• Schreie in der Nacht

    23 febbraio, Vietnam ⋅ ☁️ 19 °C

    Ich glaube, ich wurde noch nie so oft in einer Nacht hintereinander durch verschiedenste Tiere geweckt. Ist ja ganz schön, so im Bergdorf, aber da kommt dann mal die klagende Katze vorbei, dann bellt ein Hund, der Hahn kräht, die Hühner gackern, die Kühe machen ihrs. Und dann war plötzlich eine Art Schreien oder auch quicken, das die Luft zerschnitt. Es ging durch Mark und Bein. Ich stand auf, um nachzusehen. Es war 5h morgens. Schräg gegenüber zerrten sie Schweine auf einen Laster. Und die schrien wirklich, anders kann ich es nicht ausdrücken. Wieder kamen Erinnerungen an meine Oma hoch. Dieses Mal die andere Oma, die auf einem großen Hof lebte. Dort wurde auch einmal im Jahr groß geschlachtet. Der Moment, wenn mit dem Bolzenschussgerät dem Schwein in den Kopf geschossen wurde, war schrecklich für mich als Kind. Besonders, wenn der erste Schuss nicht richtig traf. Und das Schwein schrie. So wie jetzt. Irgendwann habe ich mich als keiner Junge solange verkrochen, bis das Schlimmste vorbei war. Dennoch hat es mich nicht davon abgehalten, die Leberwurst und vor allem den Schinken zu lieben. Aber hier, in dieser Nacht, beschloss ich, noch mehr auf Fleisch zu verzichten, als ich es eh schon tat. Ich werde es immer lieben, aber eigentlich möchte ich auch nicht, dass dafür ein Tier für mich leiden muss. Ja, ich kenne all die Argumente, wie, der Mensch ist nun mal ein „Allesfresser“, habe ich sie doch lange selbst benutzt. Aber hey, vor ein paar tausend Jahren sind  wir mit einem primitiven Speer herumgelaufen und haben in den Teutoburger Wald gekackt, heute halten wir das iPhone 17 in der Hand. Man kann sich also weiterentwickeln. Muss man nicht, aber ich darf.

    Nach der unruhigen Nacht ging es wieder rauf auf den Bock (sagt man so, oder?). Heute gewann meine vorsichtige Seite die Oberhand, und ich verkrampfte etwas auf dem Motorrad. Waren wir gestern auch schon so schnell gefahren? Nun, das sind halt zwei meiner vielen Seiten – der „wir machen einfach mal“ und der „wir sollten das noch mal Durchdenken“ Part. Mittlerweile weiß ich, dass es ganz gut ist, beides in sich zu haben. Jedoch gewann in den letzten Jahren immer mehr der vorsichtige Teil die Oberhand. Die traumhafte Landschaft tat aber alles, um mich abzulenken und das gelang ihr auch hervorragend. Mit dem Bikes konnten wir auch die schmalsten Straßen und durch die Dörfer fahren. Erst dachte ich, dass die Dorfbewohner, so als Kulisse, ihre bunte Kleidung angezogen haben, um mit dem Wasserbüffel die Felder im Frühling zu pflügen. Nein, hier war die Zeit tatsächlich stehen geblieben. Hier war es, was wir Touris immer suchen, Authentizität. Nicht nur hier bewies unser Guide, dass er es verstand, den großen Gruppen, die hier auf, naja, eher Mopeds unterwegs waren, aus dem Weg zu gehen. Die erste gute Entscheidung war, dass wir den Loop nicht, wie die meisten, im Uhrzeigersinn, sondern anders herum befuhren. Auch bei unserem Lunchstop, einem Fluss, timte Winty es so, dass wir auf dem Bambusfloss auf dem Fluss plötzlich allein waren. Über den Fluss waren Seile gespannt, an denen die fast ausschließlich weiblichen Flößerinnen, uns den Fluss entlangzogen. Wir hatten Essen mitgenommen und wurden danach träge und müde. Es war so herrlich entspannend. Diese Mal übernachteten wir nicht im Dorf, sondern, nachdem wir den 2.000 m hohen Ma Pi Leng Pass überquerten, in der kleinen Stadt Dong Van. Tieregeräusche schienen für diese Nacht eher ausgeschlossen.
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