• Hunderte „Follower“

    June 8, 2024 in the United States ⋅ ☁️ 18 °C

    Letzte Nacht war nicht gerade toll… Mein lädierter Fuss hat mich für meine zu unbeschwert angegangene Schnell-Wanderung hart bestraft und ich konnte erst schlafen, als ich mir was eingeworfen hatte und sich mein Fuss und mein Frust etwas beruhigt hatten.

    Wenigstens konnten wir am Morgen etwas länger schlafen, da ich endlich mein Strandtuch über das Fenster gehängt hatte, durch welches einem sonst sehr viel Tageslicht ins Gesicht strahlt. Ich bin ja ein Fan von den ultimativ langen Tagen hier, aber zum Schlafen ist es dann doch manchmal nicht ideal mit „undichten“ Storen.

    Nachdem wir aufgestanden waren, haben wir endlich unsere Dusche ausprobiert. Es dauerte anfangs eine Weile, bis ich hinter das System kam und die Duschbrause Wasser erhielt, aber dann war es herrlich. Freudig sang ich mein „Ich bin ein sauberes Kätzchen“-Lied :-P

    Nach dem Duschen überlegten wir lange hin und her, ob wir nochmals bleiben oder weiterfahren sollten. Die 35 Dollar Campinggebühr war uns nach den letzten drei Gratisnächten natürlich umso mehr ein Dorn im Auge. Andererseits wussten wir nicht, wohin wir ansonsten fahren sollten, da uns nicht mehr viele Meilen (Mehrmeilen sind teuer..) und Tage blieben.

    Schlussendlich entschieden wir, halbwegs bei unserem Plan zu bleiben und nochmals eine Nacht in McCarthy anzuhängen. Allerdings haben wir unseren Plan mit dem Zelten begraben, da wir dachten, wir können ja auch abends noch zurückwandern, wenn es so lange hell bleibt.

    Wir hatten vor, am späteren Nachmittag mit der Wanderung zu beginnen und bis dahin durchs Dorf zu schlendern und uns ein Mittagessen zu kochen.

    Im Dorf haben wir uns im General Store einen Espresso gegönnt und haben uns nochmals Shantitown angeschaut. Irgendwie würden wir wohl auch dahin passen..

    Zurück beim Camper bereiteten wir aus den Resten von gestern ein Zmittag zu. Ich schnitt mir beim Schneiden der Tomate beinahe den Finger ab. Achtung: auch IKEA-Messer können höllisch scharf sein! Mein Finger stoppte kaum mehr zu bluten und meine eine Hirnhälfte, die mit Blut nicht viel anfangen kann (die andere findet es tatsächlich nicht schlimm..) brachte mich fast zum Umkippen und drohte mir schon mit ernsthaften Konsequenzen, was natürlich Blödsinn ist..

    Irgendwann tropfte der Finger dann nicht mehr und wir konnten doch noch zu Mittag essen: Leckeres Reis mit Eiern und Tomaten.

    Nach dem Essen waren wir hundemüde, weil wir offenbar beide nicht so gut geschlafen hatten und so entschieden wir uns für ein Powernap. Beide schliefen umgehend ein, waren nach dem Aufwachen jedoch noch müder.

    Wir assen noch ein Zvieri und rafften uns schlussendlich wirklich noch auf. Wir bereiteten uns vor und liefen gegen 16.00h los. Unterwegs wurden wir gefragt, ob wir mitfahren wollen, aber wir wollten nicht zu früh oben sein und lehnten dankend ab.

    In Kennicott tranken wir ein paar Schlücke von unserem Grossvorrat an Getränken: 0.5l Flasche für 2 Personen und 25km.. sowas passiert mir sonst NIE, ich ohrfeigte mich innerlich über diese idiotische Entscheidung.. Wir wanderten weiter. Erstaunt stand ich irgendwann vor einem Schild, welches mir eröffnete, dass es ab diesem Standort nun noch 3km bis zum Gletscher sind. Ich dachte, diese Entfernung sei ab Kennicott gemessen?!?

    Leicht entrüstet, mit entsprechenendem Gesichtsausruck, watschelte ich Simi den Wanderweg hinterher. Iiiirgendwann kamen wir endlich zum Gletscher. Die letzten 6 Jahre schienen auch hier ihre Spuren hinterlassen zu haben. In unserer Erinnerung zumindest befand sich der Gletscher damals auf einem wesentlich höheren Niveau.

    Irgendwann nach 20.00h begannen wir unseren Rückweg. Unsere Uhren prophezeiten uns eine späte Ankunft und es war leicht frustrierend zu sehen, dass der km-Zeiger einfach nicht nach unten ging.

    Unsere Füsse schmerzten und wir waren müde. Kam dazu, dass wir von hunderten blutrünstigen Moskitos verfolgt wurden, welche uns mit ihren langen, dicken Stacheln DURCH die Kleidung stachen und unsere Haut da mit Stichen übersäten, wo sie ungeschützt war: die Kopfhaut. Es war nicht angenehm, denn es juckte umgehend wie blöd und die Stiche sind klar spürbar. Zudem ist es echt nervtötend, wenn die Biester einem auf Schritt und Tritt folgen und um den Kopf fliegen, wenn man sonst schon müde ist und einem alles nur noch wehtut.

    Irgendwann sahen wir vor uns ein paar Leute ins Auto steigen und wir hofften, dass sie uns fragen, ob wir mitfahren wollen, aber leider fuhren sie kurz vor unserer Ankunft weg.

    Wir liefen daher weiter und wollten es nur noch hinter uns haben. Bald würde es soweit sein, dass wir das eine Hausdach sehen und während der nächsten Stunde darüber philosophieren könnten, dass es partout nicht näher kommt.

    Irgendwann hörten wir hinter uns ein Auto und wir beteten, dass es anhält und uns mitnimmt. Tatsächlich, ein netter Herr fragte uns, ob wir mitfahren wollen, was wir diesmal dankend annahmen. Er war offenbar den ganzen Abend lang als Taxi unterwegs, um die Leute von Kennicott nach McCarthy in den Golden Saloon zu bringen. Ihn schickte der Himmel!

    In McCarthy hatten wir dann immer noch ca. 1km vor uns, aber wir hatten mindestens eine Stunde gespart, worüber wir unendlich dankbar waren.

    Irgendwann kamen wir tatsächlich beim Camper an und ich freute mich riesig über unseren Wasservorrat, denn ich war unendlich durstig und trank gleich mehrere Gläser nacheinander.

    Morgen geht es nun zurück in Richtung Kanada. Wir werden vermutlich irgendwo rund um Tok übernachten. Hoffentlich diesmal wieder kostenlos an irgendeinem schönen Ort oder einer ruhigen Raststätte.
    Read more