• Torsten_Dus.Pa
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Bhutan

A 10-day adventure by Torsten_Dus.Pa Read more
  • Trip start
    February 6, 2026

    Einmal Kampfjet bitte!

    February 6 in Bhutan ⋅ ⛅ 14 °C

    Bhutan, Bhutan, Bhutaaaan. Ja, wie soll ich anfangen. Vielleicht in Kathmandu? Dort war man sehr interessiert an meiner weiteren Reise und als Bhutan immer konkreter wurde, wuchs auch bei allen anderen die Neugier und sogar ein wenig der Neid. Spannenderweise beseht in Bhutan wiederum ein großes Interesse an Nepal. Beide Länder sind fast Nachbarn, aber wissen so gut wie nichts voneinander. Und was weiß ich über Bhutan? Auch nichts. Und das sollte sich gefühlt auch die ersten Tage im Land des Drachengottes nicht groß ändern. Ich kann es nicht richtig beschreiben, was da das Hindernis war. Meine Erwartungen hatte ich versucht, nicht hochzukochen, was angesichts des zu bezahlenden Preises und meines aufgeregten Umfeldes nicht ganz so einfach war.

    Aber vielleicht erzähle ich einfach der Reihe nach und dann wird sich sicherlich ein Bild aus Puzzlesteinchen ergeben.

    Vor drei Jahren haben Thomas und ich schon mal den Versuch unternommen, dieses kleine Königreich zu bereisen. Es scheiterte an den hohen Preisen, die damals vom Touristikministerium aufgerufen wurden. Jetzt sind sie etwas moderater, aber es ist zu erwarten, dass sie wieder steigen, und eine Obergrenze von ca. 300T Touristen im Jahr eingeführt wird. Ebenso, dass man von nur 5 Flughäfen dieser Welt und nur mit der Königlichen Fluglinie selbst in das Land kommt, macht es nicht einfacher und damit noch geschichtenumwobener, als es eh schon ist. So flogen wir mit DurkAir nach Paro. Der Flug dauert nur eine Stunde, ist aber sensationell. Wir fliegen entlang der Bergkette der Achttausender des Himalaya. Wir sitzen zwar auf der falschen Seite, aber die Berge sind hier so hoch, dass wir sie problemlos gegenüber durch das Fenster sehen können. Der wirklich spannende Teil des Fluges ist aber das Ende, wenn das Flugzeug durch die Wolkendecke nach unten stößt und in das Tal einsinkt, welches sich bis zum Flughafen Paro einem Fluß entlangschlängelt. Es wurde plötzlich klar, warum hier nur auf Sicht geflogen wird, und die Piloten eine eigene Prüfung und Lizenz für diese Landung ablegen müssen. Das Flugzeug ging immer tiefer, folgte den Windungen der Berge, indem es sich schräg stellte. Ich kam mir vor wie Tom Cruise im Düsenjet bei Top Gun. Sehr geil. Und plötzlich setzten wir auf der Landebahn auf.

    Dass die Uhren hier anders, vor allem langsamer ticken, merkten wir bereits, als wir gemütlich über die Landebahn schlurften und in das schöne Flughafengebäude durften. Selbst die Gepäckbänder waren hier schön anzusehen. Am Ausgang wartete unser Guide auf uns, Dorji. Er brachte uns zum Auto samt Fahrer. Wir 4 sollten für die nächsten 10 Tage zusammen reisen.

    Wir begannen auch gleich mit der Besichtigung eines Tempels auf dem Weg zur Hauptstadt Thimphu. Dies ist mit Abstand die größte Stadt des Landes mit etwas mehr als 100.000 Einwohnern. Warum sie als hektisch und laut beschrieben wird, verstand ich, der alte Kathmanduer, erst auf der weiteren Reise durch das Land. Wie immer eine Frage der Perspektive. Wenn der Rest einfach nur Natur und Stille ist, dann sind mehr als 5 Autos auf einmal schon ein lärmender, stinkender Stau. Aber fürˋs erste wirkte es wie ein größerer Skiort in den Bergen. Alle Häuser sahen auch mehr oder weniger gleich aus, was an den rigiden Bauvorschriften liegt. Aber da es für uns eine neue Architektur war, war es alles andere als langweilig. Zum Mittagessen ging es in das scheinbar verfallenste Haus der Stadt. Nicht so richtig einladend von außen, eiskalt von innen. Wir gruppierten uns mal wieder um den Heizstrahler. Das Essen war dann um so besser. Sollte uns aber auch die nächsten 10 Tage in leichten Varianten begleiten: Datshi, eine Käsesauce mit verschiedenen Zutaten von Pilzen über Kartoffeln bis hin zu Paprika und Chilli, der Klassiker; Jasha Maru, ein scharfer Eintopf, Phaksha Paa – Schweinefleich mit Rettich und Chili. Und natürlich der rote Reis, der nie fehlen durfte. Schmeck alles überall wieder etwas anders und ist doch das Gleiche. Das einzige, was wir nur hier probierten, war der Buttertee. Hierzu wird Schwarztee mit Wasser, Butter und Salz kräftig gemischt, will sagen, aufgeschlagen und heiß serviert. Hm, bin nicht so der Butterfan. Und in Schwarztee, äh, mein Magen sagte mir den ganzen Tag, dass er das nicht mehr möchte. So lehnten wir in den kommenden Tagen dieses immer wieder offerierte Getränk höflich ab, was oft zu langen Gesichtern führte. Aber neben dem Geschmack, der uns von weiteren Kostproben abhielt, sind wir auch selten mit Schwerstarbeit in den Bergen konfrontiert worden, so dass wir keine flüssige Butter zu uns nehmen mussten.

    Erwähnenswert in Thimphu ist auf jeden Fall noch die einzige Verkehrsampel des Landes. Das ist sie, zum einen, weil sonst alles über Kreisverkehr läuft oder sowieso nur zwei Autos maximal an einer Kreuzung sind und man sich schon einig wird. Zum anderen, weil sie sehr persönlich ist. Will sagen in der Mitte der größten Kreuzung der Stadt ist ein kleines, buntes, rundes Häuschen und in diesem Häuschen steht ein junger, adretter und uniformierter Mann und tanzt. Ja, anders kann ich es nicht beschreiben, wie er den Verkehr regelt. Seine Bewegungen sind so fließend und elegant, dass ich als Autofahrer glatt verpassen würde, wenn ich mit Fahren an der Reihe bin. Sollte der eine junge Mann erschöpft vom Tanzen ist, dann wartet schon ein zweiter, um ihn zu ersetzen. Ich hätte stundenlang zuschauen können. Aber irgendwann mussten wir ja auch mal in unser Hotel. Es begann, dunkel zu werden.

    Was haben wir gesehen?

    -       Tachog Lhakhang: Tempel aus dem 14 Jhd.

    -       Buddha Point: 50 m hoher Buddha, der weitere 100.000 kleine Buddha Statuen in seinem Bauch hat

    -       Simple Bhutan: ein Art Volkskundemuseum. Hier durften wir uns auch im Nationalsport des Landes probieren, dem Bogenschießen. Ich verfehlte das Ziel knapp, Krugi traf es knapp. Es reichte, damit die Jungs als Preis für sie singen und tanzen mussten.
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  • Ein Takin soll es sein.

    February 7 in Bhutan ⋅ ☁️ 12 °C

    Heute war ein wenig wandern angesagt. Das Ziel war der Tempel Druk Wangditse Lhekhang. Die Namen sind ein Traum für mich, der sich sowas ja gut merken kann. Die Landessprache ist Dzonghka. Genau, jetzt kann die Frage bei „Wer wird Millionär“ kommen. Die Schriftzeichen noch unverständlicher als das gesprochene Wort. Aber für meine Ohren klingt sie gut, irgendwie sehr beruhigend, weich. Ich mochte unserer Begleitung immer gern zu hören.

    Im Tempel selbst merkten wir, barfüßig wie man dort eben sein musste, warum wir dicke Socken anziehen sollten. Es gab keine Fußbodenheizung. Dafür jedoch jede Menge zu sehen, ohne Photos natürlich. Und noch mehr zu erfahren. Dorji war bestens über den Buddhismus und seine Geschichte und die Besonderheiten des bhutanesischen insbesondere informiert. Uns flogen die Namen der Dämonen, Bezwinger und Begleiter Buddhas nur so um die Ohren. Und augenblicklich  auch wieder raus. Wir lernten heute vor allem, dass die Zahl 108 eine sehr wichtige Rolle spielt im buddhistischen Glauben. Die Zahlt steht für die 108 weltlichen Leidenschaften, die überwunden werden müssen, um zur Erleuchtung zu gelangen. Diese Zahlt begegnet einem hier überall – 108 Perlen auf der Gebetskette, 108 Stupas rund um einen Tempel oder, ganz hart, der Tempel muss 108 mal im Uhrzeigersinn umrundet werden, damit man den Weg zur Wunscherfüllung näher kommt. So auch bei diesem Tempel. Als wir einen Tee genießend dasaßen, kamen immer die gleichen jungen Leute schnellen Schrittes an uns vorbei. Sie waren dabei den Tempel zu umrunden. Bei einer Strecke von vielleicht 200m  kommt da durchaus was zusammen. Und wie schafft man es, sich dabei nicht zu verzählen, und von vorn anfangen zu müssen? Ganz einfach. Es werden 108 Steine gesammelt, hingelegt und bei jeder abgeschlossenen Runde einer weggenommen. Während wir dieses Treiben weiter beobachteten, wurde ich von einem Mönch beobachtet. Er sprach mit Dorji und scheinbar über mich, denn ich konnte die Worte Deutschland und Nepal verstehen. Was macht man, wenn man von einem Mönch angegrinst wird? Ich wusste es nicht, lächelte kurz zurück und tat dann so, als sei mein bunter Teebecher gerade das spannendste auf der Welt.

    Sehr spannend war der Besuch des Motihang Takin Preserve, in dem wir den Gong Jim Day kennenlernten. Ein Tier, auch Takin genannt, welches folgende Entstehungsgeschichte hat: Der tibetische Heilige Drukpa Kunley verlangte zum Mittagessen eine ganze Kuh und eine ganze Ziege. Nachdem er satt war, verlangten die Dorfbewohner nach einem Wunder. Also verband Drukpa den Kopf der Ziege mit dem Körper der Kuh, schnipste mit dem Finger und schon gab es den Takin, der auf Bhutans Wiesen zu grasen begann. Und genauso sieht das Tier immer noch aus.

     

    Was haben wir gesehen?

    -       Druk Wangditse Lhakhang

    -       National Memorial Chorten: Hier kommen die Menschen zum beten her, aber auch, vielleicht sogar vor allem, um sich zu treffen und den täglichen Ghossip auszutauschen. Da war was los!

    -       Motihang Takin Preserve

    -       Papiermanufaktur: früher wurden alle königlichen Anweisungen nur auf diesem Papier niedergeschrieben. Jetzt nur noch zu besonderen Gelegenheiten.

    -       Centenary Farmers Market: neu gebaute Markhallen, die das alte Chaos ersetzen sollten. Es fehlt ein wenig an Charme, aber dafür ist es chic und man bekommt alles, was man braucht.
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  • Mit dem Penis um den Tempel

    February 8 in Bhutan ⋅ ☀️ 18 °C

    Es geht heute in die Berge hinauf. Nicht, das wir sie je verlassen hätten. Thimphu liegt gut 2.200 m hoch. Aber wir mussten über den Dochula Pass, der 3.100 m hoch ist. Auf dem Pass gibt es zwei interessante Dinge zu sehen. Den Tempel und die zahlreichen Stupas um ihn herum und die Berggipfel. Die Stupas, an der Zahl 108, konnten wir gut sehen. Die Berge leider nicht. Danach ging es gleich wieder kurvenreich bergab und zwar satte 2.000 m zum Dorf Supsokha. Hier war es mild wie an der Riviera und die Blumen blühten. Der Tempel dort aus dem Jahr 1499 ist auch bekannt als Fruchtbarkeitstempel. Ist das Bild mit den Penissen aus dem letzten Beitrag aufgefallen? Der Penis ist hier allgegenwärtig. Ich sah ihn hier gleich 30 Minuten nach der Abfahrt vom Flughafen groß an einer Hauswand aufgemalt, prosperierend, mit behaartem Gehänge, nicht zu übersehen. Ich wollte erst unseren Guide fragen, was das zu bedeuten hätte, aber die Aussicht, auf Englisch zu beschreiben, was ich gerade gesehen hatte und der Umstand, dass wir noch nicht mehr als die Namen voneinander wussten, hinderten mich doch daran. Aber heute erfuhren wir es. Dem liegt die Geschichte des unkonventionellen Heiligen Lama Drukpa Kunley, auch besser bekannt als Divine Madman zugrunde. Er konnte große Kräfte heraufbeschwören, wurde dann gerufen, wenn alle anderen Heiligen versagten und hatte eine sehr eigenwillige Art, den Menschen die Lehren Buddhas beizubringen. Es gibt unzählige Geschichten über ihn. Seine Kraft kam eben auch, vielleicht auch insbesondere, aus seinem Geschlecht. Und so verehrt man hier den Phallus als Symbol für Glück, Stärke und Spiritualität. Aber nun zurück zum Tempel – das besondere hier ist, dass Paare, die einen Kinderwunsch haben, aber  keines bekommen, zu diesem Tempel pilgern. Dann schnallt sich die Frau einen riesigen Holz-Penis auf den Rücken und umrundet damit dreimal den Tempel. Der Ehemann sollte möglichst nicht dabei zusehen, denn jedes Gefühl von Scham oder gar Eifersucht könnte das Ritual zunichte machen. So siehtˋs aus. Und das es wirkt, davon zeugt ein Album mit lauter Bildern von glücklichen Paaren und ihrem Kind im Arm.

    Heute war unsere erste Homestay-Übernachtung. Unser Guide zeigte unterwegs auf ein gegenüberliegendes Haus am Hang und meinte, dass sei unser Farmhaus. Ah ja, klar, ich glaubte es nicht, schien doch kein offensichtlicher Weg dorthin zu führen. Aber den gab es, es brauchte auch nur locker 40 Minuten, um irgendwie auf die andere Seite des Tals zu gelangen. Die Frau des Hauses konnte leider kein Wort Englisch, hatte aber scheinbar das Herz am rechten Fleck, war sie doch ständig am Lachen und erzählen. Unsere beiden Begleiter wohnten auch mit im Haus, was die Möglichkeit gab, zusammen zu Abend zu essen. Und zu trinken. Denn das musste sein. Arag, der selbsgebrannte Wein wird mit einem Ei verrührt, so dass also Rührei im heißen Wein ist, bevor man ihn auch noch anzündet. Dann wird getrunken. Wie später beim Essen wird ein Nein von der Hausfrau ungern bis gar nicht akzeptiert. Das Rührei ist sehr gewöhnungsbedürftig. Das Essen dafür nicht. Und hier erleben wir, wie Dorji mindestens drei Teller voll rotem Reis und Beilagen in sich reinschaufelt. Das ist schon beinahe beeindruckend. Er empfindet das als normal und unser Tellerchen als Zumutung, um satt zu werden. Das wird die nächsten Tage immer mal wieder Thema, und ich frage mich, wohin er das alles verstoffwechselt, sieht er doch alles andere als füllig aus. Der Fahrer unterstützt uns in der Ansicht, das soviel zu essen nicht ganz der Standard ist. Dann werden die Familienverhältnisse angeführt, schließlich sei Dorji mit 6 weiteren Geschwistern aufgewachsen. Nun, sein Kollege auch. Beide haben übrigens jetzt jeweils zwei Kinder, der Durchschnitt im Land. Das zeigt auch die schnelle Veränderung in der Gesellschaft von Bhutan hin zu einer anderen, je nach Sichtweise, modernen Kultur. Auch alles in Europa passiert, nur nicht so schnell. Das Land hat sich erst 1964 der Welt geöffnet, wurde 1971 völkerrechtlich anerkannt und hat seit 2008 erste Wahlen mit einer konstitutionellen Monarchie. Der fünfte Drachenkönig ist immer noch die wichtigste Person im Land und sein Konterfei überall zu sehen.

    Wir verkrochen uns nach dem üppigen Essen in unser Zimmer und unter die zahlreichen Decken.

    Was haben wir gesehen:

    -       Chimi Lhakhang Tempel

    -       Dochula Pass

    -       Pho Chhu Suspension Bridge

    -       Punakha Dzong: der Palast von Punakha, jeder der 20 Verwaltungsbezirke hat einen Dzong, der jeweils in der einen Hälfte die Bezirksverwaltungen und in der anderen die spirituelle Einheit beherbergt. Um den Punakha Dzong fließen zwei Flüsse, ein männlicher und ein weiblicher, die sich dann, wer hätte es gedacht, vereinigen. Punakha war übrigens die Hauptstadt Bhutans bis 1961Thimphu diese Rolle übernahm. Warum der Wechsel? Punakha wurde zu klein und war zu schwierig zu erreichen. So wurde aus dem kleinen Örtchen Thimphu in den letzten Jahrzehnten die neue Hauptstadt geschaffen.
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  • Im Zentrum der Spirtualität

    February 9 in Bhutan ⋅ ⛅ 5 °C

    Wir brechen auf von Wangduephodrang in das Zentrum des Landes, nach Trongsa. Und das in jedem Sinne – geografisch, da es nun mal die Mitte ist – spirituell, da es hier die höchste Dichte an Tempeln und Klöstern des gesamten Landes gibt – und royal, wurde das Königreich doch von den ersten beiden Königen der aktuellen Dynastie von hier aus regiert und stammt die aktuelle Königsfamilie von hier. So werden wir auch drei Tage hier verbringen, da es viel zu sehen gibt. Unterwegs machen wir halt am Chendebij Chorten, einer großen Stupa. Stupas haben hier entweder die Funktion, einen Ort zu schaffen, an dem gebetet und Opfergaben dargeboten werden, oder sie sind gleichzeitig auch eine Art Pin, der in den Boden gerammt wurde, um böse Geister, die das Land terrorisieren, festzuhalten. Eine Legende besagt, dass ein böser Geist, eine Hexe, so groß wie der Himalya immer wieder Menschen verschlang und Ernten ausfallen lies. Diese Hexe wurde mit, na wie vielen Stupas festgezurrt? Mit 108 natürlich. Diese sind über ganz Bhutan bis Tibet und Nepal verteilt und ergeben auf der Karte verbunden die Umrisse einer liegenden Frau. Diese 108 Stupas wurden alle am selben Tag errichtet. Ich meldete leise meine Zweifel an, die aber sofort mit dem Hinweis von Dorji zerstreut wurden, dass der verantwortliche Heilige dies in seiner Erscheinung mit 1.000 Armen vollbracht hätte. Das ändert die Situation natürlich. Es ist erstaunlich, wie lebendig diese Geschichten heute noch sind. Auch das gab, gibt es alles in Europa, auch hier hat der christliche Glaube viele dieser alten heidnischen Geschichten aufgenommen und adaptiert. Aber sie sind nicht mehr solch ein lebendiger Teil unserer Kultur. Hier ist das anders. Auf Schritt und Tritt begegnen wir Geistern, Heiligen, Buddha und anderen. Es ist phaszinierend und verwirrend zugleich.

    Auf dem zweiten Bild, das nette Gartenhäuschen ist kein solches, sondern ein Raucherhäuschen und eher ein schreckliches. Rauchen wir bis zum Ausbruch von Covid verboten, egal wo. Dann wurde es während der Pandemie erlaubt. Warum? Ganz einfach - man wollte den regen Schmuggel der Rauchwaren, der über die inidische Grenze abgewickelt wurde, unterbinden, um die Gefahr der Einschleppung des Virus zu unterbinden. Das hat wohl nur mäßig geklappt. Jetzt wollte, konnte man nicht mehr zu dem Verbot zurück. Zumindest zu dem Umfassenden nicht. Aber es ist deutlich unangenehm, in Bhutan rauchen zu müssen. Denn es ist selbst an der frischen Luft nicht erlaub. Man muss eines dieser Häuschen, Kammern oder sonstiges in den Hinterhöfen finden und da drin seiner Lunge was "Gutes" tun.

    In unserem Hotel, welches nicht gerade klein ist, sind wir die einzigen Gäste. Ist halt noch Nebensaison. Das ist meistens ganz praktisch, da wir oft die einzigen Touristen sind. Der Nachteil ist, dass es noch recht kalt ist überall. Aber hier haben wir im Zimmer einen eigenen Ofen, den ich immer schön zum Glühen bringe.

    Was haben wir gesehen?

    -       Chendebji Chorten

    -       Tongsa Dzong
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  • Andere Länder, andere Sitten

    February 10 in Bhutan ⋅ ☁️ 2 °C

    Wir sind weiter im und rund um das Bumthang Valley unterwegs. Und wieder gibt es jede Menge Geschichten und Erzählungen rund um den Buddhismus. Dorji erwartet langsam, dass wir die Statuen erkennen und mit Namen benennen. Das ist auf Grund der verschiedenen Erscheinungsformen, die ein und derselbe Heilige annehmen kann schon mal nicht so einfach, und die komplizierten Namen erschweren es zusätzlich. 1,5 von dreien (auch hier sind es interessanterweise meist drei Heilige, die zusammen auf dem Altar stehen) schaffen wir. Der halbe zählt, da ich zumindest die Geschichte zu dem Heiligen, aber nicht seinen Namen weiß. Dorji ist nicht ganz zufrieden. Wir auch nicht. Er gibt sich echt Mühe mit uns.

    Auf den Fotos sieht man oft bunte Fähnchen, die fröhlich im Wind flattern. Das sind Wind-Fahnen. Die werden möglichst in hohen Höhen, möglichst nah an heiligen Orten aufgehangen, um Wünsche zu erfüllen oder für etwas zu beten. Sie sollen im Wind hängen, damit sie langsam aufdröseln und jede Faser vom Wind davon getragen wird und den Wunsch weiterträgt. Etwas anderes sind die an langen, aufrecht stehenden Stangen befestigten Gebetsfahnen. Sie werden aufgestellt, wenn jemand gestorben ist. Eine ganz bestimmte Anzahl – na, wie viele? Genau, es sind 108. Sie werden drei Jahre lang stehen gelassen, wobei sie jedes Jahr, also zweimal, erneuert werden. Auch hier denkt man an die Umwelt, die Stäbe können nach den drei Jahren von anderen weiter verwendet werden. Ich frage Dorji, woher man weiß, wann die drei Jahre vorbei sind. Diese Frage hat offensichtlich noch niemand gestellt, er überlegt eine Weile und bleibt die Antwort schuldig. Vermutlich weiß man das in der Gegend als Nachbar einfach. Ansonsten werden die Leichname in der Nähe eines Flusses verbrannt und die Asche wird in den Fluss gegeben, damit auch sie in der Reinheit weiter fließen kann.

    Auf dem Rückweg zum Hotel kommen wir mit dem Auto an einem am Straßenrand sitzenden Schäfer mit zwei wunderschönen Tibetanischen Mastiff vorbei. Einer der Hunde fühlt sich berufen, uns zu folgen und rennt bellend hinter uns her. Er holt uns tatsächlich ein, obwohl wir 30 km/h fahren, überholt uns....und war nicht mehr gesehen. Ich schaue zurück und sehe den Hirtenhund humpelnd auf der Straße. Ich rufe nach vorn, dass wir gerade den Hund angefahren haben, in der Erwartung, dass wir anhalten. Das machen wir aber nicht. Statt dessen schlägt sich der Fahrer mit der linken Hand immer wieder an seinen Kopf und murmelte etwas für mich Unverständliches. Dorji ragiert gar nicht. Das verwirrt mich so sehr, dass ich erst wieder reaktonsfähig werde, nachdem wir ca. 2 km weiter waren. Ich sage nichts. Das Ganze beschäftige mich aber dermaßen, dass ich beschloss, Dorji im Hotel darauf anzusprechen. Ich wollte es zumindest verstehen. So versuchte ich möglichst nicht anklagend herauszufinden, warum wir nicht angehalten haben. „Die Hunde gehören meistens Keinem, da ist nichts weiter“ „Äh, es war offensichtlich, dass dies keine wilden Hunde waren und sie zu dem Schäfer gehörten“ „Ja, schon, aber wenn es schlimm gewesen wäre, hätten wir ihn zum Arzt gefahren.“ Es hatte keinen Zweck, hier prallten Welten aufeinander. Ich erläuterte noch, wie in Deutschland damit verfahren werden würde und beließ es dabei. Wäre das Bruno gewesen, wäre die Hälfte von mir gestorben. So ging ich den Schäferhund des Hotels streicheln, der, welch Zufall, auch Bruno hieß (der Hund des Hotels davor im Übrigen auch schon!) und hier mit seiner „Frau“ und einem Welpen lebte. Eine zuckersüße Familie.

    Was haben wir gesehen?

    -       Jakar Dzong

    -       Jambay Lhakhang, aus dem Jahr 659, hier wird auch gern mal nackt getanzt

    -       Kurjey Lhakhang, eine Pilgerstätte zu Ehren von Guru Rinpoche

    -       Das Kloster Tamshing Goemba
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  • Ein dot auf der Weltkarte

    February 11 in Bhutan ⋅ ⛅ 24 °C

    Der See, den wir heute besuchen, ist eher eine Erweiterung und Vertiefung eines Flusses, aber er heißt nun mal Mebar Tsho, also so viel wie Brennender See. Der Name kommt daher, weil der Heilige Pema Lingpa in die Tiefen hinabgestiegen ist mit einer brennenden Butterlampe. Im Gegensatz zu zwei Touristen aus dem vergangenen Jahre und dem sie retten wollenden Guide, die alle drei gestorben sind an dieser Stelle, kam Lingpa wieder lebend hervor. Er hatte nicht nur die noch brennende Butterlampe in seiner Hand, sondern auch Schätze wie heilige Schriftrollen und Relikte mit nach oben gebracht. So ist dies ein sehr heiliger Ort geworden, an den viele Menschen pilgern. So heute auch drei Mönche. Sie wollen so nah wie möglich am Wasser ihre Räucherstäbchen abbrennen und damit sie nicht in die Fluten stürzen, legen sie sich alle übereinander. Wenig später sehe ich sie alle auf dem Felsen nebeneinander stehen, und jeder von ihnen hat ein Handy in der Hand. Ich wollte gerade innerlich entrüstet sein, als ich merke, dass sie alle drei beten und die Texte dazu von ihren Bildschirmen ablesen. So geht das heute.

    Über den 3.600 m hohen Serthang-La Pass geht es zum Ura Valley, wo wir ein wenig wandern. Zur Freude von Corina geht es fast nur bergab. Auf der Wanderung kommen wir mit Dorji ein bischen ins Gespräch. Ich versuche etwas mehr, das Land zu verstehen. Irgendwie beschleicht mich aber das Gefühl, als ob bei einigen Fragen, nicht so ganz die Wahrheit gesagt wird. Es ist tatsächlich nur eine Vermutung, aber selbst groß geworden in einem Land, in dem nicht zu jederzeit zu jedem alles gesagt werden durfte, ist das Gefühl vielleicht nicht zu weit hergeholt. Dorji spricht davon, wie gut es ist, dass der König die Macht zum Teil abgegeben hat, und er selbst aus der absoluten Monarchie eine konstitutionelle Monarchie entwickelt hat. Besonders schätzt er, dass der König selbst als erfahrener Leader immer noch zur Verfügung steht, wo doch kein anderer mit Erfahrung da ist. Die spirituelle Macht hat der oberste Priester. So wird sich die Macht geteilt im Land. Was passiert, wenn sich König und Priester mal nicht einig sind? Das kommt nicht vor, da das eine ja politisch, das andere geistlich ist. Aha, in einem Land, dass wie kaum ein anderes Religion und Staat miteinander verbindet. Das behalte ich für mich. Auch die umfassende Abhängigkeit zu Indien wird nicht so richtig kritisch gesehen. Man musste sich eben zwischen dem Nachbarn im Norden, China und dem im Süden, Indien, entscheiden. Da war relativ klar, wohin Bhutan tendiert. Bhutan hat kaum eigene Industrie, so dass alles, aber auch alles, samt fehlenden Nahrungsmitteln von oder über Indien importiert wird. Dorji meint, es sei klar, dass sie nur ein kleiner Punkt zwischen diesen beiden Staaten darstellen. Solange nur einer was von Bhutan wolle, würde der andere das verhindern. Das Problem kommt dann, wenn beide Großmächte aufeinander losgehen würden. Dann wäre Bhutan innerhalb eines Tages wohl Geschichte. Hoffen wir mal, dass es nicht soweit kommt.

    Was haben wir gesehen?

    -       Mebar Tsho

    -       Ura Valley

    -       Kenchosum Lhakang (Tempel)
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  • Die Kraniche ziehen weiter

    February 12 in Bhutan ⋅ ☁️ 8 °C

    Wir ziehen weiter von Bumthang nach Gangtey. Das liegt im 3.000 m hohen Valley of Phobjikha. Dieses Tal hat mich durch seine wilde, aber irgendwie auch sehr sanfte Schönheit sehr beeindruckt. Ich kann verstehen, dass so elegante Tiere wie die Grus Nicricollis von der tibetanischen Hochebene hierherfliegen, um ihre Winter hier zu verbringen. Ja, die Grus Nicricollis, oder auch weniger geheimnisvoll, die Schwarznacken-Kraniche. Wunderschöne Tiere. Es waren auch noch ein paar zu beobachten. Etliche hatten sich schon wieder in die Sommerfrische auf den Weg über den Himalaya nach Tibet gemacht. In einem Informationscenter leben zwei von ihnen. Der eine wurde verletzt und kann nicht mehr fliegen. Die andere war auch verletzt, blieb aber zu Begleitung des anderen. Beide sind Freunde, ob mit gewissen Vorzügen ist nicht bekannt. Es gibt jedenfalls keinen Nachwuchs. Die Verletzung wurde übrigens durch einen Leoparden verursacht. Die streifen hier immer wieder von den Bergen kommend in der Nacht im Tal herum. Wir sahen auch ein von ihnen gerissenes Pferd, an dem sich die Krähen und großen Geier gütlich taten.

    Heute übernachten wir im zweiten Homestay. Wieder kann die Herrin des Hauses leider kein Englisch. Und wieder gibt es den hausgemachten Reiswein Arag. Da wir das letzte Mal etwas mit dem Rührei haderten, das darin rumschwamm, macht die Zubereitung dieses Mal unser Driver selbst und verquirlt alles so, dass der Wein trüb, aber nicht eiig ist. Viel besser. Wir trinken eins zwei Tässchen. Und merken, dass der Wein in der Tat überall anders ist, auch in den Prozenten. Die beiden Tassen hauen rein wir Schnaps. Wir merken es zu spät. Dorji erinnert nochmal daran, dass wir ihm noch schuldig sind, ein deutsches Liebeslied zu singen. Er liebt bhutanesische Liebeslieder und hat uns schon alles Mögliche im Auto vorgespielt und vorgesungen. Bisher hatten wir immer eine Ausrede. Was sollten wir singen? Was von Roland Kaiser? Wir verweisen auf Textschwierigkeiten und fehlendes Internet. Schwups, wir haben das Handy des Drivers in der Hand. Mist. Wir googeln und fangen kläglich was zu singen an. Einmal im Schwung lassen wir ein Lied nach dem anderen laufen und kommen so von Max Giesinger über Helene Fischer bis zu den Toten Hosen und „An Tagen wie diesen“. Da können wir wieder mitsingen. Ich erläutere, wer die Toten Hosen sind („Death peants – thatˋs still funny enough), was das Lied für Düsseldorf bedeutet, und währenddessen fällt mir ein, dass heute Altweiber ist. Das erkläre ich dann auch gleich mit, also ich versuche es zumindest. Und schon spielen wir die Gassenhauer des Karnevals mitten im Valley of Phobjikha. Es macht eine herrliche Freude, und ich beginne tatsächlich den Karneval etwas zu vermissen, was ich bis dato gar nicht tat. Es war ein feuchtfröhlicher Abend. So wie es sein sollte am Karneval. Wir gingen zu Bett, in der Hoffnung, vor den herumtiegernden Leoparden in Sicherheit zu sein.

    Was haben wir gesehen?

    -       Black Necked Crane Information Center

    -       Gangtey Goempa (Kloster)

    -       Gangtey Nature Trail
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  • Ja, wer tagt denn da?

    February 13 in Bhutan ⋅ ⛅ 17 °C

    Wir wachten auf und blickten durch das Fenster des Farmhauses in das sonnendurchflutete Tal der Kraniche. Wir hatten die Nacht gut verbracht. Anders als wohl eine Kuh, welche die Bäuerin die Tage im Wald gefunden hatte mit deutlichen Spuren eines Leoparden in der Flanke. Der Kuh ging es deutlich besser, auch wenn sie noch sehr ängstlich dreinschaute.

    Heute geht es zurück nach Paro, unserem Ausgangspunkt. Also über den Dochula Pass, wo wir wieder die 108 Stupas sahen und dieses mal auch die schneebedecken Berge im Hintergrund. Im der Hauptstadt Thimphu machten wir halt, um Mittag zu essen. Dieses Mal in einem sehr lokalen und leckeren Restaurant. Ein Getränk auf der Karte namens Topka erregte meine Aufmerksamkeit. Es konnte mir keiner erklären, was es sei. Also bestellte ich es. Es war ein rosafarbenes Etwas in einer Flasche mit weichen Kügelchen, die entfernt nach Litchi schmecken. Außer unserem Driver fand das keiner Lecker. Also blieb mehr für ihn.

    Übrigens kann man hier an den Autokennzeichen erkennen, wer das so rumfährt, ein P steht für privat, ein G für Goverment zum Beispiel. Die Farben verraten etwas über die Umwelttauglichkeit des Autos. Und „BHUTAN + Zahl“ ist das Königshaus. So hat die Königinmutter „BHUTAN 5“. Der sind wir nämlich in Thimphu begegnet. Und aus Respekt bleibt der Verkehr rund um ihr fahrendes Auto stehen. So auch wir.

    In Paro besuchten wir das National Museum of Bhutan. Das war noch mal ein Crashkurs in der Geschichte Bhutans und vor allem des Buddhismus dieser Region. Es gab einige Aha-Effekte, da vieles bekannt vorkam.   

    Das Hotel in Paro war voll belegt, was für uns sehr ungewohnt war. Es gab eine Konferenz. Was und wer da konferierte, wurde auch auf Nachfrage nicht mitgeteilt, man wisse es nicht. Angeblich. Das Abendessen wurde uns auf das Zimmer gebracht. Das sei doch viel angenehmer, als der überfüllte Speiseraum. Als am nächsten Tag Autos auf der Hoteleinfahrt standen, für die Jungs auf der Kö in Düsseldorf mit ihrer Kamera warten, die aber sicherlich nicht nach Bhutan gehören und selbst Dorji (von mir angestachelt) keine Auskunft bekam, wer denn hier worüber tagte, hegte ich deutliche Zweifel, dass wir nur des Komforts wegen nicht in das Hauptgebäude durften. Dieses Land hat und behält seine Geheimnisse.

    Was haben wir gesehen?

    -       Bhutan National Museum

    -       Eine Geheim-Konferenz
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  • Im Nest des Tiegers

    February 14 in Bhutan ⋅ ☁️ 15 °C

    Flups, schon ist der letzte Tag angebrochen. Das Tigernest steht auf dem Programm. Darauf freut sich Krugi ganz besonders. Das es dabei gut 1.000 m nach oben auf eine Höhe von 3.120 m geht, schreckt sie erstaunlich wenig ab. Unterwegs ändert sie dann doch etwas die Meinung. Aber hilft nichts. Rauf da. Am Morgen ist es noch bitter kalt. Nach und nach wird es schnell wärmer. Dorji zeigt sich beeindruckt über mein Layering System, bei dem ich eine nach der anderen ausziehe und damit drohe, auch die letzte Hülle fallen zu lassen. Die Drohung verfängt nicht, es kommt nur ein Schulterzucken mit dem Signal, dann tuˋs doch. Wir nähern uns dem Nest, das beeindruckend an der Felswand hängt. Guru Padmasambhava ist im 8. Jahrhundert hierher auf dem Rücken eines Tigers geflohen. Dann meditierte er ewig in einer Höhle und fand, was er suchte. Nun ist diese Höhle das Zentrum von mehren Tempeln und einem Kloster. Wie in allen Tempeln, so ist auch hier das Fotografieren verboten. Die Handys durften noch nicht mal mit reingenommen werden.

    Runter geht es deutlich schneller und dann weiter zum Hot Stone Bath, das wir uns verdient haben. Hierzu werden große Steine aus dem Fluss im wild lodernden Feuer über Stunden erhitzt. Dann wird eine Wanne mit Wasser gefüllt und im vorderen Teil diese Steine reingelegt. Das Wasser ist in Sekunden heiß. Zusammen mit Kräutern ergeben die Minerale der Steine ein gesundes Bad. So wurde wohl samstags immer gebadet. Auch in Deutschland war Samstag mal der Badetag. Nach ein wenig Eingewöhnung in der Holzwanne genießen wir das Bad und lassen noch ein paar mal einen heißen Stein nachlegen. Bevor ich aber meine Haut so ganz aufgeweicht in der Wanne liegen lasse, verlasse ich diese. Das tat gut!

    Abends laden wir unsere beiden Begleiter auf ein Getränk in die Bar ein, welche ein extra kleines Haus auf dem Gelände ist. Da wieder niemand in die offiziellen Räume zum Essen darf, bietet man uns, wieder des Komforts wegens, an, in der Bar zu essen. Also essen wir vier auch zusammen. Und endlich, nach gemeinsamen Wandern, unzähligen Tempeln, wildem Karneval im Phobjikha Valley und Liebesliedern ohne Ende – Dorji öffnet sich. Ein wenig zumindest. Und auch erst, als der Hotelangestellte aus der Bar war, gab es ehrliche Antworten auf all meine Fragen. In einer Kurzfassung: Bhutan hat auch darunter zu leiden, dass die Jugend keine Perspektive im Land sieht und es verlässt. Internet und Social Media geben hier eine starken Anstoß und beschleunigen das Ganze enorm. Die Jugend sieht überall, was sie scheinbar verpasst und geht vorwiegend nach Australien oder Indien. Einige kommen wieder, viele nicht. In der Tat wird von der Regierung sehr viel getan, um das zu stoppen, aber die Mittel wie kostenloser Bildung und Krankenversorgung sind auch nur begrenzt, denn was macht man dann hier mit seiner Bildung. Auch der Tourismusbereich, am florierendsten, bringt zwar viel Geld, aber auch nicht für alle. Es dürfen ja auch nicht alle ins Land. Über das Für und Wieder dieser Regelung diskutieren wir eine Weile. Aber was ist schon ein idealer Weg, um Massentourismus zu vermeiden und dennoch offen für die Welt zu sein. Auch die Ukraine und die Bedeutung des Krieges mache ich zum Gespräch. Es ist weniger, dass am Rande Europas ein Krieg herrscht - das ist dann doch zu weit weg. Aber die Reaktionen der Mächtigen – Russlands, vor allem der USA mit Trump und letztlich auch China, spielen dann doch wieder eine wichtige Rolle für das Königreich und seine Positionierung.

    Das war ein spannender Abend, den ich mit einem leckeren Whisky aus lokaler Produktion ausklingen ließ.

     

    Was haben wir gesehen?

    -       Taktsang Monastery (Tigerˋs Nest)

    -       Hot Stone Bath
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  • Besser ohne die Deutsche Bahn

    February 15 in Bhutan ⋅ ☁️ 14 °C

    Auf Reisen lernt man ja die verschiedensten Menschen kennen. Überraschenderweise, na ja, vielleicht eigentlich auch nicht, Typen mit ähnlichem Mindset. Manchmal finde aber auch ich, dass sie hart drauf sind. Am Flughafen von Paro machten wir kurz die Bekanntschaft eines Holländers. Er ist selbst immer wieder erstaunt, wieviele Holländer so in der Welt unterwegs sind. Ich behaupte ja, dass doppelt soviele Niederländer immer außerhalb der Landesgrenzen als innerhalb zu sein haben, damit in dem kleinen Land Platz genug ist. Jedenfalls hat er beschlossen, gar nicht mehr in Holland zu leben, sondern nur auf Weltreise zu sein. Sein Ziel ist es, bevor er die allerletzte Reise antritt, alle Länder dieser Welt bereist zu haben. Das stelle ich mir in mehrfacher Hinsicht als äußerst schwierig vor. Bhutan war nun sein 100. Land. Wir machten die Bekanntschaft, weil wir zusammen fast das falsche Flugzeug bestiegen hätten. Eigentlich sollte das an einem so kleinen Flughafen kein Problem sein. Aber zu unserer Ehrenrettung sei gesagt, dass es am Flughafen Paro keine, wirklich gar keine Anzeigen gibt. Und die Ansagen sind absolut unverständlich. Hinzukommt, dass irgendwann die Schiebetür aufgemacht wird, und jeder zu seinem Flugzeug läuft. Man kann zur Not die Tür auch selber öffnen. Zum Glück schaute dann doch noch mal jemand auf das Ticket, als wir es hinhielten. Dich Chance lag übrigens bei 50/50 das Falsche zu erwischen.

    Der heutige Tag sollte komplett mit Reisen drauf gehen. Das Ziel war Hanoi. Aber so umständlich man Bhutan erreicht, so schwierig ist es auch wieder raus. Man musste eines der fünf Länder wählen, um dort erst einmal einzureisen. Ich wählte dazu Nepal, da hier unsere Visas noch Gültigkeit hatten. Auf dem Weg dahin flogen wir wieder, dieses Mal auf der richtigen Seite sitzend, an der Kette der Achttausender vorbei, einschließlich des Mount Everest. Ich habe ihn nun schon öfters aus verschiedenen Perspektiven gesehen. Aber es nutzt sich nicht ab, ganz im Gegenteil, von diesen Bergen geht ein Sog aus.

    In Kathmandu gelandet schnappten wir unser Gepäck, immigrierten, rannten einmal um den Block, checkten ein und emigrierten wieder. Dann bestiegen wir das Flugzeug nach China, nach Chengdu. Es gab unterwegs interessantes Essen und Kimchi aus der Folientüte. Diese waren wir leider unfähig zu öffnen. Auch das Abschauen von den Nachbarn (wir waren die einzigen Westler im Flugzeug) brachte keine Erkenntnisse. Ich fragte meine Nachbarin. Die brauchte dazu genau eine Sekunde. An einer unscheinbaren Stelle, die man kennen muss, gab es einen kleinen Einschnitt in der Folie. Leider war das die gesamte Interaktion mit meiner Nachbarin. Ich sah, wie sie das chinesische WhatsApp nutzte und fragte mich, wie das bei einigen tausend Schriftzeichen im Chinesischen wohl sinnvoll zu gebrauchen ist. Soweit ich sah, gab es nur ein Feld von vier mal vier Zeichen. Ich glaube, die Schriftzeichen wurden aus Bausteinen zusammengesetzt. Ich werde wohl mal nach China müssen. Shengdu, eine Millionenstadt, hat einen riesigen, ultramodernen und gesichtslosen Flughafen. Man wird auf Schritt und Tritt überwacht, erneut überprüft und weitergereicht. Ich bin sicher, dass auch genau registriert wurde, wie oft ich an dem Wasserautomaten herumhantierte. Weiter ging es nach Vietnam, Hanoi. Wieder in den Zeitzonen zurück. Dabei fragte ich mich, wenn es doch am gleichen Tag dann zweimal in Deutschland 10h morgens war, hat dann Thomas den Bruno auch zweimal 10h morgens Gassi geführt? Diese Frage verwirrte mich kurz. Jedenfalls landeten wir nach 14h Reisezeit mit einer Minute Verspätung in Vietnams Hauptstadt. Habe ich mir umsonst Sorgen gemacht, dass das nicht klappen könnte, über 4 Länder hinweg an sein Ziel zu kommen. War ja keine Deutsche Bahn beteiligt.

    Was haben wir gesehen?

    -       4 Flughäfen

    -       Etliche Passkontrollen

    -       Kimchi in Tüten
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    Trip end
    February 15, 2026