• 30min Umweg fürs Recycling

    September 22, 2025 in Canada ⋅ ☁️ 6 °C

    Es war ein trauriges Aufwachen, weil wir wussten, dass wir nun die letzte Fahrt vor uns haben würden. In mir baute sich eine mühsame Nervosität auf, weil ich an all die vielen Dinge dachte, die noch zu tun sind. Angefangen mit 8 Eiern, die wir noch verwerten mussten. Wir entschieden uns für Rührei und fühlten uns zurückversetzt an den Tag (ist Jahre her..), als wir vor der Grenze so schnell, schnell 12 Eier verspeist hatten, weil wir dachten, wir dürften diese nicht mitnehmen.. Kurz gesagt: Wir werden vermutlich nicht in Kürze wieder Rührei essen..

    Irgendwann fuhren wir schlussendlich traurig los. In Watson Lake wollten wir nochmals beim einsamen Tankwart tanken, aber leider war er gemäss Hinweiszettel gerade in der Kirche, weshalb die Tankstelle geschlossen war. Hm.. falls er in der Kirche um Kundschaft beten sollte, war dies eher kontraproduktiv, denn ihm war soeben eine Tankfüllung für ca. 200 CAD durch die Lappen gegangen..

    Nach dem Tanken fuhren wir dieselbe Route zurück, auf welcher wir bereits angereist waren.
    Es war schön, dank der Sonne und dem halbwegs freien Himmel endlich mal die Gegend zu sehen. Bei der Hinfahrt hatte es geregnet und man hat nichts gesehen. Durch den Schneeregen in der Ferne sah es wieder mal sehr toll aus.

    Bevor das Wetter schlechter wurde, fuhren wir bei einem Rastplatz raus, um draussen im Sonnenschein packen zu können. Ich stellte am Ende fest, dass mein geliebtes, 30-jähriges Sackmesser nirgends mehr auffindbar war. Ich wusste, dass ich es in eine Küchenschublade gesteckt hatte, wo es nun jedoch nicht mehr war. Mit der Taschenlampe bewaffnet, entdeckte es schlussendlich in den tiefsten Tiefen der Küchenschränke. Ich versuchte, irgendwie ranzukommen, aber keine Chance. Am Ende hätten wir beinahe einen peinlichen Rettungseinsatz provoziert, weil ich mit dem Arm in den Küchenschränken feststeckte, weil sich die Uhr irgendwo verheddert hatte… Nachdem ich nach einer Weile doch noch freikam, gab ich vorerst auf und verschob einen erneuten Versuch auf den nächsten Tag.

    Je näher wir an Whitehorse kamen, desto weniger glaubten wir daran, noch irgendwo unsere Recycling-Sammlung loswerden zu können. An irgendeiner Raststätte haben wir einen Teil entsorgt, aber sie hatten wohlbedacht wegen Leuten wie uns die Öffnung sehr klein gewählt, sodass man knapp eine Dose aufs Mal reinbekam.

    Kurz vor Whitehorse fand ich auf Google doch noch einen Ort, wo wir vermutlich unsere vielen Sachen loswerden können würden. Simi wollte zunächst keinen Umweg fahren, gab schlussendlich jedoch nach und steuerte darauf zu. Die Fahrt schien ewig zu dauern und ich kam mir blöd vor, dass ich diesen Ort vorgeschlagen hatte.

    Als wir ankamen, wähnten wir uns in einem schlechten Apokalyptischen Film. So einen Shanty-Ort wie diesen hatten wir beide noch nie gesehen. Etwas skeptisch hielten wir an und luden unsere Sachen aus. Ich weiss gar nicht, wie ich den Ort beschreiben soll. Es hatte etwas von einem afrikanischen Dorf mit seinen kleinen Marktständen. Man konnte alte Schuhe, Bücher und allerlei andere Dinge kaufen oder tauschen, überall lagen Boxen, wo man etwas reinwerfen konnte. Es gab kostenlosen Kaffee, einen Ort für Spenden.. sehr alternativ das Ganze.

    Als wir am Plastik und Dosen entsorgen waren, kam eine Frau auf uns zu und meinte, wir könnten für diese Sachen Geld zurückbekommen. Ich dachte, sie wollte uns darauf hinweisen, dass wir all dies in einem Supermarkt abgeben müssen und ich sagte ihr, dass wir für sowas keine Zeit hätten und sie von mir aus das Pfand haben könne, wenn sie es zurückgeben will. Ups, sie meinte es etwas anders. Sie hätte uns pro Dose 25 Cent gegeben und pro Flasche ebenfalls etwas, alternativ konnte man den Betrag für irgendeine Feuerwehr spenden, was wir schlussendlich gemacht haben.

    Als wir dann Karton entsorgen wollten, wurden wir erneut belehrt und sie fragte uns, ob wir das erste Mal da seien, was wir bejahten. Ich glaube, sie meinte, wir seien neu auf den Gedanken Recycling gekommen. Vermutlich haben wir irgendwie nicht wirklich an den Ort gepasst, geschweige denn, als wüssten wir überhaupt, was Recycling ist.

    Irgendwann hatten wir alles entsorgt und brausten davon. Nun standen Auto waschen, tanken und Abwasser leeren auf dem Programm. Stop Nr. 1 war die Autowaschanlage. Das war vielleicht eine Tortour. Zuerst mussten wir ewig warten, weil jemand vor uns war, dann befahl uns der Waschanlagentyp, dass wir ebenfalls in die Waschhalle fahren sollten. Ca. 50cm Abstand vom anderen Auto, welches im Gegensatz zu unserem bereits sehr sauber war…. Wie um alles in der Welt stellte er sich das vor? Wir kamen mit dem Schlauch nicht mal einmal rund um unser Auto und ich hätte beinahe das andere Auto mit dem „Bürstenstab“ geschlagen, nicht zu vergessen, dass unser Auto unwaschbar ist, ohne, dass alles im Umkreis von 2m klitschnass bzw. dreckig wird.. Ach ja, fast hätte ich vergessen, dass ein Waschgang 20 CAD kostet! Wir mussten schlussendlich zwei Waschgänge durchmachen und unser Auto war immer noch nicht wirklich sauber, weil uns das Glück so hold war, dass wir uns irgendwo auf einer neu geteerten Strasse hunderte Teerspritzer eingefangen hatten. TOLL, am Ende zahlen wir noch den ganzen Lack.. Wir schrubbten und schrubbten, aber man bekam das Zeug nicht wirklich weg oder machte es nur noch schlimmer.. Nachdem Waschgang 2 zu Ende war gaben wir auf und fuhren zur Tankstelle.

    Das Tanken ging, bis auf die hohen Kosten gut, dann gings zum Abwasser leeren. Ich glaube, wir standen gute 30min daneben, aber diese blöde Anzeige wollte und wollte nicht auf „empty“ gehen. Irgendwann gaben wir auch da auf und fuhren zum Hotel. Wir dachten, die letzte Nacht gehen wir lieber ins Hotel, damit wir in einem Restaurant essen gehen können und die Küche nicht nochmals dreckig wird und wir nicht NOCHMAL dumpen müssen.

    Nachdem wir eingecheckt hatten, marschierten wir umgehend los, weil die Restaurants in Whitehorse nicht sehr lange geöffnet sind. Wir beschlossen, nochmals dahin zu gehen, wo wir am Anfang schon mal waren: Das Dirty Northern.

    Wir bestellten Bier, Wings und Burger. Ich hatte einen Lachsburger, damit ich wenigstens noch ein letztes Mal halbwegs frischen Fisch essen konnte. Es war lecker und der Lachs hatte die röteste Farbe, die ich je an einem Fisch gesehen habe. Vermutlich war es ausnahmsweise tatsächlich ein lokaler, wilder Lachs.

    Nach dem Essen spazierten wir zurück ins Hotel, wo wir noch die Reste unseres Cheesecakes verwerten mussten, dazu schauten wir zur Entspannung eine Folge Bob Ross mit seinen Malkünsten. Wenigstens war der letzte Abend noch toll.
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