• Nepal Secretariat of Skills and Training

    January 7 in Nepal ⋅ ☀️ 17 °C

    Was mache ich nun so den ganzen Tag im Office? Kathrin, die Leiterin, hat mit mir schon vorher Themen abgestimmt und so warten viele verschiedene Aufgaben auf mich. Am Ende des zweiten Tages sind es so viele spannende Themen, dass ich priorisieren muss. Wir einigen uns darauf, dass mein bester Einsatz bei Themen ist, die einen rechtlichen Hintergrund haben. Das Office ist, zusammen mit einem Büro für Pharmahandel, in einer Privatschule untergebracht. Der Eigentümer ist einer der Sponsoren von NSST. Der große Vorteil, neben kostenfreiem Büroräumen, ist, dass man Kantine und Cafeteria nutzen kann. Und beides ist gut. Es gibt Punkt 12 ein warmes Essen. Das kommt mir sehr entgegen, ist wie bei Fressnapf, nur gelegentlich leckerer. Und ich habe eine Café-Flat! Damit kann ich arbeiten, zumal der Café hier auch gut ist. Die Schule ist riesig, hat eine eigene Schwimmhalle und Sportplätze. Noch ist es sehr leer, da die Schüler gerade zwei Wochen Winterferien haben. So nutze ich die Terrasse als mein Büro, um Sonne und Wäre zu tanken. Am zweiten Tag begrüßt mich der Security-Man am Eingangstor bereits mit „Good Morning, Sir“ und  einem Salut, bevor er das Tor aufschiebt. Kann ich mich auch dran gewöhnen. ;-).

    Die Mannschaft des NSST ist ca. halb nepalesich, halb deutsch. Das führt zu einem Sprachgewirr aus deutsch, nepali und englisch, was mich anfangs etwas durcheinander bringt. Vor allem möchten einige gern deutsch sprechen, da sie es gerade lernen und dann bitte kein Englisch. Aber wer war das jetzt nochmal? Da ich mein Problem mit Namenbehalten kenne, male ich mir einen Sitzplan und lasse mir die Namen dazu schreiben. Anschließend erklärt man mir, dass sich das aber öfter mal ändert. Aha…ja, irgendwo muss ich aber anfangen. Eines meiner ersten Themen ist das Mentoring Programm in Deutschland, welches gerade neu aufgesetzt werden soll. Ich stelle Fragen, ob sie wissen, wie die Volonteers versichert sind, wer haftet usw. Fragende Gesichter. Damit es plastischer wird, führe ich Oma Herta ein. Der passieren laute blöde Dinge, wie ein Oberschenkelbruch, als sie ihren Mentee besuchen will, dabei zertrümmert sie beim Fallen auch noch ein fremdes Auto mit ihrem Gehsstock. Jetzt will Oma Herta alle Kosten von NSST ersetzt haben. Zu recht? Ich habe auch nur eine Ahnung, aber meine Aufgabe ist schnell klar. Eine rechtliche Betrachtung, Vorschläge, Verträge müssen her. Und Oma Herta ist bereits nach einer Woche eine feststehende Größe bei NSST. Jeden Morgen wird ängstlich gefragt, ob denn wieder was Schlimmes mit ihr passiert wäre.

    Bereits am zweiten Tag habe ich Termine im Kalender, um Vorstellungsgespräche zu simulieren. Die jungen Nepali bewerben sich auf Ausbildungsstellen bei deutschen Unternehmen. Ich frage, welche Ausbildungsberufe, damit ich mich da besser vorbereiten kann. Da die Kommunikation mit Eric, dem Koordinator, über Deutschland läuft, geht die Info irgendwie mit der Zeitverschiebung unter. Hm. Macht nix. Ich habe bei Tengelmann mehr 1.000 Bewerbungsgespräche geführt, aus diversen Gründen auch mal im Freiflug. Also wird das schon klappen. Es klappt auch. Es gibt im Anschluss immer eine viertel Stunde Feedback von mir. Am Ende frage ich, ob es ihnen hilft und sie etwas für sich mitnehmen können. Der letzte Kandidat ist ganz happy, strahlt und sagt, ja, auf jeden Fall, können wir gleich nochmal? Später, später vielleicht.
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