• Mit dem Penis um den Tempel

    8 febbraio, Bhutan ⋅ ☀️ 18 °C

    Es geht heute in die Berge hinauf. Nicht, das wir sie je verlassen hätten. Thimphu liegt gut 2.200 m hoch. Aber wir mussten über den Dochula Pass, der 3.100 m hoch ist. Auf dem Pass gibt es zwei interessante Dinge zu sehen. Den Tempel und die zahlreichen Stupas um ihn herum und die Berggipfel. Die Stupas, an der Zahl 108, konnten wir gut sehen. Die Berge leider nicht. Danach ging es gleich wieder kurvenreich bergab und zwar satte 2.000 m zum Dorf Supsokha. Hier war es mild wie an der Riviera und die Blumen blühten. Der Tempel dort aus dem Jahr 1499 ist auch bekannt als Fruchtbarkeitstempel. Ist das Bild mit den Penissen aus dem letzten Beitrag aufgefallen? Der Penis ist hier allgegenwärtig. Ich sah ihn hier gleich 30 Minuten nach der Abfahrt vom Flughafen groß an einer Hauswand aufgemalt, prosperierend, mit behaartem Gehänge, nicht zu übersehen. Ich wollte erst unseren Guide fragen, was das zu bedeuten hätte, aber die Aussicht, auf Englisch zu beschreiben, was ich gerade gesehen hatte und der Umstand, dass wir noch nicht mehr als die Namen voneinander wussten, hinderten mich doch daran. Aber heute erfuhren wir es. Dem liegt die Geschichte des unkonventionellen Heiligen Lama Drukpa Kunley, auch besser bekannt als Divine Madman zugrunde. Er konnte große Kräfte heraufbeschwören, wurde dann gerufen, wenn alle anderen Heiligen versagten und hatte eine sehr eigenwillige Art, den Menschen die Lehren Buddhas beizubringen. Es gibt unzählige Geschichten über ihn. Seine Kraft kam eben auch, vielleicht auch insbesondere, aus seinem Geschlecht. Und so verehrt man hier den Phallus als Symbol für Glück, Stärke und Spiritualität. Aber nun zurück zum Tempel – das besondere hier ist, dass Paare, die einen Kinderwunsch haben, aber  keines bekommen, zu diesem Tempel pilgern. Dann schnallt sich die Frau einen riesigen Holz-Penis auf den Rücken und umrundet damit dreimal den Tempel. Der Ehemann sollte möglichst nicht dabei zusehen, denn jedes Gefühl von Scham oder gar Eifersucht könnte das Ritual zunichte machen. So siehtˋs aus. Und das es wirkt, davon zeugt ein Album mit lauter Bildern von glücklichen Paaren und ihrem Kind im Arm.

    Heute war unsere erste Homestay-Übernachtung. Unser Guide zeigte unterwegs auf ein gegenüberliegendes Haus am Hang und meinte, dass sei unser Farmhaus. Ah ja, klar, ich glaubte es nicht, schien doch kein offensichtlicher Weg dorthin zu führen. Aber den gab es, es brauchte auch nur locker 40 Minuten, um irgendwie auf die andere Seite des Tals zu gelangen. Die Frau des Hauses konnte leider kein Wort Englisch, hatte aber scheinbar das Herz am rechten Fleck, war sie doch ständig am Lachen und erzählen. Unsere beiden Begleiter wohnten auch mit im Haus, was die Möglichkeit gab, zusammen zu Abend zu essen. Und zu trinken. Denn das musste sein. Arag, der selbsgebrannte Wein wird mit einem Ei verrührt, so dass also Rührei im heißen Wein ist, bevor man ihn auch noch anzündet. Dann wird getrunken. Wie später beim Essen wird ein Nein von der Hausfrau ungern bis gar nicht akzeptiert. Das Rührei ist sehr gewöhnungsbedürftig. Das Essen dafür nicht. Und hier erleben wir, wie Dorji mindestens drei Teller voll rotem Reis und Beilagen in sich reinschaufelt. Das ist schon beinahe beeindruckend. Er empfindet das als normal und unser Tellerchen als Zumutung, um satt zu werden. Das wird die nächsten Tage immer mal wieder Thema, und ich frage mich, wohin er das alles verstoffwechselt, sieht er doch alles andere als füllig aus. Der Fahrer unterstützt uns in der Ansicht, das soviel zu essen nicht ganz der Standard ist. Dann werden die Familienverhältnisse angeführt, schließlich sei Dorji mit 6 weiteren Geschwistern aufgewachsen. Nun, sein Kollege auch. Beide haben übrigens jetzt jeweils zwei Kinder, der Durchschnitt im Land. Das zeigt auch die schnelle Veränderung in der Gesellschaft von Bhutan hin zu einer anderen, je nach Sichtweise, modernen Kultur. Auch alles in Europa passiert, nur nicht so schnell. Das Land hat sich erst 1964 der Welt geöffnet, wurde 1971 völkerrechtlich anerkannt und hat seit 2008 erste Wahlen mit einer konstitutionellen Monarchie. Der fünfte Drachenkönig ist immer noch die wichtigste Person im Land und sein Konterfei überall zu sehen.

    Wir verkrochen uns nach dem üppigen Essen in unser Zimmer und unter die zahlreichen Decken.

    Was haben wir gesehen:

    -       Chimi Lhakhang Tempel

    -       Dochula Pass

    -       Pho Chhu Suspension Bridge

    -       Punakha Dzong: der Palast von Punakha, jeder der 20 Verwaltungsbezirke hat einen Dzong, der jeweils in der einen Hälfte die Bezirksverwaltungen und in der anderen die spirituelle Einheit beherbergt. Um den Punakha Dzong fließen zwei Flüsse, ein männlicher und ein weiblicher, die sich dann, wer hätte es gedacht, vereinigen. Punakha war übrigens die Hauptstadt Bhutans bis 1961Thimphu diese Rolle übernahm. Warum der Wechsel? Punakha wurde zu klein und war zu schwierig zu erreichen. So wurde aus dem kleinen Örtchen Thimphu in den letzten Jahrzehnten die neue Hauptstadt geschaffen.
    Leggi altro