• Gelb wie der Senf

    Jan 30–31 in Nepal ⋅ ☀️ 24 °C

    Zwei Wochen Kathmandu, da wird es wieder Zeit, die Stadt für ein Wochenende zu verlassen. An guten Tagen ist der Smog „nur“ so stark, als würde man täglich 6 Zigaretten rauchen. Vom Lärm und Chaos mal abgesehen. Mein Kollege Eric hat mir von Riepe Village vorgeschwärmt. Ein Dorf, dass in fast jedem Haus ein Homestay anbietet, aber so, dass es ökologisch und ursprünglich bleibt. Ich bin angefixt, auch wenn es wieder mindestens 6 h Busfahrt bedeuten wird. Mit den Preisen im Internet bin ich so gar nicht einverstanden, richtig teuer und das in der Nebensaison. Ich frage Eric um Rat. Und dann machen wir es, wie man eben Geschäfte in Nepal macht. Einer der Gründer dieser Idee, Druga, hat auch ein Hotel und Café Kathmandu. Also gehen wir zu ihm zum Abendessen. Ganz am Ende des Abends…Geduld, Geduld… kommen wir dann auf das Geschäftliche. Es sind schließlich nur noch 60% Internet-Preises plus Vollverpflegung und Druga organisiert mir die Fahrt. Was will ich mehr.

    Wie der Zufall so will (glaube ehrlich gesagt langsam nicht mehr an Zufälle) reist Druga auch zu dem Dorf. Er hat einen italienischen Profi-Fotografen im Schlepptau, der wiederum seine Mutter bei sich hat, die ihn gerade für 10 Tage in Nepal besucht. Lorenzo Tullio, ein wenig längeres Haar, ein wenig Macho, ein wenig Charmant, ein wenig gefährlich italienisch, soll Fotos und Videos von dem Dorf machen, um es in den Sozialen Medien noch weiter zu vermarkten. Mit seiner Mutter, Marie Luisa, verstehe ich mich sofort, obwohl wir uns sprachlich kaum austauschen können. Sie spricht keine Englisch, ich kein Italienisch und wir versuchen es mit ein wenig Französisch. Aber das tut der Verständigung so gar keinen Abbruch. Als nach ungefähr 5 Sunden der Bus nach rechts abbiegt, um einem neuen Flusslauf im Tal nach oben in die Berge zu folgrn, läuft mir beim Blick aus dem Fenster ein Schauer über den Rücken: Der Fluss rauscht in milchigem Türkisblau über die Felsbrocken in Richtung Tal, gesäumt von grünen Bäumen. Dahinter die hellgelben Felder mit den in voller Blüte stehenden Senfpflanzen, welche sich in die sanften Berghänge schmiegen, die einen dunkelgrünen Kontrast zu dem Gelb bilden. Dahinter steigen die Berge an, dunkel und drohend bis auf über 6tausend Meter, um dann in einer weiß leuchtenden Kette von schneebedeckten Gipfeln der 7- und 8tausender zu enden. Darüber schließlich das Saphierblau des Himmels. Genau für solche Momente reise ich, sie sind kurz, sie sind rar, sie sind da.

    Nach eine Jeepfahrt und einem Fußmarsch kommen wir endlich im Dorf an. Zum Glück gibt es noch Sonne. Es wird für uns gekocht, was die Felder ringsherum hergeben. Um der Kälte zu entgehen, wird ein Lagerfeuer angemacht und sich darum versammelt. Es sind noch zwei weitere Gäste da, wobei sie auch keine Touristen sind. Sie ist schon etwas älter, aus England und wird gerade von ihrem Bruder besucht, der in Schweden arbeitet. Sie kam nach Nepal vor vielen Jahren, hat mit Hotelgewerbe angefangen und ist immer mehr für Filmcrews gebucht worden, daraus entwickelte sich immer mehr ein auf die Bedürfnisse von  Filmemachern ausgerichtetes Business und nun ist sie seit geraumer Zeit selbst Filmproduzentin. Und so sitzt sie in der Runde, schaut durch eine völlig verschmierte dicke Brille, die ihre Augen unnatürlich vergrößert, ins Feuer und erzählt in feinstem Englisch ihre Geschichten und dropt einen famous name nach dem anderen. Lustig.

    Irgendwann heißt es aber dennoch auf das eigene Zimmer zu gehen, wo es, welche Überraschung, kalt ist. Aber hier gibt es Wärmeflaschen und Marie und ich greifen uns sofort eine, um einen Hauch von Gemütlichkeit zu haben. Die Geräusche der Nacht in diesem Haus versuche ich zu ignorieren und schlafe einigermaßen gut.
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