Glücklich oder Happy?
27. februar, Vietnam ⋅ ☁️ 26 °C
Szenenwechsel. Wir nahmen das Flugzeug nach Da Nang. Ja, man hätte auch 16 h einen Bus nehmen können, aber obwohl wir so lange reisen, war das irgendwie nicht drin. So war dann der Wechsel auch krass, von der Bergwelt an den Strand mit türkisblauem Wasser. Aber das Unwirkliche verflog schnell. Da Nang ist eine moderne City mit einer langen Strandpromenade, an der sich die Hotelhochburgen tummeln. Krugi hatte uns für drei Tage was Nettes mit Blick auf das Südchinesische Meer gebucht. Beim Essen wechselten wir auch hin zu Meeresfrüchten und Fisch. Dazu mussten wir am Abend nicht weit laufen, also eigentlich raus aus dem Hotel und links rum wieder rein ins Getümmel. Das ist wörtlich zu nehmen. Erst dachte ich, es sei eine Markthalle – grelles Neonlicht, im Eingang ein Dutzend Bassins mit den unterschiedlichsten Meeresbewohnern, irgendjemand rief ständig was zu irgendwem, der dann aus dem Wasser was herausfischte und abwog. Aber bei genauerem Hinsehen sah man die Tische, an denen dichtgedrängt die Gäste saßen. Ok, das wollten wir auch. Nun, nach den Krebsen auf Sri Lanka war das meine zweite kulinarische Offenbarung der Reise. Wieder so unerwartet. Wir bestellten wild aus der Karte und der Tisch wurde voll. Die überbackenen Austern mit Erdnüssen ließen mich aufstöhnen. Zum Glück war es laut genug, so dass es keiner mitbekam. Glücklich blickte ich mich um, was denn die anderen so auf den Tisch bekamen. Nicht alles konnte ich zuordnen, nicht alles schien mir essbar. Neben uns war eine Gruppe Japaner, die ihr Essen auch sichtbar genossen. Wir winkten uns fröhlich zu. Sie hatten ihren Nachtisch von außen mitgebracht. Scheinbar kein Problem hier. Und den zelebrierten sie förmlich. Es war in Durian-Frucht eingewickelte Wurst. Da ich die Frucht kannte, lief mir das Wasser nicht gerade im Mund zusammen, wie den Kollegen am Nachbartisch. Jedem sein Geschmack.
Am nächsten Morgen hatte nicht nur die Szenerie sondern auch das Wetter gewechselt. Es regnete. Ich hielt an meinem Plan fest, am Strand joggen zu gehen. Hut auf, Handy in die wasserdichte Hülle, In-Ears rein, Musik drauf und los. Neben vielen Einheimischen, die ihren Sport machten, war ich im Moment der einzige Westler. Man grüßte sich respektvoll. Ich war nicht schnell wie der Wind, aber in windeseile naß von oben und noch mehr von unten. Es machte solchen Spaß. Ich war happy. Und je länger ich so darüber nachdachte, ich war es auch bereits zu Hause. Es brauchte aber drei Monate Abstand für mich, um das zu bemerken. Scheinbar. Mit Happy meine ich für mich nicht Glücklichsein. Ich habe aber für diesen Zustand kein passendes deutsches Wort, als eben happy. Glücklichsein – das ist für mich ein hochintensiver, meist sehr kurzer Emotionszustand. Phantastisch, wenn er da ist, aber nichts für Dauer. Aber Happy, dass kann auch mal andauern und ein Grundzustand sein. Und alles was es dazu für mich brauchte, war in der kleinen Stadt Düsseldorf – liebe Freunde, ein cooler Job, eine Wohnung in der ich gern bin und Bruno, mit dem ich bei Regen joggen kann. Ein Platz eben, an den ich jederzeit zurückkommen kann. Und will! Mit diesen Gedanken ging es erstmal unter die Dusche.
Einen Großteil des Tages verbrauchten wir faul auf der Couch. Muss auch mal sein. Der Regen hielt sich nicht an die Vorhersage und fiel auch am Nachmittag vom Himmel. Dennoch fuhren wir am Nachmittag nach Hoi An, der Laternenstadt. Eine so ganz andere Atmosphäre, fast ein wenig zu kitschig. Aber irgendwie eben auch schön. Bei den Touristen konnte man genau sehen, wer den Regen jetzt total Scheiße fand, und wer eben nicht. Als ein älteres Paar bei uns am Café vorbeilief, sie vorneweg mit einem riesigen Schirm, unter den 4 Personen bequem Platz gefunden hätten und er, trottend hinterher, ohne jeden Schutz vor dem Regen, musste ich mich wieder ermahnen, nicht irgendwelche Schlüsse über den Zustand der Beziehung zu ziehen. Vielleicht liebt er ja die Tropfen auf seiner Glatze. Es fiel mir schwer das zu glauben.
Gegen 6 hörte es plötzlich sowohl auf zu regnen, als auch Massen an Touristen zu geben. Sie mussten wohl zum Dinner im Hotel sein. Das gab Hoi An die Chance im wahrsten Sinne zu glänzen, mit all seinen bunten Laternen, die sich auf den nassen Straßen spiegelten.Læs mere


























RejsendeSchön, diese Momente des Glücks, und umso schöner, wenn man (zu schätzen) weiß, dass es einen Platz im Leben gibt mit einer Flat Rate dafür 🫶