• Feuer in der Hitze

    March 9 in Cambodia ⋅ ☀️ 35 °C

    Der Tag startete mit Thai Chi und Mediation. Was gibt es besseres. Naja, die Meditation war erst ein wenig später. Wir besuchten das Vipassana Dhura Meditational Center in Outdong, der alten Hauptstadt Kambodschas. Die Meditationshalle thronte auf einem Hügel, war imposant ausgestattet mit viel Malerei an den Wänden, ansonsten luftig und hoch. Da saßen wir alle auf dem Boden, vor uns ein Mönch und jeder konnte losmeditieren. Das ist, wenn noch nie gemacht, ein wenig schwierig, so ganz ohne weitere Anleitung. Da ich durch meine Meditationsgruppe doch über etwas Erfahrung verfügte, schloss ich die Augen und konnte mich dem kühlen Luftzug und dem Konzentrieren auf den eigenen Atem hingeben. Hier, in diesem Zentrum leben gut 500 Mönche und an die 200 Nonnen. Da alle Bewohner schon seit mindestens 5h morgens auf den Beinen waren, gab es für sie auch früh Mittag. Und so konnten wir beobachten, wie sich alle in einer Reihe anstellten, schön dem Rang und dem Alter nach sortiert. Möchte nicht wissen, wieviel Tonnen Reis hier jede Woche verkocht werden.

     Unser Reiseunternehmen bot jeden Tag ein besonderes Transportmittel an. Wir waren an den kommenden Tagen schon immer sehr gespannt, was es denn heute sein würde. Und heute war es der Ochsenkarren. Als ich über Krugi und mir noch einen Schirm zum Schutz vor der Sonne aufspannte, war das gar nicht mal so unangenehm, wie es aussah.

    Der Nachmittag plätscherte dahin mit einer Vorführung der lokalen, traditionellen Kleidung. Ich musste als Anziehpuppe herhalten. Was soll man machen. Wenn auch nur ein Pärchen der Gäste nicht da ist, sind wir nur noch zu zwölft in den Zuschauerrängen. Ich muss aber gestehen, dass diese rockähnliche Hose durchaus meinen Geschmack gefunden hat. Sowas pludriges um die Beine ist bei den Temperaturen nicht schlecht. Weiter ging es mit dem Besuch eines Dorfes, welches zu den ärmeren in Kambodscha gehört. Da unser Schiff relativ klein war, konnte es auch in Kanäle und an Ankerplätze gelangen, die sonst nicht angefahren wurden. Die Reiseagentur unterstützt dieses Dorf mit dem Bau einer Schule, eines Sportplatzes und Schulmaterial. Das macht es dann nicht so ganz merkwürdig, als Westler mit einem Kopfhörer im Ohr für die Erläuterungen über die staubige Dorfstraße zu schleichen. Allerdings wurden meiner Zweifel noch einmal genährt, als der Abendprogrammpunkt nahte. Es sollte Cocktails und Lagefeuer für uns im Dorf geben. Hm – musste das sein, sich interessiert Dinge ansehen ist das eine, dann dabei noch einen Cocktail in der Hand halten etwas anderes. Und wozu braucht es ein Feuer bei 29 Grad Nachttemperatur? Als wir an Land gingen, begrüßten uns aufgeregt die Kinder des Dorfes, die uns schon am Nachmittag neugierig begleitet hatten. Auf dem Weg hatte irgendwann jeder der Gäste mindestens ein Kind an der Hand. Nur ich nicht. Na ja, hatte ich mehr Gelegenheit zu fotografieren mit meinen freien Händen. Gegen Ende unserer Strecke schloss sich plötzlich eine schmale Hand um zwei meiner Finger. Ein kleiner Junge sah mich freudig an. Und er ließ meine beiden Finger auch nicht los, als alle anderen Kinder bereits ihre Gäste „im Stich gelassen“ hatten, um zu unserem Guide zu stürmen, der Süßigkeiten verteilte. „Meiner“ nahm mich einfach mit, ergatterte seine Anteil und zog mich dann an der Spitze der weitergehenden Gruppe, neben den Guide, dem er Anweisungen gab, wer seine Freunde sind und wer auch noch was abbekommen soll. Bei anderen Kindern lief er kurz hin, teilte seine Beute mit ihnen, kam wieder zu mir und meinen beiden Fingern und weiter gingˋs. Wie so oft, Geduld! Der Richtige wird schon an deine Seite kommen.

    Der Abend wurde nicht so merkwürdig, wie ich befürchtet hatte. Die Dorfbewohner freuten sich sichtlich, dass wir da waren. Die Kinder feierten es regelrecht. Für sie war es wir ein Jahrmarkt, der für einen halben Tag Station machte. Es wurde getrunken und wild getanzt. Und zur lokalen Popmusik ging richtig die Post ab. Was Kinder schon für Moves drauf haben. Und das Feuer? Nun, die Luft wurde nicht noch wärmer dadurch, wie auch? Aber es trug zum Ambiente bei!
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