• Tod durch dicken Mann, fast.

    18 febbraio, Vietnam ⋅ ☁️ 21 °C

    Die Halong Bucht hammer nich jemacht. Die macht ja jeder. Und ẃenn man sie macht, dann sollte man zwei Nächte dort bleiben. Soviel Zeit wollten wir auch nicht investieren. Also fuhren wir mit einer Gruppe nach Ninh Binh. Dort ist es ähnlich schön und nicht ganz so überlaufen. Außerdem kann man Hoa Lu sehen, die ehemalige Hauptstadt des Königreichs. Also das, was davon übrig ist, ein Tempel. Der Rest wurde mehr oder weniger wieder verwendet für die neue Hauptstadt, Hanoi. Eine kleine Radtour war auch dabei. Aber wirklich erwähnenswert war die Bootstour in Trang An mit den ikonischen Sandsteinbergen und durch die Höhlen hindurch. Wir waren tatsächlich nicht die einzigen. Wie an einer Perlenkette waren die Boote den gesamten Weg auf dem Wasser hinereinandergereiht unterwegs. Das hatte auch schon fast wieder etwas. Scheinbar war das noch recht wenig – wohl an die 1.500 bis 2.000 Boote. Normalerweise, und vor Corona war es wohl so, sind es bis zu 5.000 Boote. Es lebe der Massentourismus. Aber dieser wunderbaren Landschaft tat es erstmal keinen Abbruch. In der Gruppe machte ich die Bekanntschaft von Debra, einer Indoneserin, die aber lange in New York und nun in Kanada lebt. Sie hat sich für ein Jahr auf Reisen begeben. Nachdem sie im NY Büro der NBC jahrelang die Nachtschichten gemacht hat und verantworlich war für die News aus Europa und den Orient, kam sie an einen Punkt, dass sie sich entscheiden musste, wie es mit ihr und ihrer Gesundheit weitergehen soll. Sie entschied sich für einen Neuanfang in Kanada und machte sich mit Beratung für Marketingstrategien selbstständig. Das ist schon ein wenig der Spirit dieser Länder, sich im Leben durchaus beruflich komplett neu zu orientieren. Irgendwie bewundernswert. So zogen wir auch zusammen weiter zur Muha-Höle und erklommen den Berg darüber. Unser Guide warnte uns vor dem Herumklettern rund um den Drachen, der sich auf dem Gipfel befindet. Was sollˋs, wozu sind wir denn hier. Ein Leichtsinn, der fast böse endete. Rund um den Drachen ragten spitze, vom Regen schwarz glänzende Felsen auf. Es war glatt. Es gab nicht viel Platz. Und ich machte einem beleibten Herrn Platz. Dumm nur, dass der auch noch zusätzlich einen großen Rucksack auf hatte, den ich zuvor nicht sah. Der war also nicht mit kalkuliert, so dass ich, als der Man vor mir an der Wand entlangglitt, mehr Platz machen musste als gedacht, ins Rutschen kam und den Halt verlor. Da hinter mir nur der Abgrund war, umschlang ich refelxartig den dicken Man vor mir und hing dann, mit seinem Rucksack zwischen uns, an seinem Rücken. Während ich mich an seinem weichen Bauch festkrallte rief er „I got you! I got you!“, Deborah rief verzweifelt „Oh my god!“, und ich dachte nur „What a shit!“. Langsam glitten der dicke Man und ich aneinander vorbei, und ich erlangte wieder Halt. Und atmete tief durch. Es gibt viele Wege Tschüss zu sagen, aber so, weiß nicht. Um das zu verarbeiten, stiegen wir gleich auf den nächsten Berg hoch. Der hatte zum Glück Stufen. Deborah wollte in den kommenden Wochen auch weiter nach Europa und unter anderem eine Freundin in Paris besuchen. Ich versuchte ihr Düsseldorf schmackhaft zu machen, ist doch nur 4h mit dem Zug entfernt vom schönen Paris.

    Wieder heil zurück in Hanoi wandelten Corina und ich noch ein wenig durch die Straßen und waren auf der Suche nach was zu essen. Das fanden wir auch. Und einen Friseur. Ich hatte das zwar schon länger überlegt, aber jetzt ging ich am späten Abend doch spontan zum Haareschneiden. Der Friseur, ein junger Man, wusste nicht so recht, was er mit mir und meinen Haaren anfangen sollte, und ich hielt auch ein wenig den Atem an, wenn sich seine Schere meinem Kopf näherte. Nach 15 Minuten rasieren und schnippeln war er fertig. Wieder auf der Straße fühlte ich mich dann sehr schmutzig, nicht nur, weil mir noch abgeschnittene Haarbüschel vom Kopf fielen, sondern auch, weil mir auffiel, dass ich seit 25 Jahren immer zu Solange zum Haareschneiden gegangen bin. Am nächsten Tag beichtete ich ihr mein Fremdgehen und bekam promt einen Termin bei ihr im April. Aber alles in allem bin ich recht zufrieden mit meinen Haaren.
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