• Tongba, Tongba

    January 20 in Nepal ⋅ ☀️ 19 °C

    Auf in die zweite Hälfte der vier Wochen meiner Arbeit hier. Die Schule wurde merklich lauter, die Winterferien waren vorbei. Und irgendwie strömten lauter junge Menschen in weinrot und schwarzen Schuluniformen in mein Großraumbüro. Ok, es war irgendwie auch die Dachterrasse samt Cafeteria der Klassen 10 bis 12. Aber das eigentlich Büro oder die Meetingräume waren auch nicht wirklich eine Alternative, da sie kalt und kälter waren. Außerdem war ich hier recht nah an meiner Café-Flatrate. Mit den Kollegen ging ich mal Abends essen. Und mit Kathrin verabredete ich mich zum Tongba -Trinken. Ein warmer Alkohol. Da bin ich dabei. Ein paar Freunde von ihr sollten auch kommen. Die erste Hürde war aber das Dorthin-kommen. Ich hatte schon zwei Apps ausprobiert, die irgendwie wie Uber waren, aber die eine versagte ständig die Mitarbeit und die andere wollte eine lokale Telefonnummer. Hab ich nicht. Kathrin war bereits unterwegs und schrieb nur, ich solle einfach ein Taxi auf der Straße anhalten. Wirklich? Das mache ich nicht mal in Deutschland. Ich suchte mir eine große Straße. Es war Rushhour. Das bedeutete zwar viele Taxen, aber jede war voll oder wollte einfach nicht auf mein Winken anhalten. Ich war etwas am Verzweifeln. Eigentlich nur die Neugier auf dieses Tongba ließ mich durchhalten, bis nach 25 Minuten endlich ein Taxi auf der anderen Straßenseite hielt. Ich musste „nur“ noch über die Straße, was ja kein Problem mehr war. Und „nur“ noch den Preis verhandeln. Englisch können viele dann doch nicht so, aber die Zahlen haben sie gelernt. So verbrachten wir die ersten 5 Minuten der Fahrt mit diesem von mir nicht geliebten Spiel, ich sage eine Zahl, dann sagst du was… Immerhin habe ich von 1000 Rupie auf 700 gedrückt, was natürlich immer noch zu viel war. Endlich Tongba – das ist gegorene Hirse, die in einen Metallbecher gefüllt wird, der dann mit heißem Wasser aufgegossen wird. Kräftig umrühren und mit einem Metallhalm genießen. Man mag es oder eben nicht. Ich mochte es. Leicht süß-säuerlich. Man füllt immer wieder heißes Wasser nach, bis man das Gefühl hat, dass die Hirse nichts mehr hergibt. Kathrins Freunde waren eine bunte Mischung Nepali – eine Frau aus einfachsten Verhältnissen eines Bergdorfes, welche die Welt erst in der Bibliothek kennlernte im Selbststudium und dann in der Wirklichkeit. Einem Architekten, der auch schon in Deutschland gearbeitet hat und einer Abkömmling des nepalischen Könighauses, die in den USA groß geworden ist, und erst als zweite Sprache Nepali gelernt hatte. Entsprechend war die Konversation auf schnellem, besten Englisch und die Internas der Freunde machten das Verstehen nicht leichter. Aber dieses Tongba machte esmbesser, und so wurde es ein lustiger Abend in der illustren Runde. Das Schöne an Tongba ist, dass man nicht wirklich betrunken wird, sondern eine schönen angeschickerten Zustand beibehält.

    Irgendwann war auch schon wieder einer der zahlreichen Feiertage. Es wurde der Göttin der Weisheit und Bildung gehuldigt. Dazu baute der schuleigene Priester einen Altar auf. Mit meinen nepalesischen Kollegen besuchte ich ihn auch und lies mir erklären, was ich wie zu machen habe. Denke ein wenig Weisheit kann nie schaden. Auf meinem Schulweg wurde zur Feier dieses Tages ein Teil in eine Fußgängerzone verwandelt. Dazu braucht es keine Anträge und Behördengänge, nein, ganz einfach, die Straße wird von jeder Seite mit einem Baumstamm für Fahrzeuge unpassierbar. Ein paar Lichterketten an die Stromkabel gebastelt (nicht, dass die schon genug auszuhalten hätten) eine Bühne aufgebaut und fertig ist das Straßenfest.

    Der Schulweg wird mir immer geläufiger. Ich erwischte mich sogar, wie ich leichtsinnig begann, die Straße nicht auf direktem Weg, sondern schräg zu überqueren. Ganz ruhig Brauner, nicht übermütig werden, das machen noch nicht mal die Nepali selbst. Ich ließ es schnell wieder. Mein Gehirn braucht scheinbar Herausforderungen. Vorsicht!
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