Es tut einiges weh
March 11 in Cambodia ⋅ ☁️ 33 °C
Das heutige Transportmittel der Wahl war das Cyclo, eine Art Fahrradrikscha. Damit machten wir die aktuelle Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh, unsicher. Oder sie uns, weiß man nicht genau. Großstadt, nach all der Ruhe. Aber auch wieder ein wenig Aufregung. Dem Königspalast statteten wir einen Besuch ab. Wobei man die Gebäude nicht betreten durfte. Die Touristen wussten sich nicht immer zu benehmen, daher diese Regel. Wen wundertˋs. Die davon nochmals abgetrennten privaten Häuser der Königsfamilie schienen von der Größe recht überschaubar. Aber die Familie lebt hier auch von den Steuergeldern und repräsentiert das Land nur und regiert es nicht. Der Nachmittag wurde einem sehr dunklen Kapitel der Landesgeschichte gewidmet. Die Rote Khmer, die kommunistische Partei Kambodschas, die unter Pol Pot von 1975 bis 1979 an die Macht kam. Offiziell als Khmers Rouges bezeichnet, da in den 60igern, zu Zeit der Gründung, die Eliten französisch sprachen. Allein das ist schon ein Widerspruch in sich, da es genau diese Eliten, die Gebildeten oder auch nur scheinbar Gebildeten, waren, die nun verfolgt und getötet wurden. Bereits das Tragen einer Brille konnte die Verschleppung in ein Todeslager zur Folge haben. Die Besichtigung eines solchen Killing Fields (Choeung Ek) ließen in mir Erinnerungen an meinen Besuch in Buchenwald aufkommen. Die Khmers Rouges hatten in der kurzen Zeit von nur 4 Jahren die eigene Bevölkerung um rund 2 Millionen Menschen gewaltsam reduziert. Das heißt gut 35% der Menschen Kambodschas starben in dieser Zeit durch sie. Der erste Prozess zur Aufarbeitung wurde erst 2007 initiiert. Drei der nur vier Hauptangeklagten sind bereits eines natürlichen Todes gestorben. Es gäbe noch viel über diese dunkle Zeit und deren Auswirkungen auf das Land zu erzählen. Die Geschichte ist, wie bereits der Name Khmers Rouges, durchzogen von vielen Widersprüchen - in Kambodscha selbst, aber auch in Bezug auf die Reaktionen der Welt darauf. Nach meiner Ansicht.
Schwierig, von dort wieder auf das Schiff zu gelangen, gedanklich, meine ich. Den Abend verbrachten wir in Phnom Penh. Wir ankerten über Nacht und hatten Ausgang, also wer wollte. Wir wollten. Der Nachtmarkt bot reichlich an Essbarem. An den Ständen suchte man sich zusammen, was man wollte, um es sich damit auf einer der Matten in der Mitte bequem zu machen. Wir gingen wieder an Bord, es sollte heute Livemusic geben. Außer uns waren noch die beiden Freundinnen aus den USA von Bord gegangen, um irgendeine Sky-Bar zu besuchen. Wir hatten unsere Kabine zwischen den beiden und bekamen so ein wenig von ihnen mit. Julianne, aus Georgia, forderte mich doch ein wenig heraus. Sie hatte einen so komplett anderen Lebensstil und eine, für mich teils sehr schwer nachzuvollziehende Sicht auf die Welt, das es mich reizte. Welche Knöpfe wurden da ständig gedrückt bei mir? Sollte sie doch mit ihren 5 Koffern (für eine 14tägige Reise, aber die Noise-Machine und der Zimmerventilator mit AC mussten ja irgendwo verstaut werden) und ihrer besten Freundin im Schlepptau die Welt bereisen. Sie tat mir ja nicht weh. Naja, bis heute Abend. Die Party an Bord war im Gange. Wir waren wenig, aber wir waren gut drauf. Das Tanzen vom Abend zuvor im Dorf wurde hier fortgesetzt. So merkten wir auch nicht, dass das Schiff ablegte. Wir waren schon gut 30 m vom Ufer entfernt, als ich die Bewegung des Schiffes wahrnahm und sah, wie die beiden Mädels die Gangway entlang gerannt kamen und mit den Armen wedelten. Kurz durchzuckte mich der Gedanke, einfach weiter zu tanzen. Aber ich machte darauf aufmerksam. Die Crew, auf Zack, wie sie nun mal war, hatte das aber schon längst gescheckt. Die Mädels waren nicht mehr allein am Ufer, man kümmerte sich. Aber dennoch bewegten wir uns immer weiter von diesem weg. Warum? Ah, wir mussten den Ankerplatz für unser Schwesterschiff frei machen. Dann legten wir uns flussseitig und längs daran und die Beiden konnten über das andere Schiff wieder auf unseres. Was für ein Hallo und die Erzählung von Julianne klang wie ein Abenteuer auf höchstem Schwierigkeitsgrad. Der Nabel dieser Welt war endlich wieder da. Huch, wollte mich doch nicht triggern lassen. An Deck des Nachbarschiffes waren 4 Leute, die Sehnsuchtsvoll zu unserer Party schauten. Seid ihr nur zu viert auf dem Schiff? Nein, es sind 54 Passagiere an Bord. Ja, und wo sind die alle? In den Kajüten, schlafen. Hä, was stimmt da nicht? Sie feierten einfach mit, die anderen 50 mussten unser Partyschiff ertragen. In Asien ist ja, selten zu meiner Freude, Karaoke sehr, sehr verbreitet. So bot die Band auch an, doch einfach das Mikro zu nehmen und zu singen. Das machte auch eine andere junge Dame aus den USA und sang, tatsächlich auf hohem Niveau. Nachdem sie mehr oder weniger die gesamten Hits der Musical-Welt geträllert hatte, entschied Julianne, dass es nun ihr tourn war. Gedacht, getan, und ab da tat sie mir weh. Nämlich in meinen Ohren. Es war grauenhaft. Es interessierte sie jedoch nicht die Bohne, was andere dachten. Am Ende hüpften alle, die beiden Mädels, und die Musical-Queen, um das Mikro und schrien irgendwas hinein. Ich beugte mich zu Elonor, die neben mir saß und sagte „Ich bewundere und beneide sie um ihr Selbstvertrauen.“ Sie antwortete trocken: „Thor, das nützt alles nichts, wenn es nicht von Selbstbeherrschung begleitet wird.“ Die Briten, verbal sind sie immer noch eine Weltmacht. Ach ja, Thor werde ich seit fast 4 Monaten genannt. Bis zur Mitte meines Namens sind die meisten noch in der Lage die Buchstaben korrekt auszusprechen, aber die Kombination aus s und t und dann auch noch ein e, dass geht einfach nicht. Ich kann damit leben, also mit Thor.Read more























