist in der Mittagssonne knietief und völlig instabil. Nasse Schuhe sind vorprogrammiert. Dafür habe ich den Nachmittag bereits Zeit sie zu trocknen und nachher ein paar Runden auf dem See zum Langlauf zu gehen. Dabei begegne och am anderen Seeufer ein paar Fußstapfen Größe 52 XXL. Erst wenig später realisiere ich dass sie von einem ausgewachsenen Elch stammen.
Bis zum Abend scheint es ich wäre der Einzige auf der Hütte, dann kommt doch noch einer. Er ist heute mal eben 33km gelaufen. Und gestern auch. Und die 25 Tage davor auch! Und die nächsten 10 Tage will er das auch noch. Ich fühle mich hier auf meine vielen Jahre Reiseerfahrung manchmal schon ein wenig als Underdog. Der blutige Anfänger der gerade lernt und auf eigenen Beinen stehen will.
Wie klein die Welt doch ist diskutieren wir in der Sauna aus. Ohne dass sie es wussten stammen die beiden Hüttenwarte von gestern und heute beide aus Göteborg. Gekannt haben sie sich vorher nicht aber der eine dem anderen sein Schwiegersohn schon. Eigentlich würde die Familie sie hier während der fünf Wochen besuchen kommen doch die Hütten sind beide zu weit abgelegen. Selbst für normalsterbliche Schweden.Læs mere
Vakkotavare - das Ziel der langen Reise?
26. marts, Sverige ⋅ ❄️ -2 °C
Es schneit ein wenig wenn ich am Morgen die Vorhänge am Fenster aufziehe. Ohne sie scheint die Sonne mittlerweile bereits ab 5 Uhr. Doch als ich heute früh aus dem Fenster schaue bin ich gar nicht so böse dass ich es nicht unnötig eilig hatte und gestern den See erkunden konnte. Umso mehr ist heute die Frage schaffe ich es rechtzeitig bis an die Straße nach Vakkotavare oder nicht? Einmal am Tag kommt da der Bus vorbei und sammelt alles ein was aus dem Fjell wieder raus will. Uhrzeit, eher vage am Nachmittag.
Ich will die Ski nur nochmal präparieren damit ich es bergauf heute leichter habe. Der Neuschnee pappt sonst wieder. Nach dem Frühstück geht es im Schneegestöber über den See und kräftig bergauf. Man muss ja auch mal dankbar sein wenn die Sonne einen nicht schon am frühen Morgen wieder ins Schwitzen bringt. Als ich das Birkenwäldchen verlasse verlassen mich auch die letzten Kreuze. Es hieß der Winterweg sei durchgängig markiert doch es folgen nur noch Stöckchen um Stöckchen das jemand mühsam am Beginn der Saison in den Schnee gebohrt hat. Die erkennt man natürlich auch schlechter im einheitlichen Weiß als so ein Kreuz. An einer Stelle dauert es natürlich auch nicht lang und ich habe die Stöcker verloren. Hinter mir der letzte und vor mir keiner mehr. Ein wenig kann ich mich an dem Stand der Sonne orientieren die nun langsam durch die immer dünneren Wolken schielt. Das war ja fast schon klar dass auch der letzte Tag noch eine besondere Prüfung für mich bereit hält.
Nachdem ich Tage lang mit dem Ski und dem Eis gerungen habe offenbart sich nun das Drama in Form einer weißen Fjelllandschaft, ohne jegliche Steine, ohne Markierungen. Wenn ich die Sonnenbrille absetze muss sich das Nirwana so ähnlich anfühlen. Doch es hilft ja nichts. Kompass raus und die Richtung halten. Nach etwa einer Stunde erblicke ich eine Hütte die so gar nicht auf der Karte verzeichnet ist. Im Windschatten habe ich Zeit für eine Verschnaufpause und bemerke dass ich gut einen Kilometer westlich vom eigentlichen Weg abgekommen bin. Das muss ich später nochmal üben. Doch ich liege immer noch gut in der Zeit, bin mittlerweile pitsch nass durchgeschwitzt und muss aufpassen dass ich nicht unterkühle. Schnell weiter! Am Horizont entdecke ich einen tiefen Taleinschnitt zu dem ich weiß dass ich hin muss und irgendwann kommen die ersten Felsbrocken auch wieder aus dem Schnee.
Die ersten Menschen des Tages treffe ich kurz vor dem steilen Abstieg hinunter zum Stausee. Es ist eine Gruppe Deutscher und Schweizer die sich bewusst für eine Tour nach dem Sturm entschieden haben. So im Nachhinein sage ich, das war unangenehm aber alles gar nicht so schlimm. Sie fragen mich ob ich einer Gruppe Japaner begegnet sei und ich muss verneinen.
Im Sturzlauf treibt mich der Rucksack mit seinem Gewicht das Tal hinunter. Ich bin endlich wieder an einer Straße. Acht Tage sind seit der letzten Straße in Abisko vergangen. 120 km durch das Eis, den Tiefschnee und den rauen Wind. Klar hätte die Aussicht manchmal besser sein können doch am Ende bin ich auch für genau dieses Gefühl der Ausgesetztheit unterwegs die eigenen Grenzen ein Stück weit zu verschieben.
In der Hütte von Vakkotavare kann ich mich aufwärmen. Der Bus ist noch nicht vorbeigekommen. Auch hier fragen sie mich wieder nach der Gruppe Japaner. Wieder verneine ich. Sie wären wohl gestern Abend losgezogen. Viel zu spät um Teusajaure zu erreichen und selbst für normale Verhältnisse viel zu schlecht ausgerüstet. Doch dann hatte es über ja Nacht Neuschnee in die Berge getrieben. Allen ist ein wenig Besorgnis anzumerken. Umso wichtiger ist es dass man sich in den Bergen immer registriert. Wer will wann wohin gehen? Das haben sie nicht gemacht und so wird wahrscheinlich auch nicht gleich ein Suchtrupp loslaufen.
Den Ausgang der Geschichte kenne ich leider nicht. Mein Bus kommt und ich habe mich entschieden noch zwei Tage anzuhängen da ich im Fjäll einen Abstecher wegen schlecht Wetters auslassen musste. Am Nachmittag überquere ich fast schon mit Leichtigkeit den Stausee und ende in Saltoluokta. Für die letzten Tage ist dieses Wanderheim verhältnismäßig groß und leicht zu erreichen. Der ideale Ort um in der Sauna auszuspannen und sich ein wenig zurück an die Zivilisation zu gewöhnen.Læs mere
Kaffeekranz in Petersau
27. marts, Sverige ⋅ ☁️ -4 °C
Wer auch immer irgendwo auf der Karte bei den Samen an einer einsamen Siedlung ein Café einzeichnete hat mir gleichzeitig für heute den Floh in den Kopf gesetzt das herauszufinden. Dabei kann ich mich nur mühsam aus dem Bett quälen. Ich war scheinbar tatsächlich gestern ein ganzes Stück zu viel gelaufen. Macht nichts. Bei dem herrlichen Wetter, die Sonne strahlt, kaum ein Lüftchen. Gut dass ich noch zwei Tage angehängt habe.
Der Wald rings um Saltoluokta ist vereist und den soll ich jetzt als Erstes bergauf. Anstatt der Schneemobilspur folge ich einer vermeintlich ausgetretenen Skispur die durch den Birkenwald führt. Einen Schritt vor, einen halben zurück. Der Ski rutscht heute in beide Richtungen gut. Während ich die letzten Tage gewohnt war dass die Bäume links und rechts des Weges stehen verheddere ich mich heute regelmäßig im Birkengestrüpp. Zumal der Weg auch nicht im V-Schritt ordentlich bergan geht sondern mühsam im Zickzack um jeden Höhenmeter kämpft. Doch die Aussicht über den Stausee im Tal ist super. Nach etwa zwei Stunden ertappe ich die Übeltäter dieser Spur auf frischer Tat beim Mittagessen. Eine geführte Gruppe von 10-15 Tagestouristen. Ausgestattet mit Kompass, Schneeschaufel und Isomatte um sich in der Sonne einen Schneestuhl zu bauen und ja nicht den Popo zu erkälten. Nun muss ich meine Spur jedoch selbst finden. Die Schneewehen sind leicht überfroren doch darunter sinke ich tief in den Neuschnee. Es ist anstrengend, auch ohne Rucksack. Vielleicht fehlt mir durch ihn heute einfach auch dass nötige Gewicht auf dem Ski.
Oben angekommen bin ich jedenfalls überglücklich nach über 2 Stunden diese 350 Höhenmeter hinter mir zu lassen. Und vor mir eröffnet sich das weite Fjäll bis hinein in den Sarek Nationalpark. Doch mein Tagesziel kann ich am Horizont nur erahnen und vor mir öffnet sich zudem ein Fluss der so überhaupt nicht zugefroren ist. Ich darf also noch ein paar Umwege durch den Tiefschnee mäandern bis ich eine gefrorene Stelle finde die mich auch trägt. Zum späten Mittag gelange ich von meinen Abwegen auf den Schneemobiltrek gen Westen. Nun geht es wie auf dem Highway schnell ans Ziel. Petsaure, wie der Ort heißt, ist ein Winterdorf dass anders als die vielen vorherigen auch jetzt von den Samen bewohnt ist. Doch ich konnte es mir schon denken. Mangels Kundschaft hat das Café leider geschlossen. Zufrieden über den tollen Ausblick setze ich mich auf die Veranda vor der Sauna und esse mein Pausenbrot. Immer wieder flitzt ein Schneemobil über den See. Die meisten sind um diese Uhrzeit wohl vermutlich Eisfischen. Auf dem Rückweg nehme ich eine etwas andere Route. Der Wintertrail ist gut markiert und bei dem Sonnenschein kann ich ihn heute nicht nochmal verlieren. Bei einer kleinen Rast beobachte ich Schneeammern. Es sind die ersten Vorboten dass der Frühlingswinter im vollen Gange ist. Der Trail wird jedoch nicht nur von den Tourengehern gelaufen. Auch hier fahren jede Menge Schneemobile nach Petsaure und zurück. In den letzten Tagen hat es hier schon sehr viel geregnet und erst seit wenigen Tagen liegt darüber wieder Schnee. Nun muss alles in die Siedlung transportiert werden was Kufen hat. Besonders fällt mir dabei ein kleiner Junge auf. Immer wenn er an mir vorbei fährt grüßt er freundlich. Er hat ein Schneemobil in Miniaturausführung. Damit steht er seinem Papa in nichts nach soweit er einfach nebenher fährt und keinen Schlitten ziehen muss. Fahrschule mit 7 Jahren sozusagen.
Als ich bald darauf wieder auf den Kungsleden stoße ist es schon zu spät um ihn noch ein Stück gen Süden zu gehen und für die vermeintlichen 11km laut Wanderkarte brauche ich ungelogen jetzt schon 5 Stunden. Das hebe ich mir für das nächste Mal auf. Dann evtl mit Zelt oder gerne auch jemandem der sich traut mitzukommen. Zurück in Saltoluokta sitze ich vor meinem heißen Kakao und döse. Eventuell habe ich heute auch noch einmal die Chance auf Polarlichter.Læs mere
Saltoluokta
28. marts, Sverige ⋅ ☁️ -1 °C
Schööön! Die vorerst letzte Nacht am Polarkreis hatte sich gestern noch einmal gelohnt. Bis zum späten Abend hatten wir erst noch die Küche unsicher gemacht und nachher die Sauna. Zwei Mitbewohner in meinem Zimmer waren schon einige Tage länger in Saltoluokta und zauberten sich am späten Abend noch eine riesige Lasagne von der sie drei Tage essen können. Danach ging es nochmal in die Sauna. Während die sonst um Neun meist schon wieder aus ist kamen heute die Dorfbewohner rüber und machten die Sauna zu ihrem Feierabendplatz. Der normale Skifahrer geht dann bereits schlafen sobald es dunkel wird. Selbst bin ich der Fremde und doch fühlt es sich an wie zu Hause wenn die Nachbarn so untereinander reden und wir eingeladen werden. Zur Abkühlung geht es hinaus in den Schnee und während ringsum alles ruht funkeln oben am Himmel ein paar verhältnismäßig schöne Polarlichter. Selbst mit bloßem Auge tanzen sie ihren Reigen und stehen nicht nur da wie Sterne am Himmel.
Während sie kommen und gehen muss ich aufpassen nicht zu erfrieren. Es liegt halt doch noch Schnee. Am nächsten Morgen will ich noch das Dorf besuchen wenn die Bewohner schon zu uns kamen. Und dann geht am Nachmittag der Bus und Zug zurück nach Stockholm. Im Dorf sind alle schon wieder ausgeflogen. Nachdem die letzten Tage nicht viel transportiert werden konnte muss jetzt alles den Berg hoch in das Sommercamp. Der freundliche Junge von gestern ist auch schon wieder auf seinem Schneemobil unterwegs. Damit werden die Kinder scheinbar groß wie wir mit dem Fahrrad. Zum Mittag statte ich der Kirche noch einen Besuch ab. Ganz aus Holz. Der Boden ist mit Reisig ausgelegt und wird von einem kleinen Rednerpult geschmückt. Im Winter wird es eisig kalt sein doch die Atmosphäre ist sicher toll wenn alle zusammen kommen um zu singen.
Mit der Zeit kommt Wehmut auf und ein schlechtes Gewissen. Denn nach zehn Tagen ist es Zeit für die Heimreise. Ich will erneut diesen einen Bus der hier am Tag fährt nicht verpassen. Zurück über den See strahlt die Sonne und ich komme bei dem warmen Wetter schnell ins Schwitzen. Zum Glück braucht mich das aber heute nicht zu interessieren. Der Tag gestern ohne Gepäck verleitet dazu heute so gar keine Lust zu haben aber was muss das muss. An der Bushaltestelle habe ich noch etwas Zeit mich in die Sonne zu setzen und die Nase zu kitzeln. Ein paar Finnen packen gerade ihre Autos nach zwei Wochen mit dem Zelt im Fjell. Sie berichten von ihrer bevorstehenden Heimreise über 1.000km mit einem Anhänger wo ein ganzes Schneemobil rein passt. Das dauert in etwa genau so lange wie ich mit dem Zug nach Hause brauche. Skandinavien ist groß! Zwei andere Schneemobilfahrer berichten von einem Unfall. Sie seien heute Morgen in den Bergen ohne Helm schnell mal über einen Stein im hohen Bogen vom Fahrzeug gefallen und nun hat einer eine Platzwunde die genäht werden muss. Der Krankenwagen sei schon unterwegs und würde wohl in gut einer Stunde ankommen. Wohl dem wenn es hoffentlich nichts Ernstes ist. Das nächste Krankenhaus ist zwei Stunden Fahrt weg.
Wir warten und reden noch ein wenig bis endlich die erhoffte Hilfe kommt. Im gleichen Moment kommt mein Bus. Frei nach dem Motto wenn einmal am Tag sich zwei Autos auf der Straße treffen herrscht gleich Vollsperrung. Ich fahre zum Bahnhof in die kleine Stadt Gällivare. Nebenan ist ein Skigebiet und so langsam kommt die Zivilisation zurück. Der Zug kommt erst am Abend und ich nutze die Zeit für einen Bummel. Doch mal ehrlich. Schöne Städte bietet der Polarkreis nicht. Alles findet hinter der Fassade statt. Die Häuser sind schmucklos und dick isoliert. Cafes haben geschlossen und das letzte Geschäft macht 18 Uhr zu. Wäre ich mit dem Fahrrad hier, ich würde mich versorgen und sofort weiter ziehen. Die Leute lieben es scheinbar, sonst würden sie es nicht so bauen. Ein paar alte Gebäude gibt es am Ende doch noch zu bestaunen bevor der Zug kommt und mich auf die 1300km lange Nachtfahrt nach Stockholm mitnimmt. Dass ich wieder kommen möchte steht eigentlich außer Frage.Læs mere






































































































































































































































