• Poirot braucht nicht zu ermitteln

    March 7 in Cambodia ⋅ ⛅ 33 °C

    Die kommenden acht Tage werden wir mit dem Boot auf dem Mekong herumschippern. Naja, Boot ist etwas untertrieben. Es ist schon ein recht gut ausgestattetes Schiff. Ich hatte ein wenig im Internet herumgeschaut und bin mit einer vietnamesichen Reiseagentur, der scheinbar größten im Land, in Kontakt getreten. Und auch hier kann, muss, man wohl feilschen. Preise waren nur ca. auf der Seite angegeben, also fragte ich nach einem konkreten Preis. Der war soweit außerhalb meiner Preisklasse, dass ich nicht mal antwortete. Die Dame von der Agentur lies nicht locker. Also gab es eine Absage. Dann die Frage, was ich bereit sei zu zahlen…. Ja, was weiß denn ich. Ich nannte einen Preis, und die Bereitschaft, auch von Siem Riep zurück nach Saigon zu fahren, in der Hoffnung, dass dies die am wenigsten bevorzugte Richtung ist. Nach  einigem Hin- und Her hatten wir eine Kabine auf der RV. Bassic der Panadw Flotte. Das würde 8 Tage sich um Nichts kümmern müssen bedeuten. Einfach den Zeitplan folgen. Und der war taff, das kann ich sagen! 9h am Treffen an einem Hotel zur Abfahrt an die Anlegestelle. Wir waren natürlich pünktlich 8h58 beim Einschreiben in die Liste. Ich scherzte noch, wer auf der Liste wir wohl sein könnte. Das war nicht so schwierig, alle anderen Passagiere waren schon da. Wie, auch alles Deutsche? Nein, wir waren einfach zu späte, eine ganze halbe Stunde. Man hatte vergessen, uns zu informieren. Wie schön, so gibt man seinen Einstand. Egal.

    Das Schiff ist für 56 Passagiere ausgelegt und meine Rechnung, flussabwärts zu reisen,  ging voll auf, wir waren mit uns beiden ganze 14 Leute an Bord. Das bedeutet auch ein Crew-/Passagierverhältnis von zwei zu eins. Ich sollte den Vorzug einer solch kleinen Gruppe noch sehr zu schätzen lernen. Was dauerhaft eine Herausforderung darstellte, war weniger, dass die Hälfte der Mitreisenden über 70 war, sondern vielmehr, dass ausnahmslos alle nativ english speaker waren. Und mit Akzenten quer from the world: zwei Australier, 6 Amis aus allen Himmelsrichtungen, 2 Schottinnen und ein Paar nördlich von London. Irgendwann, also eigentlich nach 3 Minuten, nahm keiner mehr Rücksicht auf die german people und redete drauflos. Später gestand mir eine der Schottinnen, dass sie die anderen, vor allem die aus den USA, auch nicht immer verstehen würde. Das beruhigte etwas.

    Ich liebe dieses Schiff, es ist so herrlich altbacken mit dem vielen dunklen Holz und gleichzeitig mit allem ausgestattet. Überall, außer im Dining-Room, kann ich barfuß herumtapsen und tragen was ich will. Und vor allem ist es ruhig. Es brauchte etwas, sich dem Modus der Gruppe anzupassen, alles ging langsamer, war bis ins Kleinste organisiert und nicht wirklich flexibel Aber das war eingepreist, als ich buchte. So gab ich mich dem Fluß der Dinge und dem Mekong hin und begann es zu genießen. Die einzigen Entscheidungen, die es täglich zu treffen galt, welches Hauptgericht für Lunch und Dinner gewünscht wird. Ach ja, und ob es ein zweiter Cocktail sein sollte. Nun, das muss einfach auch mal sein. Am zweiten Tag hatte ich sogar das Feeling, als sei ich mit Hercule Poirot zusammen im „Tod auf dem Nil“ unterwegs – eine illustre Gesellschaft auf einem gediegenen Schiff, ein wenig Luxus, exotische Umgebung, ein geheimnisvoller Gast sollte auch noch für drei Tage an Bord auftauchen. Ich hätte es nur natürlich gefunden, am nächsten Morgen durch einen schrillen Schrei einer Frau geweckt zu werden, weil sie gerade eine Leiche entdeckt hatte. Dazu kam es zum Glück nicht. Es gab auch so genug zu tun.
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