Endlich Wochenende
Jan 10–12 in Nepal ⋅ ☀️ 17 °C
Endlich Wochenende. Egal wo auf der Welt man arbeitet und wieviel Spaß es auch macht, die Freude auf das Wochenende ist groß. Da ich gefühlt Dauermüde bin, bin ich noch mehr froh, dass es da ist. Aber am Samstag ist kein Ausschlafen angesagt. Ich bin mit Sneha, meiner Bekanntschaft vom Flughafen Colombo, auf dem Farmer Market verabredet. Der ist zwar nicht weit von mir, aber ich komme dennoch zu spät. Google Maps lässt mich Umwege laufen, die nicht notwendig sind. So kommt es, dass Sneha, um die Pünklichkeitsfanatik der Deutschen wissend, vor mir da ist. Unangenehm. Aber es ist schön, sie wieder zu sehen. Wir kaufen uns sehr leckere Momo und Beagle zum Frühstück. Der Markt ist sehr beliebt bei Ausländern, die hier leben, gibt es doch z.B. auch sowas wie Baguette. Ich kann gerade noch wiederstehen. Stattdessen kaufe ich Tee aus indischem Basilikum. Soll sehr gesund sein. Nachdem wir uns sattgegessen und -gesehen haben, überlegen wir, was wir mit dem Tag noch anstellen könnten. Die Wahl fällt darauf, eine der drei Königsstätte des Kathmandu-Tals zu besuchen. Also auf nach Lalitpur. In jeder Stadt gibt es einen Palast und jede Menge Tempel um einen zentralen Platz herum. Der damalige König hatte drei Söhne und gab jedem einen Teil des Königreichs. So kam es, dass es drei Königstädte gleichzeitig gab, die in allem konkurrierten und die Beste sein wollten. Das kam der Architektur, Religion und Kunst sehr zugute. Und wie kommen wir dahin? Natürlich mit dem Mofa von Sneha. Ok. Äh ja, warum nicht. Ich sitze hinter ihr, der Fahrtwind bläst mir ins Gesicht. Einen Helm gibt es für Beifahrer in aller Regel nicht. Das beruht auf einem alten Gesetz aus der Zeit des Aufstandes gegen die Monarchie. So wollte man verhindern, dass maskierte Personen auf den Motorrädern Waffen nutzten. Das ist schon lange kein Verbot mehr, es gibt sogar ein Gebot der Helmpflicht. Aber Gesetze sind hier sehr geduldig. So versuche ich mich am Mofa festzuklammern und mich auf andere Dinge als das Offensichtliche, den unübersichtlichen Verkehr zu konzentrieren. Nach einem schnellen, aber sicheren Ritt durch die Stadt kommen wir an. Nehmen Seitenwege zum Patan Darbar Square, dem zentralen Platz. Es gibt viel zu sehen und zu entdecken. Ich zünde eine Kerze im Tempel an, wir zelebrieren rituelle Feuer in einem anderen Tempel. Dazwischen gibt es Süßigkeiten auf die Hand und ein Mittagessen in einem lokalen Imbiss. Sneha ist eine tolle Reiseführerin, und da es Spaß macht, fliegt die Zeit dahin. Es ist Zeit zurückzukehren. Da ich das Mofafahren ja nun schon geübt bin, legt Sneha eine Schippe drauf. Es geht quer durch Kathmandu, sie will mir das Haus ihrer Familie zeigen. Also versuche ich wieder, nicht runterzufallen und es gelassen zu nehmen, wenn Sneha dem Gegenverkehr, Bremsern und Tempeln ausweicht. Dann geht es in meine Richtung weiter. Sneha stoppt, um sich zu orientieren. Und es wird für mich das nächste Level, der professionelle Beifahrer, erklommen, indem mir Sneha ihr Handy in die Hand drückt mit den Worten „Hier, festhalten, nicht verlieren und ansagen, wo wir langfahren müssen!“ Waht? How? I can´t… Wir fahren schon längst. Als wir endlich vor meinem Haus halten, haben wir uns nur zweimal verfahren und das Handy ist noch in meiner Hand. Mit wackeligen Beinen, aber einem glücklichen Grinsen im Gesicht schließe ich auf. Danke Sneha!
Der Sonntag ist geprägt von Ausschlafen und Saubermachen. Und zwar alles. Als erstes ist meine Wäsche dran. Meine Vermieterin hatte ich gefragt, wo das denn ginge. Sie schrieb zurück, dass ein Freund eine Wäscherei in der Nähe kenne, angeblich, gesehen hat sie noch keiner. Ansonsten in Thamel. Da ich keine Lust habe, meine Dreckwäsche 2,5 km durch die Gegend zu tragen, mache ich Wasser heiß und begebe mich mit Schüssel und Eimer auf die Terrasse. Wie ich so kniend meine Wäsche schrubbe und dem Erfinder der Waschmaschine huldige, schiebt sich plötzlich etwas zwischen die Sonne und mich. Eine Frau steht vor mir. Ich frage, ob ich ihr helfen kann. Unverständnis in ihrem Gesicht. Francais? Russki? Deutsch? Hilft alles nichts. Dann fällt mir ein, dass es ja eine Reinemachfrau zu dem Apartment gibt – und die kommt sonntags (wie praktisch). Ich deute einladend auf das Apartment. Das deutet sie wohl richtig. So geht sie ans Saubermachen und ich knie mich wieder zu meiner Wäsche. Wahrscheinlich bekommt sie den Anblick eines wäscheschrubbenden Europäers auch nicht so oft vor die Augen. Als letztes bin ich selbst dran mit der Reinigung. In der Sonne ist das auch nur halb so schlimm.
Dann laufe ich doch noch nach Thamel, dem touristischen Zentrum von Kathmandu. Man muss sich das so ein klein wenig wie die Altstadt von Düsseldorf vorstellen. Irgendwie kann ich damit dieses Mal nicht so viel anfangen. Wie oft ich dort angesprochen wurde, irgendwas, vor allem was zu rauchen, zu erwerben. Irgendwie bin ich ein wenig gefrustet, dass es schon wieder kalt wird, da die Sonne untergeht. Ich will was Warmes. Einen Schal? Ich erinnere mich noch an solch einen Erwerb drei Jahre zuvor. Ich habe so gar keine Lust auf Verhandeln und schlechte Qualität. Da sehe ich einen Laden, also so richtig mit Schaufenster und Eingangstür und voller Schals und Decken. Ich gehe rein. Der Inhaber grüßt und lässt mich in Ruhe. Sehr guter move. Ich schaue mich um und beginne mich für die Decken zu erwärmen. Erst als ich mit meinem Rucksack die einzige Schaufensterpuppe des Ladens umhaue und diese in drei Teile zerfällt, kommt der Inhaber hinter der Theke hervor. Mit ist das hochnotpeinlich. Der Inhaber winkt nur ab. Ich möchte eine Decke aus Yak Wolle, die fühlt sich toll an. Da steht als Preis eine fünfstellige Zahl. Ich weiß nicht mehr, wieviel Stellen man zum Umrechnen streicht und durch was man teilt. Der Wille, was Wärmendes haben zu wollen und möglicherweise auch der Umstand, dass ich die halbe Ladeneinrichtung zertrümmert habe, lässt mich meine Kreditkarte zücken. In der Wohnung zurück realisiere ich den Preis. Schnappatmung. Aber immer noch zwei Drittel billiger als in Europa. Und ist es nicht unbezahlbar, die Freude die ich habe, wenn ich mich abends darin einkuschle? Unbezahlbar!Read more

























